Schlagwort-Archive: Barrierefreiheit & Zugänglichkeit

Hören statt sehen – Audios und Podcasts zum barrierefreien Web

Viele Vortragende stellen mittlerweile Audio-Mitschnitte ihrer Vorträge bereit. Vor allem Blinde, aber nicht nur sie profitieren von Audio. Die Präsentationsfolien sind zwar interessant, aber auch oft unverständlich, wenn man den Vortrag nicht gehört hat. Eine Liste nützlicher Guidelines und Hilfen zur Barrierefreiheit habe ich schon veröffentlicht.
Der Webdesign-Podcast Technikwürze beschäftigt sich öfter mit Barrierefreiheit. Im aktuellen Beitrag um Contao formerly known as Typolight widmen sich die Teilnehmer ausführlich dem Thema Zugänglichkeit des Redaktionssystems.

Einfach für Alle bietet eine Reihe von Podcasts an, die zwar schon ein wenig älter , aber immer noch hörenswert sind.

Wirklich schwer macht es der Webkongress Erlangen 2010. Hier kommt man auf verschlungengen Wegen zu vielen Folien und Mitschnitten der Vorträge. Eine große Zahl der Vorträge befasst sich auch mit Barrierefreiheit. Um an die Audios zu kommen, klickt man zunächst auf den Vortrag, scrollt zum Fuß der Beschreibung, klickt auf Vortrag in „Multimedia-Formaten im Videoportal der FAU“ und anschließend auf Download. Einfach, oder?

Web AXE ist ein englischsprachiger Weblog und Podcast zum Thema Barrierefreiheit. Von dem Podcast sind bisher 86 Episoden erschienen.

Auf Deutsch und Englisch ist der Webevangelist Christian Heilmann unterwegs. Seine zahlreichen Vorträge sind immer hörenswert und drehen sich oft um Barrierefreiheit.

Kongresse

  • Vorträge des A-Tag 2010 in Wien
  • Vorträge des A-Tag 2009 in Wien

Access-News vom 24. Juni 2010 – Fraunhofer testet und Google bringt was Neues

Das Fraunhofer-Institut für Informationstechnik hat herausgefunden, dass die meisten Dax-Websites nicht validieren und nicht barrierefrei sind. Wer hätte das gedacht, nachdem Opera mit seiner MAMA-Studie das schon lange festgestellt hat? Wer es ausprobieren mag, es gibt ein Testtool auf der Website von Fraunhofer. Ich befürchte fast, das diese automatischen Tests mehr Schaden als Nutzen anrichten. Der Website-Bastler braucht sich mit dem Thema Barrierefreiheit gar nicht mehr zu beschäftigen, sondern arbeitet säuberlich eine Reihe von Fehlern ab und wird durch eine Fehlerfrei-Meldung des Systems geadelt. Zudem werden Leute belohnt, die statische Websites oder Alternativ-Versionen für Behinderte anbieten, denn hier wird das Prüfprogramm nicht durch so überflüssige Dinge wie JavaScript oder Flash in seiner Arbeit gestört.

Google mit OCR und Spracherkennung

GoogleDocs hat jetzt Texterkennung. Mit OCR lassen sich Texte aus Graphiken und PDFs extrahieren. Laut Golem soll die Qualität der Erkennung bisher noch nicht berauschend sein. Das ist etwa nützlich für PDF-Dateien, die aus gescannten Dokumenten generiert wurden. Nebenbei ist die HTML-Anzeige von PDF-Dateien eine der nützlichsten Werkzeuge Googles.
Mit seinem Know How im Rahmen der Bücherscan-Aktion dürfte Google bei der Scan-Qualität deutliche Verbesserungen ermöglichen.

GoogleVoice ist eine Technik, mit der sich Sprachmitteilungen in Text umwandeln lassen, zum Beispiel zum Versenden von SMS. Voice ist jetzt öffentlich verfügbar, allerdings bisher nur auf Englisch.

Vermischtes

Marco berichtet, dass das neue IOS 4 Teile von WAI ARIA unterstützt.
Die Entwickler von Chrome arbeiten jetzt an der Unterstützung von Chrome durch Screenreader. Sie haben recht flott auf die Petition reagiert, die von Steve Faulkner letzte Woche beworben wurde.
WebAIM setzt seine HTML5-Reihe mit einem Beitrag über Canvas fort.

