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Persönliches Wissensmanagement mit Weblogs und Co.

Jeden Tag stößt man auf neue Ideen oder Gedanken. Dabei benötigt man sehr viel Disziplin, um diese Gedanken sinnvoll zu notieren, so dass man sie
1. wiederfindet
2. und auch noch Jahre später versteht
Unser Gedächtnis ist ein recht komischer Apparat, man kann sich daran erinnern, dass da mal eine bestimmte Idee war, aber auf die Idee selber kommt man nicht mehr.

Wenn man unter Wissensmanagement genau das versteht, Ideen und Gedanken sinnvoll zu formulieren, zu kategorisieren und zu sammeln, dann sind Weblogs und andere Web-2.0-Anwendungen genau das Richtige.
Die Voraussetzung ist, dass das Weblog tatsächlich öffentlich ist, weil man ansonsten nicht die nötige Disziplin hat, einen Gedanken allgemein verständlich und nachollziehbar zu formulieren. Das ist aber die wichtigste Voraussetzung für ein vernünftiges Wissensmanagement. Wenn Andere deinen Gedanken verstehen, dann wirst du es in zehn Jahren vermutlich auch noch können.
Im Prinzip wären auch Anwendungen wie Googles Such-Historie eine sinnvolle Sache. Wer bei Google eingeloggt ist, dessen Suchaktivitäten über die Google-Suchmaschine werden automatisch aufgezeichnet. Wer viel im Internet surft, kennt das Problem, dass man eine schöne Seite gefunden hat, sich aber nicht mehr an den Namen der Seite oder die entsprechenden Suchbegriffe erinnern kann.
Wer also seine Beiträge sauber mit Kategorien und Schlüsselwörtern versieht, schöne Überschriften und Links gesetzt hat, der hat sehr gute Chancen, seine ideen auch wiederzufinden. Alle Weblog-Systeme haben eine recht gute Suchmaschine integriert, so dass die Suche nach alten Gedanken kein Problem darstellen sollte.
Wer es lieber kurz mag, kann natürlich auch Twitter benutzen, mit Link-Shortener und Hash-Tags kann man auch mit 140 Zeichen effizient arbeiten.
Es kommt auch nicht selten vor, dass man über Kommentare weitere gute Ideen erhält. Wenn ich eine gute Idee habe und du hast eine gute Idee, dann sollten wir uns austauschen, hinterher haben wir beide eine gute Idee mehr.

Generation Text – wie das Web 2.0 uns zu Lesern und Schreibern macht

Es wird oft behauptet, die junge Generation würde immer weniger lesen. Angesichts des Harry-Potter-Wahns ist das nicht so ganz zu glauben. Doch tatsächlich gibt es jenseits von englischen Zauberbuben einen regen Umgang mit Text. Die SMS hat einen Siegeszug angetreten, den hier keiner vorausgesagt hätte. Sie sollte ursprünglich kostenlos sein. In Wirklichkeit dürften diese 140 Zeichen mehr zur Verbreitung der Handys beigetragen haben als ihre Telefonfunktion. Ebenso unwahrscheinlich war der Siegeszug von Twitter, das heute als Instrument der Meinungsfreiheit in Ländern wie dem Iran gilt.
Und nur wenige machen sich bewusst, aus wie viel Text das Web 2.0 besteht. Jenseits von Flickr und YouTube bestehen die sozialen Netzwerke vor allem aus Textmeldungen. Blogs, Podcasts (also gesprochene Texte), Foren, Chats, sie alle bestehen aus Text.
Über Twitter, Social Bookmarks und Netzwerke werden zudem massenhaft Links zu – was wohl – Netzartikeln ausgetauscht.
Hier wird oft eingewendet, da werde nur banales in schlechtem Deutsch ausgetauscht. Dazu kann man nur sagen, 90 Prozent des Gedruckten besteht aus Banalem und Nicht-Information, wie die meisten Boulevard-Magazine. Schlechtes Deutsch ist ebenfalls kein Einwand. Zum einen hat jede Jugend-Generation ihren eigenen Slang entwickelt. Zum anderen ist diese Sprache stets Absicht, sie ist ein Code, der entschlüsselt werden kann. Die SMS zwingt zur Kürze, die Texte im netz fordern eine Anreichung mit Emoticons, weil Dinge wie Ironie, Trauer, Glück oder Ärger anders kaum ausgedrückt werden können.
Eine Studie hat gezeigt, dass die Schreiber von SMS durchaus ein gutes Textverständnis haben müssen. Die häufige Verwendung von Kürzeln und Symbolen verlangt offenbar ein höheres Abstraktionsvermögen. Der Irrtum besteht vielleicht darin zu glauben, wenn man viel Platz zum Schreiben hat, würde man auch viel zu sagen haben. Doch jeder Journalist weiß, dass das Gegenteil der Fall ist. Je mehr Platz man hat, desto mehr neigt man zum Schwafeln. Die 140 Zeichen einer SMS oder bei Twitter sind rein zufällig die Länge, die eine Überschrift eines Artikels oder Berichts in der Zeitung nicht überschreiten sollte. Nach dieser Logik steckt in manchen 12-versigen Gedichten mehr Arbeitsaufwand als auf 500 Seiten Roman.

