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Scrollen oder nicht scrollen – der Umgang mit langen Texten im Netz

Fast jedes Medium hat es einmal gemacht: mehr oder weniger sinnvolle Klickstrecken aus Bildern sollten den User zur Mausakrobatik animieren. Die Währung hieß damals Klickrate, je öfter man klickte, desto höher war der Wert der angezeigten Werbung. Das scheint zumindest teilweise korrigiert worden zu sein.

Doch bei Texten geht die Salami-Taktik weiter Die Zeit, das Süddeutsche Magazin und viele andere Websites verteilen einzelne Artikel auf mehrere Seiten.

Das galt als guter Stil, als Bildschirme noch Bildschirme waren und 14 Zoll maßen. Damals waren Mäuse mit Rädchen selten und der entnervte User musste den Cursor an den rechten Bildrand fahren, um sich beim Scrollen einen Tennisarm zu holen. Aus dieser Zeit stammt die Designweisheit, dass nichts beachtet wird, was außerhalb des Start-Screen liegt, also dem Bereich, den man ohne vertikales oder horizontales Scrollen sehen kann. Ergo müssen Texte, die über den Bildschirm reichen, in kleine Portionen aufgeteilt werden.

Ich war mal auf eine Seite gestoßen, die aus dieser Salami-Taktik ein Geschäft gemacht hat. Da stand ein etwas längerer Text kostenlos auf 20 Seiten verteilt und die komplette Fassung ließ sich als PDF käuflich erwerben.

Das klingt zwar kurios, aber gerade längere Artikel, die auf diese Weise zerstückelt werden, wird wohl kaum jemand wirklich zu Ende lesen. Vier Seiten dürften so die magische Grenze sein, wo auch der geduldigste Leser die Lust verliert. Zumal, wenn sein Surfgerät nicht so bequem ist wie ein PC. Mit einem Notebook-Touchpad oder einem Handy macht das wenig Spaß. Ärgerlich vor allem, wenn auf der letzten Seite nur ein kleiner Absatz steht, für den sich das Klicken gar nicht gelohnt hat.

Und leider bieten nur die wenigsten Seiten die Anzeige verteilter Artikel auf einer Seite an, die Zeit zum Beispiel. Viele Seiten bieten zwar eine Druckfunktion an, die einen ähnlichen Effekt hat – der ganze Artikel wird auf einer Seite angezeigt. Allerdings ist diese Funktion zumeist mit JavaScript verbunden, das den Druckerdialog des Browsers auslöst. Wer hier automatisch auf Return drückt und einen Drucker laufen hat, verschwendet einmal mehr unnötig Tinte und Papier. Die süddeutsche macht das zum Beispiel. Die Designer meinen wohl, die Menschen seien zu doof, den Drucker selber auszulösen.

Ein weiterer Nachteil verteilter Artikel besteht darin, dass man sie schlecht archivieren kann. Oder ist das die Absicht der Webbetreiber?

Ich würde heute ohne Wenn und Aber empfehlen, einen Artikel immer zusammenhängend auf eine Seite zu packen. Via Tracking kann jeder Webbetreiber feststellen, dass der User nicht bereit ist so oft zu klicken, wie der Webbetreiber es gerne hätte. Wir sind heute unheimlich klick- und tippfaul. Wer schon mal einen interessanten und längeren Diskussionsfaden im Heise-Forum konsequent lesen wollte, hat vermutlich spätestens nach dem zehnten neu aufgerufenen Beitrag aufgegeben, zumal die Hälfte der Beiträge sich auf „ROFL“, „LOL“ oder „SCNR“ beschränkt.

