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millionaire fair – die Messe für Reiche und solche, die es gerne wären

Es gibt doch einige Millionäre, aber was sollte sie eigentlich dazu treiben, eine Messe wie die millionaire fair zu besuchen, die jüngst in München stattfand? In Deutschland erwartete sie lediglich 20.000 Besucher und nahm 15.000 qm ein, eher bescheiden.

Übermäßig viel hingegen die Presse für dieses Event aus.

Die Veranstalter wissen also zumindest, wie man Pressearbeit macht. Ein paar Promis, teurer Kram, ein bißchen Protest.

Natürlich würde kein anständiger Millionär für seine Geschichte sein Wohnzimmer verlassen. Hier geht es vor allem darum, sich zu zeigen, nicht darum, sonderbare Dinge zu kaufen.

Eine solche Messe lockt vor allem Leute an, die zwar viel Geld haben, die aber vor allem noch Hoffnung darauf haben, Millionäre oder zumindest prominent zu werden.

Immer, überall, jederzeit – vereint kommunizieren

Und wenn Sie es nicht mögen, können Sie es ja zurückgeben. Oder auch nicht. Unified Communications ist der neue Hype der IT-Branche. Instant Messaging, E-Mail, Video, Voice over IP – alles aus einer Hand, alles in einer Oberfläche.

Während die Kanäle möglicher Kommunikation immer zahlreicher werden, ist die Infrastruktur aus der Steinzeit. Die Kollegin, die zwei Tage die Woche in einem anderen Bürogebäude sitzt, muss über eine Kollegin im alten Büro ihre Anrufe übermittelt bekommen. E-Mails werden – je belangloser, desto besser – ausgedruckt und archiviert. Faxe, die zum gleichen Kontext gehören, werden ebenfalls archiviert – aber woanders.

Wird nun alles wunderbar? Wahrscheinlich nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass solche Technologien nie das einhalten, was sie versprechen. Videoconferencing hat sich auch deshalb nicht durchgesetzt, weil es die Möglichkeit nicht bietet, jemandem die Hand zu schütteln. Weihnachten im engsten Famlienkreis würde man schließlich auch nicht über eine Konferenz-Schaltung machen.

Auf die Gefahren des Präsenzmanagement habe ich schon aufmerksam gemacht. Zu irgendeinem Zeitpunkt wird es wirklich nicht mehr möglich sein, unerreichbar zu sein. Der U-Bahn-Tunnel ist dann kein Refugium für Mobilfunk-Geplagte, der Mount Everest wird über Satelit versorgt und selbst das Bermuda-Dreieck bekommt seinen Telefonanschluss. Aus einer möglichen Erreichbarkeit wird eine ständige Verfügbarkeit. Und manche werden dankbar nicken und sagen, dies ist notwendig und gut.

Grün, sicher, kommunikativ

Die IT-Messe SYSTEMS setzt in diesem Jahr auf die – nicht ganz neuen – Themen Green IT, Unified Communications und IT-Security. Die SYSTEMS scheint sich allmählich in Richtung breite Nutzerschaft zu entwickeln. Schließlich haben Themen wie Navigation, grünes Rechenzentrum und IT-Security nicht originär mit Unternehmen zu tun. Da passen eher kryptische Namen wie ERP, CRM und BI.
Da abgesehen von einer Hand voll Spezialisten und Anwendern niemand so genau weiß, was sich hinter diesen Abkürzungen verbirgt, zielt die Themensetzung auf einen breiten Bereich.
In Zeiten der Finanzkrise kann es schon als Erfolg gelten, dass eine Messe nicht glatt komplett ausfällt, wie in Spanien jüngst geschehen.

Expo Real – weiterhin auf Erfolgskurs?

Die Finanz- und Immobilienkrise hat sich zumindest an einem Ort kaum bemerkbar gemacht: auf Europas größter Immoblienmesse Expo Real, die vor knapp zwei Stunden in München zu Ende ging.

