Wie, Sie wollen Geld? Über die mangelnde Anerkennung behinderter Experten

Stilisierte Figur neben einem HakenManchmal kommen unterschiedliche Leute fast gleichzeitig auf das gleiche Thema: So las ich den Beitrag der Aktivistin Jennifer Sonntag auf ihrer Facebook-Seite. Nur ein paar Wochen vorher hatte ich mich auf Twitter ähnlich dazu geäußert.

Expertise gibt es nicht zum Nulltarif

Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass einigen Leuten die Kinnlade runterklappt, wenn sie die Beträge lesen, die wir fordern. Gerade wenn man noch nie mit Freiberuflern zu tun hatte, scheint man ganz falsche Erwartungen zu haben.
Aus den Antworten – oder häufiger Nicht-Antworten – kann man aber auch den Schluss ziehen, dass die Leute tatsächlich erwartet haben, dass wir unsere Arbeit für eine kleine Aufwandsentschädigung oder gar kostenlos erledigen. Die gleichen Leute haben aber kein Problem, vierstellige Tagessätze an Unternehmensberater zu zahlen.
Der übliche Ablauf sieht so aus: Ich werde meistens per Mail angefragt. Fast immer muss man den Leuten aus der Nase ziehen, was sie tatsächlich wollen. Dann schickt man ein Angebot und hört meistens nie wieder was von denen. Meine persönlichen Lieblinge sind diejenigen, die einen eine halbe Stunde am Telefon eine Beratung abluchsen lassen und dann nie wieder von sich hören lassen.
Ich lasse mich nicht dafür bezahlen, dass ich behindert bin, das ist keine besondere Leistung. Ich werde bezahlt für die Expertise, die ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe. Ich sehe mich weniger als Aktivisten, ohne diesen Begriff abwerten zu wollen und mehr als Experten.

Die Kosten der Selbständigkeit

Vielleicht mal als Einblick: Ein Freiberufler muss seine komplette Renten- und Krankenversicherung selbst zahlen. Ist man nicht in der Künstlersozialkasse, können das gerne mal 800 € und mehr pro Monat sein. Man möchte nicht ständig zuhause rumhängen, also soll es ein Büroplatz sein, roundabout 250 € Minimum im Co-Working, je nach Lage kann es aber auch deutlich mehr sein. Technisch muss man möglichst gut ausgestattet sein, ein gutes und vor allem reisefestes Notebook, ein ordentliches Smartphone, ein Tarif mit reichlich Volumen, diverse Adapter (ihr würdet nicht glauben, wie viele Einrichtungen noch Beamer mit VGA betreiben). Dazu kommen viele andere Dinge wie eine BahnCard, eine Website, Software-Lizenzen, diverse Versicherungen und vieles mehr.
Und weiter gehts, natürlich ist es nett, wenn jemand die Reise- und Übernachtungskosten übernimmt. Allerdings kann ich in der Zeit, in der ich an Bahnhöfen oder in der Bahn stehe nichts anderes machen. Diese Zeit muss man also als Arbeitszeit mit kalkulieren.
Natürlich kommen nach einigen Dutzend Schulungen und Vorträgen zahlreiche Materialien zusammen. Sie wurden in vielen Stunden Arbeit erstellt. Sie müssen stetig aktualisiert und natürlich für die jeweilige Zielgruppe optimiert werden. Ein halber Tages-Workshop kostet also ungefähr einen halben Tag Arbeit.
In der Regel sind die Kosten und der Stress für einen behinderten Referenten auf Dienstreise höher. Oft finden die Veranstaltungen irgendwo in der Pampa statt. Unter Pampa fallen bei mir auch Bahnhöfe ohne Lautsprecherdurchsagen oder Taxistand. Ohne Assistenz würde ich solche Aufträge gar nicht annehmen.

Nicht-barrierefreie Ausschreibungen

Eine öffentliche Stelle ließ mir letztes Jahr eine Ausschreibung für einen 1-Tages-Workshop in Berlin zukommen. Es waren glaube ich rund ein Dutzend Dokumente, PDFs, Excel-Tabellen und weiterer Schmus, ich muss nicht erwähnen, dass nichts davon barrierefrei war. Eine Uni schickte mir eine Ausschreibung als PDF, die aus eingescannten Bildern bestand, für Blinde also unzugänglich. Ich habe sofort verstanden, warum sie Support für Barrierefreiheit brauchten.
Ich schätze, dass ich mit Assistenz mindestens einen halben Tag allein für die Ausschreibung gebraucht hätte. Natürlich gibt es viele kompetente Leute in Berlin, so dass ich dankend abgesagt habe.

Mangelnder Respekt

Im Grunde ist es schon frech, die Auftraggeber erwarten schnelle Angebote und zuverlässige Erbringung. Aber von selbst mitzuteilen, dass man sich für einen anderen Anbieter entschieden hat, so viel Verbindlichkeit darf man von ihnen nicht erwarten. Man sollte dazu sagen, dass viele dieser Ausschreibungen schon einen halben Tag oder mehr erfordern, um sie auszufüllen. Sollte man dabei einen Fehler machen – das passiert schnell, wenn man blind ist – wird man ohne Weiteres nicht berücksichtigt. Das Wort „unverbindlich“ wird von den potentiellen Auftraggebern gerne großzügig ausgelegt.
Vieles davon trifft natürlich auch auf die nicht-behinderten Freiberufler zu. Doch habe ich durchaus den Eindruck, dass im in unserem Bereich der Respekt vor dem Experten noch geringer ist.

Verdrängen Sprachausgaben und smarte Lautsprecher die Blindenschrift? – ein launiger Kommentar zum Braille-Tag 2020

mein name in brailleEigentlich wollte ich dieses Jahr nichts mehr zum Braille-Tag schreiben – irgendwie ist alles gesagt, nur noch nicht von mir. Dann stieß ich auf diese etwas merkwürdigen Diskussionen auf Twitter. Demnach verdrängen smarte Lautsprecher und Sprachausgaben Braille. Ich bin noch nicht alt genug, vermute aber, dass diese Diskussionen schon seit den 80ern geführt werden. Also, seitdem die synthetischen Sprachausgaben aufkamen.
Es erinnert mich ein wenig an die Sehenden-Diskussionen um den Verlust der Handschrift. Da werden esoterisch anmutende Thesen darüber angestellt, welche Verbindung zwischen der Bewegung der Hand beim Kritzeln und dem Denken bestehen. Wahrscheinlich denken die gleichen Leute auch, der amerikanische Geheimdienst könnte mit Mobilfunkwellen in ihren Kopf schauen.

Mehr Braille als je zuvor

Richtig ist, dass Braille heute präsenter ist als je zuvor: Schauen Sie in den Mediekamenten-Schrank, auf viele Broschüren oder Visitenkarten, Aufzüge, an die Sitze vieler Fernzüge und so weiter.
Es stimmt, dass es in vielen Fällen zu wenig Literatur in Braille gibt. das liegt aber daran, dass die Nachfrage nach solcher Literatur generell rückläufig ist. Es macht keinen Sinn, dass die Braillebibliotheken große Mengen an Büchern vorhalten, die so gut wie gar nicht ausgeliehen werden. Hier macht eventuell ein Print-on-Demand-Service Sinn, also die Produktion eines Buches erst, wenn es nachgefragt wird.

Die Sprachausgabe ist praktischer

Richtig ist aber auch, dass die Sprachausgabe in zahlreichen Fällen praktischer ist. Wenn man nicht von Kindesbeinen an Braille liest, ist es sehr schwer, ein angenehmes Lesetempo zu erreichen. Ich würde grob geschätzt 6 mal so lange brauchen, um meine Arbeit zu erledigen, wenn ich nur mit Braille arbeiten würde. Ja, durch die Übung würde ich irgendwann schneller werden, aber das Tempo der Sprachausgabe würde ich nie erreichen. Und hätte so keine Chance, effizient und konkurrenzfähig zu einem Sehenden zu arbeiten.
Die meisten Personen erblinden heute im Erwachsenen-Alter. Sie lernen wenn überhaupt erst spät Braille. Für sie sind Smartphones und die Lautsprecher nicht der beste, sondern oft der einzige Zugang zu Internet und Technologien.

Kein Verdrängen, sondern ein Nebeneinander

Die Schrift verdrängte das Gedächtnis, das Radio das Schreiben, das Fernsehen das Denken und dank dem Internet gibts kein Fernsehen mehr. Sie haben sich also nur eingebildet, gestern das Dschungel-Camp gesehen zu haben,
Insgesamt hat Braille weder an Bedeutung gewonnen noch verloren. Wie schon häufiger dargestellt geht es eher darum, dass die Gesamt-Zahl blind geborener Kinder und damit der nativen Braille-Leser zurückgeht. Wenn man von den blinden Viel-Lesern, den blinden Akademikern und ein paar anderen Hoch-Qualifizierten absieht, kommen die meisten Blinden tatsächlich ohne Braille oder mit sehr rudimentären Kenntnissen aus. Es sind vor allem die Berufstätigen, die es können sollten.
Richtig ist aber auch, dass das aktive Lesen von Braille im Berufs-Alltag wichtiger wird. Ich glaube, dass korrekte Orthografie und Braille-Lektüre stark miteinander zusammenhängen. Wenn man sich den Unsinn ansieht, den manche Blinde unkorrigiert mit der Spracherkennung eindiktieren zweifelt man daran, dass diese Personen eine Job-Perspektive haben werden.
Ansonsten ist aber klar, dass wir einen Mix unterschiedlicher Zugänge und Technologien brauchen. Für meinen Geschmack sind die smarten Lautsprecher immer noch zu dummm, sie können nach wie vor keine beliebigen Webseiten oder Bücher vorlesen. Wenn man in seinem Alltag Wege gefunden hat, ohne Braille auszukommen, freut mich das für diese Personen.

