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Die Finanzkrise II – von Seifen und anderen Blasen

Wir wissen mittlerweile, das ein Markt über Angebot und Nachfrage funktioniert. Die Menge des Geldes, die im Umlauf ist, entspricht in einem System der Menge der Güter und Dienstleistungen, die in diesem System verfügbar sind.

Das gilt nicht für den Finanzmarkt, der von Spekulationen auf zukünftige Werte lebt. Möglich wird das dadurch, dass große Mengen an unbewegtem Kapital vorhanden sind, auf den Sparkonten und dieses Geld muss vermehrt werden – die Zinsen.

Aber Geld, das auf der Bank liegt, wird nicht produktiv eingesetzt. Der Kontoinhaber kauft nichts davon. Er investiert es nicht in Güter und verringert so die Nachfrage nach Gütern.

Tatsächlich arbeiten Hedgefonds und Großbanken mit dem Geld. Sie investieren es oft in reale Güter, etwa in Immobilien, Bergwerke oder andere gewinnträchtige Dinge.

Wird irgendwo Geld investiert, steigt der Geld dieser Ware.

So kam es zur Immobilienblase in den USA. Jemand hat unheimlich viel Geld in Immobilien investiert. Die Immobilienpreise sind gestiegen. Die Hausbesitzer saßen auf einmal auf einem vergoldeten Grundstück. Sie begannen, sich Güter auf Basis günstiger Hypotheken zu kaufen.

Doch es gibt ein Gesetz im Markt, das immer funktioniert: Der Wert einer Ware kann nicht in einer solchen Geschwindigkeit wachsen und diesen Wert auch behalten. Man kann sich das ganz natürlich vorstellen: Ein Baum, der zu schnell wächst, ist vermutlich krank, hat keine tiefen Wurzeln und wird bei nächster Gelegenheit umgeweht.

Das Phänomen einer Überbewertung ist recht häufig, das letzte Beispiel ist die im Jahr 2000 geplatzte New-Economy-Blase.

Das Wachstum konnte nicht endlos so weitergehen. Leute wie Robert Brenner (The Boom and the Bubble) und andere haben dies lange vorausgesagt. Es ist wie eine Blase, die platzt, weil niemand den Mut hatte, ein Sicherheitsventil langsam aufzudrehen.

Einmal lügen Sie immer – warum Befragungen nie richtig funktionieren

Umfragen sind sehr beliebt, um ein Meinungsbild zu erhalten. Doch es gibt viele Gründe, warum Befragte nicht das sagen, was sie wirklich denken, auch dann, wenn Befragungen anonym sind:

  1. Der Fragensteller oder Fragenbogen-Verteiler ist ein älterer Mensch, eine Frau, ein Ausländer, ein Muslim oder gehört irgendwie nicht zum Durchschnitt. Wenn es um Senioren, Frauen, Ausländer usw. in den Befragungen geht, wird der Befragte oft Hemmungen haben, zu sagen was er denkt. Oft wird er liberalere Positionen vertreten, als er wirklich hat.
  2. Der Befragte lügt absichtlich. Weil er gerade keine Lust hat, einen Fragebogen auszufüllen. Weil er Spaß daran hat, Umfragen zu manipulieren. Weil… Bei Multiple-Choice-Fragen neigen einige Leute dazu, die Fragen nach kleinen Mustern auszufüllen, ohne die eigentliche Frage zu lesen. Wer den zehnten fünfseitigen Fragebogen vor sich liegen hat, verliert schlicht irgendwann das Interesse.
  3. Der Befragte glaubt – sehr oft – liberaler zu sein oder – seltener – konservativer zu sein, als er ist.
  4. Der Befragte antwortet so, wie er glaubt, dass es von ihm erwartet wird.

