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Die latent semantische Optimierung und der Effekt der Selbstverstärkung

Mittlerweile dürfte sich jede große oder mittelgroße Firma mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung beschäftigen. Da man die Basics – oder das, was man dafür hält – früher oder später sämtlich erfüllt hat, müssen sich die Suchmaschinen neue Faktoren ausdenken, mit denen sie die Qualität der Suchergebnisse bewerten können. Aus einer höheren Perspektive betrachtet führt SEO zu einer Angleichung der Websites, weil jeder Betreiber die gleichen Zaubertricks einsetzt.

Ähnlich sieht es inhaltlich bei der LSO, der latent semantischen Optimierung aus. Ein Hersteller von Katzenfutter sucht sich die passenden Stichwörter aus einem Texttool seiner Wahl und optimiert damit seine Seite zum Thema Katzenfutter.

Die Texttools greifen – davon kann man ausgehen – ihrerseits auf echte Texte aus dem Web zurück, um daraus die Relevanz von Wortkombinationen und Wortnetzen abzuleiten. Da aber immer mehr Websites auf die gleichen Stichwortquellen zurückgreifen, um ihre Auftritte auf bestimmte Begriffsnetze zu optimieren, verliert das ganze System an Relevanz.

Da alle Seiten dann die gleichen Stichwortverbindungen nutzen, um ihre Texte zu optimieren, können die Suchmaschinen nicht mehr über dieses Kriterium beurteilen, welche Texte relevant sind.

Zugleich greifen die Suchmaschinen ihrerseits auf die semantisch optimierten Webseiten zurück, um ihre Begriffsnetze zu aktualisieren.

Die Lösung kann nur lauten, seltenere Worte zu verwenden und ein wenig mehr Kreativität als die Konkurrenz zu entwickeln. Die LSO ist nur ein Faktor unter vielen, letzten Endes schreibt man für Menschen und nicht für statistische Algorithmen.

Scrollen oder nicht scrollen – der Umgang mit langen Texten im Netz

Fast jedes Medium hat es einmal gemacht: mehr oder weniger sinnvolle Klickstrecken aus Bildern sollten den User zur Mausakrobatik animieren. Die Währung hieß damals Klickrate, je öfter man klickte, desto höher war der Wert der angezeigten Werbung. Das scheint zumindest teilweise korrigiert worden zu sein.

Doch bei Texten geht die Salami-Taktik weiter Die Zeit, das Süddeutsche Magazin und viele andere Websites verteilen einzelne Artikel auf mehrere Seiten.

Das galt als guter Stil, als Bildschirme noch Bildschirme waren und 14 Zoll maßen. Damals waren Mäuse mit Rädchen selten und der entnervte User musste den Cursor an den rechten Bildrand fahren, um sich beim Scrollen einen Tennisarm zu holen. Aus dieser Zeit stammt die Designweisheit, dass nichts beachtet wird, was außerhalb des Start-Screen liegt, also dem Bereich, den man ohne vertikales oder horizontales Scrollen sehen kann. Ergo müssen Texte, die über den Bildschirm reichen, in kleine Portionen aufgeteilt werden.

Ich war mal auf eine Seite gestoßen, die aus dieser Salami-Taktik ein Geschäft gemacht hat. Da stand ein etwas längerer Text kostenlos auf 20 Seiten verteilt und die komplette Fassung ließ sich als PDF käuflich erwerben.

Das klingt zwar kurios, aber gerade längere Artikel, die auf diese Weise zerstückelt werden, wird wohl kaum jemand wirklich zu Ende lesen. Vier Seiten dürften so die magische Grenze sein, wo auch der geduldigste Leser die Lust verliert. Zumal, wenn sein Surfgerät nicht so bequem ist wie ein PC. Mit einem Notebook-Touchpad oder einem Handy macht das wenig Spaß. Ärgerlich vor allem, wenn auf der letzten Seite nur ein kleiner Absatz steht, für den sich das Klicken gar nicht gelohnt hat.

Und leider bieten nur die wenigsten Seiten die Anzeige verteilter Artikel auf einer Seite an, die Zeit zum Beispiel. Viele Seiten bieten zwar eine Druckfunktion an, die einen ähnlichen Effekt hat – der ganze Artikel wird auf einer Seite angezeigt. Allerdings ist diese Funktion zumeist mit JavaScript verbunden, das den Druckerdialog des Browsers auslöst. Wer hier automatisch auf Return drückt und einen Drucker laufen hat, verschwendet einmal mehr unnötig Tinte und Papier. Die süddeutsche macht das zum Beispiel. Die Designer meinen wohl, die Menschen seien zu doof, den Drucker selber auszulösen.

