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CEBIT noch zukunftsfähig?

Der Gouverneur von Kalifornien und die Bundeskanzerlin geben sich auf der diesjährigen CEBIT ein Stelldichein. Die weltgrößte Computermesse öffnet heute abend ihre Türen, zumindest für Arnold Schwarzenegger, Angela Merkel und die erwählten VIPs, die dem Spektakel zusehen darf.

Morgen gehts dann los, Themen sind Green IT, die “Handy-Hits der nächsten Generation”, Open Source und Web 2.0. Wem das bekannt vorkommt, die SYSTEMS, die letztes Jahr ihre Tore für immer schloß, hatte die gleichen Themen.

Aber auch so haben die Computermessen zu kämpfen. Die Unterhaltungsindustrie wandert zur IFA oder zu Spezialmessen wie der Games Convention über. Apple hat in diesem Jahr letzmalig an der MACWORLD teilgenommen, weil es eigene Vertriebswege aufgebaut hat und auf Messen verzichten möchte.

Generell werden special events immer wichtiger: Vor nicht ganz zwei Wochen war der Mobile World Congress in Barcelona. Die Messe München plant eine Spezialmesse zur IT-Security. Parallel zur CEBIT findet vom 3. – 5. März die Embedded World in Nurnberg statt.

Nicht nur wegen der Wirtschaftskrise sinken also die Zahlen der Teilnehmerzahlen für die CEBIT. Noch mehr als die SYSTEMS ist sie zu groß, um für Spezialisten interessant zu sein, andererseits sind Messen offenbar nicht mehr wichtig genug, dass auch jeder wirklich dabei sein will. Wenn Apple seine Innovationen unabhängig vom Messezyklus veröffentlichen möchte, können das andere große Player ebenso tun. Wenn aber die großen Player wegbleiben, werden die Veranstaltungen auch für kleine und mittelständische Unternehmen uninteressant.

SYSTEMS am Ende kaum Neues

Die SYSTEMS neigt sich heute ihrem Ende zu. Halb möchte man ihr gratulieren, dass sie zum letzten Mal statt findet, denn den Anspruch einer großen Messe für Business-Anwendungen kann sie nur schwer aufrecht erhalten.

Branchengröße Microsoft war kaum vertreten. Datenbank-Spezialist Oracle veranstaltete lediglich eine Konferenz zu Enterprise 2.0 und auch andere internationale Größen ließen sich kaum sehen.

Dass keines der Hauptthemen Business-spezifisch war – CRM, Business Intelligence oder ERP – hat schon angedeutet, dass der Business-Schwerpunkt verloren zu gehen drohte.

Das Konferenzprogramm war nur ein schwacher Trost dafür, dass andere Themen vernachlässigt wurden, denn auch das Rahmenprogramm war wenig Business, wenn auch nicht uninteressant.

Möglicherweise ist die IT mittlerweile zu ausdifferenziert, um alles auf einer großen Messe zu machen. Das würde auch bedeuten, dass die CEBIT bald ihr Ende findet. Denn Spezialisten langweilen sich, wenn es nicht in die Tiefe geht. Tiefe hingegen schreckt die Laien ab.

Vermutlich werden also bald Sondermessen an Gewicht gewinnen, dass könnte ein Vorteil für alle Beteiligten sein.

SYSTEMS – entscheidende Themen verpasst?

Das Ende der SYSTEMS macht aber zugleich deutlich, wie schwierig das Messegeschäft vor allem im IT-Bereich ist. Entweder ist man zu früh oder zu spät dran. Wenn etwa die Green IT einen Schub bekommt, war es durchaus sinnvoll, sie zum Kernthema zu machen. Energieeinsparungen gehören schließlich zu den Kosten, die ein Unternehmen problemlos einsparen kann.

Doch die Ideen wirken altbacken: Das grüne Rechenzentrum ist uns schon vor vier Jahren versprochen worden. Inzwischen verfügen die meisten Firmen über Server und weitere Infrstruktur und werden sie gnadenlos solange einsetzen, bis sie am Ende sind.

Verschlafen hat die SYSTEMS die Themen Virtualisierung und Data Loss Prevention. Auch Themen wie Business Intelligence oder Dokumentenmanagement, virtuelle Zusammenarbeit und Enterprise Web 2.0 hätten stärkeres Interesse verdient.

Manche Unternehmen scheinen bei ihrem Webauftritt im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein, auch hier hätte man sich frischen Wind erhofft.

Vielleicht wird sich die CEBIT einst darum kümmern. Möglicherweise läutet das Ende der SYSTEMS das Ende der großen Univeralmessen überhaupt ein. IFA und CEBIT erwecken bereits den Eindruck, eher ein Sammelbecken für LIfestyle-Themen zu sein.

Immer, überall, jederzeit – vereint kommunizieren

Und wenn Sie es nicht mögen, können Sie es ja zurückgeben. Oder auch nicht. Unified Communications ist der neue Hype der IT-Branche. Instant Messaging, E-Mail, Video, Voice over IP – alles aus einer Hand, alles in einer Oberfläche.

Während die Kanäle möglicher Kommunikation immer zahlreicher werden, ist die Infrastruktur aus der Steinzeit. Die Kollegin, die zwei Tage die Woche in einem anderen Bürogebäude sitzt, muss über eine Kollegin im alten Büro ihre Anrufe übermittelt bekommen. E-Mails werden – je belangloser, desto besser – ausgedruckt und archiviert. Faxe, die zum gleichen Kontext gehören, werden ebenfalls archiviert – aber woanders.

Wird nun alles wunderbar? Wahrscheinlich nicht. Die Vergangenheit zeigt, dass solche Technologien nie das einhalten, was sie versprechen. Videoconferencing hat sich auch deshalb nicht durchgesetzt, weil es die Möglichkeit nicht bietet, jemandem die Hand zu schütteln. Weihnachten im engsten Famlienkreis würde man schließlich auch nicht über eine Konferenz-Schaltung machen.

Auf die Gefahren des Präsenzmanagement habe ich schon aufmerksam gemacht. Zu irgendeinem Zeitpunkt wird es wirklich nicht mehr möglich sein, unerreichbar zu sein. Der U-Bahn-Tunnel ist dann kein Refugium für Mobilfunk-Geplagte, der Mount Everest wird über Satelit versorgt und selbst das Bermuda-Dreieck bekommt seinen Telefonanschluss. Aus einer möglichen Erreichbarkeit wird eine ständige Verfügbarkeit. Und manche werden dankbar nicken und sagen, dies ist notwendig und gut.