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Online-Wahlkampf – wann gehts los?

Samstag, den 4. April 2009

Ofiiziell ist ja weder der Offline- noch der Online-Wahlkampf eingeläutet. Vermutlich geht es mit beidem erst im Hochsommer los – gut, dass dieses Jahr keine Fußball-WM ist. Man vergißt aber gerne, dass die Wahlen zum Europaparlament am 30. Juni anstehen.

Vielleicht wird die FDP es bis dahin schaffen, ihre Blogs auf Vordermann zu bringen. Vor allem für die drei kleinen Parteien dürfte online viel Potential brach liegen, wenn sie es kreativ zu nutzen wissen.

Tipps dazu gibt eine von Obamas Online-Wahlkämperinnen, Mary C. Joyce in der taz. Sie rät deutschen Parteien:

Erstens: Sie müssen von Nutzern produzierte Inhalte mit einbeziehen, das kann einer Kampagne Antrieb geben. Zweitens: Man darf nicht auf ein bestimmtes Tool setzen, weil es neu und schick ist. Man muss auf Mittel setzen, mit denen man seine Ziele gut erreicht, auch wenn sie vielleicht etwas “älter” sind, wie E-Mails beispielsweise. Drittens: Für jede Kampagne ist eine gute Datenbank wichtig – das Wissen über Wähler ist Macht.

Bleibt zu hoffen, dass diese Datenbanken besser gesichert und eingesetzt werden als andere. Daran erkennt man aber wiederum, wo die Kernprobleme deutscher Parteien liegen. Eine zentrale Datenbank einzurichten und zu warten, ist gar nicht so einfach. Die Deutschen sind allgemein nicht gerade für ihre Technikaffinität bekannt.

Insgesamt funktionieren deutsche Parteien anders als amerikanische, deshalb lassen sich Strategien nicht eins zu eins übertragen.

Zudem haben die Deutschen große Angst davor, dass ihr Material für Spötteleien verwendet werden. Der Ärger darüber ist sicher nicht unberechtigt, sinnvoll ist er aber nicht.

Im Gegenteil, Witzeleien über Thorsten Schäfer-Gümbel haben den Mann überhaupt erst bekannt und halbwegs sympathisch gemacht. Natürlich ist es albern und keineswegs politische Kritik, sich über Angela Merkels Aussehen oder TSGs Brille lustig zu machen.

Aber gerade das mobilisiert die eigene Klientel, entweder wählen zu gehen oder eigenen Content zu produzieren, um elegant zurückzuschlagen.

Dies ist das ganze Geheimnis um virales Marketing im Online-Wahlkampf. Menschen, die Angst vor Kritik oder Spott haben, sollten allerdings auch nicht gerade die Öffentlichkeit suchen.

Rechte klauen Hardcore – linke Subkultur gekapert

Samstag, den 7. Februar 2009

In Zeiten von Pirate Bay-Prozess und deutschen Piratenfängern übernimmt auch Mosaic die Piraensprache, naja, zumindest ein wenig.

Nun haben die Rechten, wie die taz bemerkt, den Hardcore übernommen, ursprünglich eine Domäne der Linken. Was Einem spontan dazu einfällt ist die Frage … was solls?

Die rechten Glatzköpfe haben ihr scheußliches Äußeres ursprünglich von Punks übernommen. Punks waren die ersten, die ein scheußliches Äußeres als Abgrenzungsmedium institutionalisiert hatten. Die Heavy Metaller machten weiter mit dunklen Klamotten und langen Haaren. Die Rechten übernahmen das ebenfalls. Ganz zu schweigen von den Liberalen.

Rechte sind aber mittlerweile überall zu finden. Die Phantasieszene – dass sind die Leute, die sich kaum komischen Festivals wie Herr-der-Ringe- oder DSA-Figuren kleiden – wimmelt von ihnen. Hier dominieren eher Phantasien über deutsche Mythen wie die Nibelungensaga. Man erinnert sich, Siegfried und die Sache mit dem Drachenblut.

Gothic und Heavy Metal spielen in diese Szene hinein. Die Bösen Onkel haben sich eben nicht vom Saulus zum Paulus gewandelt und sind auch absolut keine Minderheit.

