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Was bedeutet intuitive Bedienung für Blinde?

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In einem älteren Artikel habe ich versucht, das Wahrnehmungsmodell von Sehbehinderten zu beschreiben. Im folgenden wollen wir uns das Gleiche für Blinde angucken.

So sieht der erste Teil meiner Website für Blinde aus

So sieht der erste Teil meiner Website für Blinde aus


Bei Blinden gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die ihre Möglichkeit zur Bedienung programmierter Oberflächen einschränken oder erweitern können. Dazu gehört jenseits der Barrierefreiheit dieser Oberfläche aktuelle Technik, insbesondere aktuelle Hilfstechnik und ihre persönlichen Fähigkeiten, mit der Technik umzugehen. Beides ist selten optimal. Was Blinde mit Sehenden teilen ist oftmals mangelnde Geduld, sich mit einer Sache intensiv zu beschäftigen.

Das Surfverhalten auf unbekannten Seiten

Nehmen wir folgendes an: Der Blinde möchte eine Website besuchen, die er nicht so gut kennt. Er ist gewöhnt daran, dass viele Seiten für ihn nicht einwandfrei funktionieren.

Das klassische Modell der Interaktion geht davon aus, dass der Blinde die Website erst einmal erkundet, sich also den Aufbau ansieht, die Navigation überfliegt und vielleicht auch überprüft, ob es z. B. Sprunganker und andere Hilfen gibt.

Das ist allerdings nicht der Fall, ich kenne keinen Blinden, der so vorgeht. Der Blinde hat wie jeder andere Surfer ein spezifisches Erkenntnisinteresse und versucht das so schnell wie möglich zu befriedigen. Dazu sucht er gezielt nach dem Inhaltsbereich, wo die meisten interessanten Infos stehen.

Auf der Suche nach dem Inhalt

Für den Sehenden erscheint die Website als ein Neben- und Übereinander von Informationssegmenten, das Banner steht über dem Inhalt, der Inhalt steht neben der Navigation und so weiter. Für den Blinden gibt es hingegen nur Linearität, das heißt, ein Element befindet sich vor oder hinter einem anderen Element. Das gilt im übrigen auch für kleine Touchscreens wie beim iPhone. Der Blinde tippt irgendwo auf den Screen und erfasst ein bestimmtes Element, zum Beispiel einen Link. Er wischt dann nach rechts und erfasst das nächste Element, das könnte etwa ein Textabsatz sein.
Um die Anordnung von Elementen auf einer Website sozusagen haptisch erfassen zu können braucht er ein größeres Display, wobei 5- oder 6-Zoll-Displays schon ausreichen dürften. Hier haben wir den Vorteil, dass wir die Position des Inhalts recht gut erraten können. Auf dem iPhone muss man sich meistens mit einer Wischgeste begnügen, auf dem iPad kann man sich relativ sicher sein, dass der Inhalt im mittleren Drittel des Displays beginnt. Von da aus kann der Anfang des Artikels gesucht werden.
Braillezeile
Bei den klassischen Screenreadern gibt es oft auch einen Modus zur Erkundung des gesamten Bildschirms, bei NVDA ist das der Flächenmodus, bei Jaws der Jaws-Cursor. Sind diese Modi aktiviert bewegt sich der Blinde mit den Pfeiltasten zeilenweise über den Bildschirm und kann damit sehr viele Elemente erfassen. Das ist ganz nützlich, wenn man weiß, dass es bestimmte Elemente gibt, die nicht mit dem normalen Modus erreicht werden können, aber der Blinde kann natürlich nicht wissen, ob solche Elemente vorhanden sind.

Es ist gar nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick wirkt. Der Blinde muss nicht nur nach dem Inhalt suchen, er weiß nicht einmal, ob dieser Inhalt auf dieser Seite überhaupt vorhanden ist. Nehmen wir an, wir haben gerade ein Kontaktformular abgesendet und der einzige Text jenseits von Links oder klickbaren Elementen ist „Vielen Dank für Ihre Nachricht“, dann hat der Blinde kaum eine Chance, diesen Text zu finden. Er weiß also nicht genau, ob seine Interaktion mit der Seite erfolgreich war oder nicht. Der einfachste Weg, ihm mitzuteilen, dass er auf einer neuen Seite ist wäre übrigens die Änderung des Seitentitels. Ich halte mich mit konkreten schlechten Beispielen oft zurück, aber einige Seiten haben das wirklich schlecht gelöst, ein Beispiel dafür ist Wikio.

Zwei Wege durch die Website

Lassen wir das iPhone einmal beiseite, dann gibt es für den Blinden im wesentlichen zwei Strategien, eine Website zu erkunden. Dazu muss man wissen, das es neben der visuellen Struktur der Website auch eine nicht-visuelle Struktur auf der HTML-Ebene gibt. Man könnte es eine semantische Struktur nennen, die für den Blinden ähnlich funktioniert wie die visuelle Struktur für Sehende. Die Funktion eines Elements wird dabei nicht durch ihr Aussehen, sondern durch ihren Namen beschrieben. Wenn der Screenreader zum Beispiel auf eine Checkbox trifft sagt er “Checkbox” und gibt außerdem die Information aus, dass diese Box aktiviert oder nicht aktiviert ist. Der Name des Elements beschreibt also dessen Aufgabe oder Funktion.

Die erste Methode zur Erkundung von Webseiten ist sehr grob und vor allem für schlecht oder gar nicht semantisch strukturierte Seiten gedacht. Die Pfeiltasten sowie die Bild-Auf und Ab-Tasten und der Tabulator dienen dazu, sich stückweise durch die Website zu hangeln. Mit den Cursor-Tasten erwischt man alles, also auch jede Menge Leerzeilen, unbenannte Grafiken und anderes wenig hilfreiches. Viele auch aktuelle Foren sind zum Beispiel schlecht bis gar nicht strukturiert, so dass der Blinde sich durch zahllose für ihn nutzlose Elemente lavieren muss.
Mit den Bild-Tasten kann die Website grob überflogen werden. Wenn sie halbwegs einfach aufgebaut ist ist damit eine recht gute wenn auch grobkörnige Orientierung möglich. Mit der Tabulatortaste können alle anklickbaren Elemente wie links oder Formularelemente erwischt werden. Die Screenreader Jaws und NVDA haben außerdem einen Tastenbefehl, mit dem man Links und andere anklickbaren Elemente überspringen kann. In vielen Fällen findet man mit dieser Taste den Inhaltsbereich.

Die zweite Methode funktioniert bei gut strukturierten Webseiten.
Dabei versuchen Blinde mittels der Navigationstasten des Screenreaders den Inhalt zu erkunden. Wir suchen zum Beispiel gezielt nach Überschriften. Dabei gibt es zwei problematische Situationen: Es gibt gar keine Überschriften oder Hunderte davon, zum Beispiel bei Ministerien. Der Screenreader ermöglicht es, nach vielen Elementen wie Eingabefeldern, Überschriften verschiedener Ebenen und vielen anderen Elementen gezielt zu suchen.

In der Praxis verfolgen wir eine Mischstrategie. Es geht nach wie vor um unbekannte Seiten, deren Aufbau wir ja gerade nicht erkunden oder gar erlernen wollen. Ob der Mensch H1 für seinen Inhalt verwendet oder H6 interessiert uns nicht, ob die Navigation als Liste umgesetzt ist kann uns solange egal sein, wie wir uns nur für den konkreten Inhalt der aufgerufenen Unterseite interessieren. Auch bei Seiten, die ich täglich besuche weiß ich nicht, ob sie eine H1 für die Content-Überschrift verwenden oder nicht.

Die Parallelen zur Orientierung in unbekannten Umgebungen sind übrigens recht groß. Jenseits einiger großer Bahnhöfe gibt es in Deutschland so gut wie kein Areal mit Blinden-Leitsystem, das Leitsystem hat in etwa die Funktion der Semantik auf Webseiten. Daher muss der Blinde sich in unbekannten Gebäuden ähnlich durchlavieren wie auf Webseiten, durch Trial and Error.

