Schlagwort-Archive: Verständlichkeit

Keep it simple – Verständlichkeit und Barrierefreiheit

Eine Faktor, der bei der Barrierefreiheit praktisch immer vernachlässigt wird ist die Verständlichkeit. Um Verständlichkeit für eine möglichst große Gruppe von Menschen zu erreichen, ist durchaus auch der Einsatz von Bildern sinnvoll. Bilder illustrieren eine Aussage und können, wenn sie sorgfältig ausgewählt wurden, den Beitrag gut ergänzen. Natürlich spielen Bilder auch in der Navigation einer Website eine große Rolle: Pfeile, stilisierte Drucker oder Briefe werden sehr viel schneller aufgenommen als die Zeichenketten “zurück”, “Drucken” oder “Versenden”.
Daneben zählen natürlich auch die Klassiker des guten Schreibens: Das Erklären von Fremdworten, das Vermeiden von Fachjargon, der Verzicht auf literarische Ausschmückungen, auf komplexe Satzkonstrukte und auf überflüssigen Ballast. Jeder Beitrag muss stets die W-Fragen “Was”, “Wer”, “Wie”, “Warum” beantworten. Oder anders: der Artikel muss zeigen, was war, was ist und was sein sollte.
Zu einem guten Beitrag gehört eine saubere Gliederung, eine optische Aufteilung mit Absätzen und Zwischenüberschriften und bei entsprechender Länge auch eine Zusammenfassung.
Wer soll damit erreicht werden? Im Grunde jeder, Akademiker vergessen gerne, daß die Mehrheit der Bevölkerung nicht studiert hat und dies auch nicht deshalb tun wird, um einen Text verstehen zu können.
Um es kurz zu machen: öffentliche Behörden schneiden hier am schlechtesten ab. Doch auch andere Seitenbetreiber tun sich schwer damit, sobald man etwa auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen stößt. Dabei sind es gerade die AGB, die jeder lesen und verstehen sollte.
Es ist eher so, daß die bekannten Boulevard-Zeitungen hier am besten abschneiden. Der Erfolg dieser Zeitungen basiert darauf, daß sie die Dinge in einer kurzen Überschrift auf den Punkt bringen können – was immer man von den Zeitungen ansonsten halten mag.
Auch das World Wide Web Consortium hat hier keinen Vorbildcharakter. Die Veröffentlichungen des W3C sind im Techniker-Englisch abgefasste Spezifikationen, die nur für Erfahrene zugänglich sind.
Abschließend muß man feststellen, daß es mehr und nicht weniger Arbeit ist, einen Text allgemeinverständlich zu machen. Es sieht aber nicht so aus, als ob die öffentlichen Einrichtungendie Absicht haben, ihre Webauftritte darauf hin zu überprüfen.
Im Gegenteil, in aller Welt, ob in Deutschland, in Indien oder in England, überall ist die Bürokratie verliebt in ihren Fachjargon: eine Mischung aus Bürokraten-Sprech, Juristen-Jargon und neuerdings auch halbübersetzten angloamerikanischen Modeworten.
Wie man es anders macht, zeigt die englischsprachige Wikipedia, die viele Artikel in simplified English anbietet.