BIENE gestartet – auf der Suche nach kreativen Web-Lösungen

Aktion Mensch und die Stiftung digitale Chancen suchen dieses Jahr wieder nach den besten deutschsprachigen barrierefreien Webseiten. Konsequenterweise werden die Ansprüche an die Wettbewerber erhöht.
Einerseits ist es recht einfach, eines der vielen Open Source Content
Management Systeme barrierefrei ins Netz zu stellen – die sind das
häufig schon von Haus aus. Andererseits sind bereits die WCAG 2.0 2008 verabschiedet worden und sollten nun auch in das Bewusstsein jener
Webdesigner Einzug halten, die Barrierefreiheit nicht kennen. Last not
least sollte es im Jahr 2010 möglich sein, Design und Struktur zu
trennen, auf Tabellendesigns zu verzichten und Überschriften
ordentlich auszuzeichnen.
Man darf vor allem darauf gespannt sein, wie die Jury mit den neuen
Elementen aus HTML5, CSS3 und WAI-ARIA umgeht, die teilweise schon
Eingang ins Webdesign gefunden haben. ARIA steht für Accessible Rich
Internet Applications und steht derzeit als Arbeitsentwurf des W3C
bereit. Damit sollen auch dynamische Elemente des Webs zugänglich
werden. Einige Elemente daraus haben bereits Einzug ins Web gehalten: In
Wordpress, sowie bei Yahoo und Google werden „Orientierungspunkte“ –
also wichtige Stationen auf einer Webseite – kenntlich gemacht.
Außerdem sind Pflichtfelder in Formularen eindeutig gekennzeichnet.
Es ist also ein gewagter, aber enorm wichtiger Schritt, Innovationen
in diesem Bereich vorzustellen und zu belohnen. Ich bin gespannt.

Zugänglichkeit – warum handgemacht heute nicht mehr der beste Weg ist

Ich bastele seit ungefähr sieben Jahren an Webseiten herum. Meine ersten Gehversuche machte ich mit dem WYSIWYG-Editor NVU. Ich habe tatsächlich bekommen, was ich gesehen habe: eine nicht gerade hübsche Website mit grausigem Code. Besonders gut hat mir gefallen, dass mitten im Text sinniges Zeug wie <if support empty paras><endif> auftauchte. Jahre später fand ich zufällig heraus, dass das Word-eigenes Markup ist, welches beim Rüberkopieren in den Quellcode gelangte und natürlich nur im Internet Explorer sichtbar war.
Macromedias Dreamweaver bot schon einige Möglichkeiten mehr. Parallel dazu lernte ich HTML und CSS, so dass ich das geteilte Fenster des Dreamweaver zu schätzen lernte. Oben sah man die Website, unten den Quellcode, so dass man gezielt den Quellcode anpassen und die Änderungen oben sehen konnte. Die beiden Mankos des WYSIWYG kann aber vermutlich kein visueller Editor aufheben: Zum einen die Produktion schlechten Codes und zum anderen die fricklige Unterstützung von CSS, die für die Trennung von Struktur und Layout aber notwendig ist. Die Zeit, die man mit WYSIWYG sparen mag, verbringt man anschließend für die Verbesserung, Reparatur und Säuberung des Codes.
Ich habe also meine nächsten Websites mit Texteditoren gebastelt. Für Blinde sicher die angenehmste Art des Arbeitens. Leider sehr fehleranfällig, wenn man irgendwelche Klammern vergisst, muss man oft ewig nach der Ursache eines Problems suchen. Andererseits kennt man seinen eigenen Code so genau, dass Anpassungen problemlos und schnell möglich sind.
Nun ist aber auch dieser Zug abgefahren. Zum einen kommt heute keine anständige Site ohne PHP und JavaScript aus – was beides echte Programmierkenntnisse erfordert, zum anderen gibt es ganze Content Management Systeme, die wesentlich flexibler sind als die handgestrickte Website.
Heute gibt es mächtige Frameworks für Website-Entwickler, die wichtige Funktionen zusammenstellen, die vielfach getestet und frei verwendbar sind. Und ganz nebenbei sind sie barrierefrei. Ob YAML oder JQUERY, wer solche Frameworks einsetzt, spart viel zeit und Nerven. Da selbstgestrickte Skripte in JavaScript und PHP zudem häufig ein Sicherheitsrisiko darstellen, sollte man auf deren Einsatz verzichten. Es sei denn, man weiß, was man tut. Dass die Skripte dafür sorgen, dass alle Browser abgedekct sind, ist ein netter Haupteffekt.
Das Gleiche gilt für CMS wie Drupal oder WordPress. Sie sind von Haus aus barrierearm und bieten einen weiten Spielraum für Gestaltung und Erweiterung. Ein weiterer unschlagbarer Vorteil besteht darin, dass Inhalte, die einmal in Datenbanken gespeichert wurden sich wesentlich einfacher überführen lassen als unstrukturierte Inhalte. Ich will allerdings nicht verheimlichen, dass die Einarbeitungszeit in ein CMS oder ein Framework recht lang sein kann.
Andererseits bringen viele Open-source-CMS Webstandards und Standards der Barrierefreiheit in die Welt, ohne dass die Website-Bauer dies überhaupt in Betracht gezogen haben. Bis heute sehe ich täglich Websites, die auf korrekte Strukturierung in HTML verzichten. Irgend etwas läuft schief, wenn WordPress oder Yahoo schon WAI-ARIA implementieren, während andere Websites nicht einmal Überschriften und Listen korrekt auszeichnen. Doch auch des Blinden Liebling erfreut sich noch immer großer Beliebtheit: Tabellenlayouts mit Spacer-GIFs.
Für Lerneffekte ist es sicher sinnvoll, sich ein eigenes CMS mit Suchfunktionen und allem Luxus selbst zusammenzubauen. Auch wer seine Seite statisch halten möchte – das könnte es noch geben – braucht weder Dynamik noch CMS. Dem ganzen Rest möchte ich die Verwendung von Frameworks und JQUERY ans Herz legen.