Semantik statt Farbe und Form

Die intuitive Bedienung fällt für einen Blinden vollkommen anders aus als für einen Sehenden. Die Gestaltgesetze gelten kaum. Die Farbe oder Positionierung von Elementen oder ihre optische Gestaltung spielt für den Blinden keine Rolle. Der Blinde kann nicht über die Icons erkennen, was ein Programm oder eine Einstellung tut, er sieht keine Pfeile oder angedeuteten Bewegungen für Menüs oder viele andere Hilfen, die eine Benutzeroberfläche für Sehende intuitiv benutzbar macht. Oftmals weiß er nicht, dass ein Element eine Untereinheit eines größeren Segments ist. Wenn ich mit den Bild-Tasten einen Link erwische weiß ich oft nicht, ob er zur Navigation, zum Inhalt oder zur Fußzeile gehört.

Die Arbeit mit Menüs oder den Navigationstasten ist nicht immer optimal, da wir zum Beispiel nicht wissen können, ob es an irgendeiner anderen Stelle des Programms hilfreiche Funktionen gibt, die uns die Arbeit erleichtern könnten. Einige Funktionen scheinen gar nicht über Menüs zugänglich zu sein, zum Beispiel die Überarbeiten-Funktionen in Word 2003, mit der Korrekturen anderer Autoren übernommen oder verworfen werden können.

Bei Webseiten haben wir ein ähnliches Problem, wenn die Entwickler unsauber gearbeitet haben. Nehmen wir an, wir hangeln uns mit der Navigationstaste für Formulare durch ein langes Formular. Dann übersehen wir alle Elemente, die nicht als HTML-Formular-Element umgesetzt wurden, zum Beispiel eine Auswahlliste, die nur über JavaScript realisiert wurde.

Immer vorausgesetzt, die Systeme sind barrierefrei programmiert helfen dem Blinden ähnlich wie im Web semantische Auszeichnungen. Ein Menü ist also nicht nur visuell als Menü zu erkennen, sondern der Screenreader erhält die Information, dass es sich bei einem Objekt um ein Menü, einen Schalter oder eine Checkbox handelt. Ein frisch installierter Screenreader gibt auch zumeist weiterführende Informationen zu den Objekten wie „Bewegen Sie sich mit den Pfeitasten durch das Menü“ und so weiter.

Surfen auf bekannten Seiten

Das klingt alles schlimmer als es ist. Zum einen bewegen sich die meisten Läute den Großteil ihrer Zeit auf ihnen wohlbekannten Seiten. Dabei wirkt es sich nicht so extrem negativ aus, wenn die Seite schlecht strukturiert ist. In der Zeit, die ein Mausnutzer zum Ansteuern eines Links braucht habe ich den Link zwei Mal aufgerufen.

Es gibt ein ganz nettes Buch zur Webkonzeption von Jens Jacobsen. An einer Stelle berichtet er darüber, warum benutzerfreundliche Systeme manchmal scheitern. Ein Grund dafür ist, dass vor allem die Alt-Nutzer radikale Neuerungen ablehnen, weil sie die Macken des alten Systems beherrschen. Wir passen uns den Programmen an, statt die Programme an uns anzupassen.
Das trifft auch auf Blinde zu: häufig benutzen sie uralte Programme und Screenreader, weil sie keine Lust zum Umlernen haben. Das mag man für legitim halten, aber am Ende schadet es doch ihnen selbst am meisten. Der Knackpunkt ist die Frage, ob eine blindengerechte intuitive Gestaltung ihnen beim Umstieg helfen würde.

Wofür das Ganze?

Einige Läute werden einwenden, dass man das eigentlich nicht braucht. Schließlich wissen wir ja nach x Jahren Nutzung, wo die einzelnen Menüpunkte von Word oder Excel sind. Es spielt also keine Rolle für uns, ob es Kacheln, Fenster oder Symbolleisten sind, Hauptsache, das Teil ist bedienbar. Das stimmt in Bezug auf Programme, die wir täglich nutzen. Aber es gibt auch Programme oder Websites, die wir vielleicht nur einmal benötigen und hier hilft uns eine intuitive Bedienung ungemein.

Für graphische Benutzeroberflächen gibt es deshalb nur eine praktikable Alternative, die Touchscreens. Natürlich gibt der Screenreader bei Berührung die gleichen Informationen aus wie bei einer Tastatursteuerung. Allerdings hat der Blinde hier die Möglichkeit, die gesamte Programmoberfläche zu erkunden. Er gewinnt damit nicht nur einen Eindruck, wie die Programmoberfläche aufgebaut ist, sondern kann alle Bedienelemente erkunden, auch diejenigen, die er ansonsten nie entdeckt hätte.

Natürlich stellen Touchscreens Anforderungen eigener art, sobald es über die übliche Drei-Button-App hinaus geht. Ein Desktop-Programm kann ähnlich wie eine Website Hunderte von Elementen enthalten. Aber hier kommt uns tatsächlich die grafische Oberfläche zugute. Normalerweise sind Programme oder Websites nicht wie Kraut und Rüben angeordnet, sondern folgen in ihrem Aufbau einer gewissen Logik. Verwandte Funktionen sind nebeneinander angeordnet, Funktionen aus unterschiedlichen Bereichen sind in Symbolleisten untereinander gruppiert und so weiter.

Ein großflächiges Braille-Display könnte ebenfalls eine gute Lösung sein. Allerdings sind die Braille-Module so teuer, dass das für niemanden erschwinglich sein wird. Für die Darstellung von Vektorgrafiken sind diese Displays außerdem viel zu grobkörnig. Es gibt noch einige alternative Ansätze für haptische Displays, die aber meines Wissens nach weit von der Marktreife entfernt sind.

Das alles könnte zu dem Schluss führen, dass es sinnvoll ist, spezielle Anwendungen für Blinde zu entwickeln, weil graphische Benutzeroberflächen für sie nie optimal nutzbar sein werden. Genau das Gegenteil ist richtig, wir brauchen neue Strategien, um graphische Interfaces besser nutzbar zu machen.

Aktuell können wir zwei parallele Entwicklungen beobachten. Auf der einen Seite nehmen webbasierte Technologien immer mehr Raum ein, auf der anderen Seite ist zu befürchten, dass es zu einer erneuten Spezialisierung kommt. Es gibt keine Textversionen für Blinde, stattdessen gibt es spezielle Navi-Apps, Lese-Apps und andere Insellösungen. Auch wenn die Blinden aktuell die Vorteile dieser speziellen Apps genießen mögen, so droht diesen Insellösungen doch das gleiche Schicksal wie den Textversionen von 1999, sie werden nicht weiterentwickelt oder vergessen und am Ende gibt es nutzlose Insellösungen für Blinde und nicht-barrierefreie Anwendungen für alle anderen.

Ich lehne nicht generell Sonderlösungen für Behinderte ab, sie sind dort sinnvoll, wo sie besondere Bedürfnisse von Behinderten erfüllen, die von klassischen Apps gar nicht oder unzureichend abgedeckt werden. Nicht-Behinderte brauchen zum Beispiel meistens keine Apps zur unterstützen Kommunikation.

Einige Anwender lehnen Apps generell ab, auch diesen Standpunkt teile ich nicht. Apps haben einen Vorteil, sie können besser auf die Accessibility-APIs zugreifen als Web-Apps das können. Dort, wo Apps diesen Vorteil ausnutzen, sind sie durchaus sinnvoll, der Rest ist Spielzeug für langweilige Nachmittage. Die Blinden tun gut daran, weiterhin die Barrierefreiheit allgemeiner Anwendungen zu fordern und Sonderlösungen konsequent abzulehnen.

