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Der Vorleser bleibt stumm

Zumindest wird Amazons „Kindle“ künftig bei einigen Büchern schweigen. Die amerikanische Authors Guild sieht diese Vorlesefunktion als eine Form der Aufführung an und übte auf den Entwickler Amazon Druck aus, die Funktion abzustellen. Nun hat die Authors Guild laut Golem.de die Möglichkeit, diese Funktion bei ihren Büchern abstellen zu lassen. Der andere große Anbieter Sony wird hier sicher nachziehen, falls eine solche Funktion bei seinen Geräten jemals Einzug halten wird.

Blinde, Sehbehinderte und andere Menschen mit Sehschwäche werden sich bei der Autorengilde herzlich bedanken. Wer die Qualität von Sprachsyntesizern kennt, findet allein den Gedanken absonderlich, diese seien mit öffentlichen Vorlesungen zu vergleichen.

Es zeigt aber auch einmal mehr, wie viel die Unternehmen von Nutzerfreundlichkeit verstehen. Ob Apples IPod, der nur das firmeneigene Format abspielte. Oder Sonys MD, die nicht zuletzt deshalb tot ist, weil man per USB zwar Stücke auf die Minidisc spielen kann, aber diese Stücke nicht auf den PC zurückspielen kann. Natürlich deshalb, weil Sony sich selbst in der Musikindustrie engagiert. Der Buchhändler Amazon mochte sich wohl eben so wenig mit den Produzenten seines wichtigsten Produkts anlegen. Man mag nur hoffen, jemand anderes wird ein besseres, günstigeres und vor allem nutzerfreundlicheres Produkt dieser Art auf den Markt bringen.

Die Sünden des Webdesign

Bei einer Website kann man viel falsch machen. Es gibt die mittlerweile ein wenig angestaubten schlechten Regeln des Webdesign. Angestaubt, weil heute hoffentlich niemand mehr HTML für das Design verwendet, aber auch, weil moderne Multimediaelemente kaum behandelt werden.

Wer tiefer einsteigen will, kann sich Thomas Wirths „Missing Links“ oder Jacob Nielsens Werke anschauen.

Das Problem heute ist Unübersichtlichkeit, zu kleine Schriften, übergroße Banner, die einen Besucher zum Scrollen zwingen und relevanten Content verbergen.

Ein weiteres Problem sind Flash-Animationen und JavaScript-Banner, die sich vor Text schieben und weggeklickt werden wollen.

Dass etwa Freemailer oder andere kostenlose Dienstleister Werbung schalten müssen, liegt auf der Hand. Dass sie sich dabei penetrant in der Vordergrund schieben, teilweise mit unerwünschtem Sound untermalt sind, dass sie niemals zu blinken aufhören ist nicht unbedingt notwendig.

Schließlich lenkt Bewegung im Gesichtsfeld ab. Würde die Werbung irgendwann zu flackern aufhören, hätte sie auch eine Chance, nicht nur als Ärgernis wahrgenommen zu werden. Im Sinne der Werbepsychologie kann dies im Grunde auch nicht sein. Das beworbene Produkt wird hier schließlich mit negativen Emotionen assoziiert.

Der Grund, warum viele Webuser das Flash-Plugin blockieren besteht darin, dass es nicht vernünftig konfiguriert werden kann. Es ist standardmäßig so eingestellt, dass eine Animation in der höchsten Auflösung endlos wiederholt wird. Da Flash und JavaScript clientseitig – also vom Userrechner – ausgeführt werden, fressen sie Prozessor-Leistung. Bei Notebooks fängt oft die Lüfter an zu laufen, was kein gutes Zeichen ist.

Problematisch und störend sind auch Pop-Ups, seien sie gedacht zur Begrüßung des Besuchers – vollkommen unnötig – oder um Umfragen anzukünden – die besser auf der Website selbst aufgehoben wären.