Ein weiterer Nachteil verteilter Artikel besteht darin, dass man sie schlecht archivieren kann. Oder ist das die Absicht der Webbetreiber?

Ich würde heute ohne Wenn und Aber empfehlen, einen Artikel immer zusammenhängend auf eine Seite zu packen. Via Tracking kann jeder Webbetreiber feststellen, dass der User nicht bereit ist so oft zu klicken, wie der Webbetreiber es gerne hätte. Wir sind heute unheimlich klick- und tippfaul. Wer schon mal einen interessanten und längeren Diskussionsfaden im Heise-Forum konsequent lesen wollte, hat vermutlich spätestens nach dem zehnten neu aufgerufenen Beitrag aufgegeben, zumal die Hälfte der Beiträge sich auf „ROFL“, „LOL“ oder „SCNR“ beschränkt.

Mit den heutigen Smartphones wiederum ist das Scrollen einfacher als das Aufrufen neuer Websites durch das Berühren eines Links. Das Thema mobiles Web zwingt uns außerdem wieder dazu, über knappe Bandbreiten, lange Ladezeiten, Verbindungsabbrüche und weitere Ärgernisse nachzudenken, die uns noch aus der Modem-Zeit verfolgen. Die meisten bekannten Websites sind von der Performance her auf DSL angelegt und laden neben dem eigentlichen Inhalt noch einen Rattenschwanz an externen Inhalten, JavaScript, Werbebildchen und allerlei anderen Merkwürdigkeiten nach. Selbst bei DSL kann es immer noch mehr als zehn Skeunden dauern, bis die Seite komplett geladen ist. Im mobilen Web dauert das entsprechend länger und so lange möchte einfach niemand warten. Es ist also schon aus ökonomischer Sicht sinnvoll, zusammenhängende Artikel auf eine Seite zu packen.

Gibt es einen allgemeinen Wortschatz?

Neuerdings muss ich wieder verstärkt an texten arbeiten. Dabei geht es um die optimale Ausdrucksweise für bestimmte Zielgruppen. Dabei ist vor allem wichtig herauszufinden, welche Wörter oder Floskeln von der Zielgruppe verstanden werden. Grob gesprochen soll die Hausfrau die Texte verstehen und der Professor soll nicht gelangweilt werden.
Bei einigen juristischen oder gesellschaftswissenschaftlichen Konstruktionen scheint die Sache recht klar. Der „Sachverhalt“ wird zwar verstanden, ist aber kein Wort, das man im allgemeinen
Sprachgebrauch verwenden würde. Neulich habe ich in einem Buch über Sozialphobie gelesen und das Wort „Diskriminierung“ gehört. Damit ist nicht die Benachteiligung, sondern nur die Unterscheidung ohne
negativen Unterton gemeint. Wie sieht es aber mit dem Begriff „Prägung“ aus, die in der frühkindlichen Erziehung eine wichtige Rolle spielt? Und weiß jeder Erwachsene tatsächlich, was „pränatal“ bedeutet?
Ich gehe da immer von meinem eigenen Sprachgefühl aus. Einerseits lese ich viel im Internet, höre viele Hörbücher und blättere hin und wieder auch durch Zeitschriften durch. Andererseits bin ich selbst durch ein
sozialwissenschaftliches Studium gegangen und merke schon, dass sich so manche Fachtermini bei mir einschleichen. Wie steht es eigentlich mit dem Begriff Fachterminus oder Fach-Jargon? Wäre hier Fach-Chinesisch verständlicher oder vielleicht doch zu banal?
Ich versuche hier pragmatisch zu sein. Wenn ich englische Sendungen oder Vorträge höre, verstehe ich meistens auch viele Wörter nicht, aber der Kontext ist mir meistens klar. Zudem sollte man nicht der Neigung vieler Akademiker nachgeben, die alle anderen Menschen für infantil halten. Vielleicht sind folgende Regeln hilfreich:

  • Verwende keine Wörter, deren Bedeutung du nicht kennst.
  • Sprich nicht über Dinge, von denen du keine Ahnung hast.
  • Respektiere deine Leserschaft, unter- und überschätze es nicht.
  • Fordere dein Publikum zum Nachdenken heraus, indem du einige komplexe Gedanken und Ideen – verständlich – in deinen Texten unterbringst.
  • Schreibe interessant und lebendig und die Leser werden dir folgen.

