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Öko oder nicht öko – das Dilemma der Umweltbewegung

Was mich vorwärts treibt, ist eine Konsequenz, die hinter mir liegt. kierkegaard

Schade eigentlich, dass es offenbar kein gutes Umwelt-Blog in Deutschland gibt. Zu berichten gäbe es sicher genug. Leider fehlt jenen, die das Know-How und das Interesse haben vermutlich die Zeit, so ein Blog zu betreiben.
In so einem Blog würde auch das Buch von Stewart Brand „Whole Earth Discipline“ besprochen, wo er der (amerikanischen) Umweltbewegung vorwirft, die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben. Kernkraft könnte demnach durchaus eine Alternative zu Kohlekraft sein. Die Verstädterung ist positiver als die großflächige Verteilung der Bevölkerung und so weiter. Die Kritik gilt auch für Deutschland, zum Beispiel:

Die Rechtgläubigen nahmen ihm damals schwer übel, dass er sich eine Umweltbewegung aus „grünen Biohackern, grünen Technophilen, grünen Urbanisten und grünen Infrastruktur-Erneuerern“ ausmalte. Doch genau diese Reaktion war Brand Beleg dafür, dass das gängige grüne Denken „zu negativ, zu traditionsverhaftet und politisch zu einseitig ist angesichts des Ausmaßes des Klimaproblems“.

Die meisten Städte sind nicht schön anzusehen. Allerdings haben die Städte eine größere ökologische Vielfalt als das Land und die Wälder, zumindest wenn man dem Ökologen Josef Reichholf glaubt.
Wer sich ein Haus im Grünen sucht und täglich für Arbeit und Einkauf in die Stadt fährt, mag angenehmer leben, tut der Umwelt aber keinen Gefallen.
Auch der aktuelle Versuch, das Elektro-Auto auf den Markt zu drücken, könnte erneut scheitern. Die Fahrzeuge mögen ausgereift sein, die Batterietechnik ist es nicht. Ein Akku, der 300 Kilo wiegt, aber nur 50 bis 100 Kilometer durchhält, birgt noch Optimierungsbedarf. Sollte man nicht besser warten, bis die Akkus die Hälfte wiegen und doppelt so lange halten? Hatten wir nicht gerade eine Abwrackprämie, die den Markt für Neuwagen/Gebrauchtwagen bis auf Weiteres ausgetrocknet hat? Gibt es nicht bereits Elektro-Roller und wären Elektro-Motorräder und Fahrräder mit Hilfsmotoren nicht eine bessere Alternative zum Elektro-Auto? Ist Strom aus Kohlekraft besser als Benzin aus Erdöl? Und mussten wir nicht gerade feststellen, dass „Bio-Treibstoffe“ keine positive Umweltwirkung haben?
Aktuell gibt es im wesentlichen zwei Strömungen in der Umweltbewegung, die beide gleichermaßen unsympathisch sind. Die Luxus-Grünen pflegen einen Öko-Lifestyle mit Hybrid-Autos und Bio-Gemüse. Die Grünen sind die bürgerlichste Partei überhaupt. Im Endeffekt ist ihr ökologischer Fußabdruck größer als der vieler Nicht-Ökos, weil sie für ihren Lebensstil mehr Ressourcen verbrauchen als der Durchschnittsbürger. Der Fußabdruck eines armen Menschen ist immer kleiner als der eines Menschen mit mittlerem Einkommen. Es sind immer die Leute, die Geld haben, die sich jedes Jahr neue Klamotten, technische Gadgets und so weiter kaufen. Arme Leute jetten nicht am Wochenende nach London oder Paris. Das meine Freunde, das ist Umweltverschmutzung.
Es ist übrigens auch diese Umwelt-Romantik, die dazu führt, dass ansonsten fast unberührte Gebiete nicht nur von westlichen, sondern bald auch von chinesischen und indischen Füßen uertra,zertrampelt wird. Die Vermüllung des Mount Everest und anderer Berge ist nur eines von vielen Zeichen dafür.
Die Links-Grünen pflegen einen radikal-konservativen Dogmatismus. Sie blockieren den Transport von Atommüll, als ob der Müll besser an Ort und Stelle bliebe und man damit AKWs verhindern würde. Sie zertrampeln Genfelder, weil man ihnen einmal beigebracht hat, dass Gentechnik böse ist. Mit ihnen zu diskutieren ist wie mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen.

Die neuen Grünen

Deswegen brauchen wir eine neue grüne Bewegung von unten. Die ganzen NABUs, Greenpeaces und WWFs sollen ihre Arbeit machen, ohne uns vorzuschreiben, was wir zu denken haben. Wir brauchen Menschen, die aus Spaß auf das Fahrrad setzen und die einen Führerschein für überflüssiges Altpapier halten. Wir brauchen Menschen, die Lösungen entwickeln statt Probleme zu beschreiben. Wir brauchen Leute, die ihr Wissen teilen statt sich an Dogmen festzuhalten. Wir brauchen Neugier, Optimismus und neue Aufgeschlossenheit für neue Ideen.
Die Linken von heute – und die Grünen mit ihnen – klingen wie alte Waschweiber. Früher lag ihre Anziehungskraft darin, dass sie eine andere Welt für möglich hielten. Ihr Optimismus war ansteckend. Heute sind die Linken nur noch ein Sammelbecken von Unzufriedenen. Gleiches gilt für die Grünen. Der Graswurzell-Charme von vor 30 Jahren ist dem gutbürgerlichen Langweilertum gewichen. Früher oder später werden andere ihre Rolle einnehmen müssen.
Wir müssen den Grünen, Greenpeace und den anderen Spießern die Deutungshoheit über den Umweltschutz entreißen. Wier sollten die lokale Community wieder entdecken und dort unser ökologisches Projekt beginnen.
Ich empfehle dazu auch die Bücher von Nico Paech zu lesen.