Die ungelösten Probleme von Braille

Ich bin weit davon weg, ein Experte für Braille zu sein. Mir scheint aber, dass wir die Probleme von Braille nach wie vor ungelöst vor uns herschieben. Der Katzenjammer bringt allerdings relativ wenig, ansonsten würden wir uns bemühen, sie zu lösen. Ich wiederhole sie noch mal, falls Sie einschlafen sollten, holen Sie sich doch eine Koffein-Tablette aus dem Medikamentenschrank, dann können Sie schon mal Braille-Lesen üben. Falls kein Braille auf der Medikamenten-Schachtel drauf steht, schreiben Sie eine böse Mail an den Hersteller.
1. Braille-Druck ist in der gesamten Produktions-Kette zu teuer, sowohl als natives Braille-Buch als auch bei Hybriden aus Braille- und Schwarz-Schrift.
2. Digitale Braillezeilen sind nach wie vor zu teuer. Braille-Schreibmaschinen sind nicht nur teuer, sondern schwer.
3. Braille ist vor allem für ältere Menschen schwer zu erlernen. Das hat natürlich was mit den Problemen des Lernens im Alter zu tun, aber auch mit der hohen Sensibilität, die zum Unterscheiden und Erfassen der Punkte notwendig ist.
Last not least gibt es schlicht zu wenige wohnort-nahe und finanzierbare Angebote für Spät-Lerner. Fast alles findet im Rahmen von Schulen, anderen Blinden-Einrichtungen und dann fast nur als Teil einer blindentechnischen Grundausbildung statt. Für Menschen, die nicht zur Schule gehen oder keine berufliche Reha erhalten ist es kaum möglich, Braille zu lernen. Zumindest in diesem Bereich könnten die Blindenverbände meines Erachtens mehr machen.

Wie der Föderalismus Behinderte behindert

Der deutsche Föderalismus ist historisch gewachsen und mag in vielen Fällen sogar seine Berechtigung haben. Doch gerade für behinderte Menschen erweist er sich häufig genug als Ärgernis.

Irgendwie schwerbehindert

Die Regeln, nach denen man schwerbehindert ist sind bundesweit gleich. Sie sind in der Versorgungs-Medizin-Verordnung, von Pastorentöchtern liebevoll VersMedV abgekürzt festgelegt. Soweit so schön. Sie beantragen also im Land NRW Ihren Schwerbehindertenausweis, können von Münster nach Köln oder umgekehrt umziehen und den Ausweis behalten. Aber ziehen Sie ein paar Kilometer weiter, sagen wir nach Osnabrück oder Koblenz, müssen Sie den Ausweis neu beantragen. Das klingt läppisch, in Wirklichkeit ist es aber so, als ob Sie den Ausweis vollständig neu beantragen würden. Ich fasse das mal zusammen: Land A erkennt Sie als schwerbehindert an, Land B muss Sie noch mal als schwerbehindert anerkennen, obwohl bundesweit die gleichen Regeln gelten. Bei gesetzlich Blinden ist das Ganze sogar noch relativ einfach, wobei es dennoch Monate dauern kann. Zum Beispiel für Menschen, die nach Berlin ziehen, wie ich mir habe sagen lassen. Bei nicht eindeutigen Fällen, also wenn der Schweregrad der Behinderung nicht ohne Weiteres festgelegt wird, kann sich das Verfahren Jahre hinziehen, wobei man in vielen Fällen Widerspruch einlegen muss, was den Prozess um Monate und manchmal Jahre verlängern kann.
Das Ganze ist ein überflüssiger bürokratischer Akt, der nebenbei gesagt nicht nur auf Seiten der behinderten Menschen, sondern auch bei den Behörden viele Ressourcen bindet, die sinnvoller investiert werden könnten.
Nicht eindeutig sind die Regeln, was die Gültigkeit des Behindertenausweises angeht. Als ich in den Nuller Jahren nach Hessen zog, war mein NRW-Ausweis unbefristet. Falls der Messias nicht zurückkehrt, ist bei meiner Behinderung absehbar keine Besserung zu erwarten. Im Land Hessen glaubt man jedoch anscheined an dessen baldige Rückkehr, weshalb der Ausweis auf fünf Jahre befristet wird. Aber natürlich erst, nach dem ich einen deutschen Paß hatte, vorher wurde er auf ein Jahr befristet, weil meine Aufenthaltserlaubnis keine fünf Jahre gültig war, nebenbei bemerkt war ich damals portugiesischer Staatsbürger, also Bürger der Europäischen Gemeinschaft, wie sie damals noch hieß und hatte 20 Jahre in Deutschland gelebt.
Der Wahnsinn ist damit aber noch lange nicht beendet. Wenn Sie nämlich Integrationshilfen wie Arbeitsassistenz, persönliche Assistenz oder Ähnliches vom Land erhalten, dürfen Sie das am neuen Wohnort auch neu beantragen. Muss ich dazu sagen, dass auch diese Anträge Monate oder Jahre dauern können und das kaum ein Arbeitgeber bereit ist, das mitzumachen? Das Prozedere bei der persönlichen Assistenz ist langwierig, selten bekommt man im ersten Anlauf die Stunden bewilligt, die man tatsächlich benötigt. Hoffen wir einmal, dass es mit dem Bundesteilhabegesetz einfacher wird.

Die sozialen Unterschiede

Und die Geschichte ist leider noch immer nicht zu Ende: Denn die Hilfen in den Bundesländern sind sehr unterschiedlich. Meines Wissens ist die Blindenhilfe die einzige finanzielle Hilfe, die bundesweit gewährt wird. Die Blindenhilfe ist einkommensabhängig: Nur wer Sozialhilfe, ALG II oder gar nichts erhält hat Anspruch auf die Blindenhilfe in voller Höhe. In Nordrhein-Westfalen wird die Blindenhilfe in voller Höhe als einkommens-unabhängiges Blindengeld ausgezahlt. Manche Länder zahlen die Hälfte als einkommens-unabhängiges Blindengeld, wer Einkommen hat, muss sich also mit der Hälfte dessen begnügen, was er in NRW erhalten würde.
Schlimmer sieht es jedoch bei anderen Hilfen aus: Das ohnehin nicht besonders üppige Sehbehindertengeld wird nur in wenigen Ländern gezahlt.
Gleiches gilt für das Taubblindengeld. Eigentlich hätten die Hilfen für Taubblinde mit der Einführung des Merkzeichens TBl verbessert werden müssen. Finanzielle Hilfen gibt es jedoch nur in wenigen Bundesländern.
Auch das – nebenbei lächerlich geringe – Gehörlosengeld gibt es nur in einigen Bundesländern. Eventuell kann man dort Sachleistungen beantragen, die aber natürlich immer zweckgebunden und bürokratisch aufwendig zu beantragen sind.

Der Föderalismus schränkt unsere Rechte ein

Nebenbei gesagt sind die zuständigen Stellen auch sehr unterschiedlich. Ich habe mit dem Landschaftsverband Rheinland und dem Landeswohlfahrtsverband Hessen relativ gute Erfahrungen gemacht, was aber nicht unbedingt repräsentativ ist. Dem Vernehmen nach scheinen andere Verwaltungen wie das LAGESO in Berlin deutlich schwieriger zu sein. Man muss sich also noch mit unterschiedlichen bürokratischen Kulturen herumschlagen.
Das Ärgerlichste ist, dass das alles eigentlich nicht sein muss. Wie oben erwähnt gilt die VersMedV bundesweit. Die Kosten für behinderte Menschen hängen eher von der persönlichen Situation als vom Wohnort ab.
Ich bin kein Jurist, aber meines Erachtens verstößt die aktuelle Situation gleich gegen mehrere Prinzipien des Grundgesetzes. Zum Einen ist die Regierung verpflichtet, gleichwertige Lebensverhältnisse sicherzustellen. Das ist nicht gegeben, weil das ohnehin geringe Sehbehinderten- und Gehörlosengeld oft gar nicht gezahlt wird, ebenso wie das Taubblindengeld. Weiterhin dürfen wir uns zwar niederlassen, wo wir wollen – sofern wir eine bezahlbare barrierefreie Wohnung finden – doch ist diese Möglichkeit durch den bürokratischen Aufwand wie oben geschildert eingeschränkt und kann finanziell nachteilig sein. Würde ich fünf Kilometer weiter südlich ziehen,müsste ich meinen Schwerbehindertenausweis beim Land Rheinland-Pfalz neu beantragen, würde weniger Blindengeld bekommen und natürlich kann es immer sein, dass das Land bestimmte Behinderungen gar nicht anerkennt, wodurch ich Nachteilsausgleiche verlieren würde.
Ein Umzug ist selten anstrengungsfrei, doch wird er durch die Bürokratie unnötig schwer gemacht.