Viele Webprogrammierer bedenken nicht, dass clientseitiges Scripting via Ajax, Java, JavaScript oder Flash dem Nutzer Ärger verursacht, weil die Seite zu langsam lädt oder der Lüfter des Notebooks anspringt. Ob man hier nicht mit einer spartanischeren Site mehr Pluspunkte erhält?

Vollends zum Wahnsinn kann eine Seite treiben, die komplett in Flash geschrieben ist oder Einem keinerlei Hinweis darauf offenbart, wo man eigentlich hinklicken soll, damit es mal weiter geht. Einen Vorgeschmack auf den Horror der Picture Show liefert die aktuelle Toursite der Show. Sicherlich asthetisch gut gemacht, aber Usability wurde hier außen vor gelassen. Und auch Google scheint die Site nicht zu mögen, denn sie landet im deutschsprachigen Raum nicht auf den ersten zehn Plätzen.

Endgültig überflüssig sind Begrüßungsstartseiten und Begrüßungsanimationen. Ein „Klicken Sie hier, um die Animation zu überspringen“ dürfte den genervten User eher dazu verleiten, das Fenster zu schließen, als tatsächlich irgendwo drauf zu klicken.

Es ist das alte leidige Thema: Usability = Suchmaschinenoptimierung = Barrierefreiheit.

Google dürfte eine der meistbesuchten Sites des Web sein. Es könnte sich sicher die besten Designer im Business leisten. Dabei kommt Googles Webauftritt betont schlicht daher: wenige Grafiken, wenige Links auf der Startseite, keine Flash-Animationen.

Designen für das Web 2.0 – neue Herausforderungen

Ob Hype oder nicht, wer Web 2.0 einsetzen will, muss neue Maßstäbe im Design setzen. Die klassische Konstellation aus Banner, Navigation und Inhalt muss einer Sidebar Platz machen, die Mitmachfunktionen an prominenter Stelle unterbringt.
Dabei muss die Übersichtlichkeit gewahrt bleiben. Die Hauptnavigation bleibt natürlich das Skelett der Website. Die Web-2.0-Funktionen müssen sich davon optisch deutlich abheben.
Kann man Beiträge schreiben, muss es eine Unternavigation für diese Beiträge geben.
Hat man zudem ein Nutzersystem – das man immer haben sollte, möchte man eine Community aufbauen – müssen auch hier entsprechende Funktionen eingebaut werden.
Schließlich müssen auch die Ergebnisse des Mitmachens deutlich sichtbar werden, Kommentare müssen unterhalb des Kommentierten angezeigt werden und am besten über einenen seiteninternen Link ansteuerbar sein.
Ideal ist hier eine optische Trennung, etwa eien horizontale Hautpnavi und ein vertikales Menü. Oder umgekehrt.
Sinnvoll mag auch eine optische Trennung sein, wobei die Hauptnavi aus Gründen der Nutzerfreundlichkeit immer links oder oben sein sollte. Da sich die 22-Zoll-TFTs allmählich durchsetzen, kann man durchaus „in die Breite“ gehen.
Weniger sinnvoll sind es allerdings, das Ganze über die beliebten Pulldownmenüs von JavaScript zu realisieren. Wer eine Beteiligung möglichst vieler Personen wünscht, muss entsrprechende Funktionen deutlich sichtbar auf dem Eingangsscreen – also ohne scrollen – und auf jeder Seite anbieten.
Beliebt sind auch Beitragslisten, die auf einzelnen Beitragsseiten angezeigt werden. Es ist fast immer eine Top-Tenliste, die angezeigt wird. Ich tendiere eher dazu, eine Zufallsauswahl zu präsentieren. Diese Liste sollte aber, schon aus Platzgründen, nicht im Hauptfenster angezeigt werden, sondern erst durch scrollen sichtbar werden. Alternativ lässt sich auch ein Anker in der Seitennavigation einbauen, der einen direkten Sprung vom Startsreen zu der Liste ermöglicht und zumindest deutlich macht, dass eine solche LIste existiert.