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Die Zukunft der Nonprofits – transparent, offen und vernetzt

„Dann gab es noch die selbsternannten Reformer, die größten Langweiler von allen; sie dachten, daß ich immerfort mein Liedchen sang:
»Das ist das Haus, das ich gebaut; Das ist der Mann, der in dem Haus lebt, das ich gebaut;«
Sie wußten nur nicht, daß die dritte Zeile lautete: »Das sind die Leute, die den Mann plagen,
Der in dem Haus lebt, das ich gebaut.«“ Henry David Thoreau

Nonprofit-Organisationen sind in ihrem Handeln und auftreten oft eher konservativ. Ich meine, dass sich drei Megatrends absehen lassen, an denen kein Nonprofit in Zukunft vorbei kommen wird.

Offenheit

Vor allem für Mitgliederorganisationen (VdK, ver.di) wird es wichtiger, sich allgemein für die Mitglieder zu öffnen. Dazu gehört nicht nur der Einsatz von Social-Media-Kanälen zur direkten Kommunikation. Dazu gehört auch, dass Ideen, Anregungen, Kritik in die Organisation einfließen und dort verarbeitet werden. Sofern diese Kritik berechtigt ist, sollte sie angenommen und damit auch Veränderungen angeregt werden. Den Mitgliedern muss das Gefühl gegeben werden, dass ihre Organisation

  1. für sie da ist
  2. die Mitglieder für die Organisation wichtig sind
  3. die Rückkopplungen der Mitglieder von der Organisation verarbeitet werden
  4. Das kann hingehen bis zu dem, was man in den Städten als Bürgerhaushalte bezeichnet. Der Haushalt wird offen gelegt und die Mitglieder können teilweise mitbestimmen, wo weniger Geld ausgegeben wird und wo mehr Investitionen sinnvoll sind.
    Auch die Parteien sind gezwungen, sich auf diese Weise zu öffnen. Parteimitglieder finanzieren nicht nur die Partei, sie tragen die wesentliche Last der Wahlkämpfe. Für einen warmen Händedruck des dritten Lokalvorsitzenden werden sie das nicht mehr lange machen.
    Vorbildhaft ist zum Beispiel 2aid.org.

    Transparenz

    Wir haben in den letzten Jahren vielfach gesehen, wozu mangelnde Transparenz führt. Korruption, Geldverschwendung, Patronage, Mißbrauch von Spendengeldern… Es wird Zeit für eine Transparenzoffensive. Jede Nonprofit-Organisation sollte in einem allgemein zugänglichen Geschäftsbericht ihre Einnahmen und Ausgaben offen legen. Wo kommt das Geld her, wofür wurde es ausgegeben, warum wurden die Prioritäten so ausgewählt?
    Es gibt inzwischen verschiedene Standards zur Transparenz, die international akzeptiert sind. Zugleich geraten Organisationen, die Spenden, Mitgliederbeiträge oder Steuervergünstigungen erhalten zurecht unter Rechtfertigungsdruck.

    Vernetzung

    Mit Vernetzung ist hier ausnahmsweise nicht das Internet gemeint. Vernetzung muss vielmehr zwischen den Nonprofits und zwischen Nonprofits und Unternehmen oder wem auch immer stattfinden. Es ist heute nicht mehr sinnvoll, wenn drei Organisationen am gleichen Ort zur gleichen Zeit das Gleiche tun – nebeneinander, nicht miteinander. Wer für Pakistan oder Haiti an eine seriöse Organisation spendet erwartet, dass diese Organisation ordentlich mit dem Geld anderer Leute umgeht und mit anderen Hilfsorganisationen zusammenarbeitet.
    Das Gleiche gilt für die Umweltorganisationen.

