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SEO leicht gemacht – Suchmaschinenoptimierung für alle I

Die Kunst der Suchmaschinenoptimierung erfordert Phantasie, Geduld, Gründlichkeit und viel viel Gefrickel. Wir fangen mit dem an, was man nicht tun sollte.

Zunächst zwei Warnungen:

– Man sollte nicht versuchen, eine Suchmaschine zu manipulieren. Das kommt früher oder später raus und kann schlimmstenfalls zum temporären oder kompletten Verschwinden aus dem Index führen. Google bietet extra einen Petzlink an. Wer dort einmal drin war, kann seine Domain direkt löschen lassen, sie ist verbrannt.

2. Man sollte nicht für eine bestimmte Suchmaschine optimieren. G ist zwar Marktfüher, meiner Ansicht nach werden sich aber früher oder später Spezialsuchmaschinen durchsetzen. Übrigens hat google vor allem in den Deutschland einen wahnsinnigen Marktanteil. In den USA sind Yahoo und Live sehr stark.

Für Suchmaschinenbots gibt es zwei Ebenen: Die Inhaltsebene und die Strukturebene.

Auf der Inhaltsebene ist es wichtig zu wissen, dass Suchmaschinen derzeit keine graphischen Elemente durchsuchen können, also keine Fotos, Flash-Elemente oder gar Audio/Video oder JavaScript.

Auf der Strukturebene – also dem HTML-Code – ist ebenfalls Text entscheidend. Hier muss der Text an der richtigen Stelle stehen, es gibt spezielle Attribute und Tags, die hier ausgewertet werden.

Die Überschriften <h1> – <h6>

Die Hervorhebungen <i> italic = kursiv, <b> – bold = fett, <u> – underline = unterstrichen (Achtung, hier besteht Verwechselungsgefahr mit Links), <blockquote> – Zitat, <ul> für Listen, <big>, <strong>, <p> für Absätze.

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Die Frage hängt von Ihrer Antwort ab

Am Beispiel des Bradleyeffekts haben wir gesehen, warum Umfragen selten richtig funktionieren: von der Seite der Befragten betrachtet.

Doch Umfragen funktionieren auch deshalb nicht, weil die Methodik nicht sauber ist. Die Methoden der empirischen Sozialforschung sind ein weites und komplexes Feld.

Doch obwohl die Befrager eigentlich Experten sein sollten, bauen sie jede Menge Unsinn. Zudem sind sie kaum in der Lage, ihre Ergebnisse verständlich zu präsentieren, so dass sie häufig falsch zitiert werden.

Und manchmal ist die Manipulation die eigentliche Absicht hinter einer Befragung.

In einem Fall befragte ein Institut im Auftrag eines Gegners der Todesstrafe seine Probanden, ob sie dafür oder dagegen wären. In einem anderen Fall stellten sie die gleiche Frage – im Auftrag eines Befürworters der Todesstrafe. Im ersten Fall war eine Mehrheit dagegen, im anderen eine Mehrheit dafür.

Die Fragestellung war schlicht suggestiv – die Antwort sollte beeinflusst werden. Im einen Fall zeigt man ein Opfer der Justiz, das unschuldig verurteilt wurde, im Anderen schwere Kapitalverbrechen, die nicht “hart genug” bestraft wurden.

Es gibt dazu noch viele weitere Möglichkeiten, Fehler zu machen oder suggestiv zu arbeiten: Selektive Auswahl von Befragten, mißverständlich formulierte Fragen, schlechtes Fragebogendesign usw. Ausführlich gehe ich hier und hier darauf ein.

Einmal lügen Sie immer – warum Befragungen nie richtig funktionieren

Umfragen sind sehr beliebt, um ein Meinungsbild zu erhalten. Doch es gibt viele Gründe, warum Befragte nicht das sagen, was sie wirklich denken, auch dann, wenn Befragungen anonym sind:

  1. Der Fragensteller oder Fragenbogen-Verteiler ist ein älterer Mensch, eine Frau, ein Ausländer, ein Muslim oder gehört irgendwie nicht zum Durchschnitt. Wenn es um Senioren, Frauen, Ausländer usw. in den Befragungen geht, wird der Befragte oft Hemmungen haben, zu sagen was er denkt. Oft wird er liberalere Positionen vertreten, als er wirklich hat.
  2. Der Befragte lügt absichtlich. Weil er gerade keine Lust hat, einen Fragebogen auszufüllen. Weil er Spaß daran hat, Umfragen zu manipulieren. Weil… Bei Multiple-Choice-Fragen neigen einige Leute dazu, die Fragen nach kleinen Mustern auszufüllen, ohne die eigentliche Frage zu lesen. Wer den zehnten fünfseitigen Fragebogen vor sich liegen hat, verliert schlicht irgendwann das Interesse.
  3. Der Befragte glaubt – sehr oft – liberaler zu sein oder – seltener – konservativer zu sein, als er ist.
  4. Der Befragte antwortet so, wie er glaubt, dass es von ihm erwartet wird.

