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Kölner Stadtarchiv eingestürzt – Stadt in Trümmern, Menschen in Panik

Ich bin zehn Jahre in Köln zur Schule gegangen, vielleicht 200 Meter von der Severinsbrücke und von dem Polizeipräsidium entfernt. Ich muss allerdings sagen, dass ich mich an das Stadtarchiv nicht erinnere und wahrscheinlich nie dort gewesen bin. Als Inder ist man ja einiges gewohnt, einstürzende Häuser, brechende Brücken, unsinnige Großprojekte. Dass man mit in einer deutschen Großstadt eine U-Bahn baut und offenbar nicht in der Lage ist, elementare Sicherheitsrichtlinien zu beachten.

Diese Situation lenkt den Blick darauf, dass in Deutschland an vielen Stellen Sanierungsbedarf besteht. Die Brücken etwa werden uns hoffentlich nie einbrechen, weil hier gute Frühwahnsysteme existieren. Aber immerhin ist vor einiger Zeit im amerikanischen Minnesota eine Verkehrsbrücke eingestürzt.

Die Anthropologie des U-Bahners II

Die U-Bahn ist ein Ort für sich, wie ich schon feststellte. Spannend ist auch zu sehen, dass der U-Bahner von Kindesbeinen an lernt, zuerst die Aussteiger aussteigen zu lassen, bevor er einsteigt. Und es trotzdessen nicht begreift und versucht einzusteigen, während andere aussteigen. Hintergrund ist die unglaubliche Furcht, mehr als zwei Minuten stehen zu müssen.
Der U-Bahner ist auch in anderer Hinsicht unfähig zur Ökonomie: Er sammelt sich in Rudeln oder Menschentrauben und begreift offentsichtlich nicht, dass es sinnvoll sein könnte, sich auf die Länge des Bahnsteigs zu verteilen. Steht man an bestimmten Stellen vom Marienplatz, Sendlinger Tor oder Odeonsplatz, kann recht flott einsteigen und sich am Hinter kratzen, während man sich fragt, warum die Bahn nicht losfährt. Sie fährt nicht los, weil die Leute am jeweiligen Ende des Zuges, zumindest körperlich vollkommen gesund, fest entschlossen sind, alle durch die gleiche Türe in den Zug zu kommen.
Vielleicht liegt es auch an der Architektur der U-Bahn-Stationen. Bis auf einige Ausnahemn wie Trudering oder Moosfeld sehen die U-Bahn-Schächte in München allesamt wie häßliche Gebilde mit noch häßlicherer Beleuchtung aus. Es ist zappenduster in der Münchner Freiheit, grell überfrachtet am Harras und die alten U-Bahnen sind von ihrer Beleuchtung her dazu angetan, sämtliche Menschen fahl und tot erscheinen zu lassen.

Mein Platz gehört mir – eine kleine Anthropologie des U-Bahn-Fahrer

Der Münchner hats immer eilig, vor allem, wenn er mit der U-Bahn fährt. Dennoch hat er Zeit, unsinnige und kuriose Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

– Er stellt sich grundsätzlich als erster vor eine Türe, wenn die U-Bahn einfährt, obwhol er wohl schon in seinem sechsten Lebensjahr gelernt haben sollte, dass man zuerst die Anderen aussteigen lässt.
– Er eilt durch den halben Zug, um einen ihm genehmen Sitzplatz zu finden, um
– an der nächsten Station wieder auszusteigen.
– Er ist nicht nur schlecht immer schlecht gelaunt,
– sondern möchte das auch allen anderen mitteilen, in dem er grimmig drein schaut.
– Er liest eine Zeitung im DIN-A-2-Format in einem engen Waggon und pöbelt herum, wenn jemand an ihm vorbeigehen muss und seine Zeitung streitft.
– Er steht grundsätzlich im Weg und blockiert die Türe, auch wenn er erst in fünf Stationen aussteigen muss
– erwartet aber von allen Anderen, dass sie ihm sofort Platz machen, auch wenn keine Ausweichfläche vorhanden ist.
– Er kann nicht reden, kennt keine Höflichkeit, sondern nur ein böses Grummeln, mit dem er aussagen möchte, man möge ihm doch gefälligst Platz machen, ob man keine Augen im Kopf habe und nicht über die Gabe des Rundumblicks verfüge.
– Es wundert daher nicht, dass dieses archaische Wesen mit rudimentären Sprachkenntnissen ausgestattet die Worte „Entschuldigung“, „Danke“ oder auch nur Gesten, in diese Richtung gehen nicht kennt.

Das Phänomen des Homo Mobilicus wurde bisher noch unzureichend untersucht, von demher können wir keine Aussagen darüber machen, was dieses Wesen im Innersten antreibt, außer dem sehnlichen Wunsch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, um am Ende wieder nach Hause zu fahren.

Einen etwas anderen Blickwinkel nimmt ein Text des Deutschlandfunk ein: Hier wird aus einem an sich unspektakulären Thema – der U-Bahn – eine interessante Reportage gebastelt. Ich habe die U-Bahn stets als eine Art Gedärm einer Stadt betrachtet, voller Würmer, die umherkriechen und Parasiten aufsaugen und auspucken. Das Bild passt immer noch. Zugleich kann man jedem U-Bahn-Tunnel und jeder U-Bahn eine Geschichte entlcoken, die vielleicht niemals geschrieben und erzählt, aber dennoch real und einmalig ist.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/langenacht/805440/