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Access News vom 5. August 2010 – Autisten als Software-Tester

Die drei Marktführer für Spielekonsolen Nintendo, Sony und Microsoft beharken sich auf dem Feld für Spiele mit Bewegungssteuerung. Während Nintendo lange Zeit mit seiner Wii einsam an der Spitze stand, versuchen Sony und MS sich an einer Weiterentwicklung. Mich würde einmal interessieren, ob man diese Dinger tatsächlich auch für feinmotorische Bewegungsabläufe einsetzen kann. In diesem Falle wären sie für das Erlernen von komplexen Bewegungsabläufen oder für eine eigenständige Physiotherapie interessant. Wer schon mal Hobbysportler beobachtet hat weiß, dass diese zu fehlerhaften Bewegungsabläufen neigen, was einerseits den Trainingseffekt verringert und andererseits das Verletzungsrisiko erhöht.

Das ist durchaus eine spannende Entwicklung, weil Menschen an eine vergnügliche Art der Bewegung herangeführt werden, für die Joggen und Fahrrad fahren zu eintönig ist oder die schlicht nicht den Raum dafür haben. Unter Menschen mit Behinderung gibt es eine große Zahl Übergewichtiger. Angeblich sind die Spieler zu unbeweglich für diese Spielkonzepte. Das ist allerdings ziemlicher Unsinn, für Leute, die diese Geräte kaufen, steht das Vergnügen im Vordergrund und die Bewegung ist Teil davon.

ADA wird 20

Die Mutter der Behindertengleichstellungs-Gesetze – der Americans with Disabilities Act – wurde am 26. Juli 1990 verabschiedet. In den USA sieht man, was möglich wäre, zum Beispiel, dass es im hintersten Winkel des Landes rollstuhlgerechte Toiletten gibt. Was das Gesetzeswerk zur Barrierefreiheit im Web beigetragen hat, kann man bei WebAIM nachlesen.

Der dänische Entrepreneur Thorkil Sonne möchte weltweit bis zu einer Millionen Autisten für das Testen von Software und die Qualitätskontrolle beschäftigen. Autisten sollen sich weniger leicht ablenken lassen und über eine starke Konzentrationsfähigkeit verfügen. Eine interessante Idee und großartige Möglichkeit für diese Gruppe, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Testen von Anwendungen ist durchaus anspruchsvoll, wenn es ernsthaft betrieben wird. Ein Job, der auch für gehörlose und blinde Menschen interessant wäre, sie lassen sich weniger von Effekten ablenken und konzentrieren sich eher auf das Wesentliche. Außerdem läßt sich bei Website-Tests mit Usern quasi nebenbei noch die Barrierefreiheit und Usability verbessern.

Websites mit Usern testen

Websites werden immer komplexer. Heute können dank AJAX und flotter Browser ganze Anwendungen im Netz laufen. Zum Beispiel Google Office, die Verwaltungsprogramme für server und teilweise schon Fotobearbeitungen. Handfest wird es dann, wenn ganze Shops im Internet aufgebaut werden und nur dort zu finden sind. Hier hängt das gesamte Geschäft davon ab, dass der Nutzer

  1. die Seite schön findet
  2. sein Produkt findet
  3. problemlos zu einem Abschluss gelangt

