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Das Rätsel Social Web

Heute Morgen erhielt ich von StayFriends eine Mail, sie wollten mehr von mir wissen. Dieses edle Anliegen muss ich leider ablehnen, da mir StayFriends nicht die Daten seiner Mitarbeiter herausgeben mag. Wenn ich über Oliver und Co. alles weiß, was sie von mir wissen möchten, denke ich darüber nach, ob ich ihnen das Meine auch verraten möchte.

Was uns zu einem der größten Rätsel des Social Web führt: Wieso verraten viele Leute in ihren Profilen mehr, als sie selbs ihren Eltern oder entfernten Bekannten preis geben würden? Gnerell lassen sich dafür drei Gründe ausmachen:

1. Sie glauben, das Web sei so groß, dass ihre Daten hier ohnehin untergehen.
2. Sie glauben, kein Mensch interessiere sich für ihre Informationen, abgesehen von ihren Freunden oder Bekannten.
3. Sie wissen, dass es um so leichter ist, neue Kontakte zu gewinnen, je mehr sie von sich freigeben.

Auf Kontaktbörsen, die Urformen des Social Web, kommt man schließlich nicht darum herum, alles Mögliche von sich zu verraten, da sich Beziehungen fast nur über Gemeinsamkeiten aufbauen lassen.

In Zukunft werden wir lernen müssen, insgesamt sparsamer mit unseren Daten umzugehen. Die Marketingbranche setzt gerade erst dazu an, unsere Daten systematisch zu sammeln. Die Branche ist noch nicht so innovativ und technikaffin, dass sie die Daten einsammeln und auswerten kann, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie das hinbekommt. Entsprechende Programme existieren bereits.

Leserbindung durch Communitybuilding

Die meisten Zeitungen haben heute Anhängsel im Internet. Nun ja, vielleicht sind die Printprodukte nun Anhängsel des Webauftritts. Zumindest ist die Zeit vorbei, wo man seine Artikel einfach nur online gestellt hat, als ob das Web aus Texten bestehe.

Was tatsächlich fehlt, ist eine Leserbindung im Web. Die Zeitungen haben es relativ verschlafen, hier frühzeitig anzufangen. Dabei gibt es gute Vorbilder, in Deutschland etwa das Online-Magazin Telepolis. Hier ist an jeden Artikel ein Forum drangehängt, welches nicht immer zu lesen lohnt. Allerdings stehen da gelegentlich auch intelligente Kommentare drin, manche User sind schon seit vielen Jahren dabei und haben mehr Kommentare bei TP hinterlassen als irgend einem anderen Medium.

Geradezu schlabbrig wirken da die angehängten Foren bei welt.de oder taz. Beide haben – und da sind sie in der Online-Zeitungslandschaft keine Ausnahme – kein Management ihrer Community. Die Beiträge werden absteigend hintereinander angezeigt. Spam soll durch Captchas ausgebremst werden, doch das, was durch die Filter kommt, ist qualitativ auch nicht wesentlich besser.

Welt online wimmelt somit von Kommentaren, durch die man sich durchblättern mag – aber wer tut das? Bei der taz hingegen sind Kommentare relativ rar gesät.

Wie das Beispiel Telepolis aber zeigt, ermöglichen Communities eine Leserbindung. In Communties können sich wie im Social Web üblich, Beziehungen entwickeln. Man lernt sich kennen, diskutiert regelmäßig miteinander, freut sich, wenn man sich wieder trifft. Wie im wahren Leben.

Communities sind also nicht nur aufwendige Zeitverschwendung, sie sind praktisch der einzige Weg, die Bindung der Leser zu erhöhen und zu sichern.

Das Social Web – die Technik

Das Social Web ist in aller Munde, aber keiner weiß so recht, was es ist, wie und vor allem, warum es funktioniert. Zumindest das Wie ist einfach zu erklären.

Aus markenrechtlichen Gründen nennen wir hier keine Namen, die ohnehin jeder kennt. Vom Prinzip her, also von der Technik gesehen, funktionieren alle Systeme gleich.

Die Schnittstelle bildet das User-Interface, also eine Webseite, in der Regel mit Formularen. Hier werden Daten eingegeben oder ausgewählt.

Über eine Skriptsprache wie PHP werden diese Daten in einer Datenbank, meistens MySQL, gespeichert. Eine Datenbank ist eine in Tabellen strukturierte Sammlung eingegebener Daten.

Die Daten werden über einen Schlüssel, die ID, eindeutig gekennzeichnet. Das sorgt dafür, dass z. B. Kundendaten und Bestelldaten zwar in einer Datenbank, nicht aber in der selben Tabelle stehen müssen, aber dennoch über die ID, etwa eine Kundennummer, eindeutig zugeordnet werden können.

