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Warum man Deep Space Nine anschauen sollte

Die Star-Trek-Saga scheint fürs erste ausgesetzt zu sein. Allerdings gibt es für die Neueinsteiger die alten Serien zu entdecken. Wer ein wenig Geld ausgibt, kann mehrere hundert Stunden Video erwerben, alle Serien sind als Bundels auf DVD erhältlich.

Deep Space Nine ist für meinen Geschmack die am besten gelungene Inkarnation von Star Trek.
Ein Motiv, das sich durch die Serie zieht ist das des Ausgeschiedenseins. Es gibt gleich mehrere Figuren, die von ihrem Volk verstoßen wurden: Der Formwandler Odo, der Ferengi Quak, der Klingone Worf, und der cardassianer Garak.

Man muss sagen, dass die Qualität der einzelnen Folgen in den Serien sehr schwanken kann. Es gibt viele action-geladene Folgen, die aber nicht unbedingt die besten sein müssen. Deep Space Nine hat im Schnitt die besten Folgen der Start–Trek-Serien. Die Reihe um Captain Picard hat ebenfalls viele gute Folgen, vor allem die ersten beiden Staffeln wirken aber ziemlich angestaubt, außerdem nerven einige Leute ziemlichh: Wesley Troi, Riker und Data sind teilweise unerträglich. Gleiches gilt für Voyager, hier hat man eine Chance vertan, als man den Konflikt zwischen Sternenflotten- und Marquis-Crew zu früh einschlafen ließ.

Ich darf zwei der Folgen empfehlen, die mir mit am besten gefallen haben.

Die eine Folge dreht sich um Tosk. Tosk ist ein Wesen, dass für die Jagd gezüchtet wurde und auf Deep Space Nine notlandet. Als die Jäger ihn gefangen nehmen wollen, bittet er nicht um Asyl, weshalb Captain Sisqo ihn auslifern muss. In der anderen Folge geht es um Garak. Garak soll ein Agent des cardassianischen Geheimdienstes gewesen sein. Ein Chip, der in sein Gehirn operiert wurde, um ihn vor Folter zu schützen versagt. Dabei stellt sich heraus, dass Garak abhängig von diesem Gerät ist, weil es Hormone ausschüttet, die ein für ihn ansonsten unerträgliches Leben unter Feinden erlaubt.

Wo wir schon dabei sind, möchte ich euch auch die meiner Meinung nach beste Folge von Star Trek – die nächste Generation ans Herz legen. Picard wird bei einem Einsatz tödlich verletzt. Im Jenseits begegnet er Q, der ihm anbietet, sein Leben zurückzuerhalten. Dazu muss er einem früheren Unfall aus dem Weg gehen, bei dem sein Herz gegen ein künstliches Herz ausgetauscht wurde. Picard willigt ein und findet sich in der Jetzt-Zeit wieder, allerdings nur als unterer Offizier. Er findet heraus, dass der Vorfall mit den Mausikaanern ihn dazu bewegt hat, das Leben zu schätzen, aber auch Verantwortung zu übernehmen und Risiken in Kauf zu nehmen.
Ebenfalls sehenswert ist die Episode Damog. Die Crew der Enterprise trifft hier auf ein Volk, dass nur über Metaphern kommuniziert. Universal-Übersetzer der Crew können damit nichts anfangen. Das Zitat “Shaka – als die Mauern fielen” ist in einigen Kreisen zum geflügelten Wort avanciert.

DS9 unterscheidet sich von den Vorgänern dadurch, dass es durch die Serie hindurch einen roten Faden gibt, der ungefähr ab der 3. Staffel beginnt.

Die etwas zu wohlwollende Darstellung der Sternenflotte und der Föderation wird in DS9 sehr stark aufgeweicht. Sisqo entwickelt echte Rachegefühle, es gibt versuchte Militärputsche durch Sternenflottenoffiziere und einige Militärs schließen sich sogar einem militanten Widerstand an.

Viele Charaktäre entwickeln sich im Laufe der Serie weiter. Insbesondere Julian Bashir, der Arzt der Station gewinnt im Laufe der Serie an Charakterstärke.

Viele Charaktäre sind ambivalent. Gul Dukat kann einem zwischendurch fast leid tun, Garak ist einer der spannensten Figuren in der Serie.

Die Hauptspannung entsteht daraus, dass viele Nebenfiguren starke Parts in der Serie übernehmen. In keiner der Serien spielen Nicht-Mitglieder der Föderation eine so große Rolle.
Und in keiner Serie gab es so viele Doppel- und Dreierfolgen, wodurch wesentlich größere Spannungsbögen möglich wurden.

Die Bajoraner sind sehr stark an Tibet angelegt. Das wird deutlich an der starken Rolle der Religion und der religiösen Führung. Die Verklärung des Buddhismus im Westen hat mit der Realität dieser Religion nichts zu tun. In Tibet zum Beispiel haben vor der chinesischen Invasion die verschiedenen Orden eine quasi-feudale Struktur gebildet. In der tibetischen Spielart des Buddhismus spielen Geister, Dämonen und archaische Rituale eine große Rolle. Das Gleiche findet man auch bei den Bajoranern. Charmant ist hier der Zusammenstoß der praktisch religionsfreien Föderation mit den zutiefst religiösen Bajoranern. Wobei ich dazu sagen muss, dass der mystische Anteil der Serie nicht immer zugute kommt.

Das Gute an der Serie ist, dass der Anteil nerviger und unrealistischer Charaktäre relativ gering ist. Kein chronisch eingeschüchterter Wesley Crusher, keine pädagogisch nervende Troi, kein Riker, dessen Rechtschaffenheit einem wirklich auf die Nerven geht.

Interessant ist auch die Idee, einen Handlungsstrang über mehrere Episoden zu spannen, die aber nicht hintereinander gezeigt werden. Die Sektion 31 zum Beispiel – eine Art geheimer Geheimdienst innerhalb der Föderation – spielt in drei Folgen eine wichtige Rolle, die drei Folgen werden aber in größeren Abständen zueinander gezeigt, wodurch eine ganz andere Dynamik möglich wird.

Die ersten beiden Staffeln werden von dem Konflikt zwischen Bayor und Cardassia sowie den Streitigkeiten zwischen Bayor und der Föderation geprägt. Die weiteren Staffeln drehen sich um den Konflikt der Föderation mit dem Dominion. Im Rückblick waren die Episoden um Picard sehr statisch und voraussehbar, was man über DS 9 nicht behaupten kann.

Ein großer Teil der Spannung entsteht aus den Beziehungen der Charaktäre untereinander. Quark zum Beispiel ist sehr ambivalent, ab und zu ist er einem fast sympathisch, oft ist er einfach nur raffgierig. Der Sicherheitschef Odo und Quark haben eine Art Haß-Liebe. Odo lässt Quark in seinen teils illegalen Machenschaften
ein Stück weit gewähren, weist ihn aber oft in die Schranken, wenn Quark zu weit geht. Beide scheinen das Ganze als eine Art Spiel zu betrachten und pflegen eine freundschaftliche Rivalität.