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Online-Banking für Blinde

Bankingportal der Sparkasse KölnBonnInternet-Banking ist für Blinde optimal, da mittlerweile Vieles, was mit Bankgeschäften zu tun hat, digital abgewickelt werden kann. Leider darf man die Banking-Lösungen nicht vorher ausprobieren, so dass man oft ins kalte Wasser springen muss. Für Diejenigen, die ihre Bank wechseln oder ein neues Konto eröffnen möchten, habe ich hier einige Erfahrungen zusammengefasst.
Ich persönlich werde bis auf Weiteres meine Bankgeschäfte auf dem Rechner und nicht per Smartphone machen. Daher habe ich die Banking-Apps der Anbieter im Einzelnen nicht angeschaut.

Sparkasse KölnBonn

Mein erstes Girokonto habe ich vor gut 20 Jahren bei der Sparkasse Marburg eröffnet. Damals wussten wir noch nichts von online und die ständige Verfügbarkeit von Geld war nicht so wichtig. Später wechselte ich zur Sparkasse KölnBonn.
Der erste Versuch mit Online-Banking bei der Sparkasse KölnBonn war ein Reinfall. Es handelte sich um eine Textversion mit ein paar Formularelementen. Alles, was man tun konnte war Umsatzabfrage und Überweisungen. Noch dazu hatte die Lösung ständig mit Ausfällen zu kämpfen.
Ich wechselte also rüber zur klassischen Ansicht. Sie lässt sich bis heute gut bedienen, auch wenn die Strukturierung zu wünschen lässt. So gibt es keine Überschrift für den eigentlichen Inhaltsbereich. Ansonsten lassen sich aber alle wesentlichen Aufgaben wie Überweisungen, Daueraufträge oder Rückbuchungen blind erledigen.
Die Sparkasse hat vor einiger Zeit auf mTan oder ChipTAN umgestellt, womit die Tan-Listen obsolet wurden. Das mTan-Verfahren sollte für Blinde kein Problem sein. Dabei kriegt man eine Tan sowie die Transaktionsdaten aufs Handy geschickt und kann sie dort überprüfen, bevor man den Vorgang abschließt.
Das chipTAN-Verfahren ist auch für Blinde prinzipiell zugänglich, sofern sie keinen Flicker-Code vom Bildschirm abscannen müssen. Leider scheint es derzeit sage und schreibe ein einziges sprechendes chipTAN-Lesegerät zu geben, das schlappe 50 Euro kostet. Konventionelle Lesegeräte kosten zehn Euro. Der Preisunterschied erscheint mir in Zeiten von iPhone und Co. nicht mehr gerechtfertigt.
Ich habe mich trotzdem entschlossen, mein Konto bei der Sparkasse aufzulösen. Statt mir meine Kontoauszüge auf Dauer digital zur Verfügung zu stellen, besteht die Sparkasse darauf, mir selbige nach einer gewissen Zeit auf Papier zuzusenden – natürlich auf meine Kosten. Die elektronischen Kontoauszüge werden nach einigen Wochen gelöscht. Bei der Sparkasse hat man nicht verstanden, dass man solche Dinge heutzutage digital erledigen und nicht alle paar Wochen zum Auszugsautomaten rennen möchte. Dafür, dass sie mir die Kontoauszüge gegen meinen Willen ausgedruckt zusenden war ich allerdings nicht bereit, gut 50 Euro Gebühren pro Jahr zu zahlen. Bei der Sparkasse hat man offenbar nicht verstanden, was Kundenfreundlichkeit bedeutet.
Leider weiß ich nicht, ob es eine Standardlösung für alle Sparkassen gibt oder ob jede Sparkasse ihre eigene Lösung bastelt, von dem her lassen sich diese Erfahrungen nicht unbedingt auf andere Sparkassen übertragen.

Ing DiBa

Auch die Lösung der Ing DiBa funktioniert gut. Da es sich hier um eine Direktbank handelt, können fast alle Geschäfte übers Internet erledigt werden. Die Anmeldung läuft über Benutzername und Passwort, gefolgt von der Eingabe des DiBa-Keys, der über einen auf dem Bildschirm eingeblendeten Nummernblock eingegeben wird. Da es sich um HTML-Buttons handelt, die korrekt beschriftet sind, ist das blind kein Problem. Auch bei Banking selbst ergaben sich bisher keine Probleme. Die DiBa blendet im Internet-Banking den Rest der Website aus, was die Sparkasse nicht tut. Dadurch reduziert sich der Umfang der Bedienelemente, was nicht nur für Blinde eine große Erleichterung ist.
Leider verwendet die DiBa allerdings noch das Verfahren der indizierten Tans zur Autorisierung von Transaktionen. Das ist nicht wirklich barrierefrei. Zwar kann man sich die Tans natürlich digitalisieren, aber dann muss man sie an einem sicheren Platz aufheben, also nicht auf dem Computer, auf dem man das Banking betreibt. Ich hoffe allerdings, dass die DiBa irgendwann auf mTAN oder ein anderes Verfahren umstellt.
Zudem gibt es bei der DiBa eine Reihe unbeschrifteter Elemente. Deren Funktion kenne ich leider nicht, da ich sie natürlich nicht anklicke.

DKB

Die DKB bietet wie die DiBa ein kostenloses Girokonto. Auch hier lockt im Banking ein relativ schlichtes Interface. Im Banking konnte ich bisher keine Probleme feststellen.
Die DKB setzt für die Autorisierung auf eine eigene App, die im Prinzip nix anderes tut als eine TAN zu generieren. Man braucht also entweder einen chip-TAN-Generator oder ein halbwegs aktuelles Smart Device, um Bankgeschäfte über die DKB abzuwickeln.

commdirect

Die commdirect ist der dritte große Anbieter von Girokonten. Auch hier ist das Banking für Blinde problemlos möglich. Zusätzlich bietet sie Tools zur Vermögensverwaltung, die ich mangels vermögen nicht ausprobiert habe. commdirect setzt wie die DiBa auf das indizierte TAN-Verfahren, das scheint doch nicht so out zu sein, wie ich dachte.

Fazit

Trotz sehr unterschiedlicher Lösungen sind die hier genannten Anwendungen gut nutzbar. Insgesamt scheinen die Direktbanken mehr Energie in ein sauberes Interface zu stecken, das würde der Sparkasse KölnBonn auch gut anstehen. Wer das indizierte TAN-Verfahren für zu unsicher hält, sollte die DKB vorziehen. Ansonsten kann ich aber keine klare Empfehlung für die eine oder andere Bank abgeben.