Warum Konflikte zur Inklusion dazu gehören

Seitdem ich mich mit dem Thema Inklusion beschäftige – es begann vor ca. 10 Jahren – haben die Konflikte zwischen behinderten Menschen und der Gesellschaft stetig zugenommen. Konflikte gelten generell als etwas Negatives, sie sind aber tatsächlich ein gutes Zeichen. Hier erfahren Sie, warum das so ist.
Die Idee zu diesem Beitrag kam mir nach der Lektüre des Buches von Aladin El-Mafaalani namens Das Integrationsparadox: Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt. Es sei euch hiermit als Lektüre empfohlen, auch wenn es darin um Migration und nicht um Behinderung geht. Es ist auch als Hörbuch in den Hörbüchereien

Früher war gar nichts besser

Schaut man sich die Vergangenheit an, gab es praktisch keine größere Veränderung, die ohne Konflikt ablief. Ein paar Schlagworte mögen reichen: Die verkrusteten Strukturen der BRD wurden erst durch die 68er aufgebrochen, die heutigen Frauen-Generationen profitieren maßgeblich von Kämpfen, die in den 70er und 80er Jahren ausgefochten wurden, die Gleichberechtigung der Afroamerikaner geht auf die gewaltlosen und auch gewalttätigen Proteste der 60er und 70er Jahre zurück. Die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gehen maßgeblich auf die teils sehr blutigen Proteste der Arbeiter zu verschiedenen Zeiten zurück.
Meine These ist, dass man nicht nur eine Regierung braucht, die bereit ist, Veränderungen umzusetzen. Sie braucht auch den sozialen Druck, der auch die öffentliche Meinung in diese Richtung kippen lässt. Insofern kann einer umwelt-bewussten Regierung nichts Besseres als Fridays for Future und Extintion Rebellion passieren. Es scheint eine Art tipping Point zu geben, ab diesem Zeitpunkt wird der Druck auf die Regierung so groß, dass sie zum Handeln gezwungen ist.
Auch die Dynamik, dass ein schlechtes Gesetz wie das aktuelle Klimapaket nachgebessert werden muss, kommt uns bekannt vor, Stichwort Bundesteilhabegesetz. Man könnte meinen die Regierungen probieren aus, was geht und lassen sich erst durch noch mehr Protest dazu bewegen, ein halbwegs vernünftiges Gesetz auf die Beine zu stellen. Nun ja, das aktuelle BTHG ist nicht das Gelbe vom Ei, aber der vorherige Entwurf war deutlich schlimmer.
Früher gab es schlicht deshalb weniger Konflikte, weil sich Behinderte und Nicht-Behinderte nicht begegnet sind. Es gibt nach wie vor die Behinderten-Einrichtungen, in denen man sein ganzes Leben verbringen kann: Man wohnt im Wohnheim, geht in die Werkstatt arbeiten, macht abends den Nährkus, geht in die kleine Kneipe und kauf Produkte des täglichen Bedarfs im Kiosk ein, alles auf dem gleichenGelände. Viele Blinde legen praktisch keine Strecken zurück außer von Zuhause zur Arbeit und zurück. Da die Förderschulen oft in der Großstadt sind, werden die Schüler per Fahrdienst dort hin gebracht und abgeholt. Die einzigen Icht-Behinderten, auf die man trifft sind die Mitarbeiter dieser Einrichtungen.
Mit anderen Worten: Behinderte Menschen waren und sind teilweise bis heute in der Öffentlichkeit praktisch unsichtbar. Wo man aber nicht aufeinander trifft, gibt es auch keine Konflikte.
Solche Dinge wie in diesem Video wären also früher nicht passiert, weil Behinderte gar nicht wahrgenommen wurden, nicht mal als Objekte der Ablehnung.

Insofern kommt die Incluencer-Kampagne der Aktion Mensch zur richtigen Zeit.

De-Organisation der Behinderten

Ein wichtiger Prozess ist die De-Organisation: Viele Probleme wurden früher und werden nach wie vor durch Organisationen durch Aushandlungsprozesse befriedet. Allerdings stagnieren die Mitgliederzahlen oder sind sogar rückläufig. Das gilt etwa für Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und so weiter.
Wie stark das für Behinderten-Verbände gilt, weiß ich nicht. Mein Eindruck ist allerdings, dass vor allem junge Behinderte kaum noch Mitglied in einem Verband sind. Dazu trägt auch die Inklusion bei, junge Blinde sehen sich in erster Linie als jung und nicht als blind. Sie kommen weniger in Kontakt mit der Blindenszene und sehen vielleicht nicht die Notwendigkeit, in den Verband einzutreten.
Das heißt aber auch, dass sie die Möglichkeiten des Verbandes nicht kennen, Einfluß zu nehmen. Sie sind häufig eher bereit, den persönlichen Kontakt zu suchen und zu eskalieren, wenn sie unzufrieden sind.
Das ist unter anderem dank dem Internet und Social Media deutlich einfacher geworden. Und auch die lokale Presse lässt sich leicht für solche Konflikte gewinnen. Ob die Eskalation in jedem Fall sinnvoll ist, lasse ich mal dahin gestellt.
ePetitionen und Shitstorms sind eine weitere Möglichkeit, Druck auszuüben. Mein Eindruck ist, dass Petitionen mehr als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden, als für sich selbst wirksam zu sein. Change.org und ähnliche Plattformen haben keine rechtliche Wirkung, da sie nicht von öffentlichen Stellen betrieben werden. Ich bin ehrlich gesagt auch kein Freund von Shitstorms und beteilige mich an solchen Protesten nicht, aber das ist ein anderes Thema.
Und natürlich gibt es die klassischen Protestformen wie Demos, Blockaden und so weiter. Sie werden zwar auch von den klassischen Verbänden, aber gerne auch an ihnen vorbei organisiert. Moderne Kommunikationskanäle machens möglich.
Es hängt natürlich vom Verband ab, aber generell scheinen Einzelpersonen und unabhängige Personengruppen eher bereit, Konflikte mit der Öffentlichkeit einzugehen. Da viele Verbände mittlerweile bei Gesetzgebungs-Prozessen einbezogen sind, sitzen sie oft genug den Leuten gegenüber, gegen die sich der Protest der Nicht-Organisierten richtet.
Und tatsächlich ist es so, dass die Verbände nicht unbedingt alle Themen auf dem Schirm haben, die für die jeweilige Person wichtig sind Oder dass sie schnell genug reagieren können. Last not least haben viele lokale Vereine gar nicht mehr die Personalstärke, um mehr als das unbedingt Notwendige zu machen und manchmal wird nicht einmal das gemacht. Vielleicht wächst eine neue Generation von behinderten Menschen heran, die mehr auf Ad-Hoc-Aktionen setzt und so schnelle Ergebnisse erreicht.

Es gibt Konflikte und Konflikte

Konflikte an sich sind weder gut noch schlecht. Ihre Austragung kann allerdings so oder so erfolgen. Für meinen Geschmack sind viele Aktivisten aus der Behinderten-Szene zu aggressiv und zu persönlich. Sie nehmen es dann mit den Fakten auch nicht so genau. Viele Konflikte werden zu schnell eskaliert.Oft genug ist das persönliche Gespräch, das am Anfang stehen sollte gar nicht gesucht worden. Ich habe häufig den Eindruck, dass da eher persönliche Fehden ausgetragen und Ressentiments gegen “die da oben” verstärkt werden.
Auch das finden wir in allen Minderheiten-Gruppen, ich habe mich aus der Migrations-Szene weitgehend verabschiedet, weil mir die ton-angebenden Personen zu undifferenziert sind.
Man sollte nichts von den Anderen einfordern, zu dem man selbst nicht bereit ist: Kritik-Fähigkeit, die Bereitschaft, Fehler zuzugeben, eine Position angreifen, nicht aber die Person, ein höflicher und zwischenmenschich respektvoller Umgang, jedem die Möglichkeit lassen, das Gesicht zu bewahren. Ich sage immer, wer nicht im gleichen Maße einstecken kann, sollte gar nicht erst austeilen.

Fazit

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein Konflikt ist nicht für sich genommen gut. Wir alle würden uns gerne für positive Dinge engagieren anstatt gegen schwachsinnige Gesetze wie RISG oder andere Formen der Ausgrenzung zu demonstrieren. Konflikte sind kein Wert an sich.
Allerdings müssen wir uns von der Idee verabschieden, dass die Inklusion konfliktfrei umgesetzt werden wird. Im Gegenteil: Je mehr Inklusion, desto mehr Konflikte werden sich ergeben.