So erklärt sich der Bradley-Effekt. Der Afroamerikaner und Bürgermeister von Los Angeles Tom Bradley wollte 1982 Gouverneur Kaliforniens werden und lag in den Umfragen deutlich vorne. Die Wahlen gewann sein Mitbewerber. Legendär ist die Präsidentschaftswahl Thomas Dewey versus Harry S. Truman. Dewey gewann die Wahl – nicht, wie eine Zeitung voreilig verkündete. Zuvor galt Dewey als Favorit.
Um die Sache endgültig ad absurdum zu führen; es kann auch sein, dass jemand sagt, er würde nie einen Schwarzen wählen, es am Ende aber doch tut. Er sagt das, was man von ihm erwartet, weil er ein Konservativer ist. Von dem erwartet wird, dass er einen Weißen wählt. Man kann das den umgekehrten Bradley-Effekt nennen.
Die Ursachen sind vielfältig: Ausschlaggebend dürfte aber sein, dass ein “Liberaler” nicht zugeben will – nicht einmal vor sich selbst – dass er keinen Schwarzen wählen mag oder die Demokraten ablehnt. Ein Konservativer hingegen mag – wegen seiner Peer-Group, seinem sozialen Netzwerk – nicht zugeben, dass er pragmatisch wählt oder bereit ist, einen Liberalen oder Schwarzen zu wählen.
Das Gleiche könnte man in Deutschland beobachten: Wer in einem eher christlich geprägten Dorf aufwächst, wird wahrscheinlich nicht zugeben, dass er die Gründen wählt. Wer andererseits zur Öko-Schickeria gehört, wird vor seinen Freunden verschweigen, dass er heimlich die Steuersenker von der FDP wählt.
Es gibt in der empirischen Sozialforschung eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, wie sich Umfragen manipulieren lassen. Die Fragen selbst lassen sich suggestiv stellen, die Statistik lässt sich manipulieren, die Zielgruppe kann gezielt auf die erwünschten Ergebnisse hin ausgewählt werden. Auch wenn die Sozialforschung versucht, solche Manipulationen auszuräumen, ist das nur eingeschränkt möglich.
Wenn einem Unternehmen die Ergebnisse einer Umfrage nicht passen, kann es diese einfach noch einmal durchführen. Wir ändern die Zielgruppe, “modifizieren” die Fragestellung und schwupp – haben wir die erwünschten Ergebnisse. Es ist keine Manipulation im wörtlichen Sinne, aber es ist auch nicht die ganze Wahrheit.
Die klassische Marktforschung arbeitet ebenfalls mit den empirischen Methoden der Sozialforschung. Einer der Schwerpunkte sind Fokusgruppen, das heißt, eine ausgewählte Gruppe von Menschen wird eingeladen, um den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung zu testen. Malcolm Gladwell zeigt in seinem Buch “Tipping Point”, dass diese Befragungen oft nicht richtig funktionieren. Ein berühmtes Beispiel ist der Geschmackstest von Coca Cola vs. Pepsi. Angeblich schmeckt Pepsi Cola im Blindtest besser als Coca Cola. Das galt aber nur für den ersten Schluck, tränke man die ganze Dose bzw. Flasche, würde Coca Cola in Geschmackstests besser abschneiden. Ob das stimmt, lassen wir dahin gestellt sein. Coca Cola fühlte sich aber genötigt, die New Coke auf den Markt zu werfen, einer der spektakulärsten Flops in der Geschichte der Konsumgüter überhaupt.
Die Menschen sind vor allem bei neuen Produkten oder Entwicklungen eher kritisch. So würden viele Filme oder Fernsehserien durchfallen, weil das Konzept zu ungewöhnlich oder seiner Zeit voraus ist. Tablets sind überflüssig, haben selbst die Gadget-Freaks gesagt und sich anschließend in die Schlange gestellt, um das erste iPad zu bekommen.
Im Konstruktivismus sagt man, die Welt sei ein Ergebnis der Wahrnehmung. In der Praxis heißt das, ein Beobachter, der wahrgenommen wird, verändert automatisch die Situation. Die meisten Wildtiere z.B. wittern das Fernsehteam, auch wenn es mit Fernobjektiven arbeitet.
Es gibt das Weiße-Kittel-Syndrom. Es besagt, dass ein mensch automatisch nvervös wird, wenn ihm ein Arzt entgegentritt, der ihn untersuchen soll. Der Puls geht hoch, Schweiß bildet sich und das verfälscht natürlich die Ergebnisse. Ergo ist jede Studie, die in einer Laborsituation stattfindet nicht so aussagekräftig, wie es die Presseabteilungen der Unternehmen oder Institute vollmundig verkündigen.
Last not least ist auch folgende Überlegung interessant: Tiere, die eingesperrt werden erleiden ähnliche Symptome wie menschen, die eingesperrt werden. Wer den Affen dabei zugesehen hat, wie sie pausenlos im Kreis rennen zweifelt an den Märchen von der artgerechten Tierhaltung in Zoos. Wie ist also ein Experiment zu bewerten, in dem ein in einem Labor eingesperrtes Tier bis zur Erschöpfung einen Hebel drückt, um sich eine Dröhnung zu verpassen?