Mit den heutigen Smartphones wiederum ist das Scrollen einfacher als das Aufrufen neuer Websites durch das Berühren eines Links. Das Thema mobiles Web zwingt uns außerdem wieder dazu, über knappe Bandbreiten, lange Ladezeiten, Verbindungsabbrüche und weitere Ärgernisse nachzudenken, die uns noch aus der Modem-Zeit verfolgen. Die meisten bekannten Websites sind von der Performance her auf DSL angelegt und laden neben dem eigentlichen Inhalt noch einen Rattenschwanz an externen Inhalten, JavaScript, Werbebildchen und allerlei anderen Merkwürdigkeiten nach. Selbst bei DSL kann es immer noch mehr als zehn Skeunden dauern, bis die Seite komplett geladen ist. Im mobilen Web dauert das entsprechend länger und so lange möchte einfach niemand warten. Es ist also schon aus ökonomischer Sicht sinnvoll, zusammenhängende Artikel auf eine Seite zu packen.

Texten für das Web

Was für Audio oder Video im Web gilt, stimmt erst recht für Texte. Trotz TFT ist es noch immer ermüdend, lange Texte am Computer zu lesen. Kaum jemand mag zudem Scrollen, ein ellenlanger Scrollbalken erweckt ebenso Panik wie ein Essay von Jacque Derrida.
Wir erinnern uns also der journalistischen Tugend und halten uns an folgende Kriterien

  • Kürze, Der Text sollte die angemessene Länge haben. Der Autor muss selbstkritisch darauf schauen, ob er einerseits alle nötigen Informationen aufgenommen hat und andererseits alles Unnötige verbannt hat.
  • Die Überschrift und Zwischenüberschriften sollten kurz und anschaulich sagen, was den Leser erwartet
  • der Teaser ist ein kurzer Text am Anfang, der entweder den Inhalt des Textes zusammenfasst oder neugierig macht. Bei Gebrauchstexten ist er eine kurze Zusammenfassung des Inhalts
  • Hervorhebungen ermöglichen es, zu „scannen oder skimmen“, also den Text quer zu lesen und die wichtigsten Stichworte zu erfassen. Wir empfehlen maximal eine Hervorhebung pro Absatz.
  • Achten Sie auf korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung, fehlende Satzzeichen oder Tippfehler sorgen für Verwirrung und lenken den Leser ab
  • Interne und externe Links, sofern sie sinnvoll sind, sollten eingebaut werden. Kein User kann gegen seinen Willen länger als er will auf der Site festgehalten werden. Wir empfehlen maximal einen Link pro Absatz, alternativ alle Links zusammengefasst am Fuß des Artikels
  • Strukturierung hilft beim Lesen der Texte. Verwenden sie Listen, Einrückungen für Zitate,, Zwischenüberschriften und den linksbündigen Flattersatz.
  • Vermeide Fremdwörter, Abkürzungen oder zusammengesetzte lange Wörter, wenn deine Leserschaft sie nicht kennt

Listen richtig einsetzen

Manchmal ist eine Liste das beste Element, um eine Information zu vermitteln. Es kann schnell passieren, dass man vier, fünf Elemente in einem Satz aufzählt, wobei jeder Leser die Übersicht verliert.
Auf der anderen Seite sollte man es nicht mit den Listen übertreiben. Diese Liste hier oben zum Beispiel dürfte einige Leute abgeschreckt haben.
Oft wird gefragt, wie Listen korrekt aufgebaut sein müssen. Es gibt dabei unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Eine Liste kann aus Stichpunkten bestehen. Es handelt sich dabei nicht um ganze Sätze, deshalb kann das erste Wort klein geschrieben werden, wenn es kein Substantiv ist. Am Ende steht kein Satzzeichen, da es sich nicht um einen vollständigen Satz handelt
  • Eine Liste kann wie diese hier aus Sätzen bestehen, in diesem Fall wird das erste Wort groß geschrieben und am Ende steht ein Punkt, Frage- oder Ausrufezeichen
  • Es gilt als schlechter Stil, diese beiden Formen zu mischen, wie ich das oben getan habe. Zudem verwirren wir den Leser, wenn wir abwechselnd Stichworte und ganze Sätze einsetzen.

