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Was will Google?

Das fragt man sich, wenn man sieht, wie Google fast im Wochentakt neue Anwendungen präsentiert, zuletzt ein Smartphone auf Android-Basis. Android ist ein linuxbasiertes Betriebssystem, an dessen Entwicklung Google beteiligt ist. Google arbeitet an einem webbasierten Betriebssystem namens Chrome OS, möchte die Kommunikation mit „Wave“ revolutionieren, bietet ein Online-Office-Paket und vieles mehr.
Viele der Anwendungen laufen eher mäßig erfolgreich: von der hauseigenen Community „Orkut“ hört man selten, der Chrome-Browser schlägt sich mit Opera und Safari um den dritten Platz auf dem Browsermarkt, um die Wikipedia-Alternative Knol ist es nach wie vor still.
Zudem fällt auf, dass Google viele Projekte nicht selbst entwickelt, sondern aufgekauft hat: die Bildbearbeitung Picasa, das Videoportal YouTube, die Weblog-Plattform blogger.com, die Webanalyse-Software Analytics.
Die Antwort auf die Frage, was Google will, besteht aus drei Teilen:
– Google sammelt Informationen für seine Werbekunden und für spätere Anwendungen, von denen es selbst noch nicht weiß
– Google möchte das Web beherrschen
– Google möchte das Wissen und den Umgang mit Informationen kontrollieren
Um mit dem Ende anzufangen: Google stellt effiziente Instrumente für den Umgang mit Fotos, Videos, Texten, Tabellen usw. zur Verfügung. Google scannt einen beträchtlichen Teil der globalen Buchbestände ein und macht sie online durchsuchbar. Wer möchte, kann seinen gesamten Informationsbestand über Google-Tools verwalten: RSS-Feeds, E-Mails, Dokumente, Wikis, Fotos, Landkarten, Blogbeiträge, 3-D-Animationen, Webstatistiken, langsam wird es gruselig. Google lädt uns mit einem großzügigen Speicheranebot – allein für E-Mails mehrere Gigabytes – unsere Daten online zu verwalten und zu archivieren. Bei heutigen Bandbreiten ist das noch nicht attraktiv, kann aber in wenigen Jahren durchaus realistisch werden. Vor allem, wenn die Vernetzung zwischen online und offline weiter voranschreitet, woran Google mit seinen Browser- und Betriebssystem-Projekten kräftig mitarbeitet.
Da das Web allmählich den Heimcomputer verläßt und in andere Geräte wie das Smartphone abwandert, ist es auch folgerichtig, diesen Markt in Angriff zu nehmen. Warum? Weil dieser Markt nicht so stark von Microsoft kontrolliert wird wie der PC-Markt, die Karten werden hier neu gemischt. Die Programmierung eines eigenen Browser sowie die finanzielle Unterstützung der Mozilla-Programmierer ist da keine große Investition.
Über die gewaltigen Datenmengen, die Google sammelt, ist relativ wenig bekannt. Man ist sich aber recht sicher, dass bei Google kaum etwas verloren geht. Mit der Suchmaschine, Analytics, YouTube und anderen Quellen besteht ein beträchtlicher Schatz an Daten. Dass man – vermutlich – bisher nichts damit anfangen kann, heißt nicht, dass das lange so bleiben muss. Immerhin kann Google die Daten nutzen, um Statistiken für den Werbemarkt im Web – den es beherrscht – zu basteln, das ist für die Werbekunden durchaus interessant. Was Google in Zukunft mit seinen Daten anfangen wird, ist noch nicht absehbar. Netzpolitik weist auf ein Interview mit dem amerikanischen Soziologen Richard Sennett bei Spiegel Online hin, wo er genau dieses Problem anspricht:

Sennett: Vielleicht eignet sich ein Vergleich mit der Stasi. Die Stasi war eine Organisation wie Google. Sie hat Unmengen Material über die DDR-Bürger gesammelt. Sie hat nicht gewusst, ob sie all das Material verwenden würde, aber das Sammeln wurde zum Ziel, bloß damit der Staat die Daten hatte. Das ist der Geist. Nicht nur bei Google, auch bei anderen Technologien. Man sammelt Informationen, weil vielleicht irgendjemand, irgendwie sie nutzen will. Deshalb gibt es diesen Datenüberfluss. Und die Idee dahinter ist immer Macht durch detailliertes Wissen über die Menschen.

Eine Anwendung, die bisher nur unangemeldeten Benutzern zur Verfügung stand, verrät unfreiwillig, was Google alles speichert: die zu einem Cookie bzw. einer IP-Adresse zugehörigen Suchaufträge lassen sich im „Webprotokoll“ nachschlagen. Sicher eine nützliche Einrichtung. Wer aber nicht weiß, was ein Cookie ist und die Standardeinstellungen seines Browsers nicht geändert hat, von dem kann Google theoretisch ein umfassendes Suchprofil erstellen. „Sag mir, was du suchst und ich sage dir, wer du bist“. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, was eine Kombination aus Suchbegriffen und aufgerufenen Seiten über die jeweilige Person verrät – so ziemlich alles.

