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Sehen, was du siehst

Sehen hat weniger mit einem physischen Prozess zu tun und viel mit dem Geist. Man sieht das, worauf man seine Aufmerksamkeit fokussiert und manchmal wenn man mit den Gedanken abschweift oder sich auf etwas konzentriert, sieht man die kuriosesten Sachen nicht, die sich unmittelbar im  Gesichtsfeld abspielen können.

Viele Sehende sehen deshalb offenbar nichts, weil sie nie gezwungen sind, sich auf den Weg zu konzentrieren und stattdessen irgend etwas anderes tun können.

Fass man den Begriff Sehen weiter, so fällt darunter alles, was das Aufmerksamkeitsspektrum reizen kann. So gesehen können, ja müssen Blinde sehen, damit sie zurecht kommen.

Es ist dabei nicht nötig, eine Sache korrekt zu identifiziren. Ich möchte dies an meinem Sehen deutlich machen, ohne dies als exemplarisch becihnen zu woolen. Es gibt nur wenige, die meinen Sehrest haben, aber dennoch etwas erkennen können.

Ist man zehn Jahre durch alle Arten von Städte gerast, hat Straßen überquert, ist in Bahnen ein- und ausgesteigen, ist Menschen, Kleinkindern, Kinderwagen, Gepäckstücken, Markständen, Fahrrädern, Laternenpfählen ausgewichen – kurz – hat man die typischen Erignisse einer Großstadt durchgemacht, gewinnt man genügend Erfahrung, um sich halbwegs orientieren zu können.

Ein großer Schatten, der sich bewegt, ist vermutich ein Mensch oder eine Menschengruppe. Ein kleiner Schatten könnte ein Tier oder auch ein kleines Kind sein. Kinder wichen nie aus, da muss man besonders vorsichtig sein.

Es reicht also aus, Schatten, Bewegungen oder farbige Veränderungen zu sehen, ohne dass man konkret wissen muss, ob es tatsächlich um einen Menschen handelt.

Statische Objekte wie Tische, Autos und Fahrräder  hingegen reflektieren oft Licht. Fahrräder ragen oft wie eine unförmige Masse aus einer Wand heraus.

Ähnlich sieht es bei Pfälen aus, Straßenschilder, Laternpfähle oder Abgrenzungspfähle sehen wie grau-braune Sriche in der Landschaft aus.

Nie viel anders sieht es bei Gebäuden aus, oftmals ist es nicht gar so einfach, sie von einfachen Felsformationen zu unterscheiden.

Diese rudimentäre Wahrnehmung reicht natürlich nicht aus, selbst für mich nicht, um mich zu orientieren. Entscheidend sind die anderen Signale, die dazu kommen: Menshliche Gespräche oder sonstige Geräusche, Schritte, Motorengeräsuche, das Klappern einer Türe, das Dingdong der Kirchenglocke.

Doch kman kann noch weiter gehen: Ich benutze den Sonnenstand zur Orientierung, die Reflexion des Schalls, den mein Stock produziert, das laute Geräusch einer Sraßenbahn oder einer stark befahrenen Straße.

Eine weitere Orintierungsmöglihckeit bietet natürlich der Tastsinn, der Kontakt mit dem Boden. Die bodenbeschaffenheit sagt mir, dass ich eventuell auf einem Radweg bin oder auf einem Stück Rasen gelandet bin, also vom Asphalt abgekommen bin.

Die meisten Leute sind sich dieser Dinge deshalb nicht bewusst, weil sie diese zur Orientierung nicht benötigen. Wer einmal bewusst darauf achtet, wird sie aber wahrnehmen können. Hinter ihnen steckt das ganze Gehemins blinder Orientierung, des blinden Sehens, wie ich es nennen möchte.

Das klingt nun alles zu schön, um wahr zu sein, und es ist, das sei abschließend gesagt, nicht so einfach, wie ich es hier beschrieben habe, es gibt noch genügend andere Schwierigkeiten, die ein Blinder zu überwinden hat, um sicher durch die Großstadt zu kommen.