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Hypermedia-Learning – ein neuer Ansatz im eLearning

eLearning ist nach wie vor die Domäne von klassischen Bildungsstätten. Es werden viele Ressourcen aufgewendet, um Lernmaterialien zusammenzustellen. Die Kurse sind meistens geschlossen, das Lernen und Kollaborieren findet in geschlossenen Systemen statt. Im folgenden möchte ich einen Ansatz vorschlagen, der das Erstellen von Lernumgebungen demokratisieren und das Lernen erleichtern soll. Screenshot von Drupal
Ich bin selber kein eLearning-Experte, daher weiß ich nicht, ob es schon einen Begriff dafür gibt. Ich nenne es Hypermedia Learning. Es vermischt vor allem zwei Ansätze: das rapid eLearning und die Massive Open Online Courses (MOOC). Das Hypermedia-Learning basiert auf vier Prinzipien:

  • Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen
  • Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt
  • Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert
  • Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Wie ich mir das ungefähr vorstelle, sieht man an diesem Beispiel, das allerdings noch nicht ganz fertig ist.

Prinzip 1: Verknüpfen statt selber machen

Für mich ist immer wieder erschreckend, wie viele Ressourcen darauf verwendet werden, das Rad neu zu erfinden. Jedes System hat zumindest in gewissem Maße seine Existenzberechtigung. Ein Informatiker hat villeicht Spaß daran, den Hunderten von Programmiersprachen noch eine neue hinzuzufügen. Aber warum man 30 verschiedene Lernplattformen basteln muss, von denen jede einzelne ihre Schwächen hat, erschließt sich mir nicht. Weil es beim Hypermedia-eLearning keine großen technischen Anforderungen gibt, lässt sich dafür jede Plattform verwenden, welche die technischen Anforderungen erfüllt. Das kann auch ein kostenloses WordPress-Blog sein oder Drupal.
Das Gleiche gilt für Informationen im Internet. Viele von den Informationen sind schon vorhanden und sie werden hoffentlich auch bleiben. Deshalb gibt es selten einen Grund, einen Text komplett neu zu schreiben, wenn die Informationen einfach nur verlinkt werden müssen. Vielfalt ist nicht per se schlecht, aber Vielfalt ist auch kein Wert an sich.
Im Hypermedia-eLearning stellt der Autor die Basis-Informationen in einem Text zusammen und bindet weitere Informationen über Links ein. Am besten ist es natürlich, die Informationen direkt in die Webseite einzubinden, wie man es mit YouTube-Videos oder Slideshare-Präsentationen machen kann. Mit Text geht das wegen der Urheberrechte nicht, eine Ausnahme wäre Scribd.
Statt alles selber zu schreiben stellt der Autor also die wesentlichen Informationen strukturiert und im Zusammenhang zusammen. Der Nutzer muss im Rahmen des Kurses die verschiedenen Materialien durcharbeiten.
Ich propagiere im übrigen kein Häppchen-Lernen. Es reicht normalerweise nicht, Texte, die man geschrieben hat einfach in eine logische Reihenfolge zu stellen. Vielmehr muss das gesamte Lernangebot einen roten Faden haben. Kein Autor wird also darum herum kommen, seine Inhalte ein wenig zu überarbeiten. Wer dafür weder Zeit noch Muße hat, fährt mit einem MOOC besser, wo lediglich zu bearbeitende Inhalte verlinkt und dazu passende Fragen zusammengestellt werden.

Prinzip 2: Selbstständig statt angeführt

Im klassischen eLearning werden vom Kursleiter Aufgaben vorgegeben, die der Schüler in einer bestimmten Zeit bearbeiten und wieder einreichen soll. Der Lehrer prüft die Lösung und gibt Feedback.
Im Hypermedia-eLearning übernehmen wir das Prinzip des autonomen Lernens. Der Nutzer erhält die Aufgabe, etwas zu tun, etwas auszuprobieren und selbständig zu prüfen, ob er das Ziel erreicht hat. Eine richtige Erfolgskontrolle wie beim klassischen eLearning ist für das selbstständige eLearning nicht nötig. Entsprechend müssen die Übungen gestaltet sein.