Jeder Mensch ein Schriftsteller – das E-Book und die Zukunft des Lesens und Schreibens

„In jedem Fall werden wir nicht darauf verzichten, literarische Fiktionen zu lesen, denn sie sind es, in denen wir nach einer Formel suchen, die unserem Leben einen Sinn gibt. Im Grunde suchen wir unser Leben lang nach einer Geschichte unseres Ursprungs, die uns sagt, warum wir geboren sind und warum wir leben. … Manchmal hoffen wir, unsere persönliche Geschichte mit der des Universums ineins zu bringen.“ Umberto Eco. Im Wald der Fiktionen. Carl-Hanser Verlag 1994, Seite 182

Es sind nicht alle Bücher so stumpfsinnig wie ihre Leser. Es finden sich manchmal Aussprüche in ihnen, die genau auf unsere Verhältnisse zutreffen, die, wenn wir sie richtig lesen und verstehen, für unser Leben heilsamer sein können als der Morgen oder der Frühling und vielleicht allen unseren Angelegenheiten ein neue Wendung geben. Wie viele hatten nicht einem Buch eine neue Ära ihres Lebens zu verdanken! Irgendwo ist das Buch vielleicht vorhanden, das unsere Wunder erklärt und uns neue Wunder offenbart. Was uns selbst noch unaussprechlich erscheint, findet sich vielleicht bereits irgendwo ausgesprochen. Die gleichen Fragen, die uns beschäftigen, beunruhigen und verwirren, haben von jeher alle Menschen beschäftigt. Nicht eine einzige von ihnen ist übergangen worden. Und jeder hat sie seiner Veranlagung nach mit seinen Worten und seinem Leben beantwortet.“ Henry David Thoreau. Walden

Die Jahre 2009/2010 dürften entscheidend für den Durchbruch des E-Books werden: Neben Sony werden eine ganze Reihe weiterer Anbieter wie Amazon, TXTR und andere Geräte anbieten, die via E-Ink-Technik das elektronische Lesen erleichtern wollen.
Gedruckte Bücher bald Geschichte?
Mit den Geräten sollte auch die Zahl deutschsprachiger Angebote steigen, die Augenblick noch gering ist.
Derzeit bleibt noch zu befürchten, dass die Buchindustrie die gleichen Fehler machen wird wie die Film- und Musikindustrie zuvor: Inkompatible Formate, restriktive Schutzmechanismen und unangemessene Preispolitik.
Im Gegensatz zu früher wird das Lesen flüchtiger: ein Buch war bisher ein physischer Gegenstand, den man besitzen, ins Regal stellen, verkaufen oder ausleihen konnte. Vorstellbar sind mehrere Eigentumsmodelle. Für einen niedrigen Preis wird ein Buch angeboten, welches nur auf einem bestimmten Gerät lesbar ist, das aber weder weiter verkauft noch anders weiter gegeben kann.
Für einen höheren Preis oder gar den Ladenpreis müssen allerdings die gleichen Bedingungen gelten wie für gedruckte Bücher: Weitergabe, Übertragung von einem Gerät auf ein anderes, Ausdrucken.
Das digitale Buch hat das Potential, das Veröffentlichen und Lesen von Texten nachhaltig zu verändern. Vor allem im Web 2.0 dominiert derzeit noch das Schreiben von Häppchen-Texten. Auch mit guten Bildschirmen ist das Lesen am Bildschirm weder angenehm noch energetisch effizient. Einen kompletten PC laufen zu lassen, um darauf Texte zu lesen oder Musik zu hören, ist sicherlich nicht zielführend.
Vor allem unbekannte Schriftsteller haben via Eigenverlag die Möglichkeit, ihre Texte kostengünstig an den Leser zu bringen. Auch bekannte Autoren erhalten nur einen Bruchteil des Kaufpreises, der Rest geht an Verlage und Buchhandel. Vor einigen Jahrzehnten gab es noch ganze Magazine mit Kurzgeschichten, die zwischenzeitlich ausgestorben sind, aber eine ideale Lektüre für die Heimfahrt von der Arbeit darstellen.
Auch Weblogs und andere benutzergenerierte Inhalte in Textform lassen sich wegen ihrer Kürze ideal auf solchen Geräten lesen. Das selbe gilt für längere Zeitungs- und Magazintexte wie Features und Reportagen, die kaum jemand gerne am PC lesen möchte. Dazu müsste sich allerdings die Qualität der Bilddarstellung verbessern, die auf E-Book-Readern eher mau ist.
Joseph Beuys meinte, jeder Mensch sei ein Künstler. Man kann weiter gehen und sagen, jeder Mensch ist ein Schriftsteller. Zumindest ist jeder Mensch ein Experte für ein bestimmtes Thema und in der Regel kann er auch interessant über ein Thema schreiben, welches ihn persönlich begeistert.
So mancher Weblog hat bereits eine größere Reichweite als manche Lokalzeitung. Spezialblogs zu eher abseitigen Themen können eine kleine, dafür aber um so interessiertere Leserschaft erreichen.
Letzten Endes kann sich das Ganze auch finanziell lohnen: Eine interessierte Leserschaft ist eher bereit, kleine Beträge zu bezahlen. Dabei macht „Kleinvieh auch Mist“.
So mancher etablierter Schriftsteller erhält nur einen Bruchteil des Buchpreises und muss sich mit Übersetzungen oder anderen Arbeiten seinen Lebensunterhalt verdienen. Nur ein Bruchteil der Schriftsteller kann nur vom Schreiben leben.

Lesenswertes