So erklärt sich der Bradley-Effekt. Der Afroamerikaner und Bürgermeister von Los Angeles Tom Bradley wollte 1982 Gouverneur Kaliforniens werden und lag in den Umfragen deutlich vorne. Die Wahlen gewann sein Mitbewerber. Legendär ist die Präsidentschaftswahl Thomas Dewey versus Harry S. Truman. Dewey gewann die Wahl – nicht, wie eine Zeitung voreilig verkündete. Zuvor galt Dewey als Favorit.
Um die Sache endgültig ad absurdum zu führen; es kann auch sein, dass jemand sagt, er würde nie einen Schwarzen wählen, es am Ende aber doch tut. Er sagt das, was man von ihm erwartet, weil er ein Konservativer ist. Von dem erwartet wird, dass er einen Weißen wählt. Man kann das den umgekehrten Bradley-Effekt nennen.
Die Ursachen sind vielfältig: Ausschlaggebend dürfte aber sein, dass ein „Liberaler“ nicht zugeben will – nicht einmal vor sich selbst – dass er keinen Schwarzen wählen mag oder die Demokraten ablehnt. Ein Konservativer hingegen mag – wegen seiner Peer-Group, seinem sozialen Netzwerk – nicht zugeben, dass er pragmatisch wählt oder bereit ist, einen Liberalen oder Schwarzen zu wählen.
Das Gleiche könnte man in Deutschland beobachten: Wer in einem eher christlich geprägten Dorf aufwächst, wird wahrscheinlich nicht zugeben, dass er die Gründen wählt. Wer andererseits zur Öko-Schickeria gehört, wird vor seinen Freunden verschweigen, dass er heimlich die Steuersenker von der FDP wählt.
Es gibt in der empirischen Sozialforschung eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, wie sich Umfragen manipulieren lassen. Die Fragen selbst lassen sich suggestiv stellen, die Statistik lässt sich manipulieren, die Zielgruppe kann gezielt auf die erwünschten Ergebnisse hin ausgewählt werden. Auch wenn die Sozialforschung versucht, solche Manipulationen auszuräumen, ist das nur eingeschränkt möglich.
Wenn einem Unternehmen die Ergebnisse einer Umfrage nicht passen, kann es diese einfach noch einmal durchführen. Wir ändern die Zielgruppe, „modifizieren“ die Fragestellung und schwupp – haben wir die erwünschten Ergebnisse. Es ist keine Manipulation im wörtlichen Sinne, aber es ist auch nicht die ganze Wahrheit.
Die klassische Marktforschung arbeitet ebenfalls mit den empirischen Methoden der Sozialforschung. Einer der Schwerpunkte sind Fokusgruppen, das heißt, eine ausgewählte Gruppe von Menschen wird eingeladen, um den Erfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung zu testen. Malcolm Gladwell zeigt in seinem Buch „Tipping Point“, dass diese Befragungen oft nicht richtig funktionieren. Ein berühmtes Beispiel ist der Geschmackstest von Coca Cola vs. Pepsi. Angeblich schmeckt Pepsi Cola im Blindtest besser als Coca Cola. Das galt aber nur für den ersten Schluck, tränke man die ganze Dose bzw. Flasche, würde Coca Cola in Geschmackstests besser abschneiden. Ob das stimmt, lassen wir dahin gestellt sein. Coca Cola fühlte sich aber genötigt, die New Coke auf den Markt zu werfen, einer der spektakulärsten Flops in der Geschichte der Konsumgüter überhaupt.
Die Menschen sind vor allem bei neuen Produkten oder Entwicklungen eher kritisch. So würden viele Filme oder Fernsehserien durchfallen, weil das Konzept zu ungewöhnlich oder seiner Zeit voraus ist. Tablets sind überflüssig, haben selbst die Gadget-Freaks gesagt und sich anschließend in die Schlange gestellt, um das erste iPad zu bekommen.
Im Konstruktivismus sagt man, die Welt sei ein Ergebnis der Wahrnehmung. In der Praxis heißt das, ein Beobachter, der wahrgenommen wird, verändert automatisch die Situation. Die meisten Wildtiere z.B. wittern das Fernsehteam, auch wenn es mit Fernobjektiven arbeitet.
Es gibt das Weiße-Kittel-Syndrom. Es besagt, dass ein mensch automatisch nvervös wird, wenn ihm ein Arzt entgegentritt, der ihn untersuchen soll. Der Puls geht hoch, Schweiß bildet sich und das verfälscht natürlich die Ergebnisse. Ergo ist jede Studie, die in einer Laborsituation stattfindet nicht so aussagekräftig, wie es die Presseabteilungen der Unternehmen oder Institute vollmundig verkündigen.
Last not least ist auch folgende Überlegung interessant: Tiere, die eingesperrt werden erleiden ähnliche Symptome wie menschen, die eingesperrt werden. Wer den Affen dabei zugesehen hat, wie sie pausenlos im Kreis rennen zweifelt an den Märchen von der artgerechten Tierhaltung in Zoos. Wie ist also ein Experiment zu bewerten, in dem ein in einem Labor eingesperrtes Tier bis zur Erschöpfung einen Hebel drückt, um sich eine Dröhnung zu verpassen?

Weiterlesen

  • Malcolm Gladwell.Der Tipping Point.Goldmann-Verlag
  • Walter Krämer. So lügt man mit Statistik. Piper 2009
  • Theorie der Schweigespirale