Prinzip 3: Verteilt statt konzentriert

Das Entscheidende ist dabei das Ziel Cummunity-Building. Die Community unterstützt im Idealfall die Bereitschaft, den Kurs zu Ende zu führen. Sie erleichtert den Austausch, wodurch das Wissen vertieft und die Reflexion verstärkt wird. Lernen ohne Lehrer könnte das Motto sein.
Viele Kurse haben keine nachhaltige Wirkung, weil der Stoff zwar durchgearbeitet wird, aber nur in Hinblick auf den Abschluß des Kurses. Das Ziel sollte aber sein, dass die Kursteilnehmer den Stoff selbständig vertiefen und das klappt im Austausch mit anderen am besten. Die Teilnehmer stellen Fragen, die durch das Kursmaterial nicht ausreichend beantwortet wurden oder gar nicht behandelt wurden. Diese Diskussionen helfen späteren Teilnehmern, den Stoff weiter zu reflektieren, das ist Crowd-Bildung.
Wenn der Kurs von der Plattform unabhängig ist, suchen sich die Teilnehmer ihre eigene Form der Verarbeitung auf Facebook, Twitter, Pinterest, Audioboo, YouTube oder wo auch immer.
Im Idealfall ergänzt dieses Material den Kurs und macht via Crowdsourcing einen besseren Kurs daraus. Das klappt aber nicht, wenn der Kurs und die Kursplattform geschlossen sind.

Prinzip 4: Multidimensional statt textzentriert

Im Internet liegen genügend multimediale Inhalte, um einen akademischen Abschluß nur mit diesen Materialien zu erlangen. Gleichzeitig sind die Kurse heute eher textbasiert. Multimedialität lässt sich dabei sowohl bei der Zusammenstellung des Kursmaterials als auch bei der Bearbeitung der Übungen realisieren.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Lernstil. Manche mögen es eher visuell, manche eher akkustisch. Diese Vorlieben werden in den klassischen Kursen nicht berücksichtigt, weil jeder Teilnehmer die gleiche Aufgabe in der gleichen Weise bearbeiten muss.
Am besten wäre es, wenn die Lernenden den Stoff direkt auf ein konkretes Projekt anwenden könnten, das sie aktuell bearbeiten. Auch das geht in den klassischen Kursen nicht, weil das dem Lehrenden zu viel Mühe bereiten würde. Das konkrete Anwenden des Erlernten ist entscheidend für den Lernerfolg.
Statt ellenlange Texte durchzuarbeiten sollte der Nutzer die Möglichkeit bekommen, möglichst viel auszuprobieren. Es geht darum, den Spieltrieb zu wecken, dem Nutzer etwas zum Anfassen zu geben, seine Neugier zu wecken und ihn möglichst viel alleine herausfinden zu lassen, statt ihm alle Informationen vorverdaut zu präsentieren.

Demokratisierung der Bildung

Für professionelle Kurse werden zahlreiche Ressourcen benötigt. Es werden Didaktiker, Fachleute zur Erstellung des Kurses und Designer benötigt, die den Kurs inhaltlich ausarbeiten und optisch aufbereiten. Die Kurse kosten im besten Falle mehere Hundert Euro. Gleichzeitig haben wir einen expliziten Mangel an Kursen vor allem zu aktuellen Themen. Die ersten deutschsprachigen Kurse zu Web 2.0 erschienen vor drei bis vier Jahren. Ist das Kursmaterial einmal ausgearbeitet, wird es nur selten auf den aktuellen Stand gebracht.
Das hier vorgeschlagene Prinzip ist sozusagen die Wikipediasierung des Lernens. Die Entstehung von Bildungsmaterial und Enzyklopädien hat viel gemeinsam. Die Enzyklopedia Britannica ist sicher ein tolles Werk, das auch seine Existenzberechtigung hat. Aber sie ist teuer und praktisch in dem Moment veraltet, wo sie auf den Markt kommt.
Gleichzeitig wirft das beschriebene Verfahren die gleichen Probleme auf, wie sie die Wikipedia bereits heute hat. Das sind vor allem die Qualitätsunterschiede in den Artikeln.
Die Qualitätskontrolle wandert sozusagen von den Inhalteerstellern zu den Kursnutzern. Sie sind angehalten, das Gerlernte kritisch zu reflektieren, in Frage zu stellen und mit ihren Beiträgen zu verbessern. Das ist sozusagen Teil des Kurses und entspricht dem Prinzip des selbständigen Lernens.
Zur Demokratisierung gehört auch, dass jeder diese Kurse erstellen kann. Es gibt keinen Grund, die Schaffung von Wissen den Experten zu überlassen. Es gibt einen Hunger auf Wissen und es gibt keinen Grund, dieses Wissen in sorgfältig gebundene vom Verlag geprüfte Bücher zu packen.
Oftmals liegt das Basismaterial schon vor. Viele Blogs werden seit Jahren mit Einträgen gefüllt. Im Idealfall müssten die Beiträge nur in eine Struktur gebracht werden, die den Lernenden die Aufnahme erleichtert. Sie werden dann ergänzt mit Beiträgen, die die Lücken füllen und mit Fragen, die den Nutzern das Selbst-Lernen erleichtern. Das Material kann nach Belieben mit Texten von anderen Webseiten, Videos, Audios oder Präsentationen ergänzt werden. Dem Autoren fällt hier als Quasi-Experten die manchmal schwere Aufgabe zu, die aus seiner Sicht besten Inhalte auszuwählen. Theoretisch lassen sich beliebig viele Inhalte einbinden, praktisch soll aber gerade der Lernende nicht mit einem Übermaß an Inhalten überschüttet werden. Und natürlich sind die Urheberrechte zu berücksichtigen, es geht nicht um Copy-Paste, sondern um Hypermedia.
Ein Kurs kann auch modular gestaltet werden, so dass er einerseits Laien wie Experten ansprechen kann. Auf der anderen Seite können so auch unterschiedliche Zielgruppen erreicht werden. Die Redakteure zum Beispiel bearbeiten den ersten Teil, die Designer den zweiten Teil, aber beide haben auch die Möglichkeit, die jeweils anderen Teile durchzuarbeiten. Das heißt, dass die einzelnen Module des Kurses grundsätzlich eigenständig funktionieren müssten.
Unsere Regale sind voll von Lehrbüchern, die mit der besten Absicht gekauft wurden, aber keinen nachhaltigen Einfluß hatten. Unsere Schulen, Universitäten und das Internet sind voll altbackener Didaktik, die heutige Möglichkeiten bei weitem nicht ausnutzt.