Weiterlesen

Jeder Mensch ein Schriftsteller – das E-Book und die Zukunft des Lesens und Schreibens

„In jedem Fall werden wir nicht darauf verzichten, literarische Fiktionen zu lesen, denn sie sind es, in denen wir nach einer Formel suchen, die unserem Leben einen Sinn gibt. Im Grunde suchen wir unser Leben lang nach einer Geschichte unseres Ursprungs, die uns sagt, warum wir geboren sind und warum wir leben. … Manchmal hoffen wir, unsere persönliche Geschichte mit der des Universums ineins zu bringen.“ Umberto Eco. Im Wald der Fiktionen. Carl-Hanser Verlag 1994, Seite 182

Es sind nicht alle Bücher so stumpfsinnig wie ihre Leser. Es finden sich manchmal Aussprüche in ihnen, die genau auf unsere Verhältnisse zutreffen, die, wenn wir sie richtig lesen und verstehen, für unser Leben heilsamer sein können als der Morgen oder der Frühling und vielleicht allen unseren Angelegenheiten ein neue Wendung geben. Wie viele hatten nicht einem Buch eine neue Ära ihres Lebens zu verdanken! Irgendwo ist das Buch vielleicht vorhanden, das unsere Wunder erklärt und uns neue Wunder offenbart. Was uns selbst noch unaussprechlich erscheint, findet sich vielleicht bereits irgendwo ausgesprochen. Die gleichen Fragen, die uns beschäftigen, beunruhigen und verwirren, haben von jeher alle Menschen beschäftigt. Nicht eine einzige von ihnen ist übergangen worden. Und jeder hat sie seiner Veranlagung nach mit seinen Worten und seinem Leben beantwortet.“ Henry David Thoreau. Walden

Die Jahre 2009/2010 dürften entscheidend für den Durchbruch des E-Books werden: Neben Sony werden eine ganze Reihe weiterer Anbieter wie Amazon, TXTR und andere Geräte anbieten, die via E-Ink-Technik das elektronische Lesen erleichtern wollen.
Gedruckte Bücher bald Geschichte?
Mit den Geräten sollte auch die Zahl deutschsprachiger Angebote steigen, die Augenblick noch gering ist.
Derzeit bleibt noch zu befürchten, dass die Buchindustrie die gleichen Fehler machen wird wie die Film- und Musikindustrie zuvor: Inkompatible Formate, restriktive Schutzmechanismen und unangemessene Preispolitik.
Im Gegensatz zu früher wird das Lesen flüchtiger: ein Buch war bisher ein physischer Gegenstand, den man besitzen, ins Regal stellen, verkaufen oder ausleihen konnte. Vorstellbar sind mehrere Eigentumsmodelle. Für einen niedrigen Preis wird ein Buch angeboten, welches nur auf einem bestimmten Gerät lesbar ist, das aber weder weiter verkauft noch anders weiter gegeben kann.
Für einen höheren Preis oder gar den Ladenpreis müssen allerdings die gleichen Bedingungen gelten wie für gedruckte Bücher: Weitergabe, Übertragung von einem Gerät auf ein anderes, Ausdrucken.
Das digitale Buch hat das Potential, das Veröffentlichen und Lesen von Texten nachhaltig zu verändern. Vor allem im Web 2.0 dominiert derzeit noch das Schreiben von Häppchen-Texten. Auch mit guten Bildschirmen ist das Lesen am Bildschirm weder angenehm noch energetisch effizient. Einen kompletten PC laufen zu lassen, um darauf Texte zu lesen oder Musik zu hören, ist sicherlich nicht zielführend.
Vor allem unbekannte Schriftsteller haben via Eigenverlag die Möglichkeit, ihre Texte kostengünstig an den Leser zu bringen. Auch bekannte Autoren erhalten nur einen Bruchteil des Kaufpreises, der Rest geht an Verlage und Buchhandel. Vor einigen Jahrzehnten gab es noch ganze Magazine mit Kurzgeschichten, die zwischenzeitlich ausgestorben sind, aber eine ideale Lektüre für die Heimfahrt von der Arbeit darstellen.
Auch Weblogs und andere benutzergenerierte Inhalte in Textform lassen sich wegen ihrer Kürze ideal auf solchen Geräten lesen. Das selbe gilt für längere Zeitungs- und Magazintexte wie Features und Reportagen, die kaum jemand gerne am PC lesen möchte. Dazu müsste sich allerdings die Qualität der Bilddarstellung verbessern, die auf E-Book-Readern eher mau ist.
Joseph Beuys meinte, jeder Mensch sei ein Künstler. Man kann weiter gehen und sagen, jeder Mensch ist ein Schriftsteller. Zumindest ist jeder Mensch ein Experte für ein bestimmtes Thema und in der Regel kann er auch interessant über ein Thema schreiben, welches ihn persönlich begeistert.
So mancher Weblog hat bereits eine größere Reichweite als manche Lokalzeitung. Spezialblogs zu eher abseitigen Themen können eine kleine, dafür aber um so interessiertere Leserschaft erreichen.
Letzten Endes kann sich das Ganze auch finanziell lohnen: Eine interessierte Leserschaft ist eher bereit, kleine Beträge zu bezahlen. Dabei macht „Kleinvieh auch Mist“.
So mancher etablierter Schriftsteller erhält nur einen Bruchteil des Buchpreises und muss sich mit Übersetzungen oder anderen Arbeiten seinen Lebensunterhalt verdienen. Nur ein Bruchteil der Schriftsteller kann nur vom Schreiben leben.