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Subjektivität und Motivation in der Usability

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Spontan möchte man annehmen, dass die benutzerfreundlichste Lösung sich am Ende durchsetzt. das ist aber nicht immer so. In Wirklichkeit gibt es sehr viele Gründe, warum die Benutzerfreundlichkeit nicht konsequenter umgesetzt wird oder sich nicht durchsetzt.
Usability liegt oft im Auge des Betrachters, wie Jens Jacobsen es am Beispiel der Kommandozeile beschreibt:

Damit lassen sich in der Tat manche Aktionen sehr schnell durchführen, schneller als es mit grafischen Oberflächen möglich ist. Aber nicht zu vernachlässigen ist, dass dieses Können eine Auszeichnung ist und man sich damit von anderen abheben kann. Ist die Hürde zum Erlernen eines Systems hoch, kann das dazu führen, dass derjenige, der diese Hürde genommen hat, an dem System festhält. Dabei spielt das mit, was Psychologen „Kognitive Dissonanz“ nennen. Vereinfacht gesagt denken wir: „Was mich so viel Mühe gekostet hat, muss gut sein!“ – obwohl ihnen klar war, dass sie schwieriger zu bedienen sind. zitiert aus Jens Jacobsen. Website-Konzeption. Erfolgreiche Websites planen und umsetzen. Addison Wesley 2007, Seite 230

Windows Powershell Eingabeaufforderung
Viele der Ideen zu diesem Beitrag habe ich aus dem zitierten Beitrag von Jacobsen entnommen. Es gibt eine Reihe von ineinander greifenden Faktoren, die Usability verhindern können:

  1. Man ist gewohnt, mit einem bestimmten System zu arbeiten. Das ist ein Grund für das Scheitern von Windows Vista, das vom Aufbau her vollkommen anders ist als Windows XP. Einige Leute werden noch im Jahr 2020 Windows XP verwenden, Die Pirouetten des Bundesaußenministeriums von Linux zu Windows XP zu Windows 7 braucht man wohl nicht weiter zu kommentieren.
  2. Ein häufiges Argument ist, das eine bestehende Lösung funktioniert. In bestimmten Bereichen verwendet man seit Jahrzehnten die Programmiersprache Cobol, obwohl es moderne Sprachen gibt, mit denen sich leichter entwickeln lässt. Es sind aber auch vor allem die alteingesessenen Mitarbeiter, welche die Einführung neuer Systeme verhindern, weil sie die alten beherrschen. Das sind die gleichen Leute, die Faxe statt E-Mails schicken oder sich E-Mails von der Assistentin ausdrucken lassen.
  3. Man erlangt einen Expertenstatus. Wenn man der einzige Lokalhero ist, der das komplexe System bedienen kann, ist man der Guru. Wenn ein neues System eingeführt wird und auf einmal alle auf dem gleichen Stand sind büßt man seinen Status sehr bald ein.
  4. Benutzerfreundlichkeit ist nicht unbedingt zielführend: Nehmen wir die WYSIWYG-Editoren im Webdesign. Auf den ersten Blick sind sie praktisch. Wer aber den Code später ändern möchte erlebt einen Alptraum aus schlechtem Quellcode. Frontpage ist legendär für seinen schlechten HTML-Code. Dreamweaver hatte in der letzten Macromedia-Version eine wirklich grausame CSS-Implementierung. Wer seinen Code liebt, benutzt einen HTML-Editor oder einen einfachen Texteditor.
  5. Die Kostenfrage: Wer vor ein paar Jahren 100.000 Euro für ein Redaktionssystem ausgegeben hat, wird heute nicht auf bessere und günstigere Open-Source-Lösungen setzen. Diese Systeme sind zumindest für Redakteure wesentlich benutzerfreundlicher als alles, was ich bisher an kommerziellen Redaktionssystemen gesehen habe. Die Agenturen haben sich hier eine Goldgrube geschaffen, denn sie sind häufig die einzigen, die ihre Systeme warten, patchen und weiter entwickeln können und das sichert einen ständigen und zuverlässigen Geldfluss.

Einsteiger und Umsteiger

Manchmal hängt es auch nur am Clash der Generationen. Man hat es immer schon so gemacht, deswegen machen wir es so weiter. Das Beispiel Office 2007 kann da genügen. Niemand weiß wirklich, ob die alte Struktur, basierend auf Textmenüs und Icon-Leisten benutzerfreundlicher war als die Ribbon-Struktur.
Word-Leiste
Möglicherweise sind die Ribbons für Einsteiger einfacher als die Menüs, Microsoft wird vermutlich bei einem so wichtigen Produkt nicht irgendwas ohne User-Tests auf den Markt werfen. Wahrscheinlich.
Dennoch werden viele murrend auf die Ribbons umsteigen, sobald die alten Office-Versionen unter den neuen Windows-Versionen nicht mehr laufen. Und das obwohl mit LibreOffice eine leistungsfähige Alternative bereit steht. Der Umstieg von den Menüs von MS Office auf LibreOffice-Menüs dürfte einfacher sein als der Wechsel von Menüstruktur auf Ribbons. Das wird aber nicht passieren.
Das Gleiche gilt dann auch im Vergleich Linux vs. Windows vs. Mac. Der große Vorteil von Windows besteht darin, dass viele professionelle Programme dafür entwickelt wurden und viele Computerspiele existieren nur als Windows-Versionen. Abgesehen davon lassen sich alle Standardaufgaben, welche die meisten Nutzer erledigen müssen ebenso gut mit Ubuntu oder Knoppix erledigen. Ich hatte in einem anderen Posting den Denkfehler betrachtet, dass der große Vorteil von Linux-Systemen nicht darin besteht, dass Lizenzgebühren gespart werden, was auf lange Sicht hin stimmen mag. Ihr Vorteil liegt darin, dass die Systeme und Formate offen sind. Während man Microsoft-Dateiformate oft nach ein paar Jahren mit Microsoft-Produkten nicht mehr lesen kann, dürfte das Risiko bei Linux-Dateiformaten vergleichwweise gering sein. Das Open Document Format von LibreOffice basiert auf XML, welches mit jedem Texteditor, also auch mit einem 20 Jahre alten Computer gelesen werden kann.

Fazit

Usability ist oft nicht der entscheidende Faktor, ob ein bestimmtes Programm oder eine Website genutzt wird. Der wichtigste Faktor überhaupt scheint die Motivation zu sein. Viele Computerspiele zum Beispiel sind vom Lernaufwand relativ hoch. Früher hatte ich das Strategiespiel Civilisation von Sid Meier gespielt. Das Spielkonzept ist an sich recht kompliziert, wird aber während des Spielverlaufs quasi nebenbei erlernt. Um dieses Spiel zu beherrschen muss man durchaus einige Stunden investieren, aber die Motivation speist sich aus Spannung und Unterhaltung im Spiel. Ob ich so viel Zeit mit einem Programm verwenden würde, dass ich nicht unbedingt lernen muss?
Auch andere Anwendungen sind komplex. Facebook erfordert einen gewissen Lernaufwand, vor allem wenn man die Sicherheitseinstellungen verändern möchte.
Der Unterschied liegt hier klar in der Motivation. Da ich Spiel und Spaß haben möchte, merke ich quasi gar nicht, wie ich in einen Lernprozess einsteige.
Natürlich sollte man es vermeiden, den User in einen bewussten Lernprozess zu zwingen. Ich hatte mich an anderer Stelle mit der , die man quasi im Vorbeigehen erlernen kann, sofern man nicht sehbehindert ist.
Wer andererseits nicht bereit ist zu lernen, wird mit den meisten aktuellen Webanwendungen nicht zurecht kommen.
Diese Mischung aus Subjektivität und Motivation wird unterschätzt, wenn neue Programme eingeführt werden. Sie muss strategisch mit eingeplant werden, wenn die Einführung nicht scheitern soll.