Verkehrswende barrierefrei – was Behinderung und Klimaschutz gemeinsam haben

Der Klimaschutz wird zurecht in vielen Medien diskutiert. Eines der wichtigsten Anliegen dabei ist eine Verkehrswende. Seltsamerweise höre ich da kaum Stimmen von behinderten Menschen oder ihren Verbänden, Auf den Veranstaltungen zu diesem Thema kommen die Anliegen behinderter und älterer Menschen im Grunde nicht vor. es ist Zeit, das zu ändern.
Kleines Update: Ich wurde gefragt, ob dieser Beitrag etwas mit dem Verkehrsunfall in Berlin zu tun hat, an dem ein SUV beteiligt war. Dem ist nicht so, ich hatte den Beitrag in der Schublade und ihn zufällig an diesem Wochenende fertig geschrieben. Von dem Unfall habe ich nur am Rande gehört. Leider ist es so, dass viele moderne Autos eher sportlich gestaltet sind, das scheint ein Synonym für unbequem zu sein. Für viele ältere Leute ist es schwierig, in konventionelle Autos einzusteigen, übrigens auch in die nicht bordstein-gleichen Busse. Wie ich an anderer Stelle schrieb hat die Regierung nicht nur den Klimawandel, sondern auch den demografischen Wandel verschlafen. Vielmehr scheint sie paralysiert zu sein und nicht in der Lage, auf die Probleme unserer Zeit adequate Antworten zu finden. Mein Beitrag richtet sich nicht gegen SUVs oder bestimmte Autos, sondern gegen den motorisierten Individualverkehr als solchen.

Der tägliche Verkehrsinfarkt

Niemand ist mit der heutigen Verkehrssituation in der Großstadt zufrieden: Pendler stehen im Stau, die Öffis sind die meiste Zeit überfüllt, verspätet und unzuverlässig, Fahrradfahrer leben gefährlich und die Fußgänger werden so behandelt, als ob sie nicht existieren.
Auf dem Land finden wir das Gegenteil: Es gibt teilweise keine Verkehrsversorgung, so dass die Menschen von der Großstadt ohne eigenen fahrbaren Untersatz praktisch ausgeschlossen sind. Das gilt natürlich auch für Behinderte, die nicht in der Stadt leben wollen oder können. Motorisch Behinderte sind viel stärker von der Wohnungsknappheit betroffen, weil sie barrierefreie Wohnungen und Zugänge brauchen. Diese Wohnungen sind vor allem in den Ballungszentren praktisch nicht mehr zu bekommen. Behinderte sind deshalb oft gezwungen, in die Peripherie der Städte oder aufs Land mit der schlechten Infrastruktur zu ziehen.

Keine Verkehrswende ohne uns

Das Problem der Verkehrswende lässt sich klar in einem Satz zusammenfassen: Die Politik traut sich nicht an einen großen Wurf heran, der aber notwendig wäre. Stattdessen doktert sie an einzelnen Symptomen herum, die das Problem aber eher verschärfen. Jüngstes Beispiel dafür sind die Elektro-Scooter. Ein paar Radwege, Elektro-Ladestationen und Elektro-Autos lösen aber exakt kein einziges Problem, sie werden selber zu einem Problem. Als Super-Lösung erscheint das Fahrrad.
Nun bin ich durchaus ein Freund der Fahrradisierung der Innenstadt. Aber nicht unter heutigen Bedingungen. In Bonn gibt es jetzt schon viele Bürgersteige, die wegen abgestellter Fahrräder, anderer Fahrzeuge und dem ganzen anderen Zeug für Behinderte unbenutzbar sind. Das gilt für Blinde mit ihrem Blindenstock, für Rollstuhlfahrer, für Rollator-Nutzer, für Personen mit Kinderwagen und so weiter. Auf die Straße auszuweichen ist teils nicht machbar und teils gefährlich. Wir können uns lebhaft vorstellen, was passiert, wenn auf den Bürgersteigen noch mehr Fahrzeuge, Ladestationen und so weiter dazu kommen.
Hinzu kommt, dass auch die Fahrradfahrer selbst eine Bedrohung sind. Ich stelle jeden Tag fest, dass auf Personen mit einem Blindenstock gar keine Rücksicht genommen wird. Warum muss man trotz ausreichend breiter Wege 10 Zentimeter an mir vorbei rasen, obwohl man den Stock genau gesehen hat? Ich kann nicht anders als das als asoziales Verhalten zu bewerten.
Die Fahrradfahrer fordern mehr Rücksichtnahme von Autofahrern. Gegenüber Fußgängern verhalten sie sich aber wie Rambos auf zwei Rädern. Ich habe tatsächlich nichts dagegen, wenn sie auf den Bürgersteigen unterwegs sind, aber mir leuchtet nicht ein, warum sie das nicht in einem vernünftigen Tempo tun. Wenn alle künftigen Radfahrer sich so verhalten, dann verzichte ich lieber auf die Verkehrswende. Nicht die Fahrradfahrer, sondern die Fußgänger und andere Nutzer des Bürgersteigs sind die am meisten gefährdete und behinderte Gruppe im Straßenverkehr.

Was zu tun ist

Man muss kein Verkehrs-Experte sein, um das Notwendige auszusprechen. Offenbar fällt es aber doch dem Laien, also mir, zu. Das Problem ist, dass wir den großen Wurf brauchen, denn das Rumgefrickel der letzten 40 Jahre hat die Probleme nur verschärft. Es müssen mehrere Maßnahmen parallel durchgeführt werden:

  • Der private Autoverkehr muss weitgehend aus der Innenstadt verschwinden. Das Car-Sharing muss konsequent gefördert werden, denn die meisten privaten autos stehen die meiste Zeit ihrer Existenz ungenutzt herum und tun nichts, als Platz weg zu nehmen.
  • Die Auto-Parkplätze insbesondere in den Innenstädten müssen reduziert und zu Abstellplätzen für Fahrräder und andere Kleinfahrzeuge umgestaltet werden. Am besten überdacht und mit einem passablen Diebstahlschutz.
  • Der ÖPNV muss massiv ausgebaut, billiger, zuverlässig und barrierefrei werden.
  • Das Tempo in der Innenstadt muss heruntergefahren werden: Tempo 30 ist vollkommen ausreichend. Parallel sollen Fahrräder und andere Klein-Fahrzeuge dazu berechtigt sein, die Straßen zu nutzen und zwar gleichberechtigt mit den verbleibenden Groß-Fahrzeugen. Den Groß-Fahrzeugen müssen sämtliche Vorrechte entzogen werden, die sie aktuell auf der Straße genießen. Es müssen keine neuen Radwege gebaut werden, für die in der Innenstadt ohnehin kein Platz wäre.
  • Die Bürgersteige sollen den Fußgängern, Rollstuhlfahrern, Rollator-Nutzern und anderen langsamen Personen vorbehalten bleiben, Maximal-Tempo 6 km/h. So können auch ältere Menschen, die elektro-Kleinfahrzeuge verwenden wollen, sich aber nicht auf die Straße trauen mobil bleiben. Die Kommunen müssen dafür sorgen, dass ausreichend komfortabel nutzbare Flächen freibleiben. Slalom-Laufen ist keine Lösung. In jedem Fall muss so viel Platz sein, dass zwei Personen aneinander vorbeigehen können, ohne dem Anderen auf die Pelle zu rücken.
  • Es braucht flexible und günstige Lösungen, auch für Behinderte, um Zentrum und Peripherie besser miteinander zu verknüpfen. Eine Möglichkeit sind barrierefreie Anruf-Sammeltaxis oder barrierefreies Car-Sharing.
  • Die Fußgänger und andere langsame Nutzer des Bürgersteiges sollen als gleichberechtigte Partei neben Klein- und Großfahrzeugen wahrgenommen und behandelt werden.

Es versteht sich von selbst, dass man für besonders herausgeforderte Personen wie Familien mit kleinen Kindern, Gehbehinderte, chronisch Kranke und so weiter besondere Lösungen braucht. Für den gesunden Durchschnitts-Bürger hingegen muss das Privat-Auto möglichst unattraktiv und der ÖPNV im gleichen Zuge möglichst attraktiv werden.
Heute ist genau das Gegenteil der Fall: Wer nicht muss, nutzt den ÖPNV nicht. Die Deutsche Bahn hat ihre Zuverlässigkeit in den letzten Jahren offenbar systematisch verschlechtert. Wir haben wie in vielen Bereichen seit Jahrzehnten Stillstand.
Weiterhin wird bei der Verkehrswende der zweite Schritt vor dem ersten gemacht: Der erste Schritt wäre, die Mobilitätsanlässe drastisch zu reduzieren. Zu den möglichen Maßnahmen gehören der Ausbau des Internet-Zugangs auch in der Peripherie, ein funktionierendes eGovernment, eine großzügige Home-Office-Regelung und der konsequente Einsatz von Fern-Kommunikation, um unnötige Dienstreisen zu verringern. Auch das sind Maßnahmen, von den viele behinderte Menschen profitieren könnten.

Fazit

Die Verkehrswende ist nur ein Aspekt, der uns beim Klimawandel betrifft. Vieles spricht dafür, dass uns Behinderte der Klimawandel besonders treffen wird. Fast alle Behinderten leben in Entwicklungsländern. Sie sind nicht mobil und den Folgen von Dürre und Überschwemmungen praktisch schutzlos ausgeliefert. Doch auch hierzulande sind viele Betroffen. Das Thema Strohhalme mag uns banal erscheinen, für die Betroffenen ist es durchaus relevant.
Umso wichtiger ist es, dass sich mehr Behinderte bei den Diskussionen um den notwendigen Wandel einbringen.
Ich finde es bedauerlich, dass einige Beteiligte versuchen, einen Generationen-Konflikt aufzumachen. Wenn eine Verkehrswende vernünftig gestaltet wird, können alle profitieren: Die Kinder und die Jugend, die Mittel-Alten und die Senioren. Denn im Grunde, das schrieb ich oben, ist niemand mit der heutigen Situation in den Städten zufrieden, selbst die Autofahrer wünschen sich heimlich, dass es weniger Autoverkehr und weniger aggressives Verhalten auf den Straßen gäbe.

