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Unsichtbar

Die afroamerikanische Literatur spielt eine überproportinal wichtige Rolle in den USA. Sie haben einen eigenen Stil geprägt, den ein Literaturwissenschaftler vielleicht besser einordnen kann als ich. Zwischen Alex Haley und Toni Morrison findet sich eine breite Palette von Strömungen. Was sie gemeinsam haben, ist eine wesentlich intensivere Art des Schreibens, des Ausdrucks von Emotionen und der Darstellung von Subjektivität. Es ist nicht jedermanns Sache, mich hat es sehr stark an die anglophone indische Literatur von Arundhati Roy erinnert.

Es gibt ein schönes Buch von dem leider eher unbekannten Autoren Ralph Ellison. Dabei geht es nicht um das Unsictbar sein an sich, sondern um das Nicht wahrgenomen werden. Es gibt sehr viele Leute, die man sieht, ohne sie wahrzunehmen. Seien es nun die Kellner im Restaurant, das Reinigungspersonal, Praktikanten, Obdachlose, Asylanten, Bettler, diese Reihenfolge ist keine Absicht. Auch als Behinderter wird man nicht wahrgenommen. Die Leute wollen nicht sehen, dass man existiert.
Vielleicht haben sie Angst, uns in die Augen zu gucken. Vielleicht fühlen sie sich zu weit über uns, als uns eines blickes zu würdigen. Vielleicht fürchten sie um ihr Prestige, wenn sie mit uns verkehren. Vielleicht wollen sie uns nicht sehen. Vielleicht haben sie Angst davor, so wie wir zu werden.

Der namenlose Protagonist von Ellison wird durch die Rassenwirren der USA der 40er Jahre getrieben. In der Schule, bei der Arbeit, bei seinem Engagement wird er stets als ein Objekt, eine Ansammlung von Zuschreibung gesehen. Zuletzt ergibt er sich in sein Schicksal, ein Unsichtbarer zu sein.