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Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit im Internet?

TagwolkeImmer wieder nett, sich auf die Basics zu besinnen:

Vor zehn Jahren war es vorteilhaft, ins Internet zu kommen. Mittlerweile ist es ein echter Nachteil, nicht im Internet zu sein. Viele Produkte oder Dienstleistungen
werden im Web kostenlos oder günstiger angeboten. Viele Informationen sind nur noch über das Netz verfügbar. Mit den sozialen Plattformen wird nicht nur der Austausch mit Freunden erleichtert, oft läuft die Suche nach Jobs komplett über Social Media

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Querlesen für Blinde

Blinde können oftmals schneller im Web unterwegs sein als Sehende. Das mag zum Einen daran liegen, dass sie sich kaum von optischen „Eye-Catchern“ ablenken lassen. Zum Anderen liegt es aber daran, dass sie einige Vorteile des Screenreaders in Kombination mit der Tastatur nutzen können.
Mit einiger Übung kann man mit der Tastatur wesentlich schneller arbeiten als mit der Maus. Der Touchscreen mag einiges für sich haben, man darf aber gespannt sein, ob man mit ihm wirklich komplexe Aufgaben wie das Formatieren eines Textes, das Beschneiden oder gar Manipulieren eines Fotos oder andere Bearbeitungsaufgaben besser, schneller und komfortabler als mit einer Tastatur lösen kann.

Der Marktführer bei Screenreadern Jaws bietet ein paar interessante Funktionen an. Ich bin mir gar nicht sicher, ob viele Menschen diese Funktionen tatsächlich kennen, manchmal stößt man durch Zufall – etwa durch das versehentliche Drücken mehrerer Tasten – auf neue Funktionen, die man vorher noch nicht entdeckt hatte.

Mit der Tastenkombination Einfg+F7 kann man sich alle Links einer Website anzeigen lassen. Bei einigen Medien kann man so die Überschriften von Artikeln lesen, in Shops die Namen der Produkte erfahren usw.

Mit Einfg+F6 kann man sämtliche Überschriften einer Seite lesen, hilfreich zum Beispiel wiederum bei Medien oder auch dort, wo Teilbereiche der Seite mit Überschriften bedacht sind wie die Navigation.

Mit Einfg+F5 kann man sich sämtliche Formularfelder einer Website anzeigen lassen, hilfreich etwa bei langen und unübersichtlichen Formularen. Schade eigentlich, dass Jaws nicht direkt eine Eingabemaske generiert, zum Eingeben von Daten muss man zur Website zurückkehren.
Die Killerapplikation erreicht man mit Einfg+F3, da kann man sich viele Elemente der Website wie Anker, Listen oder Tabellen auflisten lassen.

So erklärt sich der Hintergrund vieler Regeln der barrierefreien Webgestaltung. Auch wenn viele Dinge sich aus em Kontext erschließen lassen, liegt dieser Kontext eben nicht immer vor. Auch, aber nicht nur deswegen, sollte man ordentliche Linktitel, Überschriften und Formularbenennungen vornehmen.

PDF für Alle – Prüftool für barrierefreie PDFs

Die Schweizer Stiftung Zugang für alle bietet ein kostenloses Tool zur Überprüfung der Barrierefreiheit von PDF-Dateien. PDF-Dateien sind der Liebling jedes blinden Masochisten, wie ich öfter schon schreiben durfte. Hier also meine eigenen Links zum Erstellen und Spaßhaben von und mit PDF.
Abenteuer PDF – warum Blinde ein offenes Dokumentenformat brauchen
Barrierefreie PDF-Dokumente in OpenOffice
Die bevorzugte Alternative zu PDF sollte immer darin bestehen, Inhalte in einfachem HTML anzubieten, dass ist nicht nur barrierefrei, sondern schlichtweg ein Service für Menschen, die keinen PDF-Reader installiert haben.

Barrierefreie Webgestaltung – warum doppelter Content Unsinn ist

IIch frage mich häufiger, warum Webmaster es offenbar bequemer finden, doppelten Content zu entwickeln, anstatt von Anfang an möglichst wenige Barrieren für den Webzugang zu erstellen.

Die Sparkasse KölnBonn z. B. stellt ein Formular für das Barrierefreie Banking zur Verfügung. Das funktioniert gerade mal wieder nicht. Ich stieg also auf das normale Banking-Formular um. Im Firefox sind die Eingabefelder fast unsichtbar. Wer es schafft, in das Online-Banking reinzukommen, stelltfest, dass man hier unsinnigerweise mit Symbolen für die verschiedenen Optionen arbeitet. Symbole machen dort Sinn, wo sie eindeutig sind und wo Informationen schnell vermittelt werden müssen.

Das wirklich Ärgerliche ist, dass die Sparkasse KölnBonn darauf verzichtet, alle Funktionen des normalen Bankingbereichs in das barrierefreie Banking zu implementieren. Man kann z. B. keine Daueraufträge bearbeiten oder einrichten.

Ähnliches finden wir bei zeit.de. Die Zeit bietet ein – vermutlich wenig bekanntes – Nur-Text-Format an. Während man auf dem normalen Portal Möglichkeiten wie „Artikel Drucken“, „Artikel weiterempfehlen“ und „Kommentieren“ findet, gibt es diese Funktionen im Nur-Text-Bereich nicht. Ärgerlich, der Nur-Text-Bereich schneidet den Benutzer vollständig von der Zeit-Community ab. Der Benutzer dieser Seiten kriegt gar nicht mit, dass es so etwas gibt.

Es ist nicht ganz nachvollziehbar, warum man heute noch versucht, doppelten Content zu produzieren, anstatt den normalen Bereich möglichst barrierearm zu gestalten.