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  • <>a href=”http://www.benutzerfreun.de/”>Website von Jens Jacobsen – Autor des oben zitierten Buches

  • Flow und Usability
  • Vorbereiten von Usability-Tests
  • Menschen mit Behinderung im Usability-Test
  • PDFs barrierefrei und benutzerfreundlich

    Vorlesen mit webReader

    Die meisten PDFs werden nicht heruntergeladen. Die meisten heruntergeladenen PDFs werden nie geöffnet. Die meisten geöffneten PDF-Dateien werden nicht gelesen. Die meisten gelesenen PDF-Dateien wandern nach dem Schließen in den Papierkorb – entweder virtuell oder für die Internetausdrucker in den realen. Nur Optimisten und Printversteher glauben daran, der Internet-User warte nur darauf, den trägen PDF-Reader aufzurufen, um ihre tollen PDFs zu lesen.

    PDF-Dateien sind vor allem für Blinde ein ständiges Ärgernis. Da sie fast nie barrierefrei sind, müssen sie aufwendig umgewandelt werden, wobei häufig Fehler auftreten. Bei mehrspaltigen Texten ist die Linearsierung fehlerhaft, so dass die Zeilen unterschiedlicher Spalten aneinander gereiht werden und der Text nicht zu verstehen ist. Andere Dokumente werden bei der Umwandlung in unlesbaren Zeichensalat.

    Fehlhaft umgewandeltes PDF wird zu Zeichensalat
    Das größte Ärgernis ist der Adobe Reader selbst, der mit jeder Version überladener und instabiler wird, ohne für den normalen Nutzer erkennbare Vorteile zu bringen. Die Zusammenarbeit zwischen Adobe-Produkten und Blindensoftware ist auch nach einer gefühlten Ewigkeit mangelhaft.

    Barrierefreiheit versus Benutzbarkeit

    Nun darf man Barrierefreiheit nicht mit Benutzbarkeit verwechseln. Der gewiefte Nutzer kommt so oder so an den Inhalt. Die Wahrheit ist aber, dass die meisten Leute – Behinderung hin oder her – technisch nicht versiert sind. Viele Leute wissen zum Beispiel nicht, wie sie Text aus einem PDF kopieren können.
    Nun habe ich schon einiges zu Barrierefreiheit im PDF geschrieben und möchte hier ein paar grundlegendere Fragen besprechen, um auch die Benutzerfreundlichkeit oder Usability von PDF-Dateien zu behandeln.

    An welcher Stelle sollte man ein PDF einsetzen?

    PDF ist tatsächlich sinnvoll, wenn es um große Mengen an Informationen geht, die in irgendeiner Form gestaltet sein sollen. Einem Blinden ist relativ egal, wie ein Text aussieht, einem Sehenden ist hingegen eine hübsche Gestaltung wichtig. Da viele Leute die seltsame Idee haben, Inhalte sollten auf allen Plattformen gleich aussehen und das mit HTML und der heutigen Technik sehr aufwendig ist, kann ein einheitliches Design nur über PDF oder noch schlimmer Flash realisiert werden.
    Wenn ein Text viele Seiten umfasst, keine unmittelbar wichtigen Informationen enthält, das Layout wichtig ist und der Text nicht ständig aktualisiert werden muss, kann man ihn als PDF anbieten. In allen anderen Fällen sollte immer eine HTML-Version bereit stehen.

    Das PDF soll zugänglich sein

    OpenOffice bzw. Libre Office können von Haus aus barrierefreie PDF erstellen. Auch MS Office kann ab 2007 mit einem Plugin getaggte PDF erstellen. Tagged PDF bedeutet, dass ähnlich wie bei HTML eine Struktur über das Dokument gelegt wird. Ohne diese Struktur sieht das PDF für Blinde aus wie Fließtext, Überschriften und Absätze lassen sich nur erahnen. Zudem muss bei jedem Öffnen des Dokuments ein zeitaufwändiger Prozess in Gang gesetzt werden, den kein Blinder gerne zulässt.

    Das PDF soll sprechend benannt werden

    Nichts ist nerviger, als sämtliche PDF-Dateien zu öffnen, um etwas über den Inhalt zu erfahren. Der Acrobat Reader gehört dank Überladenheit nicht gerade zu den schnellen Programmen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die meisten Menschen ihre Ergüsse auch gelesen haben möchten. Der beste Weg,, das zu verhindern ist dem PDF einen Namen wie afaifjaöf.pdf zu geben. Der Hintergrund ist ganz einfach: Viele Dateien werden zur späteren Lektüre auf der Festplatte abgelegt und der Inhalt dieser Dateien sollte erkennbar sein, ohne die Datei zu öffnen.

    Das PDF soll klein sein

    Die 50 MB große PDF-Datei ist DSL hin, DSL her sehr langsam beim Download. Das mag bei Druckvorlagen angemessen sein, die eine hohe Auflösung und Bildqualität von 300 DPI oder höher haben sollen. Für das Internet ist diese Datei zu groß, es dauert lange, sie zu öffnen und mit ihr zu arbeiten. Der einzige mir bekannte Weg, bestehende Dateien zu verkleinern sind die Profiprogramme von Adobe. Ansonsten kann man bei der Erstellung darauf achten, Bilder bildschirmgerecht zu verkleinern, das heißt JPEG mit 72 dpi einbinden.

    Das PDF soll keine Informationen enthalten, die nicht auf der Website stehen

    Aus der Sicht der Benutzerfreundlichkeit ist es sinnvoll, wichtige Informationen immer so einfach wie möglich zugänglich zu machen. Das heißt, die Informationen sollen auf der Website stehen, wenn sie relevant und wichtig sind. Es spricht nichts dagegen, sie ergänzend in ein PDF zu packen, aber das sollte keine Priorität haben.

    Das PDF soll NICHT geschützt sein

    Wer seine PDF nicht barrierefrei machen möchte, sollte zumindest darauf verzichten, sie mit einem Passwort zu schützen. Technisch versierte Leute kommen so oder so an den Inhalt und alle anderen ärgern sich darüber, dass sie keinen Text markieren können.
    Vor allem aber wird es für Blinde unmöglich, an den Inhalt zu gelangen, wenn sie keine hohe technische Kompetenz haben. Und das haben Viele nicht.
    Wer seine Inhalte vor Abschreibern schützen möchte, sollte sie nicht ins Internet stellen, das ist eine traurige Wahrheit.

    An die Umwelt denken

    Für die Internet-Ausdrucker ist es üblich, längere Dokumente auszuddrucken. Ich sehe das mit großer Besorgnis, wenn die Leute Hunderte von Seiten ausdrucken, um sie anschließend in einem Ordner einstauben zu lassen oder nach der oberflächlichen Lektüre in den Papierkorb zu werfen. Das ist besonders schlimm bei Präsentationen, wo schon mal 100 Seiten gedruckt werden, deren Inhalt auf 5 Seiten gepasst hätte. Lasst den Quatsch! Druckt nur die Seiten aus, die ihr braucht, packt zwei oder vier Seiten auf eine DIN A4-Seite, verwendet Duplex-Druck oder lasst es einfach bleiben.

    Weiterführendes

    Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen

    Vorlesen mit webReader

    Wie ich im letzten Beitrag kurz angerissen habe, gibt es Berührungspunkte von Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit. Die Begriffe sind aber alles andere als deckungsgleich. Eine Seite, die für einen Blinden wunderbar zu benutzen ist, kann für einen Sehenden unbenutzbar sein, Eine Flash-Site hingegen ist für einen Blinden nicht zu gebrauchen und für den Sehenden meistens ein Greuel, obwohl er sie wahrscheinlich benutzen kann.