eLearning für Menschen mit Behinderung

In Deutschland gibt es ein gut ausgebautes Angebot an Fernstudiengängen und Fernlehrgängen. Für blinde und sehbehinderte Menschen könnten diese Angebote sehr interessant sein, in der Regel sind sie ihnen aber nicht zugänglich. Die Mehrheit der Anbieter stellt ihr Material in gedruckter Form bereit. Großdruck oder digitale Medien sind hingegen Mangelware. Erschwerend kommt hinzu, dass jede Bildungsorganisation ihre eigene Internetplattform betreibt. Dort werden Materialien hoch- und runtergeladen, häufig gibt es auch Diskussionsforen zu den einzelnen Kursen. Diese Plattformen erfüllen oft nicht die elementarsten Voraussetzungen der Barrierefreiheit im Internet wie zum Beispiel die Tastaturbedienbarkeit. Deshalb können die Kurse auch von Menschen mit motorischen Einschränkungen nur bedingt genutzt werden. Weiterlesen

Multimedia im Web – optimiert für Suchmaschinen und Menschen

Obwohl wir schon seit Jahren von Benutzerfreundlichkeit reben und jeder Webdesigner sich selbiges auf die Fahnen geschrieben hat, werden jeden Tag neue oft schicke und benutzerunfreundliche Websites online gestellt.
Ungeliebtes Stiefkind der USability-Gilde sind Dateien. Ich kann mich nicht erinnern, wann jemand das letzte Mal einen Beitrag zu benutzerfreundlicher Multiemedia geschrieben hat. Hier also die Basics:
– alle Dateien zum Herunterladen sollten einen sprechenden Namen haben. Eine Datei namens 1322xayserer5.pdf klingt ungefähr so spannend wie der Wetterbericht von 1990.
– Jede Datei sollte in einer angemessenen Qualität ausgeliefert werden. Ein 10 MB großes PDF, welches zu 90 Prozent aus Luft und Liebe besteht ist ebenso wenig hilfreich wie ein verrauschtes MP3.
– Auch nach 15 Jahren MP3 scheint sich der Sinn von ID3 noch nicht herumgesprochen zu haben. Da stehen Meta-Daten drin, die bei vielen MP3-Playern statt des Dateinamens angezeigt werden. Eigentlich schon seltsam, da investiert jemand mehrere Stunden, um einen schönen Podcast zu produzieren, spart aber 30 Sekunden ein, weil er seiner Datei keinen sprechenden Namen und keine ID3-Tags verpasst. Dabei kann er hier wunderbar Daten wie Autorennamen, Titel, Erstelldatum und Herkunftsort ablegen.
Und wozu das alles? Ganz einfach, bei der Flut an Daten gehen Dateien ohne sprechenden Namen oder Meta-Daten gnadenlos unter. Bestenfalls landen sie in einem Archiv, wo sie dann auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Selbst bei einer gezielten Recherche könnte der Archivar sie kaum wiederfinden, denn die Datei besitzt ja weder Meta-Daten noch einen sprechenden Dateinamen.

