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Online-Wahlkampf – wann gehts los?

Ofiiziell ist ja weder der Offline- noch der Online-Wahlkampf eingeläutet. Vermutlich geht es mit beidem erst im Hochsommer los – gut, dass dieses Jahr keine Fußball-WM ist. Man vergißt aber gerne, dass die Wahlen zum Europaparlament am 30. Juni anstehen.

Vielleicht wird die FDP es bis dahin schaffen, ihre Blogs auf Vordermann zu bringen. Vor allem für die drei kleinen Parteien dürfte online viel Potential brach liegen, wenn sie es kreativ zu nutzen wissen.

Tipps dazu gibt eine von Obamas Online-Wahlkämperinnen, Mary C. Joyce in der taz. Sie rät deutschen Parteien:

Erstens: Sie müssen von Nutzern produzierte Inhalte mit einbeziehen, das kann einer Kampagne Antrieb geben. Zweitens: Man darf nicht auf ein bestimmtes Tool setzen, weil es neu und schick ist. Man muss auf Mittel setzen, mit denen man seine Ziele gut erreicht, auch wenn sie vielleicht etwas „älter“ sind, wie E-Mails beispielsweise. Drittens: Für jede Kampagne ist eine gute Datenbank wichtig – das Wissen über Wähler ist Macht.

Bleibt zu hoffen, dass diese Datenbanken besser gesichert und eingesetzt werden als andere. Daran erkennt man aber wiederum, wo die Kernprobleme deutscher Parteien liegen. Eine zentrale Datenbank einzurichten und zu warten, ist gar nicht so einfach. Die Deutschen sind allgemein nicht gerade für ihre Technikaffinität bekannt.

Insgesamt funktionieren deutsche Parteien anders als amerikanische, deshalb lassen sich Strategien nicht eins zu eins übertragen.

Zudem haben die Deutschen große Angst davor, dass ihr Material für Spötteleien verwendet werden. Der Ärger darüber ist sicher nicht unberechtigt, sinnvoll ist er aber nicht.

Im Gegenteil, Witzeleien über Thorsten Schäfer-Gümbel haben den Mann überhaupt erst bekannt und halbwegs sympathisch gemacht. Natürlich ist es albern und keineswegs politische Kritik, sich über Angela Merkels Aussehen oder TSGs Brille lustig zu machen.

Aber gerade das mobilisiert die eigene Klientel, entweder wählen zu gehen oder eigenen Content zu produzieren, um elegant zurückzuschlagen.

Dies ist das ganze Geheimnis um virales Marketing im Online-Wahlkampf. Menschen, die Angst vor Kritik oder Spott haben, sollten allerdings auch nicht gerade die Öffentlichkeit suchen.

Rechte klauen Hardcore – linke Subkultur gekapert

In Zeiten von Pirate Bay-Prozess und deutschen Piratenfängern übernimmt auch Mosaic die Piraensprache, naja, zumindest ein wenig.

Nun haben die Rechten, wie die taz bemerkt, den Hardcore übernommen, ursprünglich eine Domäne der Linken. Was Einem spontan dazu einfällt ist die Frage … was solls?

Die rechten Glatzköpfe haben ihr scheußliches Äußeres ursprünglich von Punks übernommen. Punks waren die ersten, die ein scheußliches Äußeres als Abgrenzungsmedium institutionalisiert hatten. Die Heavy Metaller machten weiter mit dunklen Klamotten und langen Haaren. Die Rechten übernahmen das ebenfalls. Ganz zu schweigen von den Liberalen.

Rechte sind aber mittlerweile überall zu finden. Die Phantasieszene – dass sind die Leute, die sich kaum komischen Festivals wie Herr-der-Ringe- oder DSA-Figuren kleiden – wimmelt von ihnen. Hier dominieren eher Phantasien über deutsche Mythen wie die Nibelungensaga. Man erinnert sich, Siegfried und die Sache mit dem Drachenblut.

Gothic und Heavy Metal spielen in diese Szene hinein. Die Bösen Onkel haben sich eben nicht vom Saulus zum Paulus gewandelt und sind auch absolut keine Minderheit.

Man reibt sich ein wenig die Augen, wenn Rechte mit Palästina-Tüchern und Che-T-Shirts herumlaufen. Blöd ist auch, dass man die Nazis nicht mehr eindeutig ausmachen kann. Glatt gestriegelt wie junge Liberale fallen sie zwischen den ganzen Anderen – unpolitischen – Buben gar nicht auf. Macht auch nichts, unpolitisch heißt, links – rechts – scheißegal.

