Schlagwort-Archive: Webgestaltung

Barrierefreie Webgestaltung – warum doppelter Content Unsinn ist

IIch frage mich häufiger, warum Webmaster es offenbar bequemer finden, doppelten Content zu entwickeln, anstatt von Anfang an möglichst wenige Barrieren für den Webzugang zu erstellen.

Die Sparkasse KölnBonn z. B. stellt ein Formular für das Barrierefreie Banking zur Verfügung. Das funktioniert gerade mal wieder nicht. Ich stieg also auf das normale Banking-Formular um. Im Firefox sind die Eingabefelder fast unsichtbar. Wer es schafft, in das Online-Banking reinzukommen, stelltfest, dass man hier unsinnigerweise mit Symbolen für die verschiedenen Optionen arbeitet. Symbole machen dort Sinn, wo sie eindeutig sind und wo Informationen schnell vermittelt werden müssen.

Das wirklich Ärgerliche ist, dass die Sparkasse KölnBonn darauf verzichtet, alle Funktionen des normalen Bankingbereichs in das barrierefreie Banking zu implementieren. Man kann z. B. keine Daueraufträge bearbeiten oder einrichten.

Ähnliches finden wir bei zeit.de. Die Zeit bietet ein – vermutlich wenig bekanntes – Nur-Text-Format an. Während man auf dem normalen Portal Möglichkeiten wie „Artikel Drucken“, „Artikel weiterempfehlen“ und „Kommentieren“ findet, gibt es diese Funktionen im Nur-Text-Bereich nicht. Ärgerlich, der Nur-Text-Bereich schneidet den Benutzer vollständig von der Zeit-Community ab. Der Benutzer dieser Seiten kriegt gar nicht mit, dass es so etwas gibt.

Es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum man heute noch versucht, doppelten Content zu produzieren, anstatt den normalen Bereich möglichst barrierearm zu gestalten.

IE 6 – nein danke

Viele Webdesigner müssen sich plagen. Während es relativeinfach ist, ein gutes Layout für einen Browser zu erstellen, muss eine professionelle Website auf viele Browser zugeschnitten werden. Der Internet Explorer ist besonders anspruchsvoll, auch deshalb, weil gleiche Versionen auf verschiedenen Betriebssystemen (Windows oder Mac) unterschiedlich sein können.

Der IE 6 und seine Vorgänger haben das jahrealte CSS 2 nur schlecht implentiert. Anspruchsvoll ist auch der Umgang mit JavaScript. Auch der Firefox erfordert ausführliche Tests, während kleinere Browser wie Chrome, Opera und Safari die Standards größtenteils erfüllen.

Seltsam ist es, wenn der Netscape Navigator – nur wenig zickiger als der Internet Explorer – noch unterstützt werden soll, obwohl den kaum jemand heute noch einsetzt. Webdesigner und Entwickler wollen sich nun vom IE 6 verabschieden, obwohl er noch sehr stark verbreitet wird.

Meine Serverstatistik sagt, dass der Firefox von rund 48 Prozent meiner Besucher eingesetzt wird, auf den IE (7, 6, 8 in dieser Reihenfolge) entfallen rund 42 Prozent. Etwas weniger als die Hälfte davon verwendet noch den IE 6. Opera und Safari haben jeweils ca 4 Prozent,Chrome liegt trotz des Chrome-Hypes bei unter einem Prozent.

Nun spricht wenig dagegen, sich vom IE 6 in Design und Entwicklung zu verabschieden. Allerings kann man niemanden zwingen, seinen Browser zu wechseln. Statt die Ästhetik in den Vordergrund zu stellen, sollte man aber zumindest die Benutzbarkeit der Seite mitallen gängigen Browsern garantieren.

Hierzulande vergisst man gerne, wie viele Ressourcen moderne Browser benötigen. Der Firefox 3.x braucht auf meinem Notebook gut 40 Sekunden, bis er gestartet ist. Im Leerlauf verbraucht er gut 70 MB Arbeitsspeicher, während einer Session können es weit über 100 MB werden. Bei stark JavaScript-lastigen Seiten oder Videos wird er bei schwachen PCsdeutlich langsamer.