    Machbarkeit

    Im Prinzip spricht nichts dagegen, mit Menschen mit Behinderungen Usability-Tests durchzuführen. Den Schwerpunkt würde ich dabei auf Menschen mit geringer oder mittlerer Internet-Affinität legen, denn die anderen können auch in schwierigen Situationen zurechtkommen. Wenn die internet-afinnen Personen nicht mit der Seite arbeiten können, kann die Seite hingegen als unbenutzbar für die ganze Gruppe gelten.
    Die Barrierefreiheit legt einen starken Schwerpunkt auf die Verbesserung der Benutzbarkeit und weniger auf die Benutzerfreundlichkeit. Alle Testverfahren, ob automatisch oder durch menschliche Tester durchgeführt, prüfen daher nach formalen Kriterien. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann man den Grad der Barrierefreiheit bewerten. Aspekte der Benutzerfreundlichkeit ließen sich auch in diese Tests aufnehmen, sie spielen aber zumindest in den mir bekannten Testverfahren keine Rolle.

    Usability-Probleme

    Nehmen wir als Beispiel ein Formular. Ein Formular kann neben dem Label auch eine Vorbelegung haben. Es kann dem Screenreader-Nutzer passieren, dass er drei Mal vorgelesen bekommt, was in das Formular einzutragen ist, einmal der Text vor dem Feld, eimmal das Label und einmal die Vorbelegung. Ich habe sogar ein Formular gesehen, wo statt einem Label ein Alternativtext für die Formularelemente vergeben wurde. Ob das von der HTML-4-Spezifikation gedeckt ist?
    Das ist keine Barriere, aber nervtötend. Ein anderes Beispiel sind die Sprunganker, die ermöglichen sollen, einzelne Bereiche der Website direkt anzuspringen, aber mancher übertreibt es und gibt jedem Pixel auf der Website einen Sprunganker. Weitere Beispiele werde ich später nachtragen.

    Testen mit den Schwächsten

    Ein Problem bei Usability-Tests sind die unterschiedlichen technischen Fähigkeiten der Nutzer. Manche wissen nicht einmal, wie sie Lesezeichen in ihrem Browser ablegen können. Dazu kommt bei Menschen mit Behinderungen die sehr unterschiedliche Kenntnis der Hilfsmittel und deren Möglichkeiten. Wir haben also zwei Dimensionen von Problembereichen statt nur einem.
    Personen mit geringen technischen Kompetenzen sind daher ideal für Usability-Tests geeignet, denn für sie ist die Barrierefreiheit wirklich unverzichtbar. Ich unterscheide hier zwischen Benutzbarkeit und Barrierefreiheit. Eine Seite kann auch dann nutzbar sein, wenn sie als unstrukturiertes HTML daher kommt, barrierefrei ist sie trotzdem nicht. Den Unterschied verstehen viele nicht.
    Die gesamte Spannbreite verschiedener Behinderungen, Hilfstechniken und technischen Fähigkeiten wird man wohl nicht in einer Testgruppe abbilden können. Allein die Zahl der unterschiedlichen Sehbehinderungen läßt sich kaum mit annehmbaren Aufwand abbilden.

    Der Testleiter ist gefordert

    Aber auch vom Testleiter werden erweiterte Fähigkeiten erwartet. Er muss zum einen natürlich mit den Leuten kommunizieren können, also auch mit Gehörlosen oder Menschen mit Lernschwierrigkeiten. Zum anderen muss er aber auch ihre speziellen Arbeitsweisen mit dem Computer kennen, damit er Probleme erkennen kann, ohne nachzufragen oder einzugreifen. Schwieirig ist es zum Beispiel einem Sehbehinderten mit starker Vergrößerung bei seiner Arbeit am Computer zu folgen, zumindest wenn er geübt ist. Witzig ist die Kombination aus Screenreader und Vergrößerung. Man kann hier in zwei Bereichen gleichzeitig arbeiten: einmal kann man im auf dem Bildschirm sichtbaren Bereich Text lesen, zugleich kann man im Bereich des Screenreader-Fokus Text schreiben oder Befehle ausführen. Zudem kombiniert man die Vorteile einer Tastatursteuerung mit den Vorteilen einer Maussteuerung.
    Ich bezweifle, dass irgend eine andere Person außer dem Sehbehinderten selbst versteht, was er da macht, aber dafür gibt es ja die Methode des lauten Denkens.

    Ich denke, das macht den Unterschied zwischen Barrierefreiheit und Benutzerfreundlichkeit deutlich. Die Seite mag barrierefrei sein, ist aber nicht benutzerfreundlich. Es ist praktisch unmöglich, in angemessener Zeit in Inhaltsbereich der Seite zu erreichen. Offenbar wollte jede Abteilung ihren Platz auf der Startseite haben. Es kann aber auch sein, dass Screenreader-Nutzer hier mehr hören als Sehende sehen, weil einzelne Bereiche der Seite über CSS ausgeblendet sind, ich war zu faul, mir den Quelltext anzuschauen.
    Die anderen Ministerien sind aber ähnlich schlecht.

    Fazit

    Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass eine Website – auch wenn sie barrierefrei ist – von ihrer Nutzung abschrecken kann, wenn sie aus Sicht eines Behinderten benutzerunfreundlich ist. Prinzipiell sind Barrierefreiheits-Tests ausreichend, um eine Reihe feststehender Kriterien zu prüfen. Am Ende müssen aber die Nutzer mit einer Behinderung das Angebot testen und auf Schwierigkeiten bei der Nutzung hinweisen. Ob man das Praxistest, Usability-Check oder was auch immer nennt, spielt keine Rolle.

    Lektüre

    Das Vorbereiten eines Usability-Tests

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    In der Mensch-Maschine-Interaktion beschäftigt man sich schon lange mit der Software-Ergonomie, der alte uncoole Name für Usability. Jakob Nielsen und Stephen Krug haben die Klassiker dazu geschrieben. Eine Abwandlung des Themas ist die Benutzererfahrung oder User Experience oder Joy of Use. Wahrscheinlich muss man ab und an einen neuen Begriff erfinden, damit das Thema an Sexappeal behält.
    In der Heatmap werden häufig genutzte Bereiche der Website eingefärbt.
    Ich hatte vor ein paar Monaten die Vorbereitung für einen Usability-Test gemacht und möchte hier meine Erfahrungen zum besten geben.Die Formulierung konkreter Testfragen ist tatsächlich eine Aufgabe für einen Usability-Experten, ich werde mich hier nur mit der Vorbereitung von Seiten des Auftraggebers beschäftigen.
    Vorneweg noch eine Anmerkung: ich weiß, dass meine Praxisberichte sehr lang sind und damit gegen eine goldene Regel des Schreiben fürs Web verstoßen. Ich nehme das in Kauf: zum einen schreibe ich Texte, wie ich sie gerne lesen würde. Zum anderen habe ich selbst nach solchen Anleitgungen gesucht und sie in den meisten Fällen nicht gefunden. Ich hoffe deshalb, dass diese ausführlichen Berichte auch anderen Suchenden zugute kommen.

    Die erste Lektüre

    Wie immer bei einer neuen Aufgabe habe ich mich in das Thema eingelesen. Allerdings habe ich die Klassiker von Nielsen und Krug bis heute nicht gelesen. Ich hatte vor einiger Zeit Thomas Wirths “Missing Links” gelesen und das hat mir schon gereicht. Lernt man irgendwas aus schlechten oder guten Beispielen? Ich bezweifle es, zumindest, solange man nicht selber Webseiten gebaut hat. Nielsens Website stellt die Essenz seines Werkes komprimiert zur Verfügung, Wer seinen Blick schärfen möchte, kann die in jeder eigenen Surfsession auftretenden Usability-Probleme verschiedener Webseiten in einem Tagebuch dokumentieren.