Wenn in einer Versamllung von Kapitalismuskritikern ein Mensch aufsteht und die x-te Tirade gegen Israel, das Großkapital, Amerika blablabla ablässt, kann man nicht sagen, ob das ein Rechter oder ein Linker ist. Peinlich für die Linke, die sich nicht sauber distanzieren kann. So wie der ehemalige Junge-Weltler Jürgen Elsässer, dem eine Volksfront vorschwebt.

John Updike gestorben

Es ist komisch, je älter man wird, desto häufiger sterben Menschen, die man gekannt hat. Dabei macht es oft kaum einen Unterschied, ob es nun entfernte Bekannte waren oder Menschen, von denen von nur gehört hat. Ich denke, wenn man das Buch eines Autors liest oder das Lied eines Musikers hört, geht man in gewisser Weise auch eine intime Beziehung mit ihm ein.

Nun hat es ihn auch erwischt, John Updike, einer der bekanntesten Autoren der USA: Manche mögen ihn noch aus der Simpsons-Folge kennen, wo er Ghost-Writer von Herschel Crustovskis alias Crusty the Clowns Biographie war. In der taz erschien ein sehr schöner Nachruf auf ihn. Vielleicht sitzt er setzt auf einer Wolke den anderen großen Literaten, die ihre letzte Ruhe gefunden haben: Norman Mailer und Kurt Vonnegut.

Rest in Peace John

Digitales Leben – Obama revolutioniert den Wahlkampf

Zweifellos hat Barack Obama rhetorisches Talent und Ausstrahlung. Doch das haben viele andere Kandidaten vor ihm auch schon gehabt. Das Besondere an ihm ist, dass er die Technologien des 21. Jahrhunderts einsetzt.

Mit Handy- und Internetkampagnen erreicht Obama weite Teile derjenigen, die Fernsehen und Radio meiden und selten auf Wahlkampfveranstaltungen gehen, die Jugendlichen.

Mit einem cleveren System hat er viele Millionen Dollar an Kleinstspenden eingesammelt. Obama ist somit der Kandidat der Zukunft und hat neue Maßstäbe im Wahlkampf gesetzt.

Wer sich übrigens weiter mit der Situation der Afroamerikaner beschäftigen will, lese hier nach über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und deren charismatische Führer Malcolm X und Martin Luther King.

Die USA – zwischen Dynamik und Schneckentempo

Die USA sind wohl das umstrittenste Land der Welt. „Love or leave it“ gilt für die USA wie für kein anderes Land der Welt.

Zurecht kann man den USA einen fatalen Idealismus vorwerfen, dessen Früchte oft ungenießbar sind.

Man kann ihnen sicher vorwerfen, dass sie in vielen Dingen der Entwicklung hinterher hinken.

Den Anderen muss man hingegen vorwerfen, dass sie die USA zu einseitig beachten: Die USA sind eine Menge von Teilmengen, seien es Bundesstaaten, Städte oder Individuen.

Und während einige Bundesstaaten eher an Kasachstan denken lassen, entwickeln andere Staaten eine Innovationskraft, vor der die Europäer noch lernen könnten.

Das Land als Ganzes, hat es einmal eine bestimmte Entwicklung eingeschlagen, kann eine Dynamik entwickeln, welche die Europäische Union vor Neid erstarren ließe – wären die Europäer nicht die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt.

Die USA benötigen kompetente Menschen in der Regierung. Während die EU stetig dahin tröpfelt und erst im Nachhinein gesagt werden kann, ob sie Erfolg hat oder nicht, schreiten die USA in großen Sprüngen voran und entwickeln dennoch mehr Tempo als die EU.

Das Wahlsystem in den USA

Ein wenig verwirrend ist es schon, das Wahlsystem in den USA, daher einige Fakten:

– Die USA sind ein Staatenbund, das Ziel ist die Stärkung der Bundesstaaten gegenüber der Zentralregierung. Hintergrund ist das Europa des 18. Jahrhunderts mit abolutistisch regierten Königreichen bzw. starken Zentralstaaten

– Entscheidend ist nicht die absolute Zahl an Stimmen von Personen, sondern die Zahl der Wahlmänner. Jeder Staat hat eine bestimmte Zahl von Wahlmännern. Gewinnt jemand etwa 51 Prozent der Personen in einem Staat, gewinnt er ALLE Wahlmänner dieses Staates. Auch hier ein gewachsenes System, kleine Staaten sollen – ähnlich wie in der EU – vor der Übermacht großer Staaten geschützt werden

Die Finanzkrise II – von Seifen und anderen Blasen

Wir wissen mittlerweile, das ein Markt über Angebot und Nachfrage funktioniert. Die Menge des Geldes, die im Umlauf ist, entspricht in einem System der Menge der Güter und Dienstleistungen, die in diesem System verfügbar sind.