Das Webdesign könnte eine feine Sache sein, wenn der doofe Nutzer nicht wäre. Der Nutzer, der sich weigert, einen bestimmten Browser auf einem bestimmten Betriebssystem mit einem bestimmten PC und einem bestimmten Bildschirm mit einer bestimmten Auflösung zu verwenden. Frechheit, dass die Buben nun auch noch mit Handy, PDA und ähnlichem Schnickschnack wurfen wollen.

Die Sünden des Webdesign

Bei einer Website kann man viel falsch machen. Es gibt die mittlerweile ein wenig angestaubten schlechten Regeln des Webdesign. Angestaubt, weil heute hoffentlich niemand mehr HTML für das Design verwendet, aber auch, weil moderne Multimediaelemente kaum behandelt werden.

Wer tiefer einsteigen will, kann sich Thomas Wirths „Missing Links“ oder Jacob Nielsens Werke anschauen.

Das Problem heute ist Unübersichtlichkeit, zu kleine Schriften, übergroße Banner, die einen Besucher zum Scrollen zwingen und relevanten Content verbergen.

Ein weiteres Problem sind Flash-Animationen und JavaScript-Banner, die sich vor Text schieben und weggeklickt werden wollen.

Dass etwa Freemailer oder andere kostenlose Dienstleister Werbung schalten müssen, liegt auf der Hand. Dass sie sich dabei penetrant in der Vordergrund schieben, teilweise mit unerwünschtem Sound untermalt sind, dass sie niemals zu blinken aufhören ist nicht unbedingt notwendig.

Schließlich lenkt Bewegung im Gesichtsfeld ab. Würde die Werbung irgendwann zu flackern aufhören, hätte sie auch eine Chance, nicht nur als Ärgernis wahrgenommen zu werden. Im Sinne der Werbepsychologie kann dies im Grunde auch nicht sein. Das beworbene Produkt wird hier schließlich mit negativen Emotionen assoziiert.

Der Grund, warum viele Webuser das Flash-Plugin blockieren besteht darin, dass es nicht vernünftig konfiguriert werden kann. Es ist standardmäßig so eingestellt, dass eine Animation in der höchsten Auflösung endlos wiederholt wird. Da Flash und JavaScript clientseitig – also vom Userrechner – ausgeführt werden, fressen sie Prozessor-Leistung. Bei Notebooks fängt oft die Lüfter an zu laufen, was kein gutes Zeichen ist.

Problematisch und störend sind auch Pop-Ups, seien sie gedacht zur Begrüßung des Besuchers – vollkommen unnötig – oder um Umfragen anzukünden – die besser auf der Website selbst aufgehoben wären.

Viele Webprogrammierer bedenken nicht, dass clientseitiges Scripting via Ajax, Java, JavaScript oder Flash dem Nutzer Ärger verursacht, weil die Seite zu langsam lädt oder der Lüfter des Notebooks anspringt. Ob man hier nicht mit einer spartanischeren Site mehr Pluspunkte erhält?

Vollends zum Wahnsinn kann eine Seite treiben, die komplett in Flash geschrieben ist oder Einem keinerlei Hinweis darauf offenbart, wo man eigentlich hinklicken soll, damit es mal weiter geht. Einen Vorgeschmack auf den Horror der Picture Show liefert die aktuelle Toursite der Show. Sicherlich asthetisch gut gemacht, aber Usability wurde hier außen vor gelassen. Und auch Google scheint die Site nicht zu mögen, denn sie landet im deutschsprachigen Raum nicht auf den ersten zehn Plätzen.

Endgültig überflüssig sind Begrüßungsstartseiten und Begrüßungsanimationen. Ein „Klicken Sie hier, um die Animation zu überspringen“ dürfte den genervten User eher dazu verleiten, das Fenster zu schließen, als tatsächlich irgendwo drauf zu klicken.

Es ist das alte leidige Thema: Usability = Suchmaschinenoptimierung = Barrierefreiheit.

Google dürfte eine der meistbesuchten Sites des Web sein. Es könnte sich sicher die besten Designer im Business leisten. Dabei kommt Googles Webauftritt betont schlicht daher: wenige Grafiken, wenige Links auf der Startseite, keine Flash-Animationen.