Wer von den Webworkern noch nicht endgültig überzeugt ist, für den kommt jetzt das Totschlagargument: Suchmaschinen-Optimierung. Google und andere orientieren sich maßgeblich am Datei- bzw. Linknamen. Ob Suchmaschinenbots die Metad-Daten auslesen, ist mir nicht bekannt, es spricht aber auch nichts dagegen, auch diese Daten einzutragen.
Im Sinne der Benutzerfreundlichkeit ist es auch wichtig, Informationen als normale Website anzubieten, statt sie in ein PDF zu packen. PDFs verbessern vielleicht das Ranking, vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Ob da aber mehr als die ersten Absätze tatsächlich ausgewertet werden, kann eher bezweifelt werden. Man sollte auch an die Nutzer mobiler Endgeräte denken, die es lieber vermeiden, weitere Anwendungen zu starten. Der Titel von PDF-Dokumenten wird auch als Titel in Suchmaschinen angezeigt, sollte also sprechend sein. Da die Formatierungen in PDF-Dateien wie Überschriften rein optisch sind, tragen sie in keinem Fall zum Ranking bei.

Sprechende Dateinamen sollten keine Leerzeichen oder Sonderzeichen enthalten. Die einzelnen Begriffe werden mit Bindestrichen getrennt, d. h. zum Beispiel: Benutzerfreundlichkeit-in-Multimedia-Dateien.
Für die Suchmaschine sind mangels weitere Informationen der Text rund um die Datei sowie der Linkname ausschlaggebend für die Indizierung. Allerdings ist es auch sinnvoll, in Links das title-Attribut einzusetzen, indem auch Details zur Datei eingetragen werden können.
Das Thema RSS wird sträflich vernachlässigt. Der Webworker sollte einmal einen kritischen Blick auf seine Feeds werfen und sich folgende Fragen stellen:
1. Erfahre ich aus der Überschrift, worum es geht?
2. Reizt die Überschrift einen Anderen, diesen Beitrag aufzurufen?
Wer nicht im Datenstrom untergehen möchte, sollte eine dieser Fragen mit Ja beantworten, besser beide.
Das sind alles keine Sonderleistungen, sondern Basisanforderungen benutzerfreundlicher Inhalte.

Crossmedia – neuer Trend und Modewort

Crossmedia bedeutet schlicht, das mehrere Medien bedient werden sollen. Ein Beitrag, der im Fernsehen lief, kann auch ins Netz gestellt werden, ein Audiobeitrag als Text im Netz stehen und so weiter.

Die Möglichkeiten sind natürlich groß: Ein Radioreporter wird kein großes Problem damit haben, einen Interviewpartner oder ein Gebäude gleich selbst zu fotografieren statt teure Fotos von Agenturen zu kaufen oder veraltete Firmenfotos zu nehmen.

Und auch ambitionierte Vielseher und Hörer verpassen ab und an einen interessanten Beitrag. Zumal sich die Seh- und Hörgewohnheiten heute von den klassischen Medien immer weiter entfernen. Für die Informationssender könnte hier neues Leben zu finden sein. Gute Beiträge werden kostenlos via Empfehlung promotet, verlinkt, besprochen. Da sie viel von Radio und wenig von Suchmaschinenoptimierung verstehen, ist dies der beste Weg, um jüngere Zielgruppen zu ereichen.

Die Schattenseiten sind ebenso klar: Wenn ein Online-Journalist heute nun wirklich alles selber machen muss, verlieren einige Leute ihre Jobs: Fotographen, Tontechniker, Designer. Einige davon werden sicherlich andere Jobs finden, einige bleiben auf der Strecke.

Aber auf der gleichen Strecke bleibt die Qualität der Beiträge. Der Online-Journalist soll schließlich nicht nur alles selber machen, sondern er bekommt auch nicht mehr Zeit, um dies tun zu können.

Und natürlich leistet sich der Herausgeber keine Hochtechnik: Warum 200 Euro für ein rauschfreies Mikro ausgeben, wenn man für 30 € ein Headset bekommt? Warum 150 € für eine professionelle Audio-Schnittsoftware ausgeben, wenn es Audacity umsonst gibt? Warum 200 € für eine Dicam mit gutem Chip ausgeben, wenn es für 60 € 10 Millionen Pixel gibt? Und verwackelte Videos sind alle mal besser als gar keine.

Wir haben also schlechte Ausrüstung, die von semiprofessionellen, gestressten und zeitlosen Gesellen bearbeitet werden sollen. Das Ergebnis kann nur suboptimal sein.

In diesem Sinne ist Crossmedia zu verstehen als „ich mag kein Geld ausgeben“.