    Segmentierung

    Mein erster Schritt bestand darin, die Website in fünf Bereiche aufzuteilen:

    • die Navigation
    • der Informationsbereich, bestehend aus redaktionellen Texten, die sich selten oder nie ändern, aber den Kern des Angebots darstellen
    • eine Recherche-Datenbank, die das zweite Standbein des Angebots darstellt
    • die interne Suchmaschine
    • die Mitmachbereiche bestehend aus einer kleinen Blogging-Plattform und einem Forum
    • dem News-Bereiche

    Diese Segmentierung war nötig, um bestimmen zu können, welche Bereiche der Website besonders stark genutzt werden und daher besondern Optimierungsbedarf hatten. Außerdem war klar, dass die Grundstruktur, die Informationsarchitektur und die Standbeine des Webauftritts intensiver getestet werden sollten. Der Rest war entweder sehr einfach strukturiert oder es war ohnehin fraglich, ob er fortgeführt würde.

    Definition der Kernfragen

    Es war von vorneherein klar, dass die Testagentur den Testleitfaden entwerfen würde, während ich nur die Leitfragen festlege. Für die zu testenden Kernbereiche Navigation, Suche, Texte und Datenbank legte ich also die Leitfragen fest. Dazu sah ich mir die Bereiche genau an und überlegte, welche typischen Anforderungen ein wenig technikaffiner Benutzer anlegen würde.Die bekannten und schwerwiegenden Fehlerquellen sind eine unverständliche Navigation, eine irreführende Informationsarchitektur und mangelnde Konsistenz im Aufbau des Webauftritts, siehe dazu auch einen älteren Beitrag von mir.
    Viele große Aufgaben im Interaktionsdesign sind mit Patterns gelöst. Das bedeutet, dass eine Funktion auf der Site X sich sehr wahrscheinlich so verhalten wird wie die gleiche Funktion auf der Site Y. Wenn das nicht so ist, wird daraus ein Usability-Problem, weil sich eine Aktion nicht erwartungskonform verhält.

    Auswahl der personen

    Normalerweise werden 8 – 10 Testpersonen herangezogen. Wir beschlossen, einen Durchschnitt aus der Gesellschaft zu nehmen. Zum einen sollte der typische Sozialarbeiter zum Zuge kommen, der mit der Recherche im Internet vertraut sein sollte, aber auch ein eher unbedarfter Nutzer, der sich zu einem bestimmten Thema informieren möchte. Generell wurde die Technikaffinität unserer Nutzer eher gering eingeschätzt.
    Ich muss dazu sagen, dass wir relativ wenig über die Personen wissen, die auf unserern Seiten unterwegs sind. Vieles spricht dafür, dass sie im mittleren Alter – also 40 und älter – sind, das sie wenig technikaffin sind und das Internet vor allem zu Informationszwecken benutzen. Das basiert auf unserer Meinung darüber, wer typischerweise Angebote wie das unsere nutzt. Vieles kann man auch aus den Daten der WebAnalytics ableiten, es bleibt aber immer sehr spekulativ.

    Der Testleitfaden

    Die Agentur hat auf der Basis unserer Anforderungen einen Testleitfaden entwickelt. Den Testleitfaden haben wir dann nur noch abgenickt. Ich hatte eigentlich gedacht, die Agentur würde versuchen, das gesamte Verfahren als ein Szenario umzusetzen. Das ginge dann etwa so: “Stellen Sie sich vor, sie würden für einen Freund oder eine Freundin nach dem Thema XY recherchieren und stießen auf dieses Angebot…”. In diesem Falle hätte man nach und nach die einzelnen Bereiche mit in diesem Szenarion eingebetteten Aufgaben bearbeiten können. Die Agentur hat allerdings mit Einzelaufgaben gearbeitet. Das ganze Paket mit Eye-Tracking, Kameraaufzeichnung und so weiter war natürlich auch dabei.
    Bei diesen Tests wird üblicherweise mit der Methode des lauten Denkens gearbeitet. Die Testperson erzählt, was in ihr vorgeht oder was sie denkt, während sie eine Aufgabe löst.
    Wenn es um die Formulierung von Aufgaben geht, kommt es auf die Erfahrung der Agentur an. Naturgemäß stellen wir sehr direkte und geschlossene Fragen: Kommen sie mit der Navigation zurecht? Oder haben sie Probleme mit den Suchergebnissen? Dabei bekommt man keine brauchbaren Antworten. Die Agentur muss Aufgabenstellungen formulieren und aus den Ergebnissen, den Beobachtungen mit den technischen Mitteln und den ausgesprochenen Äußerungen der Testperson eine Antwort gewinnen.

    Meine Einschätzung

    Weiterführendes
    Hoa Loranger, Jakob Nielsen. Web Usability. Addison Wesley 2008
    Steven Krug. Dont make me Think! mitp 2006
    Thomas Wirth. Missing Link. Hanser 2004
    UIE Brain Sparks – Weblog und Podcast zu Usability von Jared Spool
    Jeffrey Zeldmans Blog und Podcast
    Deutscher Usability-Blog
    Ulf Schuberts User Experience Blog
    Infos der Uni Regensburg zur Vorbereitung von Usability-Tests
    Diese Studie zu Menschen mit Behinderungen zeigt viele Schnittpunkte von Barrierefreiheit und Usability
    Einfach Teilhaben über Usability-Tests mit Menschen mit Behinderungen
    Beispiele für Mensch-Maschine-Interaktion;-)

    Warum Webdesigner und Nutzer oft getrennte Wege gehen

    Vorlesen mit webReader

    Sind Bücher eigentlich dazu da, um gelesen zu werden? Oft ja, manchmal dienen sie aber auch nur dazu, in einem Regal zu stehen und die Belesenheit des Regalbesitzers zur Schau zu stellen. Manchmal kann man mit ihnen auch wackelnde Möbel abstützen. Oder wenn es an Brennmaterial mangelt ein Lagerfeuer mit ihnen in Gang halten. Man kann aber auch unliebsame Zeitgenossen mit ihnen bewerfen, sie als Türstopper nutzen oder sie als Briefbeschwerer verwenden, damit der Durchzug nicht die losen Papiere vom Schreibtisch wirbelt.

    Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Und das ist auch beim internet so. Eine nennenswerte Zahl von Leuten gibt z. B. eine URL bei Google ein, um dann das erste Suchergebnis aufzurufen, etwa www.facebook.de login:

    Sind diese Leute jetzt dumm? Nicht unbedingt, denn schließlich funktioniert es – meistens. Da gibt es eine Geschichte rund um ein Newsportal, wo verzweifelte Facebooker kommentierten, wo denn ihr Profil sei und das ihnen der neue Look von Facebook nicht gefalle.

    Nun halten sich die meisten Leute für schlauer als der Rest der Menschheit, für diesen Effekt gibt es sicher einen Namen, ich meine nicht Eitelkeit. Besonders bei Webworkern fehlt das Bewusstsein für Menschen, die weder Computer- noch Internet-Profis sind. Dann sind es aber immer noch die Webworker, die Websites basteln und zumeist für Leute, die eben nicht wissen, was wie warum oder auch nicht funktioniert. Und sie wollen es auch gar nicht wissen. Denn sie wollen genau so wenig Anleitungen lesen wie wir das wollen.

    Unter anderem deshalb dürfte Apple mit seinen Produkten erfolgreich sein, weil die Innereien des Betriebssystems und die Feinheiten komplexer Einstellungen ihnen verborgen bleiben können.

    Um auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen: Als Webworker kann man nie wissen, was jemand mit einer website anfängt. Ich mache es mir gerne einfach: ich gehe auf den RSS-Feed einer Podcasting-Seite und lade mit der Erweiterung DownThemAll für Firefox auf einen Schlag die letzten zehn Episoden runter. Warum? Weil es einfach zu mühsam ist, mit dem Screenreader sämtliche Download-Links auf den einzelnen Seiten zu finden, die sind allzuoft noch hinter einem albernen und überflüssigen JavaScript-Aufklapp-Irgendwas versteckt, der für den Screenreader nicht zugänglich ist.

