Französische Forscher haben herausgefunden, dass man Sprachen besser lernen kann, wenn nicht nur Augen und Ohren angesprochen werden, sondern auch die Hände. Die Blinden werden sich freuen, durch die Blindenschrift und natürlich durch das Fehlen des Augenlichts sind sie ohnehin dazu gezwungen, ihre haptischen Fähigkeiten zu schulen.
Einige Lernexperten glauben schon seit längerem, dass Menschen umso besser lernen, je mehr Sinne angesprochen werden. Es ist ein spannende Frage, ob blinde Menschen durchschnittlich bessere sprachliche Fähigkeiten haben als Normalsehende.
Ist man eine bestimmte Zeit lang blind oder stark sehbehindert gewesen, kommt man gar nicht mehr auf die Idee, sich einen kleinen Gegenstand anzuschauen, um ihn zu erkennen. Sehende sind dann immer überrascht, es dauert eine Weile, bis sie verstehen, dass es für einen Blinden keinen Sinn macht, eine Sache mit den Augen zu betrachten. Für uns ist es hingegen ganz natürlich, eine Tasche oder einen Karton mit den Händen zu durchwühlen und mit den Augen ganz wo anders hinzugucken.
Um etwa Kabel zu identifizieren, tastet man die Stecker ab. Wie schon öfter erwähnt habe, vefügen Blinde nicht über bessere Sinnesorgane, sondern haben gelernt, ihre verbliebenen Sinne effizienter einzusetzen.
Zwar gibt es Leute, die außergewöhnliche Sinne haben: Prinzipiell kann aber jeder Mensch lernen, seine Sinne vernünftig zu trainieren. Ein Parfümeur etwa verfügt wahrscheinlich schon ohnehin über einen guten Geruchsinn, weshalb er sich für seinen Beruf entschieden hat. Dennoch ist er gezwungen, seinen Geruchsinn zu trainieren, zu verfeinern und weiter zu entwickeln. Ein Toningenieur mag von Jugend an ein oder mehrere Instrumente gespielt haben. Es hat deswegen ein besonderes Gehör entwickelt, dass er durch seine Tätigkeit zwangsläufig trainiert, also sowohl durch das Musizieren als auch durch die Arbeit im Tonstudio.
Ein Blinder arbeitet in der Regel mit allen Sinnen. Der Tastsinn wird besonders dadurch gefördert, dass er die Brailleschrift erlernt, wodurch die Finger besonders trainiert werden. Möchte ein Blinder eine Straße überqueren, muss er feststellen können, ob ein Auto kommt, aus welcher Richtung es kommt und ob es abbremsen wird. Sucht er ein bestimmtes Geschäft, kann er etwa eine Bäckerei am Geruch identifizieren.
Was Blinde schon lange geahnt haben mögen, ist jetzt wissenschaftlich belegt. Menschen können Gegenstände hören. Per Schallreflexion läßt sich nicht nur ein Gegenstand ausmachen, sondern er lässt sich auch erkennen, größenmäßig einordnen und man kann in etwa sagen, wie weit er entfernt ist. Dies ermöglicht auch eine Orientierung in voller Dunkelheit. Nachzulesen im DeutschlandRadio. Bekanntermaßen stoßen Fledermäuse Ultraschallimpulse aus, die ihnen eine Orientierung ermöglicht.
Es gibt auch einen Blinden, der sich ohne Blindenstock, nur mit selbsterzeugten Geräuschen orientieren kann. Normal ist das nicht, jeder Blinde verwendet allerdings selbstverständlich akkustische Signale. Er erzeugt diese auch selbst, einerseits durch seine Schritte, andererseits durch den Blindenstock, der ja recht laute Geräusche produziert.
Viele Leute glauben immer noch, Sehen funktioniere wie eine Art Kamera, das Bild, welches auf unsere Netzhaut fällt, werde 1 : 1 ins Gehrin übertragen. Die Wirklichkeit ist faszinierender.
Fest steht bereits seit langem, dass das Gehirn Informationen des Sehens an verschiedenen Stellen verarbeitt. Ein rollender, roter Ball wird in drei Informationen verlegt, für deren Verareitung unterschiedliche Teile des Hirns veantwortlich sind: Bewegung, Farbe, Form.
In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Spektrum der Wissenschaft (Mai 2008, der genannte Artikel ist kostenpflichtig!) beschreiben zwei Forscher ein noch komplexeres System. Demnach werden nicht nur die oben genannten Faktoren voneinander getrennt, es laufen zwölf oder mehr verschiedene Filme ab. Sol heißen, die Nethaut vermag viele Informationen paralell, aber getrennt voneinander aufzunehmen: Schatten, Helligkeit, Umrisse, Bewegungsrichtungen.
Sinn des ganzen könnte sein, dass das Auge sich somit auf verschiedenste Stufen der Helligkeit und der Bewegung adaptieren kann. Vor allem die Billigkameras taugen oft nur – und auch nur bedingt – für verschiedene Lichtzustände. Oftmals können sie kaum adäquat eingestellt werden. Keine Kamera kann ohne Scheinwerfer oder Restlichtverstärker im Dunkeln brauchbar arbeiten.