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Chinesisch schreiben lernen heißt Verstehen lernen

Vor längerer Zeit gab es eine Sendung im WDR 5 – habe sie leider im Web nicht gefunden, über das Chinesische. China ist riesengroß und 1,3 Millarden Einwohner. Die Sprache ist so beschaffen, dass nur sehr wenige Menschen das Hochchinesische beherrschen.

Als universelles und zeitenübergreifendes Verständigungsmittel dienen deshalb die chinesischen Schfitzeichen. Bekanntermaßen basiert das chinesische Schriftsystem nicht auf Laut- und Silbenachbildung wie das unsere.

Im Endeffekt läuft das darauf hinaus, dass die Zeichen im ganzen Land gleich geschrieben werden und die gleiche Bedeutung haben, sie aber in jedem Landesteil anders ausgesprochen werden.

Kurioserweise kann ein Chinese somit die Werke von Lao Tse oder Konfuzius lesen, hat aber vermutlich Probleme, seinen Verwandten aus der nächsten Provinz verbal zu verstehen.

Das ist im übrigen nicht weiter überraschend. Der Hamburger kann seinen Nachbarn aus Dänemark vielleicht besser verstehen als den Bayern. Kaum ein Europäer spricht mehr als seine Muttersprache fließend, die erste Fremdsprache klingt eher mau und die zweite Femdsprache ist oft gar nicht vorhanden. Und das, obwohl der Schulbesuch gerade diese Fremdsprachen verfestigen sollte.

Die Basis einer Universalsprache müsste also damit beginnen, universelle Zeichen zu erstellen. Doch die Kernbarriere liegt weniger in der Fähigkeit, eine solche Sprache zu entwickeln als in der Bereitschaft, eine andere als die Muttersprache gut zu erlernen.

Denken anders denken

Man kann sich kaum vorstellen, wie es ist, wie jemand anders zu denken. Während wir denken, wir denken wie alle Anderen, wissen wir doch nicht, wie sie denken und da wir uns selbst beim Denken nicht zusehen können, wissen wir nicht einmal, wie wir selber denken.
Und schon gar nicht wissen wir, wie man in uns fremden Kulturen denkt. Dass die Verständigung trotzdem meistens funktioniert, liegt nicht an der Universalität unseres Denkens, sondern daran, dass wir sämtliche Kontakte vermeiden und wenn sie dann doch stattfinden, dann nur rudimentär. Kein Gedanke daran, einen komplexen Gedanken auszutauschen.
In China wird das Denken durch das Erlernen der komplexen Schriftzeichen geformt, meint jedenfalls Professor Lothar Ledderose in diesem Interview. Das chinesiche Schriftsystem basiert nicht auf Silben, sondern aus Kontexten. Und dies führt dazu, dass Chinesen eher das Ganze sehen, während Europäer eher Details betrachten.