  • Seltener ist die Form, bei der die gesamte Liste aus einem Satz besteht. Es ist so, als ob wir einen langen Satz schreiben, wobei die einzelnen Aufzählungen als Listenpunkte verwendet werden. Der Satz muss natürlich orthographisch korrekt sein. Soweit ich die Konvention kenne, darf es sich auch nur um einen vollständigen Satz handeln, dass heißt, Fragezeichen, Ausrufezeichen und andere Schlußzeichen sind innerhalb dieses Satzes nicht erlaubt.

Visualisieren – wo es geht

Visualisierungen sind eine feine Sache. Der künftige Online-Redakteur wird ebenso mit Visualisierungen umgehen wie mit Text. Das simplste Balkendiagramm ist anschaulicher als jede Tabelle und erst recht besser als jede textliche Aufzählung.

Tabellen

Der Einsatz von Tabellen ist vor allem dort sinnvoll, wo es um viele Zahlen geht. Klingt banal, aber wann hast du den letzten Artikel über die Arbeitslosenstatistik gelesen, bei dem die Zahlen einmal sinnvoll gruppiert wurden? Da werden wild Zahlen in den Text eingestreut, wo es sinnvoller gewesen wäre, die Zahlen einmal sinnvoll zu gruppieren, damit sich jeder selbst einen Überblick verschaffen kann. Da haben wir einmal die absoluten Arbeitslosenzahlen, die Vergleichswerte aus dem Vormonat und dem gleichen Monat des vorigen Jahres. Dann die Arbeitslosenquote für die gleichen Zeiträume. Und um das Ganze in einen Gesamtkontext zu stellen kann man noch ein Diagramm anfertigen, das die Entwicklung im Jahresverlauf anzeigt.

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Designen für das Web 2.0 – neue Herausforderungen

Ob Hype oder nicht, wer Web 2.0 einsetzen will, muss neue Maßstäbe im Design setzen. Die klassische Konstellation aus Banner, Navigation und Inhalt muss einer Sidebar Platz machen, die Mitmachfunktionen an prominenter Stelle unterbringt.
Dabei muss die Übersichtlichkeit gewahrt bleiben. Die Hauptnavigation bleibt natürlich das Skelett der Website. Die Web-2.0-Funktionen müssen sich davon optisch deutlich abheben.
Kann man Beiträge schreiben, muss es eine Unternavigation für diese Beiträge geben.
Hat man zudem ein Nutzersystem – das man immer haben sollte, möchte man eine Community aufbauen – müssen auch hier entsprechende Funktionen eingebaut werden.
Schließlich müssen auch die Ergebnisse des Mitmachens deutlich sichtbar werden, Kommentare müssen unterhalb des Kommentierten angezeigt werden und am besten über einenen seiteninternen Link ansteuerbar sein.
Ideal ist hier eine optische Trennung, etwa eien horizontale Hautpnavi und ein vertikales Menü. Oder umgekehrt.
Sinnvoll mag auch eine optische Trennung sein, wobei die Hauptnavi aus Gründen der Nutzerfreundlichkeit immer links oder oben sein sollte. Da sich die 22-Zoll-TFTs allmählich durchsetzen, kann man durchaus „in die Breite“ gehen.
Weniger sinnvoll sind es allerdings, das Ganze über die beliebten Pulldownmenüs von JavaScript zu realisieren. Wer eine Beteiligung möglichst vieler Personen wünscht, muss entsrprechende Funktionen deutlich sichtbar auf dem Eingangsscreen – also ohne scrollen – und auf jeder Seite anbieten.
Beliebt sind auch Beitragslisten, die auf einzelnen Beitragsseiten angezeigt werden. Es ist fast immer eine Top-Tenliste, die angezeigt wird. Ich tendiere eher dazu, eine Zufallsauswahl zu präsentieren. Diese Liste sollte aber, schon aus Platzgründen, nicht im Hauptfenster angezeigt werden, sondern erst durch scrollen sichtbar werden. Alternativ lässt sich auch ein Anker in der Seitennavigation einbauen, der einen direkten Sprung vom Startsreen zu der Liste ermöglicht und zumindest deutlich macht, dass eine solche LIste existiert.