Rufe ich dann z. B. das Benutzerprofil von XY auf, liest das Skript  die angeforderten Informationen aus der DB aus. Die DB kann dann auch komplexere Anfragen beantworten, z. b. die Frage, wen kennt XY, wenn kennt XY, den ich auch kenne und wer studiert dort oder das, wo oder was XY studiert?

So ähnlich funktionieren auch Buchempfehlungen. Ist ein Cookie gespeichert, weiß der Buchhändler, welche Titel ich mir angeguckt habe und sowieso, welche Titel ich bestellt habe.

Die Titel sind vermutlich über Schlagwörter ebenfalls in einer Datenbank gespeichert. Je nach Komplexität des Systems kann der Buchhändler bzw. seine Software Bücher empfehlen, die vom gleichen Autor stammen, das gleiche Schlagwort enthalten, einen ähnlichen Titel und sogar Titel, die preislich bei dem liegen, was ich mir vorher irgendwann angesehen oder gekauft habe.

Das ist das ganze süße Geheimnis des Social Web, eine Skriptsprache und eine DB. Dass Ganze zu programmieren und mit hoher Performance auszustatten, ist natürlich dennoch eine Kunst bzw. ein hartes Brot.
Die Technik für dynamische Seiten ist nicht besonders neu. Neu ist die Leistungsfähigkeit der Server, der Umstand, dass viele Menschen über einen günstigen Internetzugang verfügen und bereit sind, viele, viele Stunden im netz zu verbringen.

Designen für das Web 2.0 – neue Herausforderungen

Ob Hype oder nicht, wer Web 2.0 einsetzen will, muss neue Maßstäbe im Design setzen. Die klassische Konstellation aus Banner, Navigation und Inhalt muss einer Sidebar Platz machen, die Mitmachfunktionen an prominenter Stelle unterbringt.
Dabei muss die Übersichtlichkeit gewahrt bleiben. Die Hauptnavigation bleibt natürlich das Skelett der Website. Die Web-2.0-Funktionen müssen sich davon optisch deutlich abheben.
Kann man Beiträge schreiben, muss es eine Unternavigation für diese Beiträge geben.
Hat man zudem ein Nutzersystem – das man immer haben sollte, möchte man eine Community aufbauen – müssen auch hier entsprechende Funktionen eingebaut werden.
Schließlich müssen auch die Ergebnisse des Mitmachens deutlich sichtbar werden, Kommentare müssen unterhalb des Kommentierten angezeigt werden und am besten über einenen seiteninternen Link ansteuerbar sein.
Ideal ist hier eine optische Trennung, etwa eien horizontale Hautpnavi und ein vertikales Menü. Oder umgekehrt.
Sinnvoll mag auch eine optische Trennung sein, wobei die Hauptnavi aus Gründen der Nutzerfreundlichkeit immer links oder oben sein sollte. Da sich die 22-Zoll-TFTs allmählich durchsetzen, kann man durchaus „in die Breite“ gehen.
Weniger sinnvoll sind es allerdings, das Ganze über die beliebten Pulldownmenüs von JavaScript zu realisieren. Wer eine Beteiligung möglichst vieler Personen wünscht, muss entsrprechende Funktionen deutlich sichtbar auf dem Eingangsscreen – also ohne scrollen – und auf jeder Seite anbieten.
Beliebt sind auch Beitragslisten, die auf einzelnen Beitragsseiten angezeigt werden. Es ist fast immer eine Top-Tenliste, die angezeigt wird. Ich tendiere eher dazu, eine Zufallsauswahl zu präsentieren. Diese Liste sollte aber, schon aus Platzgründen, nicht im Hauptfenster angezeigt werden, sondern erst durch scrollen sichtbar werden. Alternativ lässt sich auch ein Anker in der Seitennavigation einbauen, der einen direkten Sprung vom Startsreen zu der Liste ermöglicht und zumindest deutlich macht, dass eine solche LIste existiert.

Corporate Web 2.0 – die Chancen des Web 2.0 im Unternehmn

Web 2.0-Technologien haben zumindest in deutschen Unternehmen bisher kaum Einzug gehalten. Das Intranet sieht häufig so aus wie im Jahr 2000 mit eher statischen Informationshäppchen, Newsticker und mehr oder weniger wichtigen Formularen und Rundschreiben. Oft gibt es auch die Möglichkeit, Profile einzurichten, diese Funktionen sind aber entweder gut versteckt oder so eingerichtet, dass sie nicht sehr praktisch sind.