Weiterlesen

  • Malcolm Gladwell.Der Tipping Point.Goldmann-Verlag
  • Walter Krämer. So lügt man mit Statistik. Piper 2009
  • Theorie der Schweigespirale

Die neue Bilderkunde II – oder wie ich lernte, die Manipulation zu lieben

Das wort manipulation bedeutet im Englischen schlicht verändern und hat nicht den Beigeschmack von Verfälschung wie im Deutschen. Das bekannte Open-Source-Programm GIMP etwa hat also nicht die primäre Aufgabe, Bilder zu fälschen, sondern sie zu verändern, ebenso Datenmanipulation etwa in Datenbanken lediglich deren Veränderng bedeutet.
Im Gegensatz zu Photoshop sind GIMP und viele andere Tools kostenlos zu haben. Und in jedem Magazin wird erklärt, wie man diese Tools verwendet. Das Computermagazin c´2 erklärte in seiner jetzigen Ausgabe, wie stark Manipulation bereits verbreitet ist und wie Experten dahinter kommen, ob ein bild manipuliert ist oder nicht. Kurioserweise erklärt c´t in seiner nächsten Ausgabe offenbar, wie man selbst Manipulationen vornehmen kann.
Die Technik machts möglich: Pickel oder Speckröllchen werden wegretuschiert, ein kleines Strahlen kommt in die Augen, Fältchen werden entfernt, die Haut verdunkelt die Zähne weißer und dann noch Weichzeichner über die Gesichtshaut, schon sind Poren, Krähenfüße und ähnliche Unschönheiten entfernt.
Was bei Illustrierten Gang und Gäbe ist, macht auch bei anspruchsvolleren Magazinen nicht halt. Die Hochglanzaufnahmen in Wissenschaftsmagazinen sind im realen Leben kaum zu machen, jeder, der ein wenig fotografiert weiß, wie schwierig es ist, einzelne Objekte so gut aufzunehmen. Die Farben werden verstärkt, der Kontrast wird erhöht, Objekte werden – sehr schwierig – von einem Bild in ein anderes transplantiert.
Daß Ganze hat im Privaten noch nicht dieses Niveau erreicht, weil es doch relativ zeitaufwändig ist, soll die Fälschung nicht sofort auffalen: Falsche Schatten, unscharfe Kanten, falsche Beleuchtung usw. sind deutliche Indizien, die einem guten Beobachter selten entgehen.
Zudem ist etwa das Freistellen von Objekten – will man exakt abeiten – sehr zeitaufwändig.

Die Lehre der Bilder

Ein Bild kann alles sagen und zugleich dessen Gegenteil Eine etwas merkwürdige Geschichte trug sich vor einigen Jahren nach dem Libanonkrieg zu. Ein Bild ging um die Welt, junge Leute, offensichtlich wohlsituiert, sitzen leger in einem Sportwagen, während hinter ihnen ein Trümmerfeld zu sehen ist, welches einmal ein Haus gewesen sein mag. Empörung machte sich breit, bis jemand die Leute aufstöberte, die auf dem Foto zu sehen waren. Es waren Einwohner Beiruts, die gekommen waren, um Hilfe beim Wiederaufbau zu leisten, glaubt man diesem TP-Artikel.
Ob das wiederum stimmt, werden wir nie erfahren, denn das Bild sagt uns relativ wenig darüber, was diese Leute vorher oder nachher getan haben, was sie gerade denken und warum sie in die Kamera schauen. Wie man im dem Artikel zugehörigen Forum lesen kann, hält jeder Kommentator seine persönliche Interpretation bei.
Der Artikel zeigt allerdings – unabhängig davon, was denn nun richtig ist – wie manipulativ die Message von Bildern sein kann.

Realität – weichgezeichnet

Im Grunde ist es verblüffend, wie bedenkenlos heute die Foto-Software eingesetzt wird. Schminke, Ausleuchtung oder Talent des Fotografen spielen heute so gut wie keine Rolle mehr. Stattdessen jagt man das Foto durch eine Fotosoftware, unscarf maskiert die Poren, bügelt die Falten weg, weißt die Zähne, mach die Nase schmaler, die Augen blauer, zeichnet ein leuchten in die Augen, dunkelt den Töne ein bißchen ab, hellt die Haare ein wenig auf, mach die Brüste oder den Bizeps größer – und zeihnt das Lächeln breiter. Alles Standardeinstellungen bei semiprofessioneller Fotosoftware.

Abgesehen davon, dass die Damen so irgendwann alle recht gleich aussehen, schlimmer ist noch, dass viele Frauen und Männer viel Geld für Schnick-Schnack ausgeben, um genau so auszusehen. Was aber gar nicht möglich ist, niemand sieht so aus.

Im Grunde bräuchten wir einen Realitätsfilter, eine Brille, die wir aufsetzen könnten, wenn wir in der U-Bahn sitzen, damit die Leute genau so aussehen, wie wir sie gerne sehen wollen.

Möglichwerise wäre das gar nicht so schlecht, wie viel Verachtung einem unattraktiven Menschen entgegen schlägt, kann ein Normalo kaum erahnen.