    Die neue Generation

    Die ältere Generation ist mit den aktuellen Zuständen aufgewachsen. Die Gewerkschaft oder der Verband wussten schon, was gut war. Vielleicht waren die Menschen aber auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich aktiver einzubringen.
    Früher hat es relativ gut funktioniert: die lokalen Gewerkschaftsmitglieder arbeiteten ehrenamtlich und viele tun das bis heute. Heute sehen wir den Strukturwandel: immer weniger junge Menschen sind Mitglieder in solchen Organisationen und viele sind nicht mehr für das Ehrenamt zu begeistern.
    Das liegt zum einen an gesellschaftlichen Veränderungen. Früher war es vermutlich selbstverständlicher, sich irgendwo zu engagieren. Hinzu kommt das umgekehrte More-More-Prinzip. Die Leute haben sich im wesentlichen nicht engagiert, weil die Gewerkschaft so spannende Grillabende hat, sondern weil sie im direkten Kontakt von Freunden und Bekannten dazu animiert wurden. Aber je weniger Leute sich engagieren, desto unattraktiver wird dieses Engagement. Jedes Mitglied, das sie verlieren ist ein Rekruter, der verloren geht.
    Zum anderen liegt es aber auch an der hermetischen Geschlossenheit dieser Organisationen. Wer mitmischen will, muss zu den abendlichen Treffen kommen, sich Wochenenden bei Sitzungen um die Ohren schlagen und sich in seltsame Netzwerke einfügen. Viele Leute haben keine Lust darauf, sie wollen aber dennoch wissen, was da mit ihrem Geld passiert. Eine Alternative könnte das Online-Volunteering sein.

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Angst vor Veränderungen – Was Menschen und Organisationen gemeinsam haben

Ein einzelner Mensch ist keine Gemeinschaft, doch die Gemeinschaft ist mehr als die Summe der Menschen, aus der sie besteht. Die Gemeinschaft bildet wie der Mensch einen Charakter aus.
Einzelne Personen aus der Gemeinschaft repräsentieren einzelne Charakterzüge des Menschen: da gibt es den Widerspenstigen, den Antreiber, den Faulenzer, den Optimisten, den Pessimisten, den Dauerbeleidigten und viele mehr.
Es gab einen recht interessanten Radio-Beitrag vom Coach Roland Kopp-Wichmann. Gefragt, warum viele Veränderungswünsche nicht in die Tat umgesetzt werden antwortete er sinngemäß, dass die Menschen sich in einer Komfortzone eingerichtet haben und jede Veränderung instinktiv ablehnen. Es spiegelt sozusagen die Dualität des menschlichen Charakter wider: Wir können rational begreifen, dass etwas zu tun richtig wäre. Aber unser Über-Ich – wenn wir so wollen – sagt uns, dass Veränderung Anstrengung, Gefahr und Risiko birgt.
Diesen Gedanken können wir auch auf Organisationen übertragen. Ich habe mich schon mehrfach darüber gewundert, wie unflexibel Organisationen auf Veränderungen reagieren. Wir wissen etwa, dass wir stärker mit Social Media arbeiten sollten, aber machen Pressearbeit wie vor 20 Jahren. Wir wissen, dass die Produktpalette veraltet ist, aber haben nicht den Mut, neue Produkte auszuprobieren.
Mein Eindruck ist, dass die meisten Organisationen versuchen, diesen Stillstand mit interner Unternehmensentwicklung zu kaschieren. Da werden Coaches herangezogen, Werte geschaffen, Fortbildungen betrieben. Das alles ist Beschäftigungsstrategie. Und es hat nur geringen Einfluß auf die externeUnternehmensentwicklung. Die Pleite wird uns nicht verschonen, weil wir so schöne Werte haben.
Ein Grundproblem scheint mir außerdem in der deutschen Arbeitsmarkt-Struktur zu liegen. Manche Leute arbeiten 30 Jahre für das gleiche Unternehmen, sitzen auf dem gleichen Platz und tun in etwa das Gleiche. Mancherorts begrenzt sich die Mitarbeiterfluktuation auf Null. Das mag gut für das Unternehmensklima sein, schlecht ist es für Veränderungen. Ähnlich wie einzelne Menschen fürchten sich Unternehmen vor Veränderungen, denn auch sie wollen die Komfortzone nicht verlassen – und werden deshalb entweder scheitern oder sehr schmerzhafte Umbauprozesse mitmachen müssen. Wer sehen will, wie das läuft, sollte sich die großen Energiekonzerne ansehen.

