Schlagwort-Archive: soziale Plattformen

Wer bin ich – und wie viele gibt es von mir?

Oder anders herum, was bedeutet Persönlichkeit heute im Internet? Wer heute mit seinem eigenen Namen im Web aktiv ist, muss sich schon über das Morgen Gedanken machen. Vor allem jugendliche stellen ohne große Bedenken peinliche Fotos von sich oder ihren Freunden ins Netz. Die Frage, ob das ein potentieller Arbeitgeber zu Gesicht bekommen sollte, stellt sich ihnen da noch nicht. Dabei kann das negativ auf sie zurückfallen.

Mittels Spezialsuchmaschinen wie Yasni ist es kaum ein Problem, auch Profile auf sozialen Foren wie Stay Friends zu entdecken. Ich habe bei yasni einen VIP-Rank von 382 – was auch immer das bedeuten mag.

Prinipiell gibt es zwei Möglichkeiten, sich zum Web zu verhalten:

1. Hält man sich komplett raus
2. versucht man, mittels eigener Website bzw. mit Profilen sich ein positives Image zu verfassen.

Wir sprechen vom Online Reputation Management. Tue Gutes und sprich darüber heißt dann die Devise im Web. Ob man seine eigene Website betreibt, ein Blog oder ein soziales Profil, überall sollte man überlegen, ob die eigenen Eltern, vielleicht sogar die potentiellen Schwiegereltern das lesen dürften.

Wichtiger ist aber noch, alles Negative rauszuhalten. Das geht von peinlichen Videos von mitternächtlichen Saufgelagen bis zu den Speckröllchen im Schwimmbad, die auf irgendwelchen Fotos zu sehen sind. Es ist alle Mal einfacher, solche Dinge herauszuhalten als sie nachträglich zu entfernen.

Die soziale Plattform Facebook hatte übrigens versucht, klammheimlich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern, um sich selbst nach einer Löschung des Accounts die Nutzungsrechte an Multimedia-Elementen und Texten zu sichern. Das muss man sich einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen: Ich stelle dort meine Fotos ein und wenn ich sie wieder lösche, möchte Facebook sie weiter nutzen!

Da kaum ein Mensch sich die AGB durchliest, könnte so etwas überall drin stehen. Solche AGB dürften vor normalen Gerichten keinen Bestand haben, schließlich behält in Deutschland der Urheber immer die Rechte an seinen wErken. Dennoch muss man sich vor Augen halten, dass das Web das Gedächtnis eines Elefanten hat. Ist das Zeug einmal in einem Archiv gelandet, kann es jederzeit wieder auftauchen.

Social Web – soziale Plattformen – das Beispiel studiVZ

StudiVZ ist im deutschsprachigen Raum die soziale Plattform schlechthin, bisher. Das Prinzip ist einfach. Man meldet sich an, gibt einige Daten in sein Profil ein sowie Foto. Man schließt sich mit seinen Freunden zusammen und hat eine Art schwarzes Brett auf dem die Freunde nachlesen können, was man so reingeschrieben hat, etwa, was man gerade tut, auf welche Party man heute abend geht usw. Je nach Einstellung kann jeder das Profil ansehen oder nur jene, die als Freunde dazu eingeladen sind. Allerdings kann man fast immer sehen, wie viele Freunde die jeweiligen Leute haben – je mehr Freunde, desto mehr Prestige.
Man kann sich auch u Gruppen zusammenschließen, wo ein lockerer Austausch von Informationen statfindet.
Wenn man sich anmeldet, sieht man Bilder und Namen von Personen, die an der gleichen Uni studieren. So hat man die Möglichkeit, Leute, die man evtl. chon mal gesehen, aber nicht angesprochen hat, wiederzutreffen. Das wars auch schon, alles in allem nicht sehr spektakulär. Plattformen aus dem angloamerikansichen Raum sind bereits weiter. Ein großer Anbieter hat sein System für Programmierer geöffnet, die jetzt die Möglichkeit haben, eigene Anwendungen zu schreiben, welche die Nutzer ihrem Profil hinzu fügen können.
StudiVZ hat den typischen Ärger, den eine solche Plattform mit sich bringt: Die Eigentümer verdienen derzeit offenbar noch nicht genügend Geld mit der Plattform. Die Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zwecks personalisierter Werbung hatte zu größeren Potesten geführt. Weibliche Teilnehmer wurden offenbar organisiert belästigt. Zudem wird StudiVZ vorgeworfen, Patent- oder Urheberrechte verletzt zu haben, aus den USA wurde Klage eingereicht.
Anderes Ungemach droht den Teilnehmern, die zu viel von sich Preis geben: Personalchefs suchen nicht nur über Suchmaschinen, sondern natürlich auch über weitere Quellen. Wer hier all zu freizügig seltsame Hobbies, die Sauffotos seiner letzten Party und anderen Quatsch preis gibt, kommt als Angestellter in der Regel nicht in Frage. Und er wird nie erfahren, warum er abgelehnt wurde.
Und auch Datenschnüffler wie Werbungtreibende können sich hier natürlich anmelden. Und gehackt wurde das Netz auch schon.
An anderer Stelle schilderte ich bereits, worin die Ursachen für diesen Exhibitionismus liegen mögen, so ganz nachvollziehbar ist es dennoch bis heute nicht.