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Der PageRank und der Sprachraum

Der PageRank fasziniert die Leute, die sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen. Er mißt den Grad der Verlinkung einer Website. Je besser eine Seite verlinkt ist, desto höher der PageRank. Und je höher der PageRank einer Seite ist, desto höher ist der Wert eines Links diese Site für eine andere Site.

Der PageRank wächst nicht gleichmäßig, sondern vermutlich um einen Faktor Fünf. Das heißt, man braucht für einen PageRank von 2 ungefähr fünf Mal so viele Links wie für einen PR von 1. Für einen PR 3 braucht man entsprechend 25 Mal mehr als für PR 1 und so weiter.

Das mag ein nettes Maß für die Qualität einer Website sein, hat jedoch einen entscheidenden Haken, den Google meines Wissens nach bisher nicht berücksichtigt hat: die Menschen verlinken bevorzugt auf Websites ihres eigenen Sprachraums.

Die Sprachenwelt des Internet ist natürlich wesentlich anders als die reale Sprachwelt: Die lingua franca des Web ist Englisch. Daneben gibt es nur eine Handvoll Sprachen im Web mit nennenswerten Zahlen an Websites: Spanisch, Französisch, Deutsch, Russisch, Mandarin und vermutlich Hindi, Portugiesisch und Arabisch. Die Afrikaner und viele Inder, die Websites betreiben dürften Englisch oder Französisch als Sprache bevorzugen, um eine größere Gruppe von Menschen zu erreichen. Internet ist in Indien immer noch selten und teuer und es dürfte daher wenige Leute geben, die eigene Websites betreiben. Zumal auch hier Netzwerke wie Facebook an die Stelle privater Websites getreten sind.

Das gilt aber auch für kleine europäische Sprachräume: Die Skandinavier dürften ganz gut mit Internet versorgt sein. Oder Osteuropa mit einer recht brauchbaren Versorgung mit Internet.

Alle diese Sprachräume haben eines gemein: Ihre Websites können noch so gut sein, sie könnten nie quantitativ so viele Links aufbauen wie englisch-sprachige Websites. Angloamerikanische Weblogs wie TechCrunch profitieren überwigend davon, dass sowohl englische als auch anderssprachige Websites auf seine Artikel verlinken. Dass TechCrunch seinerseits auf einen deutschen Blog verlinkt ist vielleicht noch denkbar, aber würde TechCrunch wohl auf einen norwegischen, estnischen oder Suaheli-Blog verlinken? Wahrscheinlich äußerst selten.

Hier stoßen die quantitativen und qualitativen Methoden von Googles PageRank schnell an ihre Grenzen. Es ist aber albern, einer englischen Site einen PR von 10 zu geben, aber einer polnischen Site einen solchen PR zu verweigern, wenn sie eben so gut.

Allerdings sollte man dem PageRank nicht so viel Gewicht beimessen. BWLer lieben Rankings und Zahlen. Aber eine Website mit schlechter On-Site-Optimierung profitiert weniger von einem guten Rank, während eine gut optimierte Site in ihrem Erfolg von einem schlechten Rank nicht allzusehr betroffen ist. Ärgerlich wird es etwa dann, wenn eine Website Geld verdienen will und der Wert von Bannerwerbung nicht an der Menge von qualifiziertem Traffic, sondern am PR gemessen wird.

Die Apfel-Strategie

Apple war lange Zeit ein Nischenanbieter auf dem Markt für Personalcomputer. Ein Kuriosum in der Geschichte ist wohl, dass Apple eine kleine, aber stabile Fangemeinde hat, während der große Konkurrent Microsoft zwar massenhaft Anwender, aber kaum Freunde hat. Im ZD-Net erschien ein Beitrag, der unter anderem Apples Fangemeinde unter die Lupe nimmt:

Nun zum vierten Lehrsatz – Menschen zu formen und sie zu konstruktiven Aktionen zu mobilisieren. Ja, Apple-Jünger wurden effektiv mobilisiert und dienen brav den Gedanken des iJuche. Alle Kritik wird kategorisch verworfen und als unqualifiziert abgetan.

