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Online-Volunteering – Engagement über das Netz

Online-Volunteering ist ein nicht ganz neues , aber in Deutschland eher unbekanntes Engagement-Gebiet. Mit dem Leitfaden „Management von Online-Volunteers – ein Handbuch“ von Hannes Jähnert und Lisa Dittrich gibt es nun eine praxisorientierte Einführung in das Thema.Online-Volunteering könnte man auch als digitales Engagement bezeichnen, es geht darum, dass sich Freiwillige quasi von zuhause aus für eine gute Sache einsetzen, anstatt vor Ort zu erscheinen.
Handbuch Online-Volunteering
Der erste Teil des Leitfadens dreht sich vor allem um die Frage, was Online-Volunteering ist, welche Beispiele es gibt und warum es überhaupt sinnvoll ist, Freiwillige online zu gewinnen. Das bekannteste Beispiel für Online-Volunteering ist übrigens die Wikipedia, wo zumindest die Arbeit an den Artikeln komplett übers Netz läuft. Ein vielleicht noch interessanteres Beispiel ist OpenStreetMap, wo tausende Menschen mit GPS-Trackern durch die Gegend laufen und damit freie Karten erstellt haben. Ein sehr interessantes Projekt ist das World Community Grid von IBM, wo man Rechenleistung spenden kann, um zum Beispiel Krankheiten zu bekämpfen.
Im zweiten Teil geht es darum, wie man Freiwillige gewinnen kann. Das geht auch über das Internet. Die Kernfrage ist, wie man sie gewinnt und wie man das Engagement managt. Typischerweise gibtt ews zwei Engagement-Arten: es gibt Menschen, die sich projektweise engagieren und Menschen, die längerfristig für eine Organisation arbeiten. Für beide Gruppen müssen passende Aufgaben definiert werden.
Das klassische Recruiment von Engagierten läuft bei kleinen Organisationen immer noch über persönliche Netzwerke. Man hat also zuerst den Menschen und findet dann für ihn eine Aufgabe. Im OV muss man tatsächlich im Vorfeld überlegen, welche Aufgaben von daheim aus erledigt werden können und muss sich dann um Freiwillige kümmern. Neben den kurzfristigen Aufgaben wie dem Übersetzen eines Textes gibt es auch langfristige Aufgaben wie das Pflegen der Website, eines Forums oder Blogs.
Zudem muss eine Strategie entwickelt werden, wie Mitarbeiter motiviert werden, wenn die soziale Einbindung nur auf digitalem Wege geschieht.
Bei dem IBM-Projekt arbeitet man sehr geschickt mit unterschiedlichen Formen der Motivation: Es wird bei den verschiedenen Projekten ein der Fortschritt und der eigene Anteil daran angezeigt, es gibt Bestenlisten und man kann sich auch Gruppen anschließen, um gemeinsam mehr zu leisten. Das ist das einzige, was mir in der Broschüre fehlt: die Frage, wie man Online-Volunteers motiviert und bei der Stange hält. Beim konventionellen Engagement funktioniert das über gruppendynamische Prozesse, um es mal blumig auszudrücken.
Besonders freut mich, dass sich die beiden Autoren auch dem Thema Barrierefreiheit gewidmet haben. Viele Behinderte sind in ihrer Mobilität eingeschränkt, aber gerne bereit, sich zu engagieren. Mit dem OV weicht man gewissen Kommunikationsproblemen aus: so fällt es gehörlosen und schwerhörigen Menschen häufig schwer, mit Normal Hörenden zu kommunizieren. Last not least gehört zur Inklusion, dass Behinderte sich auch außerhalb des Bereichs der Behindertenselbsthilfe einbringen. Bis heute werden sie primär als Objekt der Fürsorge und weniger als handelnde Subjekte wahrgenommen.

Wer mit dem Recruitment von Online-Volunteers loslegen möchte, für den ist das Handbuch von Hannes und Lisa ein sehr gut gemachter, praxisorientierter Einstieg. Erhältlich ist das Handbuch meines Wissens nach bei der Akademie für Ehrenamtlichkeit.

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