Lesenswertes

Wasserzeichen und Fingerabdrücke gegen Raubkopien

Neue Ideen braucht das Land, um mit urhbelich geschützten Inhalten umzugehen. Zumindest gibt es Technologien, um solche Kopien fürs erste einmal aufzuspüren.

Das digitale Wasserzeichen wäre so ein System. In Audio- oder Videodateien lassen sich spezfische Singale einbringen, die kaum wieder beseitigt werden können. Die Signale sind unsichtbar und unhörbar, erlauben aber das eindeutige Identifizieren von Inhalten. Einige Hörbüchshops verwenden einen solchen Schutz. Das Wasserzeichen ist mit dem Käufer und Downloader verbunden. Taucht das Stück irgendwo wieder auf, kann er eindeutig als Ursprungsort der Kopie identifiziert werden. Da das Signal an mehreren Stellen eingebracht wird und resistent gegen Veränderungen wie Qualitäts-Absenkung, Tempoänderung oder gar Konvertierung in andere Formate ist, ist es ein sehr sicheres System, dass zudem den Abspielkomfort nicht einschränkt, dazu gibt es einen Test in der aktuellen c´t.

Die Andere Möglichkeit ist ein Fingerabdruck bei Texten. Das System wird hier erklärt . Damit lassen sich vollständig kopierte Texte aufspüren.

Ob das im Artikel erwähnte Geschäftsmodell so bei Texten funktioniert, bleibt abzuwarten, bei anderem Content wie Musik, Video oder Spielen könnte es durchaus funktionieren. Das zeigt einmal mehr, dass Start-Ups mehr Zeit in Innovation als in Anwälte investieren.

Wer bin ich – und wie viele gibt es von mir?

Oder anders herum, was bedeutet Persönlichkeit heute im Internet? Wer heute mit seinem eigenen Namen im Web aktiv ist, muss sich schon über das Morgen Gedanken machen. Vor allem jugendliche stellen ohne große Bedenken peinliche Fotos von sich oder ihren Freunden ins Netz. Die Frage, ob das ein potentieller Arbeitgeber zu Gesicht bekommen sollte, stellt sich ihnen da noch nicht. Dabei kann das negativ auf sie zurückfallen.

Mittels Spezialsuchmaschinen wie Yasni ist es kaum ein Problem, auch Profile auf sozialen Foren wie Stay Friends zu entdecken. Ich habe bei yasni einen VIP-Rank von 382 – was auch immer das bedeuten mag.

Prinipiell gibt es zwei Möglichkeiten, sich zum Web zu verhalten:

1. Hält man sich komplett raus
2. versucht man, mittels eigener Website bzw. mit Profilen sich ein positives Image zu verfassen.

Wir sprechen vom Online Reputation Management. Tue Gutes und sprich darüber heißt dann die Devise im Web. Ob man seine eigene Website betreibt, ein Blog oder ein soziales Profil, überall sollte man überlegen, ob die eigenen Eltern, vielleicht sogar die potentiellen Schwiegereltern das lesen dürften.