Googles prekäre Macht

Google ist heute zum Synonym für Suchmaschinen, aber auch für Allmachts- und Datensammel-Alpträume geworden. Diese Furcht ist sicher nicht ganz unberechtigt, dennoch wird übersehen, wie brüchig Googles Macht ist.

Googles Hauptgeschäft basiert immer noch auf den AdWords und AdSense-Kampagnen. Bei jeder Suche über Google werden passende Angebote eingeblendet. Dabei werden einzelne „Suchbegriffe“ versteigert. Der User klickt auf diese Suchbegriffe und Google bekommt je nach Wert des Begriffes einige Cent oder Dollar vom Anbieter.Zudem haben viele private und kommerzielle Websites Google-Anzeigen eingeblendet.

Google hat noch eine ganze Reihe weiterer attraktiver Angebote wie dem Trackingdienst, der Webmasterzentrale, Picasa, Orkut, blogger.com und vieles mehr. Alle diese Dienste sind bisher kostenlos. Google sammelt fleißig Daten und hofft sicher nicht zu Unrecht, diese irgendwann in einer Form kapitalisieren zu können.

Die Basis ist und bleibt die Suchmaschine. Google bietet den bisher besten Suchdienst an, aber er ist dennoch nicht immer zielführend. Es ist durchaus möglich, dass einer Konkurrent einen besseren Suchdienst anbieten wird: Cuil, Yahoo, Live Search oder Ask bzw. ein völlig neuer Anbieter könnten die Suchmaschine der Zukunft anbieten. Metasuchmaschinen wie Metager oder Spezialsuchmaschinen könnten Google schnell den Rang ablaufen. Denn das Web wird immer größer, doch großartige Fortschritte bei Googles Suchalgorythmus sind bisher nicht sichtbar.

Google ist daher gezwungen, entweder seine anderen Angebote gewinnbringend zu machen oder für immer und ewig die beste Suchmaschine zu bleiben. Nun muss man sehen, dass fast alle Google-Dienste noch eine Alternative haben, zumal Googles Ruf wegen der Datensammlung doch arg gelitten hat. Der Trackingservice von Piwik, die Webmasterdienste von Live oder Yahoo, diverse Videoportale, Blog-Dienste und viele mehr werden in dem Maße attraktiver, in dem Google seinen guten Ruf einbüßt.

Wer also Googles Macht verachtet, sollte Google schwächen, indem er dessen Dienste nur noch dann nutzt, wenn es keine Alternative dazu gibt. Wie etwa bei der Buchsuche, für die noch niemand eine Alternative anbietet.

Die Macht der Rechtschreib-Kontrolle

Die Orthographie stellt den ambitionierten Schreiber oft vor große Herausforderungen. Schon seit einiger Zeit wird in bestimmten Schultypen,vielleicht auch schulübergreifend kaum noch Wert darauf gelegt, die reichlich trockenen Regeln der Syntax auswendig zu lernen.

Dadurch gelangt die Rechtschreibfunktion von Textverarbeitungsprogrammen zu ungeahnten Ehren. Im Zweifelsfalle vertraut eher den Schreibvorschlägen des Computers als dem eigenen Sprachgefühl. Der Fairneß halber muss man aber sagen, dass sie im Sinne des Dudens meistens auch recht hat. Es gibt zwar für Privatpersonen keine verbindlichen Regeln, dennoch akzeptiert man die Vorschläge.

Interessant ist dabei, dass sich etwa die Rechtschreibkontrolle von Word von der Version  97 bis 2003 kaum weiter entwickelt hat. 2007 kenne ich noch nicht. Seit mehr als zehn Jahren zickt sie herum: Obwohl man sich zum Beispiel viel Mühe macht, die eigenen typischen Tippfehler über die Autkorrektur automatisch zu korrigieren, muss man, wenn man ein altes Dokument öffnet, die gleichen alten Fehler mühsam neu korrigieren. Dabei wäre es kein Problem, eine Art dateiübergreifende Autokorrektur umzusetzen. Das würde dem Nutzer auch erlauben, veränderte Schreibkonventionen auf einen Klick in allen seinen Dokumenten umzusetzen. Wirklich ärgerlich ist, dass es keine dateitypen-übergreifende Rechtschreibkorrektur gibt. So muss man jedem Office-Paket oder HTML-Editor mühsam die Macken der eigenen Orthographie beibringen.

Zumindest kann man ihr zugute halten, dass sie durch kuriose Wortneuschöpfungen die trockene Schreibarbeit mit unerwartetet Heiterkeit erfüllen kann.