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Lernen im Netz

In der taz erschienen eine Reihe von Artikeln zum Lernen im Web 2.0. Das Netz hält hier eine ganze Reihe von Möglichkeiten bereit. Die Euphorie erscheint allerdings übertrieben: Einerseits sind die Möglichkeiten, Informationen zu erhalten, enorm gestiegen. Andererseits steigen dadurch aber auch die Anforderungen an die Fähigkeit, die Qualität von Quellen zu beurteilen. Wenn gestandene Studenten aus der Wikipedia zitieren, dann scheint es hier gerade an den klasischen Methodenkenntnissen zu mangeln.

Entscheidend ist also nicht, wo man lernt, sondern wie. Die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen, die Urteilskraft zu stärken, die Qualität von Quellen zu beurteilen, verschiedene Standpunkte abzuwägen und Wissen an Dritte weiterzugeben verändert sich nciht dadurch, dass das Web viele Informations- und Verbreitungskanäle anbietet.

Die Frage hängt von Ihrer Antwort ab

Am Beispiel des Bradleyeffekts haben wir gesehen, warum Umfragen selten richtig funktionieren: von der Seite der Befragten betrachtet.

Doch Umfragen funktionieren auch deshalb nicht, weil die Methodik nicht sauber ist. Die Methoden der empirischen Sozialforschung sind ein weites und komplexes Feld.

Doch obwohl die Befrager eigentlich Experten sein sollten, bauen sie jede Menge Unsinn. Zudem sind sie kaum in der Lage, ihre Ergebnisse verständlich zu präsentieren, so dass sie häufig falsch zitiert werden.

Und manchmal ist die Manipulation die eigentliche Absicht hinter einer Befragung.

In einem Fall befragte ein Institut im Auftrag eines Gegners der Todesstrafe seine Probanden, ob sie dafür oder dagegen wären. In einem anderen Fall stellten sie die gleiche Frage – im Auftrag eines Befürworters der Todesstrafe. Im ersten Fall war eine Mehrheit dagegen, im anderen eine Mehrheit dafür.

Die Fragestellung war schlicht suggestiv – die Antwort sollte beeinflusst werden. Im einen Fall zeigt man ein Opfer der Justiz, das unschuldig verurteilt wurde, im Anderen schwere Kapitalverbrechen, die nicht “hart genug” bestraft wurden.

Es gibt dazu noch viele weitere Möglichkeiten, Fehler zu machen oder suggestiv zu arbeiten: Selektive Auswahl von Befragten, mißverständlich formulierte Fragen, schlechtes Fragebogendesign usw. Ausführlich gehe ich hier und hier darauf ein.

Sehen, was du siehst

Sehen hat weniger mit einem physischen Prozess zu tun und viel mit dem Geist. Man sieht das, worauf man seine Aufmerksamkeit fokussiert und manchmal wenn man mit den Gedanken abschweift oder sich auf etwas konzentriert, sieht man die kuriosesten Sachen nicht, die sich unmittelbar im  Gesichtsfeld abspielen können.

Viele Sehende sehen deshalb offenbar nichts, weil sie nie gezwungen sind, sich auf den Weg zu konzentrieren und stattdessen irgend etwas anderes tun können.

Fass man den Begriff Sehen weiter, so fällt darunter alles, was das Aufmerksamkeitsspektrum reizen kann. So gesehen können, ja müssen Blinde sehen, damit sie zurecht kommen.

Es ist dabei nicht nötig, eine Sache korrekt zu identifiziren. Ich möchte dies an meinem Sehen deutlich machen, ohne dies als exemplarisch becihnen zu woolen. Es gibt nur wenige, die meinen Sehrest haben, aber dennoch etwas erkennen können.

Ist man zehn Jahre durch alle Arten von Städte gerast, hat Straßen überquert, ist in Bahnen ein- und ausgesteigen, ist Menschen, Kleinkindern, Kinderwagen, Gepäckstücken, Markständen, Fahrrädern, Laternenpfählen ausgewichen – kurz – hat man die typischen Erignisse einer Großstadt durchgemacht, gewinnt man genügend Erfahrung, um sich halbwegs orientieren zu können.

Ein großer Schatten, der sich bewegt, ist vermutich ein Mensch oder eine Menschengruppe. Ein kleiner Schatten könnte ein Tier oder auch ein kleines Kind sein. Kinder wichen nie aus, da muss man besonders vorsichtig sein.

Es reicht also aus, Schatten, Bewegungen oder farbige Veränderungen zu sehen, ohne dass man konkret wissen muss, ob es tatsächlich um einen Menschen handelt.

Statische Objekte wie Tische, Autos und Fahrräder  hingegen reflektieren oft Licht. Fahrräder ragen oft wie eine unförmige Masse aus einer Wand heraus.

Ähnlich sieht es bei Pfälen aus, Straßenschilder, Laternpfähle oder Abgrenzungspfähle sehen wie grau-braune Sriche in der Landschaft aus.

Nie viel anders sieht es bei Gebäuden aus, oftmals ist es nicht gar so einfach, sie von einfachen Felsformationen zu unterscheiden.

Diese rudimentäre Wahrnehmung reicht natürlich nicht aus, selbst für mich nicht, um mich zu orientieren. Entscheidend sind die anderen Signale, die dazu kommen: Menshliche Gespräche oder sonstige Geräusche, Schritte, Motorengeräsuche, das Klappern einer Türe, das Dingdong der Kirchenglocke.

Doch kman kann noch weiter gehen: Ich benutze den Sonnenstand zur Orientierung, die Reflexion des Schalls, den mein Stock produziert, das laute Geräusch einer Sraßenbahn oder einer stark befahrenen Straße.

Eine weitere Orintierungsmöglihckeit bietet natürlich der Tastsinn, der Kontakt mit dem Boden. Die bodenbeschaffenheit sagt mir, dass ich eventuell auf einem Radweg bin oder auf einem Stück Rasen gelandet bin, also vom Asphalt abgekommen bin.

Die meisten Leute sind sich dieser Dinge deshalb nicht bewusst, weil sie diese zur Orientierung nicht benötigen. Wer einmal bewusst darauf achtet, wird sie aber wahrnehmen können. Hinter ihnen steckt das ganze Gehemins blinder Orientierung, des blinden Sehens, wie ich es nennen möchte.

Das klingt nun alles zu schön, um wahr zu sein, und es ist, das sei abschließend gesagt, nicht so einfach, wie ich es hier beschrieben habe, es gibt noch genügend andere Schwierigkeiten, die ein Blinder zu überwinden hat, um sicher durch die Großstadt zu kommen.