Dennoch wirken viele Shops unausgegoren. Ich denke, die Ursache liegt schlicht darin, dass diese Angebote nicht von Nutzern getestet worden sind.
Das ist bei Software bereits seit Jahren üblich. Selbst Microsoft stellt seit geraumer Zeit seine Office-Anwendungen und das Betriebssystem Windows 7 für Tests zur Verfügung. Der Hauptgrund für das grandiose Scheitern von Vista war schlicht, dass die Software von Technikern und Designern entwickelt wurde, aber meilenweit an den Nutzern vorbei ging. Adobe stellt meines Wissens nach keine Betas zum Testen bereit, was erklären mag, warum viele ihrer Programme als kompliziert gelten und alles andere als stabil laufen.
Meines Wissens nach ist es zumindest in Deutschland noch immer unüblich, Websites von Nutzern testen zu lassen. Amerikanische Seiten wirken oftmals – nicht immer – wesentlich durchdachter in ihrer Funktionalität. Das liegt sicher daran, dass hier im Hintergrund wesentlich mehr Geld steht.
Nun mag man einwenden, dass bei großen Projekten die besten Techniker und Webdesigner und speziell auf Usability – sprich Nutzerfreundlichkeit – geschulte Leute sitzen. Das mag sein, trifft aber nicht den Kern der Sache: die genannten drei Gruppen ziehen an verschiedenen Strängen. Die Techniker mögen es eher einfach und würden am liebsten eine Shell hinstellen, der Nutzer soll die Dokumentation lesen und kann dann auf alle Finessen der Site zugreifen. Der Designer will vor allem eine gut aussehende Seite, wo das Verhältnis von Bildern, Texten und Spalten perfekt abgestimmt ist. Der Usability-Experte möchte einen Haufen redundanter Informationen: Texte, funktionale Icons und Standardfarben, die den Nutzer zum Ziel führen. Marketing und PR möchten ihre schicke Corporate Identity und das Corporate Wording unterbringen.
Im Grunde ist nur so zu erklären, warum Läden wie Tauschticket oder >a href=“www.booklooker.de“>Booklookernicht besonders attraktiv sind. Bei Tauschticket kann man nicht einfach nach Produkten suchen, sondern muss eine Kategorie auswählen und sich für eines der Suchfelder entscheiden. Andere Läden hätten hier eine einfache Filterfunktion für die Suchfunktion eingesetzt.
Der Marktriese Amazon macht ebenfalls Unsinn: Er blendet unterhalb der echten Suchergebnisse weitere Ergebnisse ein, die nichts mit der eigentlichen Suche zu tun haben. Wenn es also 50 Treffer zum Suchbegriff „Matlock“ gibt, aber nur eine DVD tatsächlich Matlock enthält, dann wurde der Kunde in seiner Erwartung getäuscht. Dagegen wäre ansonsten nichts einzuwenden, wenn diese verwandten Ergebnisse von den eigentlichen Suchresultaten abgehoben werden.
Wer bei EBay einen Artikel einstellen möchte, muss ein ellenlanges Formular ausfüllen. Für manche mag das besser sein, andere hätten lieber ein Formular, welches die verschiedenen Teile des Formulars wie Artikelbeschreibung, Zahlungsmodalitäten und so weiter auf mehere Seiten aufteilt. Für EBay wäre es ein leichtes, optionale Formulare anzubieten, aber der Marktführer tut das nicht.
Der Blinde stößt auf Dutzende handwerklicher Fehler. Bei einer Site wurden Formularfelder falsch oder gar nicht ausgezeichnet. Bei einer anderen Seite lassen sich Funktionen der Site nicht per Tastatur aufrufen. Wieder andere Seiten sind vollkommen falsch strukturiert. Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf die Webdesigner. Da man die beauftragte Agentur im seltensten Falle kennt, trifft es letzten Endes die Firma, die hier schlampig gearbeitet hat.
Deswegen sollten neutrale Benutzer möglichst frühzeitig in die Entwicklung einbezogen werden. Mit einem Gewinnspiel oder anderen Goodies kann man den Anreiz erhöhen, ein differenziertes Feedback zu geben.

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Was nicht barrierefrei ist, wird barrierefrei gemacht

Die Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C fordert dazu auf, öffentlichen Stellen und Unternehmen mitzuteilen, wenn ihre Websites nicht barrierefrei zugänglich sind und schlägt auch vor, wie man dort vorgehen sollte. Ich meine, man kann da ruhig einen Sport daraus machen.
Schließlich ist das Web nicht für die Gesunden da, das Web ist kein Design-Wettbewerb. Wenn eine Person Schwierigkeiten bei der Bedienung einer Website hat, dann ist sie sicher nicht die Einzige.
>h2>Sagt es Ihnen und sagt es Ihnen laut
Wenn der Ansprechpartner nicht reagiert, sollte man ruhig einen Schritt weiter gehen und das öffentlich bekannt geben. Ich warte zum Beispiel bis heute auf eine Antwort des Bundesamtes für Statistik, warum ihr Statistischer Jahresbericht im PDF-Format nicht barrierefrei oder in HTML zugänglich ist. Und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir doch noch antworten;-)

Macht es selber

Wir können den Alptraum jedes Webdesigners wahr machen und sein Design „zerstören“, indem wir es unseren Bedürfnissen anpassen. Ich habe ein kleines Skript geschrieben, wie man den Internet Explorer und den Firefox auf seine eigenen Schriftarten und Farben anpassen kann, hier im Doc-Format.
Für technisch versiertere Leute: die Erweiterung Greasemonkey für den Firefox erlaubt das Anreichern von Websites mit eigenem JavaScript-Code. Diese und viele andere Tipps zum Anreichern und zur Barrierefreiheit von Webinhalten gibt es in einem hervorragenden Vortrag von Chris Heilmann zur „Best of Accessibility“, dort als PDF und als Audio in mp3 (60 MB).