Recht selbstbewußt und ohne große Deutsch- oder Englisch-Kenntnisse präsentierte sich die Stadt Moskau mit ihrem Oberbürgermeister.Prunkvoll wurde verkündet, wie viele Milliarden man in Prestige-Projekte zu stecken gedenke.

Auch viele Osteuropäer präsentierten sich auf der Expo Real, besonders Polen. Auch sie scheinen recht zuversichtlich zu sein.

Auch die deutschen Regionen feierten große Auftritte. Dem Land Bremen wurde sogar ein Hörfunkbeitrag gewidmet.

Krise, welche Krise möchte man fast fragen. Doch die Krise wird nicht spurlos an uns vorbei gehen. Die Deutschen setzen weniger auf Risikokapital, aber stark auf risikofreudige Importeure, die aber jetzt weniger Geld in der Tasche haben. Vielleicht wird erst die nächste Expo Real das wahre Ausmaß der Krise zeigen.

Ein Herz für die Spezialisten – München begrüßt den Kardiologen-Kongress

Die European Society of Cardiologists ist eine Vereinigung von Herzspezialisten. Ihr jährlicher Kongress findet jedes Jahr an anderem Orte statt. Doch in diesem Jahr kehren die Kardiologen nach München zurück, der Kongress findet zum zweiten Mal seit dem Jahr 2004 in diesem Jahr auf dem Gelände der Neuen Messe München statt.
Die rund 30.000 Herzspezialisten diskutieren vom 30. August bis 3. September 2008 im ICM über neue Entwicklungen auf ihrem Gebiet. Besonderes Thema ist in diesem Jahr das Cardiovascular Imaging – bildgebende Verfahren bei Herz-Blutgefäßen.
Die Messe München, die Stadt München und Müncher Gastronomie-Betriebe sowie die Verkehrsbetriebe haben sich etwas Besonderes ausgedacht: Verkehrsverubnd Die illustren Gäste erwartet ein persönlicher Begrüssungsbrief sowie ein Geschenk auf ihrem Hotelzimmer. An einigen Stellen der Stadt sowie auf Müncher bussen wird das Logo des ESC für die Dauer des Kongresses zu sehen sein.

Die Anthropologie des U-Bahners II

Die U-Bahn ist ein Ort für sich, wie ich schon feststellte. Spannend ist auch zu sehen, dass der U-Bahner von Kindesbeinen an lernt, zuerst die Aussteiger aussteigen zu lassen, bevor er einsteigt. Und es trotzdessen nicht begreift und versucht einzusteigen, während andere aussteigen. Hintergrund ist die unglaubliche Furcht, mehr als zwei Minuten stehen zu müssen.
Der U-Bahner ist auch in anderer Hinsicht unfähig zur Ökonomie: Er sammelt sich in Rudeln oder Menschentrauben und begreift offentsichtlich nicht, dass es sinnvoll sein könnte, sich auf die Länge des Bahnsteigs zu verteilen. Steht man an bestimmten Stellen vom Marienplatz, Sendlinger Tor oder Odeonsplatz, kann recht flott einsteigen und sich am Hinter kratzen, während man sich fragt, warum die Bahn nicht losfährt. Sie fährt nicht los, weil die Leute am jeweiligen Ende des Zuges, zumindest körperlich vollkommen gesund, fest entschlossen sind, alle durch die gleiche Türe in den Zug zu kommen.
Vielleicht liegt es auch an der Architektur der U-Bahn-Stationen. Bis auf einige Ausnahemn wie Trudering oder Moosfeld sehen die U-Bahn-Schächte in München allesamt wie häßliche Gebilde mit noch häßlicherer Beleuchtung aus. Es ist zappenduster in der Münchner Freiheit, grell überfrachtet am Harras und die alten U-Bahnen sind von ihrer Beleuchtung her dazu angetan, sämtliche Menschen fahl und tot erscheinen zu lassen.