Zum Weiterlesen

Barfuß-Schuhe – Vorteile für Blinde

Heute gibt es einen gänzlich untechnischen und uniklusiven Beitrag: Es geht um das Thema Barfuß-Schuhe und Blindheit. Für Sehende dürfte dieser Beitrag weniger interessant sein.

Was sind Barfuß-Schuhe

Barfußschuhe sollte man korrekter als Minimal-Schuhe bezeichnen. Sie haben eine sehr dünne Schuh-Sohle und auch der Rest ist sehr minimalistisch gestaltet. Sie sind sehr leicht, leichter als Sandalen oder als viele Hausschuhe.
Blinde Personen können von dem Trend zum Barfuß-Gehen profitieren. Das Gehen mit nackten Füßen ist für Blinde eher schwierig. Sie können weniger gut Pfützen, Scherben, Dreck und anderen Problemen ausweichen. Deswegen ist das Gehen mit Barfuß-Schuhen oder Minimal-Schuhen für uns sinnvoller. Gerade beim Laufen auf Wiesen besteht das Risiko, sich Zecken einzufangen oder mit anderen teils gefährlichen Insekten in Kontakt zu kommen, deshalb bin ich kein Freund des reinen Barfuß-Gehens.
Vorneweg sei vor all zu hohen Erwartungen gewanrt: Barfuß-Gehen gilt als das neue Allheilmittel. Weil Barfuß-Gehen zu unserer Natur gehört, soll es auch gut sein. Das ist in aller Regel Unsinn. Im Gegenteil: Ein zu schneller oder unsachgemäßer Umstieg kann schwere Schäden verursachen und dann ist die Kur schlimmer als das Problem, welches damit gelöst werden sollte, aber vielleicht gar nicht existiert oder andere Ursachen hat. Bei einer Vorschädigung des Haltungs-Apparats sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden, bevor man die Schuhe zuhause lässt.
Das Barfuß-Gehen die natürlichste Fortbewegungsart ist, mag stimmen. Doch auch wenn der Mensch zu hoher Bequemlichkeit neigt, haben viele Erfindungen ihren tieferen Sinn. Unsere Vorfahren sind überwiegend auf weichen Gründen gelaufen, wir laufen fast immer auf harten Böden, so dass wir beim Barfuß-Laufen abfedern müssen. Die tausendfachen Stöße beim Gehen auf harten Böden können insbesondere den Füßen, den Gelenken, Knien und dem Rücken schaden.

Die Vorteile für Blinde

Blinde rutschen häufig von Bürgersteigkanten ab, wobei der Fuß umknicken kann. Verstauchungen und Verletzungen sind bei Blinden relativ häufig. In konventionellen Schuhen bleibt der Fuß unbeweglich, die Sohle ist steif und häufig hat sie kein gutes Profil, wodurch der Fuß weniger in der Lage ist, ungerade Ebenen auszugleichen. Tritt man zuerst mit der Verse auf, erhöht sich das risiko, dass man Höhenunterschiede schlechter erkennt und ausgleichen kann.
Ist der Fuß nackt bzw. steckt in einem Schuh mit flexibler Sohle, tritt man anders auf. Höhenunterschiede können früher erkannt und frühzeitig ausgeglichen werden. Der Fuß kann außerdem durch seitliche Drehungen mit leichten Höhenunterschieden besser umgehen, weil er beweglicher ist.
Durch die dünnere Sohle von Minimalschuhen haben wir ein stärkeres Gespür für die Boden-Beschaffenheit. Gerade in der freien Natur empfinden es viele Menschen als angenehm, durch Gras, Sand oder Kies zu laufen. Da Blinden die visuelle Dimension fehlt, kommt für sie durch das Nutzen von Minimalschuhen eine neue Wahrnehmungs-Dimension dazu. Dieses neue Feeling kann sehr angenehm sein.

Anderes Gehen

Zu beachten ist, dass das Gehen in Barfuß-Schuhen sowie barfuß anders ist als das Gehen in konventionellen Schuen. Im Allgemeinen ist die Schrittlänge kürzer, das Auftreten weicher und der Gang langsamer. Das liegt daran, dass die Füße die Aufgabe der Dämpfung übernehmen müssen.
Wichtig ist, weich aufzutreten und abzurollen. Treten wir auf wie bei normal gepolsterten Schuhen, würden wir die Fußgelenke, die Knie, die Wirbelsäule und den Rest des Körpers bei jedem Schritt einem starken Stoß aussetzen. Auf Dauer würde das enormen Schaden anrichten. Deswegen sollte auch jeder mit einer Vorschädigung im Haltungsbereich zumindest einen Facharzt befragen, bevor er umsteigt. Die populäre Behauptung, man solle auf dem Vorfuß statt auf der Ferse auftreten, scheint falsch zu sein.

Bessere Orientierung und reichere Sinnes-Wahrnehmung

Barfuß-Schuhe können zu einer besseren Orientierung beitragen. Zwar sind die Böden in der Stadt im Wesentlichen gleich und weisen wenige spezifische Merkmale auf. Doch sind sie durchaus vorhanden: Es gibt Böden mit Rillen, mit unterschiedlichen Formen von Pflastersteinen, es gibt Gullis minimale Unebenheiten und noch einiges mehr. Das kann einem gerade bei Wegen, die man häufig läuft bei der Nah-Orientierung helfen. Man kann diese Eigenheiten mit Barfuß-Schuhen deutlich leichter erspüren als mit unflexiblen Schuhen.
Ein schöner Nebeneffekt ist, dass die Sinnes-Wahrnehmung bereichert wird. Jeder Blinde setzt seine Hände konsequent ein. Doch die Füße können ähnlich interessante Sinnes-Eindrücke vermitteln, das Potential ist groß, wird aber durch Schuhe und Socken verkümmert.

Nachteile für Blinde

Die Vor- und Nachteile von Barfuß-Schuhen im Allgemeinen sind viel diskutiert worden. Deshalb möchte ich hier nur auf die Nachteile für Blinde eingehen.
Die Schuhe sind vergleichsweise niedrig. Dadurch wirkt es sich stärker aus, wenn man etwa durch Pfüttzen läuft. Das Wasser schwappt bei tieferen Pfützen über den Rand des Schuhes, außerdem können die Hosenbeine schneller verschmutzt werden. Als ich eines Morgens über eine Wiese lief, hatte ich relativ viel Dreck an den Hosenbeinen eingesammelt, ohne es zu merken.
Da die Polsterung fehlt, können Sachen, die einem auf den Fuß fallen oder gegen die man tritt wesentlich mehr Schmerzen verursachen bzw. das Verletzungsrisiko erhöht sich. Man sollte in jedem Fall Schuhe verwenden, bei denen der Zehenbereich zusätzlich geschützt ist.

Fazit

Barfußschuhe gibt es in allen möglichen Varianten und Sohlen-Stärken. Am besten lässt sich im Fachgeschäft beurteilen, welches Modell zum eigenen Laufstil passt. Man sollte zunächst ein einziges Paar der avisierten Marke kaufen. Denn erst draußen stellt sich heraus, ob es sich in den neuen Schuhen gut läuft.
Am Ende muss jeder selbst entscheiden, was für ihn am beste funktioniert. Am Anfang sollte man es auf jeden Fall nicht übertreiben. Es dauert einige Monate, bis sich Muskeln, Sehnen und Faszien angepasst haben. Das heißt, am Anfang sollte man eher kurze Strecken damit gehen.
Ich habe mit günstigen Surfschuhen angefangen, um erst mal auszuprobieren, wie gut es funktioniert. Erst später bin ich auf bessere Schuhe umgestiegen.

Warum wir konstruktiver mit Behinderung umgehen müssen

Heute muss ich euch ein Geständnis machen – ich lese relativ wenige Beiträge zum Thema Behinderung – sei es Media classic oder Social Media. Das hat viele Gründe, unter anderem kommt da nichts mehr wahnsinnig Neues, wenn man schon fast zehn Jahre dabei ist. Ein anderer Grund ist aber, dass mich die Berichte auf Dauer frustrieren. Ich plädiere deshalb für einen konstruktiveren Umgang mit dem Thema Behinderung in den klassischen und sozialen Medien. Konstruktiv ist hier im Sinne von Constructive journalism gemeint, heißt, dass man den Fokus nicht nur auf negative Entwicklungen legt, sondern auch über positive Entwicklungen berichtet.

Behinderung ist nicht so schlimm oder?

