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Als Blinder präsentieren

Präsentationen gehören ja in vielen Berufen heute zum Standard. Nur blöd, dass Blinde die Leinwand nicht sehen können. Nun haben alle Blinden – außer mir – ein gutes Gedächtnis und lernen die Präsentation einfach auswendig. Die Assistenz darf dann die undankbare Aufgabe übernehmen, weiterzuklicken und durchzusagen, auf welcher Folie man sich gerade befindet. Wirklich glücklich war ich mit dieser Lösung nicht.
Eher zufällig habe ich dann entdeckt, dass NVDA den Folien-Inhalt vorliest, wenn man sich im Präsentations-Modus befindet. Selbiger wird in MS Office mit F5 aktiviert. Ärgerlicherweise sagt NVDA bei jedem Folienwechsel „Präsentation Folie X“, aber damit kann ich leben. NVDA liest anschließend den Titel vor, dann den kompletten Text-Inhalt der Folie, was man aber den Zuhörern nicht antun sollte, ein beherztes Drücken von STRG beendet den Lese-Fluss. Mir ist es ausreichend, den Folien-Titel zu hören, um zu wissen, was ich erzählen muss. Wer sich in seinem Stoff auskennt, sollte das auch mit 200 Folien schaffen, zumindest ist mir das gelungen. Natürlich sollte dann jede Folie nur eine Information enthalten.
Mit Return blättert man eine Folie weiter, mit Löschen eine Folie zurück. Das geht auch mit den Bild-Auf-und-Ab-Tasten.
Das Ganze funktioniert ab Office 2003 aufwärts, leider bisher nicht mit Libre und OpenOffice, überhaupt ist die Zugänglichkeit von Impress mit NVDA derzeit noch – hm – ausbaufähig.
Das Ganze funktioniert auch mit Jaws. Natürlich braucht man immer noch einen Sehenden, der reinschreit, wenn irgendwas nicht funktioniert wie es sollte. Für mich ist das aber ein großer Schritt Richtung Unabhängigkeit.
Eine textlastige Präsentation zu erstellen ist ebenfalls mit Screenreadern möglich. Dazu müsst ihr in der normalen Folienansicht in die Folie tabben und Return drücken, dann könnt ihr zum Beispiel den Titel oder den Inhalt editieren. Wenn ihr fertig seid, drückt Escape, um zur Ansicht zurückzukehren.
Allerdings ist es für Blinde nicht möglich, Grafiken oder Bilder korrekt einzufügen, dass wird soweit ich das sehe ohnehin nie möglich sein. Überhaupt stoßen Powerpoint und auch Word dort an ihre Grenzen, wenn es um die fehlerfreie Gestaltung von Dokumenten geht. Gewiss, man kann Fehler bei der Schrift, leere Zeilen und Tabulatoren und so weiter korrigieren. Die Schlusskorrektur muss aber immer ein Sehender machen.
Wir hatten neulich auf Facebook diskutiert, ob Blinde Präsentationen erstellen können. Die meisten Blinden, die sich dort meldeten meinten, sie würden den Text vorschreiben und den visuellen Rest von sehenden Assistenten erledigen lassen. Das mag im Studium okay sein, aber spätestens, wenn es ums Berufliche geht, stößt man bei dieser Strategie an Grenzen. Der Wissensabstand zwischen Berufstätigen und ihren Assistenten wächst stetig, so dass die Assistenten zwar in der Lage sind, eine Folie zur erstellen. Die inhaltliche Verantwortung liegt aber eindeutig beim Blinden selbst. Er muss entscheiden können, wie viele Infos auf eine Folie passen, welche Grafiken das visualisieren können und so weiter. Kann er das nicht, erfüllt er genau genommen nicht die Qualifikation für seinen Job. Sorry, wenn ich das so hart sagen muss. Dass auch Sehende schlechte Folien machen, ist keine Entschuldigung.
Mir ist bei der Gelegenheit mal wieder aufgefallen, wie mangelnde Barrierefreiheit ganz praktisch die Karriere-Chancen verbauen kann. Nicht, dass ich für einen Führungsposten taugen würde. Aber faktisch ist es doch so: Assistenz hin, Assistenz her, wenn du bestimmte Sachen nicht machen kannst, wirst du nicht nur beruflich nicht aufsteigen. Es wird sogar schwierig für dich, deinen aktuellen Posten zu behalten. Der Job bleibt der Gleiche, aber die Anforderungen ändern sich stetig. Heute gibt es praktisch keinen Job mehr, der ohne die Bedienung von Software auskommt. Dabei ist vieles keine Standard-Software mehr, sondern Programme, die nebenbei von Entwicklern zusammengestoppelt wurden, ohne Rücksicht auf Barrierefreiheit. Ich hatte schon häufiger den Fall, dass selbstentwickelte Software nicht mit angemessenem Aufwand barrierefrei zu machen war, wobei „angemessen“ natürlich dem Maßstab des Auftraggebers folgt. Die Ausdifferenzierung der Software-Landschaft durch die zahlreichen Windows-Versionen, Browser, Screenreader und Mobile haben das Problem eher noch verschärft. Früher reichten ein paar Jaws-Skripte für Windows XP, um ein Programm bedienbar zu machen. Heute brauchen wir plattform-unabhängige Barrierefreiheit.

SlideShare – das YouTube für Präsentationen

Ich bin durch Christian Heilmanns Weblog auf SlideShare gestoßen. Das ist ein nicht ganz neuer Dienst, wo man Power-Point-Präsentationen hochladen und als Flash bzw. zum Download bereit stellen kann. Christian stellt neben Audioaufnahmen auch die Präsentationen seiner Beiträge online. Der Dienst funktioniert ähnlich wie YouTube, man kann also die Präsentationen samt Player in die eigene Website einbetten.
Nun muss man leider sagen, dass die meisten Präsentationen eher eine Art Gliederung für einen Vortrag darstellen. Die Slides sind und ollen auch keine Zusammenfassung der mündlichen Rede sein, sondern bieten eine knappe Orientierung darüber, worüber der Vortragende gerade spricht oder was seine Kernthesen sind. Viele Präsentationen machen ohne Vortrag gar keinen Sinn. Dennoch finde ich es schön, dass man viele der Präsentationen herunterladen kann und SlideShare auch standardmäßig eine barrierefreie Textversion anbietet – in der rechten Spalte unterhalb der Statistiken bzw. unterhalb der Kommentare.
Wer eine Präsentation für sich betrachtet merkt höchstens, wie langweilig nichtssagend Folien sein können. Bei dem Power-Point-Standard-Schriftgrad von 24 und einem eingebundenen Bild kann man eben keine ausgefeilten Statements unterbringen.
Ich denke aber, slideShare bietet eine gute Möglichkeit, Tutorials bereit zu stellen. Anders als Screencasts sind Präsentationen relativ schnell zusammengeklickt. Sie erfordern kein Videoschnitt-Programm, kein mehr oder weniger sinnvolles Gequatsche mit mieser Tonqualität und vor allem muss man sie nicht starten und stoppen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen lassen sich Folie für Folie abarbeiten, ein zurecht geschnittener Screenshot läßt sich links einfügen, die passenden Anweisungen rechts. Genausogut kann man hier ein neues Programm – oder das neueste Gadget – vorstellen.
Im Grunde könnte sich hier auch ein neues Web-2.0-Medium etablieren: gehaltvoller als Twitter und multimedialer als Weblogs. Ich werde in Zukunft ein wenig damit experimentieren.