Knowledge Overkill

Unsere schwerste Aufgabe ist es heute nicht mehr, uns Informationen zu beschaffen, sondern eine Struktur hineinzubringen in die Informationen, die wir haben.

Informationen sind per se unstrukturiert. Wissen hingegen ist immer unstrukturiert. Wenn Wissen ein Auto wäre, dann wären Informationen Benzin, Autoreifen, Fensterkurbeln usw. Man kann sie irgendwie benutzen, aber ihren eigentlichen Zweck erfüllen sie erst, wenn sie zu einem Auto zusammengesetzt sind.

heute ist praktisch jeder Erwachsene gezwungen, Informationen zu organisieren. Behördenkorrespondenz oder Kontoauszüge müssen z. B. abgeheftet werden. Der moderne Student hat zudem Recherche zu leisten für Referate, Hausarbeiten und alles weitere.

Wenn er schlau ist, muss er sich sehr bald Gedanken darüber machen, wie die gesammelten digitalen organisiert werden können, so dass er sie wieder finden kann.

Ich habe im Laufe von ca. sechs Jahren etwa 10.000 Zeitungsartikel gesammelt. Es wäre naheliegend, diese Artikel nach Themengebieten zu sortieren – was ich auch gemacht habe. Allerdings habe ich sie vorher nach Quelle sortiert.

Der einfache Grund besteht darin, dass ich besser behalten kann, aus welcher Quelle ein Artikel stammt als daran, in welchem Themengebiet ich ihn abgespeichert habe.

Daran sieht man, dass mein System im Grunde nicht allgemeintauglich ist. Jeder kennt wohl die tiefgehenden Verzeichnisstrukturen eines Unternehmens, die ein Dutzend oder mehr Verzweigungen haben können. Es ist oft schwierig, sich dort einzuarbeiten, weil solche Strukturen oft wuchern.

Besser durchdacht sind die Systeme von Bibliotheken. Diese sollte man sich betrachten, möchte man ähnliches aufbauen. Sinnvoll ist es allemal.

Zeit verplempern

Es gibt sie tatsächlich, die Leute, die jeden einzelnen Moment ihres Lebens optimal nutzen können. Professoen z. B. bereiten Seminare und Vorlesunen vor, halten sie dann auch, haben Sprechstunden, Sitzungen, Veraltungskram, Forschungsprojekte, Buchprojekte, Vorträge, Forschungsreisen… Wie packen die das eigentlich? Unser eins ist froh, wenn das Aufgabenpensum bewältigt ist, das wir vor uns herschieben und wesentlich kleiner ist.
Das Geheimnis heisst Organisation und Selbstdisziplin. Wir alle wissen, dass wir aus unserer Zeit mehr herausholen könnten. Warum wir es trotdessen nicht tun, erklärt uns dieser Artikel aus derr Zeit 27/2008.
Und was tun wir alles, um Struktur in unser Leben zu bekommen?
Ich habe mich in die Universitätsbibliothek gesetzt, ein Ratschlag, den ich wirklich jedem geben kann, der geistig arbeiten muss und es zuhause einfach nicht hinbekommt.
Wir fahren jeden Tag ins Büro, und manche würden sogar am Wochenende hingehen, nur für ein paar Stunden, nur damit sie sich nicht zuhause langweilen.
Was wir brauchen ist Zeitdruck, aber de haben wir selten. Im vorbeugenden Gehorsam nehmen wir nur Aufgaben an, die wir in bestimmten Zeitrahmen bequem bewältigen können und bürden uns keinesfalls zu viel auf.
Im übrigen ist es das, woran viele Ehrgeizlinge scheitern, wie ich an anderer Stelle schrieb, ist man erfolgreicher, je mehr Zeit man effizient nutzt. Für Ehrgeizlinge ist ihr Terminkalender, ihr Tachostand und der erste Herzinfarkt in jungen Jahren ihr Statussymbol, während der runde Bauch ein Zeichen von Müßiggang ist.