Update: Ich muss ein wenig zurückrudern, Joomla zeichnet auch keine Überschriften korrekt aus.

WCAG 2.0 verstehen

Der aktuelle Podcast der Technikwürze beschäftigt sich in aller Ausführlichkeit mit den neuen Richtlinien zur Barrierefreiheit der Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C. Der Podcast ist sehr ausführlich und geht sehr ins Detail und ist deshalb als erster Einstieg sehr gut geeignet, ich darf leider nicht auf die Datei direkt verlinken, siehe unten.
Einer der Sprecher war an der Übersetzung der Guidelines ins Deutsche durch die Aktion Mensch beteiligt.
Die vier Säulen der WCAG und die ein Dutzend ihr zu Grunde liegenden Prinzipien sind gut zu verstehen. Der Rest des Dokuments ist für Technik-Spezialisten gedacht. Das Ding ist weder auf Deutsch noch auf Englisch zum Runterlesen geeignet oder gedacht, die vier Säulen und Prinzipien sollte aber jeder kennen, der auch nur entfernt mit Webinhalten zu tun hat.
Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung BITV ist die deutsche Grundlage für Entwicklungen, die im Wesentlichen auf den Guidelines des W3C basiert. Obwohl die WCAG 2.0 nun schon einige Jahre alt ist, wurde die BITV noch nicht auf den neuesten Stand gebracht. Bindend ist die Verordnung von 1999, was man den Seiten des Bundes auch ansieht. Die BITV wird in einer Blackbox ausgehandelt, keiner weiß, ob oder wann sie kommen wird.

Was nicht barrierefrei ist, wird barrierefrei gemacht

Die Web Accessibility Initiative (WAI) des W3C fordert dazu auf, öffentlichen Stellen und Unternehmen mitzuteilen, wenn ihre Websites nicht barrierefrei zugänglich sind und schlägt auch vor, wie man dort vorgehen sollte. Ich meine, man kann da ruhig einen Sport daraus machen.
Schließlich ist das Web nicht für die Gesunden da, das Web ist kein Design-Wettbewerb. Wenn eine Person Schwierigkeiten bei der Bedienung einer Website hat, dann ist sie sicher nicht die Einzige.
>h2>Sagt es Ihnen und sagt es Ihnen laut
Wenn der Ansprechpartner nicht reagiert, sollte man ruhig einen Schritt weiter gehen und das öffentlich bekannt geben. Ich warte zum Beispiel bis heute auf eine Antwort des Bundesamtes für Statistik, warum ihr Statistischer Jahresbericht im PDF-Format nicht barrierefrei oder in HTML zugänglich ist. Und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir doch noch antworten;-)

Macht es selber

Wir können den Alptraum jedes Webdesigners wahr machen und sein Design „zerstören“, indem wir es unseren Bedürfnissen anpassen. Ich habe ein kleines Skript geschrieben, wie man den Internet Explorer und den Firefox auf seine eigenen Schriftarten und Farben anpassen kann, hier im Doc-Format.
Für technisch versiertere Leute: die Erweiterung Greasemonkey für den Firefox erlaubt das Anreichern von Websites mit eigenem JavaScript-Code. Diese und viele andere Tipps zum Anreichern und zur Barrierefreiheit von Webinhalten gibt es in einem hervorragenden Vortrag von Chris Heilmann zur „Best of Accessibility“, dort als PDF und als Audio in mp3 (60 MB).

Rich Internet

Daran merkt man schnell, wie viele Dinge im Web selbstverständlich sein sollten. Unter Rich Internet versteht man heute das Angebot von Multimedia, Spielen und Ähnlichem im Web. Dabei besteht im Poor Internet noch viel Verbesserungsbedarf. Ich finde es immer amüsant, wenn Artikel in Online-Publikationen in Häppchen präsentiert werden und der User manchmal zehn Mal klicken darf, um zum Ende des Artikels zu gelangen. Web Analytics sollte zeigen, dass die meisten Leute nie das Ende des Artikels erreichen, weil sie keine Lust auf Klickorgien haben. Das Diktum, dass möglichst wenig Inhalt außerhalb des sichtbaren Screens sein sollte, ist veraltet. Heute gilt, kein überflüssiges Klicken, keine winzigen Schriften, keine flackernden Werbebanner. Rich Internet sollte bedeuten, dass sich die Seiten sich den Bedürfnissen des Benutzers anpassen lassen. So lange das nicht geht, müssen wir uns selbst helfen und schlechte im Sinne von barrierereiche Layouts zertrümmern.