Man reibt sich ein wenig die Augen, wenn Rechte mit Palästina-Tüchern und Che-T-Shirts herumlaufen. Blöd ist auch, dass man die Nazis nicht mehr eindeutig ausmachen kann. Glatt gestriegelt wie junge Liberale fallen sie zwischen den ganzen Anderen – unpolitischen – Buben gar nicht auf. Macht auch nichts, unpolitisch heißt, links – rechts – scheißegal.

Wenn in einer Versamllung von Kapitalismuskritikern ein Mensch aufsteht und die x-te Tirade gegen Israel, das Großkapital, Amerika blablabla ablässt, kann man nicht sagen, ob das ein Rechter oder ein Linker ist. Peinlich für die Linke, die sich nicht sauber distanzieren kann. So wie der ehemalige Junge-Weltler Jürgen Elsässer, dem eine Volksfront vorschwebt.

John Updike gestorben

Mittwoch, den 28. Januar 2009

Es ist komisch, je älter man wird, desto häufiger sterben Menschen, die man gekannt hat. Dabei macht es oft kaum einen Unterschied, ob es nun entfernte Bekannte waren oder Menschen, von denen von nur gehört hat. Ich denke, wenn man das Buch eines Autors liest oder das Lied eines Musikers hört, geht man in gewisser Weise auch eine intime Beziehung mit ihm ein.

Nun hat es ihn auch erwischt, John Updike, einer der bekanntesten Autoren der USA: Manche mögen ihn noch aus der Simpsons-Folge kennen, wo er Ghost-Writer von Herschel Crustovskis alias Crusty the Clowns Biographie war. In der taz erschien ein sehr schöner Nachruf auf ihn. Vielleicht sitzt er setzt auf einer Wolke den anderen großen Literaten, die ihre letzte Ruhe gefunden haben: Norman Mailer und Kurt Vonnegut.

Rest in Peace John

Digitales Leben – Obama revolutioniert den Wahlkampf

Sonntag, den 14. Dezember 2008

Zweifellos hat Barack Obama rhetorisches Talent und Ausstrahlung. Doch das haben viele andere Kandidaten vor ihm auch schon gehabt. Das Besondere an ihm ist, dass er die Technologien des 21. Jahrhunderts einsetzt.

Mit Handy- und Internetkampagnen erreicht Obama weite Teile derjenigen, die Fernsehen und Radio meiden und selten auf Wahlkampfveranstaltungen gehen, die Jugendlichen.

Mit einem cleveren System hat er viele Millionen Dollar an Kleinstspenden eingesammelt. Obama ist somit der Kandidat der Zukunft und hat neue Maßstäbe im Wahlkampf gesetzt.

Wer sich übrigens weiter mit der Situation der Afroamerikaner beschäftigen will, lese hier nach über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und deren charismatische Führer Malcolm X und Martin Luther King.

Die USA – zwischen Dynamik und Schneckentempo

Montag, den 8. Dezember 2008

Die USA sind wohl das umstrittenste Land der Welt. “Love or leave it” gilt für die USA wie für kein anderes Land der Welt.

Zurecht kann man den USA einen fatalen Idealismus vorwerfen, dessen Früchte oft ungenießbar sind.

Man kann ihnen sicher vorwerfen, dass sie in vielen Dingen der Entwicklung hinterher hinken.

Den Anderen muss man hingegen vorwerfen, dass sie die USA zu einseitig beachten: Die USA sind eine Menge von Teilmengen, seien es Bundesstaaten, Städte oder Individuen.

Und während einige Bundesstaaten eher an Kasachstan denken lassen, entwickeln andere Staaten eine Innovationskraft, vor der die Europäer noch lernen könnten.

Das Land als Ganzes, hat es einmal eine bestimmte Entwicklung eingeschlagen, kann eine Dynamik entwickeln, welche die Europäische Union vor Neid erstarren ließe – wären die Europäer nicht die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt.

Die USA benötigen kompetente Menschen in der Regierung. Während die EU stetig dahin tröpfelt und erst im Nachhinein gesagt werden kann, ob sie Erfolg hat oder nicht, schreiten die USA in großen Sprüngen voran und entwickeln dennoch mehr Tempo als die EU.