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Das wirklich wahre Web 3.0

Web 3.0 ist einer der Begriffe, in die man kühne Visionen legt. Im klassischen Sinne wird allergins etwas anderes darunter verstanden, als etwa ich hinein gelegt habe.

Web 3.0 wird semantisch sein. Die Idee ist, maschinenlesbare Information zur Verfügung zu stellen. Statt wie blöd bestimmte Suchbegriffe einzugeben, soll man eine Frage stelen können und die Suchmaschine liefert die Antwort: Wann hat Hitler gelebt? Antwort: Hilter lebte vom Jahre X bis zum Jahr Y.

Davon sind wir heute weit entfernt, obwohl der Gedanke des Semantic Web bereits vor mehr als zwanzig Jahren von Tim Berners-Lee formuliert wurde.

Die Grundidee besteht darin, eine Art Baumstruktur mit Kategorien zu erstellen. Ich habe heute Mittag bereits die hohe Bedeutung von strukturierter Information erläutert. Eine ähnliche Aufgabe soll maschinell durch Ontologien erbracht werden. Aufwändig könnte man per Hand solche Strukturen erstellen: ein Geburtsdatum, ein Sterbedatum, einen Personennamen usw. in Kategorien einordnen, das fiele etwa bei Lexika leicht. Das Konzept ähnelt entfernt dem bei Blogs üblichen Navigationen aus Kategorien und Tags.

Die meisten Privatpersonen würden aber den Aufwand scheuen. Hätte man riesige Mengen inhaltlich strukturierten und verifizierten Textes, ließen sich automatische Algorythmen entwicklen, die hier durchlaufen und etwa über statistische Verfahren logische Verknüpfungen zwischen bestimmten Begriffen ermitteln.Das würde etwa bei Enzyklopädien klappen.

Dadurch würde es z. B. möglich, die Raubkatze Jaguar von dem Automobil Jaguar zu untersheiden. Im Kontext “Raubkatze Jaguar” würden ganz andere Begriffe mit statistischer Signifikanz auftauchen als beim “Auto Jaguar”, womit sich bestimmte Probleme heutiger Suchmaschinen erledigt hätten.

Die ersten Technologien tauchen bereits auf: SemanticMediaWiki und ähnliches haben sich noch nicht auf breiter Basis durchgesetzt. Wie wir aber wissen, entwickelt sich das Web recht dynamisch, wenn erst einmal Schwung in die Sache kommt.

Visionen für das Web 3.0 – lokalisierte Angebote

Wie man in meinen Beiträgen zu Unified Communications sehen kann, wird die einfache Zusammenführung verschiedener Kommunikationskanäle das “nächste große Ding”.

Wird das Surfen mit dem Handy wesentlich bequemer und günstiger, könnten sich lokale Serviceleistungen durchsetzen. Das Navigationssystem bietet schließlich bereits die Möglichkeit, Lokalitäten in der Nachbarschaft aufzuspüren.

Mit der OpenStreetMap wird dies noch wesentlich einfacher. Gekoppelt mit Local Services wird es möglich – wenn jemand das möchte – seinen Standpunkt zu ermitteln und ihm lokale Nachrichten aus der Gegend zu vermitteln, in der sich gerade befindet.

Das können Fahrplan- oder Staumeldungen sein, Veranstaltungstipps, Soft News aller Art.

Oder moderner, er kann z. B. erfahren, ob jemand aus seinem Social Networtk – sei es nun real oder virtuell – sich in seiner Nähe befindet.

Er kann auf lokal orientierte Blogs zugreifen. Besucht er gerade ein bestimmtes Unternehmen, könnte er z. B. auf dessen Blogs zugreifen, um sich ein besseres Bild zu verschaffen oder sich einfach nur zu informieren.

Web 3.0 – Möglichkeiten entdecken

Das Web 3.0 wird es wohl möglich machen, dass an die Stelle der klassischen Website eine interaktive 3D-Welt tritt. Stellen wir uns eine Website wie ein Haus vor, dann sehen wir heute praktisch immer nur eine Wand des Hauses, an die jemand etwas geschmiert hat. Suchen wir das Wohnzimmer, klicken wir uns oft mühsam durch.

Stelle dir uns nun vor, die Website wäre wie in einem Computerspiel eine animierte 3-D-Umgebung. Die Steuerung erfolgt ähnlich wie bei der WII über Gesten statt über die antiquierte Maus. Der Eintrag ins Gästebuch erfolgt über Stimmeingabe statt mühsam eingetippt zu werden.

Nun, soweit sind wir noch lange nicht, vielleicht wird dies das Web 4.0. Doch theoretisch ist die Technik dafür schon vorhanden. Wir sind schon auf Second Life eingegangen, daneben gibt es die sehr weit verbreitete Flash-Technik. Und das sich bezüglich der Maus in den letzten 20 Jahren kaum etwas getan hat, verwundert schon ein wenig.

Das Web 3.0 – die Zukunft ist heute

Noch wissen wir nicht genau, wie das Web 3.0 einst aussehen wird. Doch es ist Zeit für kühne Spekulationen, denn wenn wir ehrlich sind – das letzte spektakuläre “Ding” ist schon lange her: Blogs, ein alter Hut, Videos und Fotos, mehr als wir sehen können und mögen, Plattformen noch und nöcher. Was erwartet uns also?

Allzuweit mögen die Spekulationen nicht gehen. In den virtuellen Realitäten wie in 2nd Life sehen wir bereits, was uns erwartet: Selbstgebaute 3D-Welten. In nicht allzuferner Zukunft wird das Bauen von Virtuellen Räumen ebenso einfach – oder schwierig – sein wie das Bauen von Webseiten. Wer mehr will, muss programmieren können, aber Baukästen für 3D-Realitäten werden es ermöglichen, dass jeder seine eigene kleine Welt kreiiert. Chats werden dann in simulierten Umgebungen stattfinden. Durch Webcams oder anderes Zubehör wird es möglich sein, den eigenen – echten oder nachgebauten – Körper hineinzuprojizieren. Die reale Stimme, die reale Mimik, echte Gesten werden durch Zubehör, das der jeweilgie Mensch anlegt, direkt ins Netz übertragen und vom Anderen in Echtzeit wahrgeommen.

Wir kommen damit dem Cyberspace sehr nahe, den etwa Tad Williams in seiner letzten Trilogie ausgemalt hat, auch wenn das Ganzkörpergefühl – das vollständige Eintauchen wie auf dem Hollow-Deck der Enterprise – noch echte Zukuftsmusik ist.

Wie es bei vielen Blog-Systemen schon üblich ist – wobei man allerdings Kenntnisse im Programmieren haben muss oder sollte – wird man die jeweiligen Profilseiten im sozialen Netzwerk ebenso individuell gestalten können wie die eigene Website – die dann eventuell “out” sen wird im privaten Bereich.

Die Möglichkeiten sind potentiell unbegrenzt: Die Koppelung mit Geodating-Systemen, die Verschmelzung von Online- und Offline-Welt, die Erschaffung einer vollkommen neuen Welt für die eigene Community.