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Literatur zur Finanzkrise – ein kleiner Überblick

Shit happens – so platt läßt sich die Finanzkrise zusammenfassen. Das ist zu verstehen als”Scheiße passiert nun mal” oder “Scheiße ist passiert”. Doch wer erklärt uns eigentlich, was da genau passiert ist?

Eine Reihe von Autoren beweisen, dass es sich zwar um unheimlich komplexe Vorgänge handelt, daß dahinter relativ simple Mechanismen stecken, die jeder durchschauen und einige erklären können. Komplex sind die Finanzkonstrukte, die zu dieser Krise geführt haben, so komplex, dass die Leute, die sie zusammengestoppelt haben, vermutlich selber nicht mehr durchschauten. Doch erklärbar sind sie alle Mal und jeder, der sich damit beschäftigt, kann die Grundmechanismen verstehen. Versprochen!

Der ehemalige Chef der Weltbank und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz erklärt die “Schatten der Globalisierung”, Goldmann, letzte Auflage von 2007.  Mit seinem Kollegen Carl E. Walsh hat er zudem ein Standardwerk zur Volkswirtschaft geschrieben. Das ist allerdings eher für Wirtschaftswissenschaftler gedacht, das Kapitel zur Finanzwirtschaft kann man sich dennoch zu Gemüte führe: “Volkswirtschaftslehre”, Oldenbourg, 2009 letzte Auflage.

Der zweite große Mann der amerikanischen Volkswirtschaftslehre ist Paul Krugman: Der Wirtschaftswissenschaftler schreibt regelmäßig für die New York Times und hat einen eigenen Blog. Er hat nun ein Buch über “Die neue Weltwirtschaftskrise”, Campus, Auflage 2009 verfasst. Es scheint aber nur eine katualisierte Neuauflage eines früheren Buches zu sein. Der Wirtschafsnobelpreisträger von 2008 hat aber ebenfalls eine Standardabhandlung über die “Internationale Ökonomie” zusammen mit Maurice Obstfeld, Pearson, 6. Auflage 2003, geschrieben. Zudem hat er eine Reihe von Büchern geschrieben, in welchen er die Wirtschaftspolitik im Allgemeinen und die ehemalige Bush-Regierung im Besonderen kritisiert. Es reicht allerdings, eines dieser Bücher zu lesen. So verständlich Krugman schreibt, so stark ist die Neigung zur Widerholung und Redundanz. Einige seiner Bücher sind lediglich schlecht redigierte Sammlungen von Aufsätzen und Vorträgen, er wiederholt sich darin oft, ohne in die Tiefe zu gehen. Und so angemessen ein Bush-Bashing sein mag, so ermüdend ist es auf Dauer.

Ich rate ab von den schwer verständlichen Büchern von Elmar Altvater und Robert Brenner. Brenners “Boom and Bubble”, VSA, 2003 beschreibt minutiös die Ursachen der Immobilienblase in den USA, ist aber dermaßen schlecht übersetzt, dass es kaum verständlich ist. Nicht übersetzt, dennoch sehr kompliziert ist Altvaters “Grenzen der Globalisierung”, Westfälisches Dampfboot, Auflage 2007, geschrieben zusammen mit Birgit Mahnkopf.

Der deutsche Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel hat offenbar kein Buch zur Wirtschaftskrise geschrieben, ist aber dennoch wegen seiner Allgemeinverständlichkeit ein renommierter Kritiker der Ökonomie. Auf Hickels Website findet man eine Reihe von lesenswerten Texten.

Immer lesenswert ist der letzte große – mittlerweile leider verstorbene – Keynesianer John Kenneth Galbraith. Galbraiths “Entmythologisierung der Wirtschaft”, Hanser, 1997 macht einige der neoliberalen Mythen deutlich. Galbraith war einer der eloquentesten und andauersten Kritiker des militärisch-industriellen Komplexes der USA.

Robert Reich ist amerikanischer Wirtschaftsprofessor und war Arbeitsminister unter Clinton. Sehr humorvoll ist sein Tagebuch aus dieser Zeit “Goodbye Mr. President”, List, 1998. Ebenfalls lesenswert ist sein Buch “Die neue Weltwirtschaft”, Ullstein, 1993.

Ich rate davon ab, vor allem die genannten Standardwerke zu kaufen, da sie teuer sind und man sie kaum von vorne bis hinten durchlesen will. Die örtliche Bibliothek bzw. Universitätsbibliothek dürfte Präsenzexemplare bereit halten. Bevor man eines der Bücher kauft, sollte man zumindest eine Leseprobe nehmen.

Das System funktioniert an sich logisch. Sollte jemand sagen, es sei zu kompliziert, um es zu erklären, ist er entweder faul, nicht clever genug oder hat selber keine Ahnung.