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Piraten entern Deutschland

Die Piratenpartei wird nun offiziell an den Bundestagswahlen 2009 teilnehmen. Sie dürften die besten Chancen haben, einen digitalen Wahlkampf a la Obama zu führen, obwohl die Vorlaufzeit doch recht kurz ausfällt.
Die Piraten treten für eine Erneuerung des Urheberrechts, besseren Datenschutz und gegen Internetzensur ein.
Die Ein-Themen-Parteien sind seit der Weimarer Republik in Verruf geraten. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft wird für den Sieg der Nazis mitverantwortlich gemacht.
Andererseits haben sich die Grünen mit dem Thema Umwelt zur Mainstream-Partei entwickelt.
Zudem verlieren die großen Volksparteien stetig an Wählerstimmen, während die kleineren Parteien Stimmen gewinnen können.
Die Piraten kämpfen von Anfang an mit einem großen Image-Problem: dieses Image macht sie für weite Bevölkerungskreise unwählbar:
1. Die Assoziation des Begriffs Piraten ist weniger von romantischem Freiheitskampf und Unabhängigkeit als von Raub, Entführung und Mord geprägt. Bei Piraten denkt man weniger an Hollywood-Filme als an die somalische Küste.
2. Sie werden mit illegalen Machenschaften im Web in Verbindung gebracht: Mit Raubkopien, der Verbreitung und dem Konsum von Kinderpornographie und allgemeiner mit allem, was im Web kriminell ist.
3. Sie gelten oftmals als spleenige Computerfreaks, die stundenlang vor dem Computer sitzen und Computerspiele spielen oder exotische und esoterische Dinge mit ihrem Computer machen.
Das erste Problem ist schon aufgetaucht: ein Antisemit in den eigenen Reihen, den man nun irgendwie loswerden möchte. Und es wird sicher nicht der letzte gewesen sein. Die Grünen vergessen heute gerne, dass die Ökologie-Bewegung auch eine feste Verankerung in konservativen Kreisen hatte und hat.

Es ist kaum zu vermeiden, dass die Piraten Applaus von der falschen Seite bekommen. Andererseits ist es unwahrscheinlich, dass sich echte Kriminelle oder Pädophile der Partei anschließen werden. Zum Einen sind diese Gruppen selber technisch versiert genug, um Sperren jeder Art zu umgehen. Zum Anderen scheuen sie selbstverständlich die Öffentlichkeit und werden es erstrecht vermeiden, in Parteilisten, auf Webseiten oder sonst wo mit ihrem echten Namen aufzutauchen, geschweige denn an irgendwelchen Parteiständen in der Öffentlichkeit zu stehen.
Die potentiellen Wähler dieser Partei könnte man als digitales Bürgertum bezeichnen: der Name Piraten-Partei ist im Grunde widersinnig, da Piraten ja wirklich außerhalb der Gesellschaft stehen. Die Piraten tun aber genau das, was von Interessensgruppen geforder wird, sie organisieren sich als Partei und anerkennen damit das System.
Vielleicht gelingt ihnen dadurch das, was heute keine etablierte Partei mehr schafft, eine Gruppe von Menschen, die zwar politikinteressiert, aber parteienverdrossen ist, zur Teilnahme am politischen System zu bewegen. Deswegen ist es gar nicht unmöglich, dass sie in den nächsten Bundestag einziehen. Zumindest einige lokale oder kommunale Parlamente dürften sie erreichen. Das ist schon deshalb, um erste ERfahrungen im politischen Geschäft zu sammeln, ohne die man im großen Berlin nichts reißen wird.
Es wird wahrscheinlich keine großen Übertrittswellen anderer Parteien geben, deswegen fehlt der Partei ein Kader erfahrener Politiker. Das heißt aber auch, dass sie ihre Klientel nicht mit schnellen Erfolgen motivieren können. Falls die Partei so lange lebt, werden wir erst in einigen Jahren sehen, wie viel eine Partei wie die Piraten-Partei erreichen kann.

Und schon landen die Piraten im politischen Mainstream, ihre Thesen werden von der SPD  kopiert.