Nur wenige Unternehmen verwenden Weblogs, kaum eines scheint Foren, Chats oder Instant Messaging zu benutzen.

Natürlich ist nicht jede Technologie für jedes Unternehmen sinnvoll. Doch es gibt reichlich Möglichkeiten, die durch die Social-Web-Technologien erschlossen werden können:

– interne Kommunikationsabläufe können verbessert werden

Die E-Mail-Flut wird eingedämmt, weil man etwa auf Foren oder Instant Messaging setzt.

– Projekte können besser geplant und koordiniert werden

Statt zwei benötigt man nur noch eine Sitzung pro Woche, um relevante Informationen auszutauschen.

– Kundenkommunkation gewinnt eine persönliche Note

Potentielle und bestehende Kunden werden besser angesprochen, weil sie durch das Social Web eher persönlich angesprochen werden als durch Werbung, anonyme Mails oder Infobriefe.

Visionen für das Web 3.0 – lokalisierte Angebote

Wie man in meinen Beiträgen zu Unified Communications sehen kann, wird die einfache Zusammenführung verschiedener Kommunikationskanäle das „nächste große Ding“.

Wird das Surfen mit dem Handy wesentlich bequemer und günstiger, könnten sich lokale Serviceleistungen durchsetzen. Das Navigationssystem bietet schließlich bereits die Möglichkeit, Lokalitäten in der Nachbarschaft aufzuspüren.

Mit der OpenStreetMap wird dies noch wesentlich einfacher. Gekoppelt mit Local Services wird es möglich – wenn jemand das möchte – seinen Standpunkt zu ermitteln und ihm lokale Nachrichten aus der Gegend zu vermitteln, in der sich gerade befindet.

Das können Fahrplan- oder Staumeldungen sein, Veranstaltungstipps, Soft News aller Art.

Oder moderner, er kann z. B. erfahren, ob jemand aus seinem Social Networtk – sei es nun real oder virtuell – sich in seiner Nähe befindet.

Er kann auf lokal orientierte Blogs zugreifen. Besucht er gerade ein bestimmtes Unternehmen, könnte er z. B. auf dessen Blogs zugreifen, um sich ein besseres Bild zu verschaffen oder sich einfach nur zu informieren.

Warum Web 2.0 für die Wissenschaft?

Nachdem wir bereits einige Beispiele für die Nutzung von Web 2.0 gegeben haben, muss einmal die Frage behandelt werden, warum Web 2.0 überhaupt Eingang in die Wissenschaft finden sollte.

Was immer sich in den letzten hundert Jahren abgespielt haben mag, die Wissenschaft ist noch immer ein elitärer, abgeschotter Zirkel mit geheimen Codes, geschlossenen Schulen, Ketzerverbrennung und Selbstverliebtheit. Nach dem Motto, das dumme Volk versteht uns eh nicht, verweigern sich die Wissenschaftler stetig der Neugier derjenigen, die ihre Umtriebe über Steuermittel finanzieren.

Wer zahlt, möchte auch sehen, wofür er zahlt. Und der Wissenschaftler bricht sich nichts, wenn er in der Lage ist zu erklären, was er eigentlich tut und worin dessen Nutzen besteht.

Die Selbstkontrolle spielt in der Wissenschaft noch keine große Rolle. Daher konnten Aufsätze plagiert werden, wissenschaftliche Ergebnisse manipuliert,
öffentliche Gelder für Unsinn verschwendet werden.

Der Wissenschaftler schätzt Kritik nicht besonders und Selbstkritik ist ihm fremd. Das Web 2.0 zwingt ihn dazu, auch Kritik anzunehmen und damit vernünftig umzugehen.

Und schließlich zwingt das Web 2.0 dazu, sich einfach aber präzise auszudrücken. Dies erhöht seine Fähigkeit, seine Arbeiten sauber zu strukturieren und zwingt vor allem deutsche Wissenschaftler, sich vom Zunftjargon zu verabschieden.

Web 2.0 für die Wissenschaft – Foren

In einer Reihe von Beiträgen ging es hier um das Web 2.0 oder Social Web. Dabei wurden vor allem jene Aspekte beleuchtet, die für Privatpersonen interessant sind. Sie stellen im Grunde eine Fortsetzung der Kommunikation aus der Realität dar, wobei sich die Basis und die Reichweite geändert haben, aber im Grunde die selbe Art von Informationen ausgetauscht wird wie im realen Leben.
Doch das Web hat auch ganz praktischen Nutzen. Die Wurzeln des Internet liegen in der Wissenschaft und an den Universitäten. Sein Zweck war der Austausch von Informationen in Foren. Die Zahl der Nutzer war überschaubar, noch überschaubarer war die Zahl der Computer, die Zugang zu diesem Netz hatten.