Wichtiger ist aber noch, alles Negative rauszuhalten. Das geht von peinlichen Videos von mitternächtlichen Saufgelagen bis zu den Speckröllchen im Schwimmbad, die auf irgendwelchen Fotos zu sehen sind. Es ist alle Mal einfacher, solche Dinge herauszuhalten als sie nachträglich zu entfernen.

Die soziale Plattform Facebook hatte übrigens versucht, klammheimlich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern, um sich selbst nach einer Löschung des Accounts die Nutzungsrechte an Multimedia-Elementen und Texten zu sichern. Das muss man sich einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen: Ich stelle dort meine Fotos ein und wenn ich sie wieder lösche, möchte Facebook sie weiter nutzen!

Da kaum ein Mensch sich die AGB durchliest, könnte so etwas überall drin stehen. Solche AGB dürften vor normalen Gerichten keinen Bestand haben, schließlich behält in Deutschland der Urheber immer die Rechte an seinen wErken. Dennoch muss man sich vor Augen halten, dass das Web das Gedächtnis eines Elefanten hat. Ist das Zeug einmal in einem Archiv gelandet, kann es jederzeit wieder auftauchen.

Die Konstruktion der Dekonstruktion – über Feminismus und Psychoanalyse

Der Dekonstruktivismus ist eine Art, Medien zu analysieren und sie systematisch auseiander zu nehmen, um dann Schlüsse auf die eigentliche Intention des Autoren zu schließen. Viele Linke haben sich diese Methode zu eigen gemacht. Der Denkfehler besteht darin, daß sie die Motivlage des Autors schon zu kennen glauben und schließlich versuchen, diese Motive aus dem Text abzuleiten. Sie verstoßen damit gegen die Prinzipien der Wissenschaftlichkeit. Allerdings machen das mittlerweile viele Menschen auch aus anderen politischen Gruppen.

Der Dekonstruktivismus von Texten geht wohl auf Jacques Derrida zurück. Eigentlicher Urheber dürfte aber Sigmund Freud gewesen sein. Freuds Traumdeutung und Psychoanalyse basieren auf der Annahme, daß Gegenstände, die etwa in Träumen auftauchen, Symbole für andere Dinge oder Eigenschaften sind.

Was die Traumdeutung angeht, hat sich Freud ordentlich verrannt: Seiner Interpretation nach können Dinge einerseits eine positive Eigenschaft repräsentieren, andererseits aber auch ihr Gegenteil. Ein Stuhl kann also sowohl Ruhe, Gelassenheit oder Entspannung repräsentieren als auch Unruhe, Aufgeregtheit und Streß; im Sinne von, ich sehne mich nach meinem Stuhl, um mich auszuruhen.

Nun kann man generell davon ausgehen, daß Freud die besten Absichten hatte, was bei den Dekontruktivisten allerdings nicht der Fall sein muss. Nach der Dekonstruktion bleibt oft Hackepeter vom ursprünglichen text übrig. Man stürzt sich auf einzelne Häppchen und biegt sie zurecht, bis sie einem ins Konzept passen.

Eine vor allem bei Linken beliebte Diskursstrategie besteht darin, einzelne Aussagen aus dem Zusammenhang zu reißen und daraus eine diffammierende Gesamtanklage zu basteln. Ein Trick, der besonders bei Juristen beliebt ist.

Dekonstruktivisten glauben, die Gesellschaft verändern zu können, in dem sie die Sprache ändern. Die Feministen haben dabei eine besondere Rolle gespielt. In offiziellen Schreiben, Reden, Stellenausschreibungen – überall – muss die weibliche Form besonders berücksichtigt werden.

Die Political Correctness ist die Leitlinie dieser Strömung. Der Begriff „Neger“ bzw. „Negro“, der etwa von Martin Luther King noch selbstverständlich – also nicht abwertend – verwendet wurde, ist heute in den USA wie anderswo tabu. Das Wort „Ausländer“ ist in Deutschland ungern gesehen. Davon mag man halten, was man will, es führt aber zu merkwürdigen Konstruktionen, die ihren Sinn und ihre Bedeutung aber eher verschleiern als ihn freizugeben.

Das Wort „Afroamerikaner“ suggeriert, viele Schwarze hätten tatsächlich noch eine Verbindung zu Afrika. Der „Migrationshintergrund“ hängt jedem ausländisch aussehenden Menschen hinterher, egal, wie alt sein „Hintergrund“ ist.