    Hat irgendein Webdesigner diese Funktion für mich geschaffen? Nein, aber trotzdem danke;-) Für Blinde gibt es geschätzte tausend Wege, eine Website zu erkunden. Voraussetzung dafür ist nicht, dass ein Webdesigner sich vorher Gedanken über eine optimale Navigationsstrategie für Blinde für seine spezielle Website gemacht hat. Die Seite muss einfach ordentlich strukturiert sein mit sprechenden Links, Überschriften verschiedener Ebenen, brauchbaren Alternativtexten für Bilder und so weiter.

    Ein guter Webdesigner sollte versuchen, die Website aus der Sicht eines Internet-Novizen zu sehen. Insofern muss ich einige meiner älteren Aussagen über Styleswitcher oder seiteneigene Vergrößerungsfunktionen relativieren. Es gibt viele dieser Funktionen im Betriebssystem oder Browser, aber viele Leute wissen schlicht nichts davon. Sie suchen auf den Seiten nach solchen Funktionen und können eventuell die Texte nicht lesen, weil sie nicht wissen, wie sie sie vergrößern sollen.

    Eine Patentlösung gibt es dafür leider nicht. Es bleibt vor allem die Aufforderung: Lernt eure Besucher so gut wie möglich kennen, versucht ihr Feedback einzuholen und vor allem soll die Website so flexibel gehalten werden, dass sie auch andere Zugangsweisen zuläßt. Ich plädiere nicht dafür, eine Website komplett ohne Expertenfunktionalitäten zu schaffen, sondern sie in ihren Grundstrukturen so einfach zu halten, dass auch eure Großmutter sie nach ein paar Minuten bedienen könnte.

    Es gibt einen ganzen Schwall an Usability-Literatur, der hier weiter hilft. Ich empfehle dazu auch die Vorlesung Mensch-Maschine-Interaktion 2 von Prof. Heinrich Hußmann, die es auf der Website als mp3 zum Download gibt.

    Navigieren mit Tasten – warum Blinde im Web manchmal im Vorteil sind

    Vorlesen mit webReader

    Ich beschäftige mich gerade aus beruflichen Gründen und aus privatem Interesse mit Usability-Tests. Dabei schauen sich Testpersonen eine Website an, während sie mit weitgehend standarditisierten Methoden wie Eyetracking, Mouse-Tracking, und Kameraaufzeichnung beobachtet werden. Dabei sollen sie ganz allgemein die Website erkunden, bestimmte Aufgaben erfüllen und so feststellen, wie usable die Webseiten sind. So kann man etwa herausfinden, ob sie auf ein bestimmtes Element zu klicken versuchen, welches gar keine Funktion hat, ob sie die Navigation verstehen oder sich an flackernden Filmchen erfreuen.

    Wie in diesem Film teilen die Tester ihre Gedanken zur Website spontan mit. So ein Test könnte vielen Websites nicht schaden.

    Kurioserweise können sich Blinde oft einen besseren und schnelleren Überblick über eine Website verschaffen als Sehende. Wie das geht, habe ich hier geschildert. Blinde können sich recht flott einen Überblick über Überschriften, Listen, Bilder, Formulare, Links und andere Elemente einer Website mit dem Screenreader verschaffen. Sollten sich HTML5 und/oder WAI ARIA allgemein durchsetzen, dürfte es noch ein wenig schneller gehen. Wenn man es etwa nur auf den Artikel einer Website abgesehen hat, muss man dann nicht einmal die komplette Website durchgehen, um zum Beginn des Artikels zu gelangen.

    Ich hatte beruflich einige Websites mit einem Webtool zu testen und konnte mit dem Tool, das auf den normalen HTML-Formularen aufbaute sehr flott arbeiten. Ich war auf jeden Fall schneller als ein Sehbehinderter mit Bildschirm-Vergrößerung. Und ich vermute zumindest, dass ich schneller als die meisten Sehenden bin. Mit dem Mausgeschubse kann man doch recht viel Zeit verbringen. Bedenkt man noch, dass zum Ausfüllen eines Formulars zwischen Tastatur und Maus gewechselt werden muss, wird man diesen Gedanken wohl nachvollziehen können. Der versierte Nutzer eines Screenreaders kann verschiedene Elemente eines Formulars mit der Tastatur direkt anspringen, er drückt z.B. “E”, um zu Eingabefeldern zu gelangen oder “C”, um sich Auswahlfelder anzeigen zu lassen. Ein beherztes Return reicht meistens aus, um ein Formular abzusenden. Ich muss immer lachen, wenn ich mitbekomme, dass jemand zum Springen von einem Eingabefeld zum Nächsten zur Maus greift anstatt einfach die Tab-Taste zu benutzen.

    Das setzt allerdings voraus, dass die Websites auf die Standards im HTML setzen. Obwohl die Websites (und die Screenreader) allgemein besser werden, was Webstandards angeht, bleiben doch erstaunlich viele Seiten auf einem Stand, wie er vor zehn Jahren üblich war. Ich stoße jeden Tag auf Websites, die keine fünf Jahre alt sind und auf Tabellendesign basieren, Spacer-Gifs einsetzen und von headern und Listen nie etwas gehört haben. Für einen Blinden ist es der reine Horror, auf einer tabellenbasierten Seite nach einer Datentabelle zu suchen. Liebe Webdesigner und Agenturen, Tabellendesigns zeugen bestenfalls von der Unfähigkeit des Erstellers und gehören ins Jahr 1999, wo sie auch bleiben sollten. Wenn ihr mit dem Begriff CSS nichts anfangen könnt, habt ihr offenbar doch den Beruf verfehlt.

    Kunden ärgern mit JavaScript

    Vorlesen mit webReader

    Hinweis: Offenbar unterstützt Ihr Browser kein JavaScript. Aktivieren Sie es gefälligst oder holen Sie sich einen neuen Browser.

    Diese Meldung ist zwar nicht allzu freundlich, weist aber auf das Problem hin. Audible spuckt folgende freundliche Meldung aus:

    Ihr Browser unterstützt JavaScript nicht oder es ist deaktiviert.
    Aktivieren Sie JavaScript oder verwenden Sie einen JavaScript-fähigen Browser

    Wer kann einer solch charmant und höflich vorgetragenen Forderung widerstehen?
    Zunächst einmal fehlt dieser Hinweis oftmals komplett. Das heißt aber oft, dass Webseiten gar nicht benutzbar sind: siehe z. B. die Jobsuche bei Monster. Der versierte Nutzer ahnt, dass das am deaktivierten JavaScript liegen mag. Der Rest bricht an dieser Stelle entnervt ab und wird die Website nie wieder aufrufen. Schlecht für Monster, denn so verdient man sicher weder Geld noch Reputation. Vielleicht denkt sich Monster aber auch, wer kein JavaScript hat, sucht auch keinen Job.

    Bei anderen Seiten wie Aldi Süd funktioniert das Menü nicht ohne JS, man kann sich also die tollen aktuellen Schnäppchen gar nicht angucken, auch hier fehlt der Hinweis.

    Und wenn der Hinweis da wäre? Die Mehrheit der User hat wohl nur eine wage Vorstellung von JavaScript oder ActiveX, letzteres klingt eher wie ein Virus. Zur Usability gehört also auch der Hinweis darauf, wozu und vor allem wie und warum JavaScript aktiviert werden soll.

    Vor allem sollte JS nur dort eingesetzt werden, wo es nötig ist. Die Grundfunktionalitäten sollten auch dann funktionieren, wenn JavaScript deaktiviert ist. Totalen barriereunfreien Quatsch fabriziert die Deutsche Bahn, die mit folgender Meldung verwirrt:

    Bitte aktivieren Sie Javascript oder klicken Sie hier

    Wenn die Seite ohne JavaScript funktioniert, warum soll ich dann “hier” klicken, um die javascript-freie Version zu bekommen?