Es gibt einen Grund-Widerspruch in der Behinderten-Bewegung, den sie bislang nicht auflösen konnte: Einerseits möchte sie zeigen, dass Behinderte durchaus nicht unglücklich sind, ein gutes Leben führen können, selbständig sein können und so weiter. Von den Medien wird gefordert, dass sie Behinderte nicht nur als Opfer darstellen sollen.
In der Praxis sind aber 90 Prozent der Beiträge, die von behinderten Menschen kommen und über ihre Situation handeln negativ gefärbt. Ich verzichte hier auf Beispiele, ihr mögt euch selbst einen Überblick verschaffen. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass in den klassischen Medien Behinderte häufig als Helden oder Opfer dargestellt werden, die Journalisten haben im Web recherchiert, wie es von ihnen erwartet wird und das ist das Ergebnis ihrer Recherche.
Nun liegt es in der Natur der Sache, dass Positives keinen Nachrichtenwert hat: Heute 100 Prozent der Flugzeuge sicher gelandet wird man wahrscheinlich nie in der Zeitung lesen. Und natürlich handelt es sich in jedem Fall um authentische, persönliche Erfahrungen, über die dieses Individuum das erste Mal berichtet.
In summa zeichnen diese Berichte aber kein positives Bild darüber, wie es ist, eine Behinderung zu haben. Und wenn man mehrere dieser Berichte von unterschiedlichen Individuen gelesen hat, verdichtet sich dieses negative Bild zur Gewissheit. Es gibt einen Effekt der Selbstverstärkung: Je mehr negative Erfahrungen man liest, desto stärker verdichtet sich das negative Bild und zwar sowohl bei Nicht-Betroffenen als auch bei Betroffenen selbst, obwohl Letztere es ja besser wissen sollten.
Kennt ihr das: Wenn doch mal jemand etwas Positives berichtet, wird früher oder später jemand kommen, der sagt, das sei die Ausnahme oder er wirft eine negative Erfahrung ein, was dann eine Kaskade an weiteren negativen Erfahrungen nach sich zieht. Anscheinend neigen wir eher dazu, negative Erfahrungen als den Regelfall zu betrachten und positive als Ausnahme.
Wenn umgekehrt jemand über negative Erfahrungen berichtet, wird man wahrscheinlich nur einzelne positive Stimmen finden. Die Meisten werden zustimmen, kurioserweise auch Nicht-Behinderte, die über gar keine eigene Erfahrung verfügen.
Auch das wirkt sich auf diejenigen aus, die gerade erst behindert geworden sind. Da sie selbst keine Erfahrungen machen konnten, haben sie keine andere Wahl, als diese Äußerungen für bare Münze zu nehmen. Was aber macht es auf Dauer mit den Leuten, wenn sie auf Dauer nur negativen Aussagen hören?

Frisch Behinderte vom Internet fernhalten?

Gelegentlich erreichen mich Anfragen von Personen, die frisch erblindet sind oder ihren Angehörigen, in der Regel Hilfeanfragen von Leuten, die auf meine Website gestoßen sind. Ich leite sie zum Blindenverein weiter, da ich nicht geeignet oder legitimiert bin, anderen Personen in dieser Situation zu helfen. Doch häufig berichten sie mir, dass sie sich schon auf Website X oder im Forum Y umgesehen haben und ob die Gesellschaft tatsächlich so blindenfeindlich sei.
Ich muss die Leute dann erst mal beruhigen: Ja, es gibt viele Probleme und es gibt viele Personen, die nicht hilfsbereit sind. Doch im Großen und Ganzen funktioniert es und die meisten Leute sind hilfsbereit oder guten Willens, aber unsicher.
Faktisch könnte ich den Betroffenen aber mit wenigen Ausnahmen keine Website oder Blog empfehlen, wo sie sich einen anderen Eindruck verschaffen könnten – inklusive meinem, da ich mehr über Barrierefreiheit als über Blindheit schreibe.
Nebenbei fällt mir auf, wie humorfrei die deutsche Behinderten-Szene ist. Mit ein paar Ausnahmen – die machen das in der Regel beruflich – könnte ich wiederum keine Website empfehlen, die humorvoll mit dem Thema Behinderung umgeht. Ich tue das ein wenig auf Twitter, bin da aber meiner Wahrnehmung nach die Ausnahme.
Interessant wäre in dem Zusammenhang, welchen Effekt das auf junge Engagement-Willige mit Behinderung hat. Wenn sie sich auf InstGramm oder Twitter die Kanäle jetziger Aktivisten anschauen, wird sie das motivieren, sich im Bereich Behinderung zu engagieren? Oder werden sie sich anderen Themen wie etwa dem Klimaschutz zuwenden. Ich sehe durchaus die Gefahr, dass der Behindertenbewegung der Nachwuchs ausgeht.

Was tun?

Hier also meine Lösungsvorschläge:
1. Es braucht neben den legitimen negativen Berichten auch positive Erfahrungen. Ich behaupte mal, fast alle Berichterstatter könnten über mehr positive als negative Erfahrungen berichten. So ließe sich auch ein negativer Bericht mit einem positiven Fazit schließen. Es verzerrt die Realität, wenn einem 999 Mal geholfen wird, man aber über das eine Mal berichtet, wo das nicht geschehen ist.
2. Ein wenig Humor schadet nicht. Ab und zu mal eine Anekdote oder ein Witz helfen gerade neu Betroffenen. Damit ist übrigens kein Sarkasmus gemeint, den versteht nämlich keiner und lustig ist er auch nicht.
3. Wenn man keinen positiven Effekt erzielen kann, sollte man sich überlegen, ob man nicht auf den Bericht verzichtet. Positiv heißt in dem Zusammenhang, dass man eine positive Änderung anstößt, jemanden zum Nachdenken bewegt oder einen Menschen positiv erreicht, der bisher nicht informiert war. Nicht positiv ist, die Leute zu erreichen, die ohnehin schon bekehrt waren, möglichst viele Likes und Retweets oder viele zustimmende Kommentare zu bekommen. Hier mal ein schönes Zitat von Sokrates, das wohl jede Generation nach ihm unterschreiben würde:

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

Heißt, wann immer man sich negativ über die Gesellschaft äußert, wird man zustimmende Kommentare bekommen. Die “Früher-war-alles-besser”-Fraktion neigt wie wir alle dazu, die Vergangenheit zu verklären. Wir alten Hasen wissen das natürlich und können mit einem nachsichtigen Lächeln oder Kopfschütteln über solche Bemerkungen hinweg sehen. Doch sowohl die frisch Betroffenen, ihre Angehörigen, aber auch die vielen Unbeteiligten können das nicht ohne weiteres und gerade für sie sollten wir mehr Verantwortung übernehmen.
4. Sprecht mehr persönlich miteinander: Das befremdlichste Phänomen auf Facebook sind Berichte von Behinderten, die über negative Erfahrungen mit ihren Mitmenschen berichten. Fragt man nach, kommt heraus, dass sie mit den Personen, die den Ärger verursacht haben gar nicht gesprochen haben. Natürlich ist das eine Form des Coping, also des Umgangs mit angestautem Frust. Andererseits hat dieses Coping für die Leser des Beitrages eher den gegenteiligen Effekt, ihr Frust steigt, weil die Welt so ungerecht zu Behinderten ist.
Abschließend passend zu diesem Beitrag ein weiteres Zitat von Sokrates:

Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“
„Warte einmal, „unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht.
„Lass es uns ausprobieren,“ schlug Sokrates vor.
„Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“
„Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“
„Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“
Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil….“
„Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“
„Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann.
„Nun,“ sagte Sokrates lächelnd, „wenn die Geschichte, die du mir erzählen willst, nicht wahr ist, nicht gut ist und nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“

Wie die Wirtschaft von Barrierefreiheit profitieren kann

Der European Accessibility Act ist soeben verabschiedet worden. Er verpflichtet Teile der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit, darunter Banken, Buchverlage und Online-Shops. Ob die schon von ihrem Glück wissen?
Da unsere Wirtschaft von kurzfristigem Denken geprägt ist, sehen sie die Vorteile der Barrierefreiheit für sich nicht. Gerade deswegen sind Verpflichtungen sinnvoller als Freiwilligkeit. Das möchte ich in diesem Beitrag näher ausführen.

Das Kosten-Dilemma

Im Grunde würde der Staat der Privatwirtschaft einen Gefallen tun, wenn er sie zur Barrierefreiheit verpflichtet. Ich muss zur Erklärung ein wenig ausholen.
Barrierefreiheit ist natürlich ein Kostenfaktor – das lässt sich nicht leugnen. Die bestehende Infrastruktur muss umgebaut werden. Die Kosten sind teils recht hoch, vor allem, wenn es um Umbaumaßnahmen geht. Es gibt aber keine Verpflichtung, Einzelne müssten also vorpreschen und es umsetzen. Die Kosten dafür müssen auf die Produkte umgelegt werden, anders geht es ja in der Wirtschaft nicht. Wenn ich aber anfange und meine Konkurrenten nicht nachziehen, werden meine Produkte teurer. Die kostenbewussten Käufer gehen aber dorthin, wo die Produkte am billigsten sind. Diesbezüglich brauchen wir uns nichts vorzumachen, Barrierefreiheit ist real genau so wenig ein Attraktor wie Bio.
Wenn aber alle Barrierefreiheit umsetzen müssen, relativiert sich das Ganze. Alle Produkte werden ein wenig teurer, aber der nicht-barrierefreie Konkurrent hat keinen Kostenvorteil. Erforderlich sind dafür aber einheitliche Standards.
Klar ist aber auch: Ohne eine kräftige Förderung wird es nicht gehen. Kleinbetriebe wie Arztpraxen können die Kosten eines barrierefreien Umbaus kaum stämmen. Wenn es aber nur eine oder gar keine barrierefreie Arztpraxis gibt, schränkt das die Wahlfreiheit von gehbehinderten Menschen ein. Wobei Arztpraxis durch einen beliebigen anderen Begriff wie Arbeitsplatz, Apotheke oder Restaurant ersetzt werden kann. Und Gehbehinderte sind das anschaulichste Beispiel, wir können jede andere Behindertengruppe nehmen.

