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Hören statt sehen – Audios und Podcasts zum barrierefreien Web

Viele Vortragende stellen mittlerweile Audio-Mitschnitte ihrer Vorträge bereit. Vor allem Blinde, aber nicht nur sie profitieren von Audio. Die Präsentationsfolien sind zwar interessant, aber auch oft unverständlich, wenn man den Vortrag nicht gehört hat. Eine Liste nützlicher Guidelines und Hilfen zur Barrierefreiheit habe ich schon veröffentlicht.
Der Webdesign-Podcast Technikwürze beschäftigt sich öfter mit Barrierefreiheit. Im aktuellen Beitrag um Contao formerly known as Typolight widmen sich die Teilnehmer ausführlich dem Thema Zugänglichkeit des Redaktionssystems.

Einfach für Alle bietet eine Reihe von Podcasts an, die zwar schon ein wenig älter , aber immer noch hörenswert sind.

Wirklich schwer macht es der Webkongress Erlangen 2010. Hier kommt man auf verschlungengen Wegen zu vielen Folien und Mitschnitten der Vorträge. Eine große Zahl der Vorträge befasst sich auch mit Barrierefreiheit. Um an die Audios zu kommen, klickt man zunächst auf den Vortrag, scrollt zum Fuß der Beschreibung, klickt auf Vortrag in „Multimedia-Formaten im Videoportal der FAU“ und anschließend auf Download. Einfach, oder?

Web AXE ist ein englischsprachiger Weblog und Podcast zum Thema Barrierefreiheit. Von dem Podcast sind bisher 86 Episoden erschienen.

Auf Deutsch und Englisch ist der Webevangelist Christian Heilmann unterwegs. Seine zahlreichen Vorträge sind immer hörenswert und drehen sich oft um Barrierefreiheit.

Kongresse

SlideShare – das YouTube für Präsentationen

Ich bin durch Christian Heilmanns Weblog auf SlideShare gestoßen. Das ist ein nicht ganz neuer Dienst, wo man Power-Point-Präsentationen hochladen und als Flash bzw. zum Download bereit stellen kann. Christian stellt neben Audioaufnahmen auch die Präsentationen seiner Beiträge online. Der Dienst funktioniert ähnlich wie YouTube, man kann also die Präsentationen samt Player in die eigene Website einbetten.
Nun muss man leider sagen, dass die meisten Präsentationen eher eine Art Gliederung für einen Vortrag darstellen. Die Slides sind und ollen auch keine Zusammenfassung der mündlichen Rede sein, sondern bieten eine knappe Orientierung darüber, worüber der Vortragende gerade spricht oder was seine Kernthesen sind. Viele Präsentationen machen ohne Vortrag gar keinen Sinn. Dennoch finde ich es schön, dass man viele der Präsentationen herunterladen kann und SlideShare auch standardmäßig eine barrierefreie Textversion anbietet – in der rechten Spalte unterhalb der Statistiken bzw. unterhalb der Kommentare.
Wer eine Präsentation für sich betrachtet merkt höchstens, wie langweilig nichtssagend Folien sein können. Bei dem Power-Point-Standard-Schriftgrad von 24 und einem eingebundenen Bild kann man eben keine ausgefeilten Statements unterbringen.
Ich denke aber, slideShare bietet eine gute Möglichkeit, Tutorials bereit zu stellen. Anders als Screencasts sind Präsentationen relativ schnell zusammengeklickt. Sie erfordern kein Videoschnitt-Programm, kein mehr oder weniger sinnvolles Gequatsche mit mieser Tonqualität und vor allem muss man sie nicht starten und stoppen. Schritt-für-Schritt-Anleitungen lassen sich Folie für Folie abarbeiten, ein zurecht geschnittener Screenshot läßt sich links einfügen, die passenden Anweisungen rechts. Genausogut kann man hier ein neues Programm – oder das neueste Gadget – vorstellen.
Im Grunde könnte sich hier auch ein neues Web-2.0-Medium etablieren: gehaltvoller als Twitter und multimedialer als Weblogs. Ich werde in Zukunft ein wenig damit experimentieren.

Die Orthographie im Web – wie das WWW die Haltung zur Rechtschreibung beeinflusst

Der Prozess des Schreibens ist komplexer, als man auf den ersten Blick denken mag. Während man noch versucht, einen Gedanken in schriftliche Sprache zu fassen, müssen jahrelang gelrente Regeln über Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik im Hinterkopf mitgedacht werden.

