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Pädagogisch wertlos – vom Nutzen der Kritik

Schon in der Schule haben wir uns damals darüber geärgert, wie das Benotungsverfahren abläuft. Da spricht man gerne von pädagogischer Benotung. Frei nach dem Motto, gibt man jemandem, der eigentlich schlecht ist, eine gute Note, dann wird er sich schon von selbst verbessern.

Das hat aber nichts mit dem Gedanken zu tun, dass alle gleich behandelt und vor dem Gesetz gleich sein sollen. Das ist blanke Heuchelei, ein „sich vor den Problemen drücken“, ein Ausweichen vor notwendiger Kritik und der Konfrontation.

Und in Wirklichkeit – das schrieb ich schon öfter, aber es stimmt immer – schadet man den Leuten mit dieser Unkritik mehr, als man ihnen nützt. Das Notensystem an sich verliert jede Bedeutung. Das Schlimmste ist, dass eben jene Leute, die an sich arbeiten müssten, keinen Anlaß dazu sehen, an sich selbst zu arbeiten. Es sind immer die Anderen, die an sich arbeiten müssen, man selbst ist perfekt.

In puncto Integration gilt dasselbe. Gibt man Leuten gute Noten, die nicht der Leistung entsprechen, so ist das nicht nur ungerecht den Anderen gegenüber, es wird auch den Behinderten nicht gerecht.

Nur durch Kritik erlangt man die Chance, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Wer nicht kritisiert wird, sieht auch keinen Anlaß dazu, an sich selbst zu arbeiten.