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Das More-More- oder Matthäus-Prinzip

Wer hat, dem wird gegeben, steht schon in der Bibel. Soll heißen, wer einen Schritt auf Gott zugeht, dem kommt Gott zwei Schritte entgegen. Oder realitärer: Das Zinseszins-Prinzip, je mehr Geld man investiert, desto mehr Geld bekommt man am Ende heraus.

Das Zineszinsprinzip erfüllt die Matthäus-Regel allerdings nicht ganz. Denn es handelt sich nicht um ein Proportionsprinzip. Ein proportionales Wachstum bedeutet: Ob ich zehn Euro auf zehn Prozent anlege oder zehn Mio. Euro auf zehn Prozent, am Ende habe ich relativ gesehen gleich viel Gewinn gemacht, nämlich zehn Prozent meines Einsatzes.

Das Matthäusprinzip ist aber potentiert zu verstehen, heisst: je mehr man investiert, desto mehr kriegt man sowohl absolut als auch relativ gesehen.
Unsere Gesellschaft funktioniert nach dieser Regel: Wer in eine reiche Familie hineingeboren wird, hat wesentlich bessere Chancen, sozial noch weiter aufzusteigen als jener, der in eine arme Familie hineingeboren wird. Die Chancen auf den sozialen Aufstieg steigen überproportional mit dem Bildungsgrad.

Der Soziologe Hartmut Rosa spricht auch vom More-More-Prinzip.

Die Charts als selbsterfüllende Prophezeiung

Mittlerweile setzen auch viele Webseiten auf Charts wie „die meistgelesenen Beiträge“. Wie jeder wissen sollte, besteht das Problem darin, dass Charts sich selbst reproduzieren, vor allem im Web.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
– Die beliebtesten Artikel werden prominent beworben, sie sind oft an der gleichen Stelle auf jeder einzelnen Seite zu sehen
– je beliebter ein Artikel bei den Lesern ist, desto eher wird er für lesenswert gehalten
Wir haben also eine Vermischung der selffullfilling Prophecy und des More-More-Prinzips. Das Ganze macht nur beschränkt Sinn, denn das System ist anfällig für Manipulationen. Irgend jemand scheint sich einst einen Spaß daraus gemacht zu haben, das LIed „Walking in my Shoes“ von Depeche Mode jahrelang in den Charts zu halten.

Auch Autoren haben durchaus Anlaß, durch „Klickbetrug“ ihre „Einschaltquoten in die Höhe zu treiben. Ein Autor, dessen Artikel nicht gelesen werden, kann durchaus bestraft werden, indem er keine weiteren Aufträge mehr erhält.

Sinnvoller wäre eine Anzeige verwandter Artikel oder eine die Anzeige von zufällig ausgewählten Artikeln.