Auf dem Weg zur Echtzeitsuche

Was RSS-Feeds schon länger möglich machen, scheint jetzt auch bei den großen Suchmaschinen Einzug zu halten: die Echtzeitsuche. Google und Bing arbeiten mit Twitter zusammen, um aktuelle Tweets in die Suche einzubinden. Google möchte zudem auch Social Communities wie Facebook in seine Suche einbinden, wie Technology Review berichtet. Interessant dabei ist, dass Google zur Relevanzanalyse offenbar einen ähnlichen Algoritmus wie seinen PageRank verwendet,das heißt, die Relevanz eines Tweets hängt von der Zahl der Follower ab. Ein Tweeter mit vielen Mitlesern soll einen Teil seines Ranks auf Tweeter mit weniger Lesern vererben können, wenn er diesem folgt. Damit könnte das Thema Suchmaschinenoptimierung in die nächste Runde gehen.
Das dürfte vor allem für Marketing-Fachleute und Trend-Scouts interessant sein, um die Resonanz auf Produkte und Kampagnen in Echtzeit zu untersuchen. Gepaart mit Geotags, wie sie von GPS-Handys mitgeliefert werden, können Echtzeitsuchmaschinen tatsächlich einen praktischen Zweck bei der Katastrophenprävention spielen. Wenn in einer Region überdurchschnittlich oft nach Grippe, Grippemitteln oder verwandten Begriffen gesucht wird, könnte in dieser Region ein verstärkter Bedarf nach Impfmitteln bestehen.
Ich sehe da allerdings im Augenblick keinen Vorteil für den Normaluser, der mit der Blogsuche und Google News im Grunde schon alle interessanten Instrumente hat. Was aber tatsächlich fehlt ist ein effizienter Filter bei der normalen Suche. Wer etwa ein technisches Problem hat, muss sich durch jahrealte Foreneinträge wühlen, nur um festzustellen, dass seine Frage im Jahr 2005 nicht beantwortet wurde. Es gibt aber auch keine Möglichkeit, Ergebnisse auszufiltern, die ein bestimmtes Alter überschritten haben. Da viele Websites auf den Servern der Suchmaschinen zwischengespeichert sind, wäre es für sie kein großes Problem festzustellen, dass eine Seite sich seit mehreren Jahren nicht verändert hat. Zudem haben die meisten Forenbeiträge wie auch Weblogs eine Datumsangabe. Gerade vorhin habe ich nach einem Produkt gesucht, von dem ich in einem Artikel gelesen habe. Nach einer mehrminütigen erfolglosen Suche habe ich endlich festgestellt, dass es den Artikel gar nicht mehr gibt.
Tatsächlich scheint eher die Fixierung auf Aktualität an Relevanz zu verlieren.

Politisches Engagement – mausetot oder nur im Koma?

Die Studenten sind heute unpolitisch – zumindest laut der Zeit. Man beruft sich dabei auf eine Studie der Uni Konstanz, deren Ergebnisse wiederum der Focus zusammen fasste. 1983 haben sich demnach noch 53 Prozent der Studierenden für Politik interessiert, heute seien es nur noch 37 Prozent. Und

Ein dramatischer Wandel vollzog sich laut Studie auch bei den politischen Zielen von Studenten. So befürworten aktuell jeweils 52 Prozent die „Förderung von Technologien“ sowie die „harte Bestrafung von Kriminellen“. 1985 hatten sich lediglich 35 beziehungsweise 29 Prozent für diese Ziele ausgesprochen. Ein Viertel der Studenten plädiert für die „Begrenzung der Zuwanderung von Ausländern“, 17 Prozent fordern die „Abwehr kultureller Überfremdung“ ebenda

Das heißt praktisch natürlich nichts. Die Zahl derjenigen, die unbegrenzte Zuwanderung und „kulturelle Überfremdung“ befürworten, dürfte sehr gering sein. Es sagt im Grunde auch nichts darüber, wie intensiv sich ein Mensch mit Politik beschäftigt. Das heutige Engagement ist eher projekt- als gruppenbezogen.

Gruppierungen wie Greenpeace, der Nabu oder auch Parteien sind ideologisch zu festgefahren und zu starr, um Jugendlichen ein attraktives Umfeld für ein dauerhaftes Engagment zu bieten. Zudem erwarten sie Geld, ohne eine relevante Gegenleistung zu erbringen.

Das Engagement in einzelnen Projekten ohne feste Mitgliedschaft ist hingegen attraktiver, wird aber durch starre Hierachien in den jeweiligen Gruppierungen kaum unterstützt.

Besonders bedauerlich ist die mangelhafte Kommunikation über Websites oder Web 2.0. Wer eines der wöchentlichen Gruppentreffen verpasst, muss uninformiert bleiben. Kommunikation findet nur Face-2-Face statt.

Dabei bieten Websites, Blogs oder Twitter eine interessante und für Jugendliche eine interessante Möglichkeit: Einerseits lernen sie hier den professionellen Umgang mit diesen Tools, andererseits können sie durch regelmäßigen Austausch eher als „feste Freie“ gewonnen werden.