Ein Forum ist im Grunde der Archetyp des Net und hat sich bis heute gehalten, wenn es heute auch fescher aussieht mit Emoticons, bunten Bildchen und kuriosen Nicknamen.
Foren können zum wissenschaftlichen Austausch genutzt werden. Diskutant A

Mittlerweile kann jeder ein privates Forum betreiben, entweder auf dem eigenen Webspace oder bei kostenlosen Anbietern. Foren sind als dokumentierende Diskussionen ideal, um Thesen mit auserlesenen Menschen – oder mit jedermann – zu diskutieren.
Die Thesen können frei formuliert oder als Essay vorgetragen werden. Jeder sagt seine Meinung, ist aber gezwungen, sich an die Netiquette – sprich, den Web-Knigge – zu halten. Dies ist wesentlich einfacher, wenn die Teilnehmer nicht anonym sind, sondern einander kennen.
Foren sind die vermutlich einfachste, aber dennoch eine der besten Kommunikationsformen im Web. Wer mit Kritik gut umgehen kann, hat hier die Chance, eine einmalige Diskussionskultur zu erleben und seine Thesen unnachahmlich zu verfeinern.

Das Web 3.0 – die Zukunft ist heute

Noch wissen wir nicht genau, wie das Web 3.0 einst aussehen wird. Doch es ist Zeit für kühne Spekulationen, denn wenn wir ehrlich sind – das letzte spektakuläre „Ding“ ist schon lange her: Blogs, ein alter Hut, Videos und Fotos, mehr als wir sehen können und mögen, Plattformen noch und nöcher. Was erwartet uns also?

Allzuweit mögen die Spekulationen nicht gehen. In den virtuellen Realitäten wie in 2nd Life sehen wir bereits, was uns erwartet: Selbstgebaute 3D-Welten. In nicht allzuferner Zukunft wird das Bauen von Virtuellen Räumen ebenso einfach – oder schwierig – sein wie das Bauen von Webseiten. Wer mehr will, muss programmieren können, aber Baukästen für 3D-Realitäten werden es ermöglichen, dass jeder seine eigene kleine Welt kreiiert. Chats werden dann in simulierten Umgebungen stattfinden. Durch Webcams oder anderes Zubehör wird es möglich sein, den eigenen – echten oder nachgebauten – Körper hineinzuprojizieren. Die reale Stimme, die reale Mimik, echte Gesten werden durch Zubehör, das der jeweilgie Mensch anlegt, direkt ins Netz übertragen und vom Anderen in Echtzeit wahrgeommen.

Wir kommen damit dem Cyberspace sehr nahe, den etwa Tad Williams in seiner letzten Trilogie ausgemalt hat, auch wenn das Ganzkörpergefühl – das vollständige Eintauchen wie auf dem Hollow-Deck der Enterprise – noch echte Zukuftsmusik ist.

Wie es bei vielen Blog-Systemen schon üblich ist – wobei man allerdings Kenntnisse im Programmieren haben muss oder sollte – wird man die jeweiligen Profilseiten im sozialen Netzwerk ebenso individuell gestalten können wie die eigene Website – die dann eventuell „out“ sen wird im privaten Bereich.

Die Möglichkeiten sind potentiell unbegrenzt: Die Koppelung mit Geodating-Systemen, die Verschmelzung von Online- und Offline-Welt, die Erschaffung einer vollkommen neuen Welt für die eigene Community.

Die neue Bilderkunde I – traue keinem Bild, wenn du es nicht selber gefälscht hast

Es gibt drei Dinge, die die moderne Bilderwelt nachträglich verändert haben:
1. Die große Verfügbarkeit digitaler Foto- und Videokameras
2. die billige Verfügbarkeit von Massenspeicher, auch im Internet
3. die massenhafte Verbreitung von Programmen zur Bildmanipulation

Digicams erlauben es, einfach alles einfach überall aufzunehmen, ob es die Party ist (die eigene oder die eines Anderen), eine Hochzeit, das Daumenlutschen, alles kann und wird aufgezeichnet.

Dank der sozialen Netzwerke, YouTube und Flickr wird aber nicht nur alles aufgezeichnet, es wird auch zum besten gegeben.

Vor nicht all zu langer Zeit kostete das alles noch Geld. Man musste eine Kamera für teures Geld kaufen, man musste Filme haben, deren Entwicklung ebenfalls Zeit und Geld kostete, man musste Datenträger kaufen, häufig musste man Videos aufwendig von einem Datenträger auf VHS überspielen, damit man sie sich angucken konnte.

Fortsetzung folgt!