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Don – Die Ästhetisierung des Kriminellen

Früher glaubte man – und viele tun das auch heute – dass Kriminelle ein besonders negatives Aussehen haben. Unbewusst steht vieeleicht der Gedanke dahinter, dass negative Emotionen und Absichten nicht ohne Effekt auf die eigene Ausstrahlung bleiben können.

Der Verbrecher ohne Ehre wurde verdrängt durch die Verbrecherehre. Mario Puzo hat mit seinen Mafiabüchern die Ehre der Mafia salonfähig gemacht. Die Verfilmung durch Francis Ford Coppola in der episch angelegten „Paten“-Trilogie hat eine spezifische Mafiaästhetik geschaffen, die wie gemunkelt wird, selbst von der Mafia übernommen wurde. Besonders die italienische Mafia und ihre Nachahmer haben sich hier einiges abgeguckt.

Ähnliches gilt für die japanische Mafia – die Yakuza – die angeblich Tugenden der Samurai übernommen haben. Glaubt man Ian Buruma, gehören japanische Gangster zu den größten Fans japanischer Gangsterfilme.

Weniger gerne wird konstatiert, dass organisierte Kriminalität auch Tugenden des Kaptialismus übernommen hat. Dazu gehört Fleiß, Selbstdisziplin, die Erkennung ungenutzter Potentiale und Geschäftschance, der Aufbau effizienter Organisationen, die Buchhaltung, die Hierarchie im Personal und vieles mehr. Was ein echter Krimiboss sein will, muss ebenso hart arbeiten wie ein gestandener CEO oder Manager, wenn er erfolgreich sein will. Und auch hier gilt, Konkurrenz belebt das Geschäft.

Natürlich geht man – zumindest im Westen – nicht mit Schußwaffen gegen unliebsame Konkurrenten vor. Man darf die Ähnlichkeiten auch nicht übertreiben.

Der Verdacht liegt nahe, dass vieles, was heute im Fernsehen als historisch verkauft werden, so nie Wirklichkeit gewesen ist. Die ritterliche Tugend war zu ihrer Zeit schon mehr Wunschdenken als Realität, Cowboys im Western scheinen nur selten mit echten Kühen beschäftigt zu sein, „Wallstreet“ von Oliver Stone hat vielleicht nicht die Bänkermentalität geschaffen, aber die jüngere Generation von Bänkern und Managern mitgeprägt.