YouTube ist für jeden blinden Nutzer ein Alptraum. Der Flash-Player startet beim Öffnen einer Videoseite, der Screenreader ist nicht mehr zu hören, die Tastaturbedienung des Browsers funktioniert größtenteils nicht mehr, der Player läßt sich weder steuern noch stoppen.
Warum sollten Blinde Videos gucken?
Wir müssen wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten. Zunächst einmal haben sehr viele Blinde einen Fernseher zuhause stehen. Es gibt viele blinde Fussballfans, die tatsächlich nicht der Radio-Übertragung, sondern dem Fernsehprogramm lauschen.Viele Blinde sammeln auch fleißig Videos auf DVD, der DVD-Player lässt sich praktischerweise über Cinch ohne Umweg an die Stereoanlage anschließen.
Wenn es nicht gerade Action-Filme oder Stummfilme sind, sind die meisten Sendungen auch rein auditiv zugänglich. Da gehen zweifellos einige Ebenen verloren, es stört aber weniger, als man glauben mag.
Es gibt die “Audiodeskription”, im Deutschen ist der Begriff Hörfilm geläufiger, das ist die Beschreibung von Filmszenen durch eine Stimme aus dem OFF in dialogfreien Teilen des Films. So eine Hörfilmfassung ist äußerst selten und nur für wenige Filme vorhanden. Das sind zumeist kulturell wertvolle Stücke, also Filme, die keiner sehen oder hören möchte.
Bei YouTube oder Podcampus gibt es zum Beispiel Vorträge, wo die visuelle Dimension keine große Bedeutung hat. Selbst wenn der Vortragende auf Präsentationen zugreift und diese etwa über Screencasts aufgezeichnet und eingebunden wurden, stört das meistens nicht weiter. Blinde sind daran gewöhnt, von diesen Dingen nichts mitzubekommen. Ein Vortragender, der in seine Powerpoint-Folien verliebt ist, verdient im übrigen weder Zuhörer noch Zuschauer.
Auch Musiktitel werden auf YouTube zur Verfügung gestellt, ob legal oder halblegal, lasse ich mal dahin gestellt sein. Der Videoanteil beschränkt sich dabei oft auf Bilder des Plattencovers oder des Interpreten.
Um dem YouTube-Videoplayer zu umgehen, gibt es einige Wege. Chris Heilmann hat eine barrierefreie Version online gestellt, die es vielen erlaubt, sich die Videos direkt anzusehen und den Player über Tastatur zu bedienen. Diverse Plugins erlauben den direkten Download der Videos auf die heimische Festplatte. Das Desktop-Programm Free YouTube MP3 Converter wandelt die Dateien direkt in MP3 um. Wer diese Programme verwendet, sollte natürlich die Urheber- und Verbreitungsrechte beachten.
Das ist alles schön und gut, aber wenig komfortabel. Es gibt andere Plattformen wie Podcampus oder MyVideo, die mit mit auf YouTube zugeschnittenen Tools naturgemäß nicht funktionieren. Zudem sind diese Tools plattformabhängig, Wenn das mobile Web kommt, kann man wiederum nicht direkt auf die Plattformen zugreifen und muss darauf warten, dass jemand eine App schreibt. Diese Plattformen sollten von Haus aus barrierefrei zugänglich sein. Dazu ist es nötig, dass alle Menschen, die Probleme bei der Bedienung dieser Websites haben, die Betreiber konsequent darauf hinweisen. Die Betreiber können ansonsten zu Recht sagen, dass 1. sich noch keiner beschwert hat und 2. Blinde eh keine Videos gucken können.