Das gilt nicht für den Finanzmarkt, der von Spekulationen auf zukünftige Werte lebt. Möglich wird das dadurch, dass große Mengen an unbewegtem Kapital vorhanden sind, auf den Sparkonten und dieses Geld muss vermehrt werden – die Zinsen.

Aber Geld, das auf der Bank liegt, wird nicht produktiv eingesetzt. Der Kontoinhaber kauft nichts davon. Er investiert es nicht in Güter und verringert so die Nachfrage nach Gütern.

Tatsächlich arbeiten Hedgefonds und Großbanken mit dem Geld. Sie investieren es oft in reale Güter, etwa in Immobilien, Bergwerke oder andere gewinnträchtige Dinge.

Wird irgendwo Geld investiert, steigt der Geld dieser Ware.

So kam es zur Immobilienblase in den USA. Jemand hat unheimlich viel Geld in Immobilien investiert. Die Immobilienpreise sind gestiegen. Die Hausbesitzer saßen auf einmal auf einem vergoldeten Grundstück. Sie begannen, sich Güter auf Basis günstiger Hypotheken zu kaufen.

Doch es gibt ein Gesetz im Markt, das immer funktioniert: Der Wert einer Ware kann nicht in einer solchen Geschwindigkeit wachsen und diesen Wert auch behalten. Man kann sich das ganz natürlich vorstellen: Ein Baum, der zu schnell wächst, ist vermutlich krank, hat keine tiefen Wurzeln und wird bei nächster Gelegenheit umgeweht.

Das Phänomen einer Überbewertung ist recht häufig, das letzte Beispiel ist die im Jahr 2000 geplatzte New-Economy-Blase.

Das Wachstum konnte nicht endlos so weitergehen. Leute wie Robert Brenner (The Boom and the Bubble) und andere haben dies lange vorausgesagt. Es ist wie eine Blase, die platzt, weil niemand den Mut hatte, ein Sicherheitsventil langsam aufzudrehen.

Einmal lügen Sie immer – warum Befragungen nie richtig funktionieren

Umfragen sind sehr beliebt, um ein Meinungsbild zu erhalten. Doch es gibt viele Gründe, warum Befragte nicht das sagen, was sie wirklich denken, auch dann, wenn Befragungen anonym sind:

  1. Der Fragensteller oder Fragenbogen-Verteiler ist ein älterer Mensch, eine Frau, ein Ausländer, ein Muslim oder gehört irgendwie nicht zum Durchschnitt. Wenn es um Senioren, Frauen, Ausländer usw. in den Befragungen geht, wird der Befragte oft Hemmungen haben, zu sagen was er denkt. Oft wird er liberalere Positionen vertreten, als er wirklich hat.
  2. Der Befragte lügt absichtlich. Weil er gerade keine Lust hat, einen Fragebogen auszufüllen. Weil er Spaß daran hat, Umfragen zu manipulieren. Weil… Bei Multiple-Choice-Fragen neigen einige Leute dazu, die Fragen nach kleinen Mustern auszufüllen, ohne die eigentliche Frage zu lesen. Wer den zehnten fünfseitigen Fragebogen vor sich liegen hat, verliert schlicht irgendwann das Interesse.
  3. Der Befragte glaubt – sehr oft – liberaler zu sein oder – seltener – konservativer zu sein, als er ist.
  4. Der Befragte antwortet so, wie er glaubt, dass es von ihm erwartet wird.

