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Interview zur inklusiven Beschulung

In der taz ist ein Interview mit Eva Thoms erschienen, die sich für eine Schule für Alle engagiert, daraus:

Das ist substanzlose Rhetorik. Da wird die Fahne der Inklusion gehisst, um gute Schlagzeilen zu haben. Tatsächlich wird alles getan, um möglichst gar nichts
ändern zu müssen. Den Eltern in Baden-Württemberg werden – für jedes einzelne Kind mit Behinderung – sogenannte Bildungswegekonferenzen vor die Nase gesetzt, in denen Experten und Verwaltungsleute beraten, wo das Kind zur Schule gehen soll. Unter deren Vorschlägen dürfen die Eltern dann wählen – wenn keine Regelschule dabei ist, dann haben sie eben Pech gehabt. Da wird Inklusion mit einem unglaublichen bürokratischen Aufwand verhindert.

Ebenfalls in der taz erschien ein Interview mit dem Kultusminister Baden-Württembergs Helmut Rau. Es zeigt recht anschaulich, wie die Schulministerien um die Frage der inklusiven Beschulung herum lavieren.
Die Eltern und Interessensverbände werden wohl nicht darum herum kommen, für ihre Kinder das Recht auf inklusive Beschulung über den Klageweg durchzusetzen. Ein Rechtsexperte hat bereits in einem Gutachten festgestellt, dass den Kindern dieses Recht nicht verweigert werden darf. Das ist natürlich ärgerlich, weil sich solche Prozesse durch verschiedene Instanzen über Jahre hinziehen können.

Ein Recht auf integrative Beschulung

Der Verein “Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen” hat ein ihm beauftragtes Gutachten vorgestellt, wonach Deutschland dazu verpflichtet ist, behinderten Kindern eine integrative Beschulung zu ermöglichen:

Das Recht auf inklusive Beschulung fordert die Schaffung eines Rechtsanspruchs auf
Zugang zum Regelschulsystem – inklusive angemessener Vorkehrungen (auch
“sonderpädagogische Förderung”, zieldifferenter Unterricht etc.) – der nur unter
Nachweis unzumutbarer Belastung (für den Schulträger bzw. Mitschüler/innen)
eingeschränkt werden kann. Entgegen häufiger Praxis ist der Regelschule ein
grundsätzlicher Vorrang einzuräumen.
Die staatliche Befugnis, das Kind gegen dessen bzw. gegen den Willen seiner
Sorgeberechtigten der Sonderschule zuzuweisen ist abzuschaffen. Es ist daran zu denken,
partizipatorische Verfahren zu entwickeln, ohne deren Einschaltung automatisch die
Zuweisung an eine Regelschule erfolgt. Die Entwicklung eines solchen Verfahrens ist
progressiv, d.h. schrittweise, zu verwirklichen.

Das Gutachten stammt von Professor Dr. Eibe Riedel, das Zitat stammt aus einer Zusammenfassung im PDF-Format
Die Basis ist die von Deutschland ratifizierte UN-Konvention zu den Rechten Behinderter.
Kleines Update: Die jüngsten Berichte über sexuelle Belästigung von Schutzbefohlenen werfen ein neues Licht auf geschlossene Einrichtungen. In diesem Beitrag berichtet ein Schüler über sexuelle Übergriffe in einer Blindeneinrichtung.