Rich Internet

Daran merkt man schnell, wie viele Dinge im Web selbstverständlich sein sollten. Unter Rich Internet versteht man heute das Angebot von Multimedia, Spielen und Ähnlichem im Web. Dabei besteht im Poor Internet noch viel Verbesserungsbedarf. Ich finde es immer amüsant, wenn Artikel in Online-Publikationen in Häppchen präsentiert werden und der User manchmal zehn Mal klicken darf, um zum Ende des Artikels zu gelangen. Web Analytics sollte zeigen, dass die meisten Leute nie das Ende des Artikels erreichen, weil sie keine Lust auf Klickorgien haben. Das Diktum, dass möglichst wenig Inhalt außerhalb des sichtbaren Screens sein sollte, ist veraltet. Heute gilt, kein überflüssiges Klicken, keine winzigen Schriften, keine flackernden Werbebanner. Rich Internet sollte bedeuten, dass sich die Seiten sich den Bedürfnissen des Benutzers anpassen lassen. So lange das nicht geht, müssen wir uns selbst helfen und schlechte im Sinne von barrierereiche Layouts zertrümmern.

Die Sünden des Webdesign

Bei einer Website kann man viel falsch machen. Es gibt die mittlerweile ein wenig angestaubten schlechten Regeln des Webdesign. Angestaubt, weil heute hoffentlich niemand mehr HTML für das Design verwendet, aber auch, weil moderne Multimediaelemente kaum behandelt werden.

Wer tiefer einsteigen will, kann sich Thomas Wirths „Missing Links“ oder Jacob Nielsens Werke anschauen.

Das Problem heute ist Unübersichtlichkeit, zu kleine Schriften, übergroße Banner, die einen Besucher zum Scrollen zwingen und relevanten Content verbergen.

Ein weiteres Problem sind Flash-Animationen und JavaScript-Banner, die sich vor Text schieben und weggeklickt werden wollen.

Dass etwa Freemailer oder andere kostenlose Dienstleister Werbung schalten müssen, liegt auf der Hand. Dass sie sich dabei penetrant in der Vordergrund schieben, teilweise mit unerwünschtem Sound untermalt sind, dass sie niemals zu blinken aufhören ist nicht unbedingt notwendig.

Schließlich lenkt Bewegung im Gesichtsfeld ab. Würde die Werbung irgendwann zu flackern aufhören, hätte sie auch eine Chance, nicht nur als Ärgernis wahrgenommen zu werden. Im Sinne der Werbepsychologie kann dies im Grunde auch nicht sein. Das beworbene Produkt wird hier schließlich mit negativen Emotionen assoziiert.

Der Grund, warum viele Webuser das Flash-Plugin blockieren besteht darin, dass es nicht vernünftig konfiguriert werden kann. Es ist standardmäßig so eingestellt, dass eine Animation in der höchsten Auflösung endlos wiederholt wird. Da Flash und JavaScript clientseitig – also vom Userrechner – ausgeführt werden, fressen sie Prozessor-Leistung. Bei Notebooks fängt oft die Lüfter an zu laufen, was kein gutes Zeichen ist.

Problematisch und störend sind auch Pop-Ups, seien sie gedacht zur Begrüßung des Besuchers – vollkommen unnötig – oder um Umfragen anzukünden – die besser auf der Website selbst aufgehoben wären.

Viele Webprogrammierer bedenken nicht, dass clientseitiges Scripting via Ajax, Java, JavaScript oder Flash dem Nutzer Ärger verursacht, weil die Seite zu langsam lädt oder der Lüfter des Notebooks anspringt. Ob man hier nicht mit einer spartanischeren Site mehr Pluspunkte erhält?

Vollends zum Wahnsinn kann eine Seite treiben, die komplett in Flash geschrieben ist oder Einem keinerlei Hinweis darauf offenbart, wo man eigentlich hinklicken soll, damit es mal weiter geht. Einen Vorgeschmack auf den Horror der Picture Show liefert die aktuelle Toursite der Show. Sicherlich asthetisch gut gemacht, aber Usability wurde hier außen vor gelassen. Und auch Google scheint die Site nicht zu mögen, denn sie landet im deutschsprachigen Raum nicht auf den ersten zehn Plätzen.