So erklärt sich der Bradley-Effekt. Der Afroamerikaner und Bürgermeister von Los Angeles Tom Bradley wollte 1982 Gouverneur Kaliforniens werden und lag in den Umfragen deutlich vorne. Die Wahlen gewann sein Mitbewerber. Legendär ist die Präsidentschaftswahl Thomas Dewey versus Harry S. Truman. Dewey gewann die Wahl – nicht, wie eine Zeitung voreilig verkündete. Zuvor galt Dewey als Favorit.
Um die Sache endgültig ad absurdum zu führen; es kann auch sein, dass jemand sagt, er würde nie einen Schwarzen wählen, es am Ende aber doch tut. Er sagt das, was man von ihm erwartet, weil er ein Konservativer ist. Von dem erwartet wird, dass er einen Weißen wählt. Man kann das den umgekehrten Bradley-Effekt nennen.
Die Ursachen sind vielfältig: Ausschlaggebend dürfte aber sein, dass ein „Liberaler“ nicht zugeben will – nicht einmal vor sich selbst – dass er keinen Schwarzen wählen mag oder die Demokraten ablehnt. Ein Konservativer hingegen mag – wegen seiner Peer-Group, seinem sozialen Netzwerk – nicht zugeben, dass er pragmatisch wählt oder bereit ist, einen Liberalen oder Schwarzen zu wählen.
Das Gleiche könnte man in Deutschland beobachten: Wer in einem eher christlich geprägten Dorf aufwächst, wird wahrscheinlich nicht zugeben, dass er die Gründen wählt. Wer andererseits zur Öko-Schickeria gehört, wird vor seinen Freunden verschweigen, dass er heimlich die Steuersenker von der FDP wählt.
Es gibt in der empirischen Sozialforschung eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, wie sich Umfragen manipulieren lassen. Die Fragen selbst lassen sich suggestiv stellen, die Statistik lässt sich manipulieren, die Zielgruppe kann gezielt auf die erwünschten Ergebnisse hin ausgewählt werden. Auch wenn die Sozialforschung versucht, solche Manipulationen auszuräumen, ist das nur eingeschränkt möglich.
Wenn einem Unternehmen die Ergebnisse einer Umfrage nicht passen, kann es diese einfach noch einmal durchführen. Wir ändern die Zielgruppe, „modifizieren“ die Fragestellung und schwupp – haben wir die erwünschten Ergebnisse. Es ist keine Manipulation im wörtlichen Sinne, aber es ist auch nicht die ganze Wahrheit.
Die klassische Marktforschung arbeitet ebenfalls mit den empirischen Methoden der Sozialforschung. Einer der Schwerpunkte sind Fokusgruppen, das heißt, eine ausgewählte Gruppe von Menschen wird eingeladen, um den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung zu testen. Malcolm Gladwell zeigt in seinem Buch „Tipping Point“, dass diese Befragungen oft nicht richtig funktionieren. Ein berühmtes Beispiel ist der Geschmackstest von Coca Cola vs. Pepsi. Angeblich schmeckt Pepsi Cola im Blindtest besser als Coca Cola. Das galt aber nur für den ersten Schluck, tränke man die ganze Dose bzw. Flasche, würde Coca Cola in Geschmackstests besser abschneiden. Ob das stimmt, lassen wir dahin gestellt sein. Coca Cola fühlte sich aber genötigt, die New Coke auf den Markt zu werfen, einer der spektakulärsten Flops in der Geschichte der Konsumgüter überhaupt.
Die Menschen sind vor allem bei neuen Produkten oder Entwicklungen eher kritisch. So würden viele Filme oder Fernsehserien durchfallen, weil das Konzept zu ungewöhnlich oder seiner Zeit voraus ist. Tablets sind überflüssig, haben selbst die Gadget-Freaks gesagt und sich anschließend in die Schlange gestellt, um das erste iPad zu bekommen.
Im Konstruktivismus sagt man, die Welt sei ein Ergebnis der Wahrnehmung. In der Praxis heißt das, ein Beobachter, der wahrgenommen wird, verändert automatisch die Situation. Die meisten Wildtiere z.B. wittern das Fernsehteam, auch wenn es mit Fernobjektiven arbeitet.
Es gibt das Weiße-Kittel-Syndrom. Es besagt, dass ein mensch automatisch nvervös wird, wenn ihm ein Arzt entgegentritt, der ihn untersuchen soll. Der Puls geht hoch, Schweiß bildet sich und das verfälscht natürlich die Ergebnisse. Ergo ist jede Studie, die in einer Laborsituation stattfindet nicht so aussagekräftig, wie es die Presseabteilungen der Unternehmen oder Institute vollmundig verkündigen.
Last not least ist auch folgende Überlegung interessant: Tiere, die eingesperrt werden erleiden ähnliche Symptome wie menschen, die eingesperrt werden. Wer den Affen dabei zugesehen hat, wie sie pausenlos im Kreis rennen zweifelt an den Märchen von der artgerechten Tierhaltung in Zoos. Wie ist also ein Experiment zu bewerten, in dem ein in einem Labor eingesperrtes Tier bis zur Erschöpfung einen Hebel drückt, um sich eine Dröhnung zu verpassen?

Weiterlesen

  • Malcolm Gladwell.Der Tipping Point.Goldmann-Verlag
  • Walter Krämer. So lügt man mit Statistik. Piper 2009
  • Theorie der Schweigespirale