Der Vorteil für die Anbieter

Längerfristig betrachtet haben die Anbieter Vorteile, die auf Barrierefreiheit setzen. Der demografische Wandel ist oft thematisiert worden, aber die Folgen scheinen den Beteiligten nicht klar. Ein Großteil der Bevölkerung kommt in ein Alter, wo sie Einschränkungen in der Beweglichkeit, in den Sinneswahrnehmungen und in der kognitiven Verarbeitungsfähigkeit haben werden. Die Schwelle, wo das zu leichten Einschränkungen führt beginnt weit vor dem, was amtlich als Behinderung anerkannt wird. Diese Menschen werden Probleme haben, Produktbeschriftungen, Speisekarten oder Bedienungsanleitungen zu lesen. Die Beipackzettel von Medikamenten sahen ja schon immer so aus, als ob sie für die Lektüre durch Ameisen ausgelegt waren, irgedwann wird sie keiner mehr ohne Lupe lesen können.
Heißt konkret, auch wenn man keinen Rollstuhl oder Rollator braucht, wird man Probleme haben, eine Treppe hochzukommen. Im Zweifelsfall wird man also das Café vorziehen, wo man keine Treppe steigen muss und die Speisekarte ohne 200 Prozent Zoom lesen kann. Das gilt im übrigen auch, wenn man ansonsten noch relativ fit ist und längere treppenfreie Strecken problemlos laufen könnte.
Übrigens sind das – bei aller berechtigten Kritik an der Altersarmut – die Personen, die mehr Geld und mehr Freizeit haben als die hippen Jugendlichen und jungen Familien, die als bevorzugte Zielgruppe gelten. Teile der Tourismusbranche haben das zumindest schon erkannt.
Die Wirtschaft spürt das sicherlich auch schon, sie sind ja nicht dumm. Doch dürfte hier das Kostendilemma durchschlagen, das ich oben beschrieben habe. Leider taugen Apple und Co. hier nicht als Beispiel. Sie spielen gewinn- und umsatzmäßig in der höchsten Liga.

Barrierefreiheit spart auf lange Sicht Geld

Der Wohnungsmarkt ist für gehbehinderte Menschen eine Katastrophe. Rollstuhlgeeignete Wohnungen müssen häufig bundesweit gesucht werden. Der Umbau einer bestehenden Wohnung ist wenn überhaupt möglich für eine Privatperson mit durchschnittlichem Einkommen kaum zu stämmen. Denken wir an Rollatoren, wird der Bedarf in den nächsten Jahren stark steigen. Wohnungen, die jetzt nicht barrierefrei sind müssen teuer nachgerüstet werden.
Krankenkassen und andere Träger stöhnen schon heute über die Kosten, die sie für Reha und Hilfsmittel übernehmen müssen. Wie wird das aber aussehen, wenn ein Viertel der Bevölkerung darauf angewiesen ist?
Anderes Beispiel: Es ist nicht recht nachvollziehbar, warum die neuen ICEs nicht mit schwellenlosen Zugängen oder integrierten Rampen versehen sind. Die Mobilitätszentrale ist zweifellos bemüht, doch schränkt sie am Ende des Tages die Wahlfreiheit und Flexibilität gehbehinderter Menschen auf eine Weise ein, die nicht tolerierbar ist.
Ich könnte auf diese Weise noch viele Beispiele aneinander reihen. Die Kosten durch mangelnde Barrierefreiheit sind enorm, nur dass sie heute im Wesentlichen nicht durch die Firmen, sondern durch den Staat und die Sozialversicherungen, also durch uns alle getragen werden. Wie ich oben gezeigt habe, wird das nicht mehr lange gut gehen, deshalb sollte der Staat einheitliche Vorschriften zur Barrierefreiheit schaffen.
Barrierefreiheit strategisch umsetzen

Community-finanzierte Hilfsmittel – was Spenden und Crowdfunding bewirken können

Viele Menschen mit Behinderung benötigen Hilfsmittel im Alltag oder zur Nutzung eines Computers. Einige Hilfsmittel erleichtern bestimmte Aufgaben, andere Technologien sind unverzichtbar.
Leider sind viele Hilfsmittel für Privatpersonen unerschwinglich. Ein Screenreader – das ist ein Programm, mit dem Blinde ihren Computer bedienen können – kostet zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Ein Braille-Display, das Inhalte des Computers als Blindenschrift ausgibt kostet bis zu 10.000 Euro. Deshalb sind Menschen mit Behinderung oftmals mit veralteter Technik oder Software konfrontiert, während ihnen neue Funktionen oder bessere Hilfsmittel vorenthalten bleiben.
Hinzu kommt, dass Hilfsmittelentwickler Innovationen nur langsam aufgreifen. Der Markt ist relativ klein, die Entwicklungskosten relativ hoch.
Vieles ist heute möglich, was noch vor fünf Jahren undenkbar war. Viele Smartphones und Tablet-PCs haben zum Beispiel Schnittstellen für Hilfstechnik wie Sprachein- und ausgaben integriert, auf denen die Entwickler aufbauen können.
Die Behinderten-Communities selbst haben heute Möglichkeiten, zur Entwicklung besserer Hilfstechnik beizutragen. Zwei dieser Möglichkeiten wollen wir hier vorstellen: das klassische Spendenwesen und das Crowdfunding.

Spendenfinanzierung

Vor allem OpenSource-Projekte finanzieren sich über Spenden. Während sich viele Entwickler praktisch ehrenamtlich engagieren, entstehen trotzdem Kosten für Geräte, Entwicklungsumgebungen und vieles mehr, die über spenden von der Community mitfinanziert werden können. Ein Beispiel dafür ist der kostenlose Screenreader Nonvisual Desktop Access (NVDA). Er ist der einzige offene und kostenlose Screenreader für Windows-Systeme und in einigen Bereichen der kommerziellen Konkurrenz überlegen. NVDA ist ein klassisches OpenSource-Projekt, jeder, der Zeit und Interesse hat kann an seiner Weiterentwicklung mitwirken. Wer nicht über die nötigen technischen Kenntnisse verfügt, kann das Projekt mit einer Spende unterstützen.

Crowdfunding – der Schwarm bezahlts

Crowdfunding bedeutet, dass der Schwarm die Finanzierung eines Projektes übernimmt. Es ist ein Kunstwort aus Crowd = Masse und Fundraising = Spenndensammeln und leitet sich von Crowdsourcing ab. Während beim Crowdsourcing der Schwarm kleine Aufgaben übernimmt, um ein großes gemeinsames Ziel zu erreichen finanziert der Schwarm beim Crowdfunding die Umsetzung kleinerer oder größerer Projekte.
Möchte man etwa eine App entwickeln, die Menschen mit Behinderung hilft, hat aber weder das nötige Geld noch das technische Know-How, könnte man über ein Crowdfunding-Projekt die entsprechenden Gelder akquirieren, um einen Programmierer für die Entwicklung zu bezahlen. Für Crowdfunding gibt es spezielle Plattformen wie Kickstarter.com.
Der typische Ablauf für ein Crowdfunding-Projekt sieht so aus: Der Entwickler hat eine Idee, die er auf einer Crowdfunding-Plattform vorstellt. Er legt außerdem fest, wie viel Geld er über die Plattform erhalten möchte und wie lange er um Unterstützung auf der Plattform werben möchte. Der Unterstützer bietet einen Beitrag seiner Wahl zur Unterstützung an. Wenn die nötige Summe in der anvisierten Zeit erreicht wird, erhält der Entwickler das Geld und kann mit der Umsetzung seiner Idee beginnen. Kommt die erhoffte Summe nicht zusammen, bekommen die Unterstützer in der Regel das Geld zurück. Die Prozedur kann sich je nach gewählter Plattform unterscheiden. Ähnlich wie beim Sponsoring erhalten die Unterstützer je nach Beitrag gestaffelte Dankeschöns wie die Erwähnung auf der Projektseite oder eine Vorabversion des Projektergebnisses.