Quelle
ZDNET fragt an anderer Stelle, ob Apple-Jünger am Stockholmsyndrom leiden.
Vor einigen Jahren war Microsoft noch das, was Google heute ist: ein passables Feindbild, ein Quasi-Monopolist, ein Datensammler mit einem sehr schlechtem Ruf.
Apple hat es wieder Erwarten geschafft, den Markt für MP3-Player und Mobiltelefone aufzurollen. Weniger in dem Sinne, dass Apple zum Marktführer geworden wäre, sondern dadurch, dass seine Produkte zum Maßstab geworden sind, an dem man die Qualität eines Produkts misst.
Was Design und Bedienbarkeit angeht, sind Apple-Produkte bisher ungeschlagen. Zwar gab es schon zuvor berührungsgesteuerte Oberflächen, aber erst mit dem angepassten Betriebssystem und der intuitiven Gestensteuerung sowie dem Multitouch ist diese Oberfläche überhaupt interessant geworden.
Zugleich hat es Apple geschafft, eine Fangemeinde für seine Produkte aufzubauen, was nun wirklich kein Hersteller von Computern, Software, Mobiltelefonen und MP3-Spielern geschafft hat. Die Ausnahme ist Linux, wo die Gemeinde wegen der vielen Distributionen aber stark zersplittert ist.
Diesem Umstand ist es zu danken, dass Apples Marketing-Strategie so hervorragend funktioniert und so wohl von keinem anderen Unternehmen möglich wäre. Durch gezielte Indiskretionen werden „Geheimnisse“ an große Multiplikatoren wie Journalisten oder bekannte Blogger weiter gegeben. Zugleich entwickeln sich in den großen Communities Spekulationen über angebliche neue Funktionen, Geräte oder Betriebssystem-Versionen. Da Apple diese Gerüchte nicht persönlich durch seine Marketing- oder PR-Abteilung bekannt gibt, muss es sie auch nicht dementieren. Große Computermagazine wie Heise oder Golem in Deutschland greifen diese Gerüchte ebenso gerne auf wie die Printmedien, in den Foren finden heiße und hitzige Debatten statt, der obligatorische Kommentar, dass Apple überbewertet sei und man doch über andere Dinge berichten möge, darf ebenfalls nicht fehlen. Wenn der Begriff „virales Marketing“ nicht so ausgelutscht wäre, würde er hier hervorragend passen. Apple spielt auf der Klaviatur der Medien und des Web 2.0 wie auf einem Mac.
Die Apple-Events werden groß inszeniert, der begabte Rhetoriker und Apple-Übervater Steve Jobs präsentiert die Produkte in einer großen Live-Show. Wichtige Persönlichkeiten werden exklusiv eingeladen, um die Geräte in die Hand zu nehmen, bevor sie ein Normalsterblicher überhaupt zu Gesicht bekommt.
Doch was will Apple eigentlich? Es erscheint mit dem Tablett relativ klar zu sein: Apple möchte den mobilen Konsum von Medien managen. Da ist der iPod zum Musik-Hören und Videos schauen, das iPhone, welches solche Inhalte empfangen und versenden kann und der große Bruder, das Tablett, das vor allem Videos zugänglicher macht, aber auch Bücher, Magazine, Zeitungen und andere „Print“-Produkte zugänglich machen soll. Das Problem der E-Reader mit E-Ink, dass sie für Magazine oder farbige Graphiken ungeeignet sind, hätte sich mit dem IPad erledigt.
Zugleich soll das iPad die Netbooks verdrängen und wird parallel der kleine – weil billigere – Bruder des iPhones. Außer Telefonieren kann man schließlich alles mit dem iPad erledigen, was das iPhone für mehr Geld auszeichnen soll.
Niemand weiß genau, wie viel Geld Apple in Marketing und PR steckt und es ist sicher mehr, als man glaubt: eine solche Kampagne muss genau geplant und überwacht werden. Wenn die Community einmal allzu sehr über die Stränge schlägt, ist auch mal ein Dementi fällig.
Dennoch dürfte Apple mit geringem Einsatz den größten Hype ausgelöst haben, den es in letzter Zeit überhaupt um irgend ein Produkt gegeben hat. Selbst Windows 7 und Google Wave scheinen nicht so spannend gewesen zu sein. Ob das Gerät ein Erfolg werden wird, bleibt abzuwarten. Hinterher könnte es sich als Fehler herausstellen, dass man das Gerät zwei Monate vor der Markteinführung vorgestellt hat, bis zur Markteinführung könnte es sich ausgehypt haben.