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Webseiten und Apps mit VoiceOver testen – eine Anleitung für Sehende


Für Sehende ist das Testing von Webseiten und Apps auf Screenreader-Tauglichkeit nicht immer ganz einfach. Im Folgenden biete ich euch eine kleine Anleitung dafür. Es können natürlich nur iOS-Apps getestet werden, ansonsten kann VoiceOver aber natürlich auch für Webanwendungen oder im redaktionellen Bereich verwendet werden.
VoiceOver ist ein Screenreader, der in allen iPads und allen iPhones ab der Version 3 Gs fest integriert ist. Er bringt eine für Sehende ausreichend gute Sprachausgabe mit. Dei Features qualifizieren ihn aber als ideale Testumgebung für Sehende:

  1. Er ist – wie schon erwähnt – auf allen Geräten vorhanden und erfordert keine zusätzliche Installation.
  2. Er ist vergleichsweise intuitiv benutzbar. Desktop-Screenreader erfordern vor allem von Sehenden einen erheblichen Lernaufwand, da man sich zahllose Tastenkombinationen präsent halten muss.
  3. Ein besonderer Vorteil von VoiceOver ist das Rechteck, mit dem ein fokussiertes Objekt hervorgehoben wird. Dadurch kann der Sehende erkennen, welches Objekt fokussiert wird und weiß, ob das, was ausgesprochen wird mit dem übereinstimmt, was er sieht und was da sein sollte. Diese Hervorhebung habe ich noch bei keinem anderen Screenreader gesehen, es ist aber eine erhebliche Erleichterung vor allem auf kleinen Displays.

Von dem her lässt sich VoiceOver sowohl für redaktionelle als auch für entwicklungstechnische Zwecke nutzen.
Ein weiteres Feature, das ich lustigerweise gerade erst endeckt habe macht die Anwendung noch mal interessanter: VoiceOver lässt sich auch größtenteils mit einer Tastatur steuern, zum Beispiel mit einem externen Bluetooth-Keyboard. Man kann also auch klassiche Features eines Desktop-Screenreaders verwenden.

Was ändertz sich durch VoiceOver?

Wenn VoiceOver aktiviert ist, ändert sich die Nutzung des iPhones. Zum Einen wird jedes fokussierte Objekt ausgesprochen. Zum Anderen ist ein Doppeltipp statt einem Einfach-Tipp erforderlich, um eine Anwendung zu starten oder eine Aktion auszulösen. Ein Tipp spricht das Objekt oder die Funktion, ein Doppeltipp startet es. Gescrollt wird mit drei statt mit zwei Fingern. Um einen Slider zu bedienen, muss selbiger zunächst fokussiert werden, dann wird er für einen Moment gehalten, bis ein Audio-Feedback ertönt, dann wird der Slider verschoben. Um sich von einem Objekt zum nächsten zu bewegen, wischt man mit dem Finger von links nach rechts bzw. von rechts nach links.
Ein wichtiges Feature ist der Rotor, damit kann man steuern, was die Wischbewegung von oben nach unten bzw. von unten nach oben auslöst. Der Rotor wird bedient, indem man zwei Finger auf das Display legt und die Finger im oder entgegen des Uhrzeigersinnes dreht. Dadurch kann man etwa steuern, ob die Wischbewegung das Sprechtempo erhöht oder ob man von Überschrift zu überschrift springen kann und so weiter.
So viel erst mal zur grundsätzlichen Bedienung. VO findet ihr in den Bedienungshilfen unter Einstellungen -> Allgemein.

Testing von Apps

Ich gehe mal davon aus, dass eure Progammierer sich an die Apple Guidelines zur Gestaltung von Apps gehalten haben, ansonsten kann man sich auch das Testen gleich sparen. Das Testen von Apps ist relativ simpel. Grundsätzlich muss geprüft werden

  • ob alle Elemente mit der Wischgeste erreichbar sind und zwar bitte in der richtigen Reihenfolge, das heißt, von links nach rechts und von oben nach unten
  • ob alle Elemente korrekt als Eingabefeld, Schalter, Schieberegeler, Text, Grafik mit Beschreibung für Blinde etc. angesagt werden
  • – ob alle Elemente mit aktiviertem VO bedienbar und ausfüllbar sind.

Testen in der Redaktion

Hierfür ist es natürlich notwendig, dass eure Inhalte übers Web erreichbar sind bzw. im Redaktionssystem quasi fertig gerendert angezeigt werden.
Hier könnt ihr überprüfen, ob alle Grafiken einen Alternativtext haben, indem ihr die Grafik mit dem Finger berührt, mit der Wischgeste könnt ihr überprüfen, ob alle Überschriften ausgezeichnet wurden und so weiter. Hier kann es sein, dass ihr mit dem oben erwähnten Rotor arbeiten müsst. Oder ihr arbeitet mit einer externen Tastatur, eine Liste der Tastaturkürzel gibt es bei iFun. Ich wünsche euch viel Spaß.

Access News der Woche vom 2. Juni – HTML5 und Tabletts

Letzte Woche erschien das erste deutschsprachige Buch zu HTML5 von Peter Kröner. Der Technikwürze-Podcast widmet HTML5 einen langen Beitrag, zu Gast ist Peter Kröner in persona.

Nur wenig jünger als HTML 4 ist der Internet Explorer 6. Microsoft selbst sagt seinem ungeliebtem Kind den Kampf an. Unter den Nutzern des IE 6 dürften auch recht viele behinderte Menschen, vor allem Blinde sein. Unsere Hilfssoftware ist selbst häufig veraltet und es ist immer ein gewagtes Experiment, von einer älteren Software-Version auf eine neue umzusteigen. Zugleich ist der IE 6, was die Unterstützung moderner Layouts und Techniken der Zugänglichkeit angeht derzeit der größte Hemmschuh. CSS wird unzureichend unterstützt, die JavaScript-Engine ist total veraltet und nicht zuletzt ist das Programm ein Sicherheitsloch.

Der Weblog Hyperkontext berichtet im Beitrag Nur erkennbare Funktionen werden genutzt über Funktionen, die von den Nutzern nicht erkannt werden und über unberechenbares Verhalten von Webseiten und welchen Schaden das Ganze anrichten kann.

In der letzten Woche kam das iPad nach Deutschland. Was immer man von dem Gerät im Besonderen und Apple im Allgemeinen halten mag, in dieser Preisklasse ist es derzeit der Computer mit der höchsten Barrierefreiheit. Wie das iPhone kommt das iPad mit dem Screenreader VoiceOver, sollte also ähnlich zugänglich sein wie das iPhone. Da ich selbst weder iPad noch iPhone in der Hand hatte, kann ich dazu leider auch nichts weiter berichten.
Apple vermiest diesen guten Eindruck allerdings mit einigen Fakten, die hoffentlich mit der nächsten Generation ausgeräumt werden:
– Datei-Austausch nur über iTunes
– die mangelnde Unterstützung von USB
– seinem Sonderweg beim Internet-Zugang
Ohne iTunes getestet zu haben, kein Gerät kann als Computer bezeichnet werden, wenn ein Dateiaustausch nur über bestimmte Programme möglich ist. Die Notwendigkeit von Spezialkabeln oder Dockingstations fehlt in die gleiche Kategorie. Und ein so großes Gerät nicht von Haus aus Internet-zugänglich zu machen ist nun wirklich unsinnig.

INCOBS hat in seinem Audio-Bereich eine Reihe von Audios zur SightCity 2010 bereit gestellt, Thema unter anderem mobile DAISY-Player.