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Fundsachen – Behinderung und Technik

Es gibt immer wieder mal neue Projekte und technische Entwicklungen, die für Behinderte interessant sein können. Ich werde hier in unregelmäßigen Abständen lesenswerte Links dazu veröffentlichen.

Die Bewegungssteuerung von Microsoft Kinect hilft Rollstuhlfahrern beim Einkaufen. Kinect war ursprünglich für die Spielkonsole XBOX gedacht, mittlerweile hat sich ein umfangreiches Umfeld an Anwendungen entwickelt, von dem Erfolg ist Microsoft selbst überrascht worden. Immerhin bietet MS jetzt das Kinect SDK zur nicht-kommerziellen freien Nutzung an.

Ein Erlanger Studentenprojekt beschäftigt sich damit, wie man Kinect zur Indoor-Navigation für Blinde einsetzen kann. Ich muss hier einschränken: kaum ein Blinder wird freiwillig seinen Blindenhund durch ein wie auch immer geartetes Gerät ersetzen, elektronische Hilfen können immer nur eine Ergänzung zum Blindenstock oder Führhund sein.

Ein internationales Gebärdenwörterbuch gibt es nun als mobile App, wie man vom Taubenschlag-Blog erfährt.

Kobinet berichtet über ein sprechendes Fernrohr. Das Fernrohr gibt per Stimme Informationen zum anvisierten Gegenstand.

Heise Online berichtet über eine Initiative, urheberrechtliche geschützte Werke für Blinde und Sehbehinderte besser zugänglich zu machen. Das wäre im Grunde begrüßenswert, wenn nicht alle Behindertengruppen – ganz zu schweigen von armen Menschen – Probleme in diesem Bereich hätten. Es ist sehr bedauerlich, dass sich die Behindertenverbände nicht zusammengetan haben, um gemeinsam Erleichterungen für Gehörlose, Menschen mit Leseschwäche und andere Gruppen durchzusetzen.

Die Sendung Kontraste berichtet darüber, wie Hörgeschädigten überteuerte, zuzahlungspflichtige Geräte aufgeschwatzt werden. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dieses Verhalten ziemlich typisch ist für die Anbieter von Hilfsmitteln und die Krankenkassen.

Das wirklich wahre Web 3.0

Web 3.0 ist einer der Begriffe, in die man kühne Visionen legt. Im klassischen Sinne wird allergins etwas anderes darunter verstanden, als etwa ich hinein gelegt habe.

Web 3.0 wird semantisch sein. Die Idee ist, maschinenlesbare Information zur Verfügung zu stellen. Statt wie blöd bestimmte Suchbegriffe einzugeben, soll man eine Frage stelen können und die Suchmaschine liefert die Antwort: Wann hat Hitler gelebt? Antwort: Hilter lebte vom Jahre X bis zum Jahr Y.

Davon sind wir heute weit entfernt, obwohl der Gedanke des Semantic Web bereits vor mehr als zwanzig Jahren von Tim Berners-Lee formuliert wurde.

Die Grundidee besteht darin, eine Art Baumstruktur mit Kategorien zu erstellen. Ich habe heute Mittag bereits die hohe Bedeutung von strukturierter Information erläutert. Eine ähnliche Aufgabe soll maschinell durch Ontologien erbracht werden. Aufwändig könnte man per Hand solche Strukturen erstellen: ein Geburtsdatum, ein Sterbedatum, einen Personennamen usw. in Kategorien einordnen, das fiele etwa bei Lexika leicht. Das Konzept ähnelt entfernt dem bei Blogs üblichen Navigationen aus Kategorien und Tags.

Die meisten Privatpersonen würden aber den Aufwand scheuen. Hätte man riesige Mengen inhaltlich strukturierten und verifizierten Textes, ließen sich automatische Algorythmen entwicklen, die hier durchlaufen und etwa über statistische Verfahren logische Verknüpfungen zwischen bestimmten Begriffen ermitteln.Das würde etwa bei Enzyklopädien klappen.

Dadurch würde es z. B. möglich, die Raubkatze Jaguar von dem Automobil Jaguar zu untersheiden. Im Kontext “Raubkatze Jaguar” würden ganz andere Begriffe mit statistischer Signifikanz auftauchen als beim “Auto Jaguar”, womit sich bestimmte Probleme heutiger Suchmaschinen erledigt hätten.

Die ersten Technologien tauchen bereits auf: SemanticMediaWiki und ähnliches haben sich noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt. Wie wir aber wissen, entwickelt sich das Web recht dynamisch, wenn erst einmal Schwung in die Sache kommt.