    Prinzipiell ist JavaScript keine Barriere mehr und verbessert auch die Benutzbarkeit von Websites. Aber nach gut zehn Jahren Praxis sollte man auch in der Lage sein, es sinnvoll einzusetzen und die Leute auch darauf hinweisen können, dass einige Funktionen ohne JS eben nicht funktionieren.

    Access News vom 5. August 2010 – Autisten als Software-Tester

    Vorlesen mit webReader

    Die drei Marktführer für Spielekonsolen Nintendo, Sony und Microsoft beharken sich auf dem Feld für Spiele mit Bewegungssteuerung. Während Nintendo lange Zeit mit seiner Wii einsam an der Spitze stand, versuchen Sony und MS sich an einer Weiterentwicklung. Mich würde einmal interessieren, ob man diese Dinger tatsächlich auch für feinmotorische Bewegungsabläufe einsetzen kann. In diesem Falle wären sie für das Erlernen von komplexen Bewegungsabläufen oder für eine eigenständige Physiotherapie interessant. Wer schon mal Hobbysportler beobachtet hat weiß, dass diese zu fehlerhaften Bewegungsabläufen neigen, was einerseits den Trainingseffekt verringert und andererseits das Verletzungsrisiko erhöht.

    Das ist durchaus eine spannende Entwicklung, weil Menschen an eine vergnügliche Art der Bewegung herangeführt werden, für die Joggen und Fahrrad fahren zu eintönig ist oder die schlicht nicht den Raum dafür haben. Unter Menschen mit Behinderung gibt es eine große Zahl Übergewichtiger. Angeblich sind die Spieler zu unbeweglich für diese Spielkonzepte. Das ist allerdings ziemlicher Unsinn, für Leute, die diese Geräte kaufen, steht das Vergnügen im Vordergrund und die Bewegung ist Teil davon.

    ADA wird 20

    Die Mutter der Behindertengleichstellungs-Gesetze – der Americans with Disabilities Act – wurde am 26. Juli 1990 verabschiedet. In den USA sieht man, was möglich wäre, zum Beispiel, dass es im hintersten Winkel des Landes rollstuhlgerechte Toiletten gibt. Was das Gesetzeswerk zur Barrierefreiheit im Web beigetragen hat, kann man bei WebAIM nachlesen.

    Der dänische Entrepreneur Thorkil Sonne möchte weltweit bis zu einer Millionen Autisten für das Testen von Software und die Qualitätskontrolle beschäftigen. Autisten sollen sich weniger leicht ablenken lassen und über eine starke Konzentrationsfähigkeit verfügen. Eine interessante Idee und großartige Möglichkeit für diese Gruppe, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Testen von Anwendungen ist durchaus anspruchsvoll, wenn es ernsthaft betrieben wird. Ein Job, der auch für gehörlose und blinde Menschen interessant wäre, sie lassen sich weniger von Effekten ablenken und konzentrieren sich eher auf das Wesentliche. Außerdem läßt sich bei Website-Tests mit Usern quasi nebenbei noch die Barrierefreiheit und Usability verbessern.

    Websites mit Usern testen

    Vorlesen mit webReader

    Websites werden immer komplexer. Heute können dank AJAX und flotter Browser ganze Anwendungen im Netz laufen. Zum Beispiel Google Office, die Verwaltungsprogramme für server und teilweise schon Fotobearbeitungen. Handfest wird es dann, wenn ganze Shops im Internet aufgebaut werden und nur dort zu finden sind. Hier hängt das gesamte Geschäft davon ab, dass der Nutzer

    1. die Seite schön findet
    2. sein Produkt findet
    3. problemlos zu einem Abschluss gelangt

    Dennoch wirken viele Shops unausgegoren. Ich denke, die Ursache liegt schlicht darin, dass diese Angebote nicht von Nutzern getestet worden sind.
    Das ist bei Software bereits seit Jahren üblich. Selbst Microsoft stellt seit geraumer Zeit seine Office-Anwendungen und das Betriebssystem Windows 7 für Tests zur Verfügung. Der Hauptgrund für das grandiose Scheitern von Vista war schlicht, dass die Software von Technikern und Designern entwickelt wurde, aber meilenweit an den Nutzern vorbei ging. Adobe stellt meines Wissens nach keine Betas zum Testen bereit, was erklären mag, warum viele ihrer Programme als kompliziert gelten und alles andere als stabil laufen.
    Meines Wissens nach ist es zumindest in Deutschland noch immer unüblich, Websites von Nutzern testen zu lassen. Amerikanische Seiten wirken oftmals – nicht immer – wesentlich durchdachter in ihrer Funktionalität. Das liegt sicher daran, dass hier im Hintergrund wesentlich mehr Geld steht.
    Nun mag man einwenden, dass bei großen Projekten die besten Techniker und Webdesigner und speziell auf Usability – sprich Nutzerfreundlichkeit – geschulte Leute sitzen. Das mag sein, trifft aber nicht den Kern der Sache: die genannten drei Gruppen ziehen an verschiedenen Strängen. Die Techniker mögen es eher einfach und würden am liebsten eine Shell hinstellen, der Nutzer soll die Dokumentation lesen und kann dann auf alle Finessen der Site zugreifen. Der Designer will vor allem eine gut aussehende Seite, wo das Verhältnis von Bildern, Texten und Spalten perfekt abgestimmt ist. Der Usability-Experte möchte einen Haufen redundanter Informationen: Texte, funktionale Icons und Standardfarben, die den Nutzer zum Ziel führen. Marketing und PR möchten ihre schicke Corporate Identity und das Corporate Wording unterbringen.
    Im Grunde ist nur so zu erklären, warum Läden wie Tauschticket oder >a href=”www.booklooker.de”>Booklookernicht besonders attraktiv sind. Bei Tauschticket kann man nicht einfach nach Produkten suchen, sondern muss eine Kategorie auswählen und sich für eines der Suchfelder entscheiden. Andere Läden hätten hier eine einfache Filterfunktion für die Suchfunktion eingesetzt.
    Der Marktriese Amazon macht ebenfalls Unsinn: Er blendet unterhalb der echten Suchergebnisse weitere Ergebnisse ein, die nichts mit der eigentlichen Suche zu tun haben. Wenn es also 50 Treffer zum Suchbegriff “Matlock” gibt, aber nur eine DVD tatsächlich Matlock enthält, dann wurde der Kunde in seiner Erwartung getäuscht. Dagegen wäre ansonsten nichts einzuwenden, wenn diese verwandten Ergebnisse von den eigentlichen Suchresultaten abgehoben werden.
    Wer bei EBay einen Artikel einstellen möchte, muss ein ellenlanges Formular ausfüllen. Für manche mag das besser sein, andere hätten lieber ein Formular, welches die verschiedenen Teile des Formulars wie Artikelbeschreibung, Zahlungsmodalitäten und so weiter auf mehere Seiten aufteilt. Für EBay wäre es ein leichtes, optionale Formulare anzubieten, aber der Marktführer tut das nicht.
    Der Blinde stößt auf Dutzende handwerklicher Fehler. Bei einer Site wurden Formularfelder falsch oder gar nicht ausgezeichnet. Bei einer anderen Seite lassen sich Funktionen der Site nicht per Tastatur aufrufen. Wieder andere Seiten sind vollkommen falsch strukturiert. Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf die Webdesigner. Da man die beauftragte Agentur im seltensten Falle kennt, trifft es letzten Endes die Firma, die hier schlampig gearbeitet hat.
    Deswegen sollten neutrale Benutzer möglichst frühzeitig in die Entwicklung einbezogen werden. Mit einem Gewinnspiel oder anderen Goodies kann man den Anreiz erhöhen, ein differenziertes Feedback zu geben.

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