Endgültig überflüssig sind Begrüßungsstartseiten und Begrüßungsanimationen. Ein „Klicken Sie hier, um die Animation zu überspringen“ dürfte den genervten User eher dazu verleiten, das Fenster zu schließen, als tatsächlich irgendwo drauf zu klicken.

Es ist das alte leidige Thema: Usability = Suchmaschinenoptimierung = Barrierefreiheit.

Google dürfte eine der meistbesuchten Sites des Web sein. Es könnte sich sicher die besten Designer im Business leisten. Dabei kommt Googles Webauftritt betont schlicht daher: wenige Grafiken, wenige Links auf der Startseite, keine Flash-Animationen.

Designen für das Web 2.0 – neue Herausforderungen

Ob Hype oder nicht, wer Web 2.0 einsetzen will, muss neue Maßstäbe im Design setzen. Die klassische Konstellation aus Banner, Navigation und Inhalt muss einer Sidebar Platz machen, die Mitmachfunktionen an prominenter Stelle unterbringt.
Dabei muss die Übersichtlichkeit gewahrt bleiben. Die Hauptnavigation bleibt natürlich das Skelett der Website. Die Web-2.0-Funktionen müssen sich davon optisch deutlich abheben.
Kann man Beiträge schreiben, muss es eine Unternavigation für diese Beiträge geben.
Hat man zudem ein Nutzersystem – das man immer haben sollte, möchte man eine Community aufbauen – müssen auch hier entsprechende Funktionen eingebaut werden.
Schließlich müssen auch die Ergebnisse des Mitmachens deutlich sichtbar werden, Kommentare müssen unterhalb des Kommentierten angezeigt werden und am besten über einenen seiteninternen Link ansteuerbar sein.
Ideal ist hier eine optische Trennung, etwa eien horizontale Hautpnavi und ein vertikales Menü. Oder umgekehrt.
Sinnvoll mag auch eine optische Trennung sein, wobei die Hauptnavi aus Gründen der Nutzerfreundlichkeit immer links oder oben sein sollte. Da sich die 22-Zoll-TFTs allmählich durchsetzen, kann man durchaus „in die Breite“ gehen.
Weniger sinnvoll sind es allerdings, das Ganze über die beliebten Pulldownmenüs von JavaScript zu realisieren. Wer eine Beteiligung möglichst vieler Personen wünscht, muss entsrprechende Funktionen deutlich sichtbar auf dem Eingangsscreen – also ohne scrollen – und auf jeder Seite anbieten.
Beliebt sind auch Beitragslisten, die auf einzelnen Beitragsseiten angezeigt werden. Es ist fast immer eine Top-Tenliste, die angezeigt wird. Ich tendiere eher dazu, eine Zufallsauswahl zu präsentieren. Diese Liste sollte aber, schon aus Platzgründen, nicht im Hauptfenster angezeigt werden, sondern erst durch scrollen sichtbar werden. Alternativ lässt sich auch ein Anker in der Seitennavigation einbauen, der einen direkten Sprung vom Startsreen zu der Liste ermöglicht und zumindest deutlich macht, dass eine solche LIste existiert.

SEO für alle II – die Inhaltsebene

Wie im ersten Teil erwähnt, gibt es eine Inhalts- und eine Strukturebene. Fangen wir bei der Inhaltsebene an.

Der Suchmaschinenbot erkennt derzeit nur Text. Deswegen müssen alle Multimediaelemente in unmittelbarer Nähe einen erklärenden und hilfreichen Text haben, sei es nun eine Überschrift, eine Bildunterschrift oder sonstwas. Dies ist im übrigen auch ein Grundsatz der Usability.

Entscheidend ist immer der Text. Sucht man zwei Begriffe im Kontext, ist die Nähe dieser Begriffe zueinander wichtig. Die Schlüsselwörter müssen öfter im Text vorkommen. ACHTUNG: Dem Grundssatz der Usability entsprechend sollte man immer an den Leser und nicht an eine Maschine denken. Wörter unsichtbar zu machen über Schriftfarbe oder CSS ist möglich, wird aber von den Bots nicht gewertet.