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OpenOffice für Menschen mit Behinderungenzugänglich machen

OpenOffice ist eine interessante Alternative zu Microsoft Office. Viele Kritikpunkte an OOo haben weder Hand noch Fuß. Es mag sein, dass es einige Funktionen aus MSO in OOo nicht gibt, aber die wenigen Hardcore-Nutzer, die mehr als 5 Prozent der Funktionalität eines durchschnittlichen Office-Pakets verwenden, sollen auch den dreistelligen Betrag für Microsoft Office ausgeben.

Das hier beschriebene gilt analog auch für LibreOffice. Eine gute auf OOo basierende Alternative ist IBM Lotus Symphony. Sie läuft wesentlich flotter als OOo und wird von den Entwicklern von NVDA empfohlen.

Dass Word-Dokumente sich nicht ohne Weiteres öffnen und speichern lassen ist eher Microsoft anzulasten. Dass Microsofts Office-Paket oft genug Probleme hat, ältere Dokumente der eigenen Produktreihe zu öffnen, hat inzwischen auch jeder mitbekommen.

OpenOffice ist in der Standardkonfiguration für Screenreader nicht zugänglich. Die Zugänglichkeitsoptionen müssen aktiviert werden und das erfordert an einigen Stellen Hilfe von Sehenden.

Zunächst einmal muss die Java Access Bridge installiert werden. Außerdem muss eine Java-Laufzeitumgebung installiert sein.

Dann startet man OOo und wählt unter Extras -> Optionen den Bereich Zugänglichkeit. Hier klickt man das erste Feld „Unterstützung behindertengerechter Zugangsprogramme“ an.

Gegebenenfalls muss noch unter Optionen unter Java „Eine Java-Laufzeitumgebung verwenden“ aktiviert werden, was aber in der Standardkonfiguration schon aktiviert sein dürfte.

Ich habe die Zugänglichkeit von OOo für Blinde und Sehbehinderte nur oberflächlich und natürlich mit vollkommen veralteter Software getesttet. Deshalb will ich generell keine Aussagen zur Zugänglichkeit der einzelnen Anwendungen machen. Ich werde es mal intensiver ausprobieren und einen Bericht zur Bedienbarkeit abgeben.
Nach meinen Tests denke ich, dass OpenOffice insbesondere durch die Java-Laufzeitumgebung so stark ausgebremst wird, dass es praktisch unbenutzbar ist. Das gilt für die aktuellen Versionen 3.x. Es hängt weniger mit dem hohen Bedarf an Arbeitsspeicher zusammen. Ohne Java braucht OpenOffice recht lang für den Start, läuft dann aber recht gut. Mit Laufzeitumgebung können einige Aktionen mehrere Minuten dauern, so viel Geduld bringt wohl kein Nutzer wirklich auf. Daher rate ich zur Nutzung des Ablegers IBM Lotus Symphony, dass die Accessibility-Schnittstellen anders implementiert hat und daher nicht von der Java Access Bridge abhängig ist. Auch Symphony ist speicherhungrig, sollte aber auf halbwegs aktuellen Computern gut laufen.

Weiterführendes

Zugängliches PDF mit OpenOffice

Browserauswahl bei Windows kommt ohne Hinweise auf Barrierefreiheit aus

Marco Zehe, ein Blinder, der am Mozilla-Projekt beteiligt ist, macht darauf aufmerksam, dass die Browserauswahl bei Windows Vista und Win 7 Aspekte der Barrierefreiheit nicht berücksichtigt. Für die Nutzer von Screenreadern oder Vergrößerungssoftware sind nur der Firefox und der Internet Explorer verwendbar, da die anderen Browser bisher die assistiven Techniken nicht unterstützen.
Eine gute Gelegenheit, ein wenig Werbung für den Firefox zu machen, der inzwischen mit Screenreadern gut zusammenarbeitet. Zusammen mit der Erweiterung WebVisum ist der Firefox zugänglicher als der Internet Explorer. Andere Erweiterungen wie NoScript und der Flash-Blocker machen das Surfen wesentlich sicherer, da hier teils gefährliche Skripte und Schadcode blockiert werden. Cookies können sehr differenziert verwaltet werden, so dass Firefox ein Gewinn für den persönlichen Datenschutz ist. Last not least erlauben Tools wie TOR oder JAP das anonyme Surfen.