Obwohl Textverarbeitungen mit eingebauten Rechtschreibfunktionen heute zum Standard gehören, scheint die Zahl der Personen zuzunehmen, die keinen Wert auf korekkte Orthographie liegen. Orthographische Fehler gehören im Web – aber mittlerweile auch offline – zum Alltag.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

– Die schiere Zahl der Schreiber und Texte hat durch das Web derart zugenommen, dass zwnagsläufig auch mehr Fehler gemacht werden. Das Schreiben für die Öffentlichkeit war früher einem zahlenmäßigen beschränkten Kreis gestattet.
– Die Flüchtigkeit des Lesens hat im Web zugenommen: Es werden mehr Texte angesehen, aber wenige Texte werden tatsächlich von vorne bis hinten durchgelesen. Das ist meistens weder nötig noch möglich, da E-Mails, Artikel und SMS en Mass eintreffen und bei genauer Lektüre kaum zu bewältigen wären.
– Die Beherrschung der korrekten Orthographie nimmt ab. Tageszeitungen in gedruckter und digitaler Form wimmeln von Fehler in der Syntax. Diese Artikel, die praktisch immer von professionellen Journalisten verfasst werden, wurden offenbar nicht noch einmal durchgesehen. Zugleich nimmt aber auch die Kenntnis der Leser darüber ab, wie korrekt geschrieben wird. Wo sich der Deutsch-Lehrer entnervt an den Kopf schlägt, liest der Laie einfach darüber hinweg.
– Aus Kostengründen werden oft – vor allem im Internet – keine Lektoren mehr eingesetzt.
– Redaktionssysteme verfügen oft über keine gut bedienbare Rechtschreibkontrolle. Oftmals werden die Texte direkt hier eingetippt, also ohne automatische Rechtschreibprüfung.

Einer der wichtigsten Gründe mag aber sein, dass viele digitale Texte derart flüchtig sind, dass die Tippfehler von niemandem registriert werden. Ein Text kann mehrere Minuten auf der Startseite stehen, um dann Auf-Nimmer-Wiedersehen in den Untiefen der Website zu verschwinden.

Viele werden das als Niedergang des Abendlandes bewerten. Doch die Entwicklung ist differenziert zu betrachten. Der einzige praktische Nutzen der Orthographie besteht darin, dass sie die Verständlichkeit fördert: Ein falsch gesetztes oder fehlendes Komma erschwert oft die Verständlichkeit. Die Demokratisierung des Schreibens hat aber eben auch zur Folge, dass viele Menschen viele Fehler machen, weil für sie das Sich-Ausdrücken im Vordergrund steht, die Orthographie aber eines der komplexesten Themen ist, die man sich antun kann.

Internet – gibts den Quatsch immer noch?

Das fragte Homer Simpson seine Tochter Lisa. Vielen Leuten erscheint das Web als Zeitfreser, Zeitverschwendung, Lebenszeitfresser und Ablenkungsmaschine. Zurecht.

Der amerikanische Technolgiekritiker Nicholas Carr vertritt prominent solche Meinungen. Google macht blöd, so schreibt er in The Atlantic, ein Artikel, den ich über Google gefunden habe.

Die Zeit meint sogar, die digitale Spaltung drehe sich um: die Gebildeten würden tendentiell das Web weniger nutzen, während die unteren Schichten das Web als billige Unterhaltungsmaschine verwenden.

Trend erkannt, Gefahr gebannt? Zumindest hat die Zeit nun einen Trend ausgerufen. Allerings hat ein Herr namens Michael Walker schon vor vier Jahren einen ähnlichen Trend ausgemacht.

Vielleicht wird es jetzt schick für Jungintellektuelle zu sagen: „Internet, habe ich nicht“, so wie es früher Mode war, keinen Fernseher zu haben und dies allen mitzuteilen, die es nicht hören wollen, um die eigene geniale Überlegenheit vor dem Anderen zur Schau zu tragen.

Vielleicht aber sollte man lernen, mit dem Internet als Instrument zu arbeiten. Das heißt, die Surfzeit streng zu rationieren, Internet-Recherchen durchzuplanen, den Umgang mit Twitter und E-Mail diszipliniert und sparsam zu pflegen.