Spenden sammeln versus Crowdfunding

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Crowdfunding und Spenden. Spenden werden über einen längeren Zeitraum gesammelt, teilweise sind sie zweckgebunden, überwiegend werden sie aber für die Organisation als solche gesammelt. Außerdem ist das Spendenwesen eine feste Einrichtung, es wird permanent nach Spendern gesucht.
Crowdfunding-Projekte hingegen sind zeitlich begrenzt. Der Crowdfunder versucht, innerhalb einer bestimmten Zeit eine bestimmte Menge Geld für ein ebenfalls zeitlich begrenztes Projekt zu erhalten. Er kann vorhandene Plattformen nutzen und muss keine spezielle Spendenorganisation aufbauen.
Beiden Finanzierungsformen gemein ist, dass auch schon relativ kleine finanzielle Beiträge zum Erfolg eines Projektes beitragen können. Um zum Beispiel 10.000 Euro zu erhalten müssten rund 1.000 Personen durchschnittlich 10 Euro spenden. Natürlich muss dafür ein wenig Marketing betrieben werden, Crowdfunding ist keinesfalls ein Selbstläufer. Außerdem muss die Community auch bereit sein, die Projekte auch finanziell und nicht nur ideell zu unterstützen. Dabei entfaltet das Internet seinen Reichweitenvorteil: mit guten Projektideen lassen sich viele tausend potentielle Unterstützer erreichen.
Crowdfunding ist deshalb vor allem für kleinere Projekte interessant, die von den Hilfsmittelanbietern nicht angegangen werden, weil sie nicht genügend Gewinn abwerfen oder die Zielgruppe als zu klein eingeschätzt wird. Oft werden die Projekte nach ihrer Beendigung als OpenSource an die Community übergeben, so dass sie von ihr weiterentwickelt werden können.

Fazit

Die community-finanzierte Entwicklung von Hilfsmitteln wird die klassische Hilfsmittelversorgung ergänzen und nicht ersetzen. Vor allem durch die Alterung der Gesellschaft ist absehbar, dass ehr viel mehr Menschen günstige und einfach bedienbare Hilfsmittel benötigen werden. Durch Spenden und Crowdfunding kann jeder ein Stück dazu beitragen, das solche Hilfsmittel entwickelt werden.
Barrierefrei mit WordPress
WordPress und Barrierefreiheit

Wir brauchen eine Stiftung Warentest für Hilfsmittel

Das Internet hat den Zugang zu Informationen über Hilfsmittel erleichtert. Leider hat die Zahl und die Unterschiedlichkeit der Hilfsmittel zugenommen. Und das auch, wenn man die diversen Apps, die ähnliche Zwecke wie Hilfsmittel erfüllen können nicht dazu nimmt. Betrachten wir ein paar Beispiele. Dedizierte Hilfsmittel sind Geräte, die als Hilfsmittel ausgewisen sind, häufig von der Krankenkasse übernommen werden und in der Regel einen ganz bestimmten Zweck erfüllen. Davon zu unterscheiden sind Alltagsgeräte, die wie Hilfsmittel verwendet werden, auch wenn sie ursprünglich nicht dazu gedacht sind: Smartphones, Tablet-PCs, sprachgesteuerte Assistenzsysteme und so weiter. Ich nenne hier nur Hilfsmittel, von denen ich zumindest ein wenig verstehe, Rollstühle und Ähnliches muss ich deshalb ausklammern.

Blinden-Hilfsmittel

Aktuell gibt es einen kleinen Boom an Hindernis-Erkennungssystemen für Blinde: Schuhe, Gürtel, Gerätschaften für den Blindenstock und so weiter. Es ist praktisch unmöglich, neutrale Informationen jenseits des Marketing-Blablas der Hersteller zu bekommen, die natürlich so gut wie nichts taugen. Mobilitätstrainer, die Blinden Orientierungstechniken beibringen, kennen häufig einzelne Gerätschaften und können viel aus eigener Erfahrung berichten, kennen aber selten alle verfügbaren Gerätschaften, ihre Stärken und Schwächen im Detail und im Vergleich zueinander.
Weiteres Beispiel sind Braillezeilen: Bei meinem letzten Besuch auf der Fachmesse SightCity hatte ich eine kleine Braillezeile der Firma Humanware in der Hand: Ein echter Plastikbomber, er wirkte sogar für meine geringen Ansprüche schlecht verarbeitet. Diese kleinen Braillezeilen werden häufig in Rucksäcken oder Jackentaschen verstaut und müssen dann, selbst wenn sie in einer Schutztasche sind oft mehr aushalten als große Braillezeilen, die so gut wie nie bewegt werden. Wahrscheinlich war hier das geringere Gewicht von Kunststoff ausschlaggebend, aber sicher bin ich mir nicht.
Und dann die OrCam, ein Hilfsmittel, das maßlos gehypt wurde. Sie kann tatsächlich nichts, was ein handelsübliches Smartphone mit ein paar Apps nicht auch kann: Erkennung von Farben, Texten, Gesichtern… Ihr einziger vorteil ist, dass sie an einem Brillenbügel befestigt werden kann. Hier hätte mich ernsthaft interessiert, ob sie im Vergleich mit sagen wir der App SeeingAI fürs iPhone tatsächlich besser abschneidet. Meine Vermutung ist nein. Der Grund ist ganz einfach, schon ein älteres iPhone dürfte bessere Technologie verbaut haben und SeeingAI ist das Prestige-Projekt des Milliarden-Konzerns Microsoft. Wie viel AI darin steckt, wissen wir natürlich nicht, aber es ist sicherlich mehr als die OrCam jemals haben wird. Aber wie gesagt, ein objektiver Vergleich würde das beweisen.
Spannend wäre die Frage, was Apps zur Farberkennung tatsächlich taugen, vor allem im Vergleich zu ausgewachsenen Farberkennungsgeräten, die fast so viel kosten wie ein Smartphone, aber weniger paktisch sind. So was ließe sich problemlos objektiv testen, nur macht es keiner.

Hörgeräte

Das gleiche Trauerspiel finden wir verschärft bei Hörgeräten. Hier gibt es das Zusatzproblem, dass es ein Wirrwarr an Marken und Akkustikern gibt: Die Akkustikerkette X verkauft nur Hörgeräte der Marke Y, manchmal einfach nur gebrandet, manchmal aber auch nicht. Heißt im schlimmsten Fall, nimmt man diese Kette, hat man eventuell nur Hörgeräte zur Wahl, die alle nicht optimal für das eigene Hörproblem sind.
Hinzu kommt, dass die Krankenkasse nur den Minimalbetrag bezahlt, die Akkustiker aber gerne mal – häufig unnötige – Extras berechnen: Mini-Hörgeräte, Zusatz-Geräte für spezielle Einsatzzwecke, sogar für den Pipifax Bluetooth-Konnektivität zum Smartphone wird extra zur Kasse gebeten.
Hinzu kommt, dass durch die Apps häufig weitere Einstellmöglichkeiten für die Hörgeräte möglich sind. Es ist also keineswegs irrelevant, für welches Gerät man sich entscheidet, schon die Wahl des Akkustikers kann über die künftige Hörqualität entscheiden.
Und jetzt versuchen Sie einmal, objektive Informationen zu den einzelnen Geräten, ihre eventuellen Leistungen, Funktionen und Zusatzkosten zu bekommen. Das ist auf jeden Fall eine langwierige und unddankbare Aufgabe.

Warum persönliche Erfahrungstests nichts taugen

Wir sind uns glaube ich einig, dass die Verkäufer generell schlechte Berater sind. Das Kapitalismus-Prinzip versagt nirgendwo so stark wie beim Hilfsmittelmarkt. Aber wo sollen die Infos sonst herkommen?
Nun gibt es in der Blindenszene einige Leute, die Hilfsmittel testen. Allerdings sind solche Ergebnisse immer sehr subjektiv oder verfälscht. Legendär unter blinden Technikfans sind die Tests von INCOBS wegen ihrer miserablen Qualität. Da sollte jemand, der offensichtlich keine Ahnung von Android und Talkback hatte mit einem veralteten Gerät und einer veralteten Version sämtlicher Programme testen, wie barrierefrei Android für Blinde war.
Und natürlich ist keine Privatperson finanziell und zeitmäßig in der Lage, alle Gerätschaften einer Kategorie ausführlich zu testen, zu bewerten und die Ergebnisse zu veröffentlichen, zumindest wenn sie einem normalen Job nachgeht. Hier könnte ich mir am ehesten eine Art Crowdsourcing vorstellen, bei dem also viele Einzelpersonen ihre Hilfsmittel nach bestimmten festgelegten Kriterien bewerten. Das aber birgt die Gefahr der Manipulation.
Nein, am besten wäre eine Institution, die nicht am Verkauf eines bestimmten Hilfsmittels verdient. Sie müsste ein möglichst objektives Bewertungsverfahren am besten mit selbst betroffenen Versuchspersonen entwickeln und durchführen. Sie müsste die Hilfsmittel möglichst längere Zeit in der Praxis testen. Im Grunde sollten die Krankenkassen ein Interesse an so einer Institution haben, denn sie bezahlen so ziemlich alle Hilfsmittel, nur ein kleiner Teil wird von anderen Trägern wie den Integrationsämtern übernommen.
Leider ist eine solche Institution nicht in Sicht. Am liebsten wäre mir ja die c’t oder I fix it, denn gerade Braillezeilen für Blinde sind häufig so konstruiert, dass sie nicht einfach repariert werden können. Die Firmen wollen mehrfach abkassieren: für den Verkauf, für die Wartung, für den Tausch der Akkus und warhscheinlich noch für die Entsorgung, wenn das gute Stück nach 3,5 Jahren seinen Geist aufgibt. An der c’t finde ich gut, dass sie zwar Produkte vergleicht, aber keine in der Regel sinnfreie Rangliste bastelt. Die macht im Zusammenhang mit Hilfsmitteln noch weniger Sinn als anderswo, weil Hilfsmittel oft spezielle Einsatzzwecke erfüllen müssen.

Ich bin behindert – Ihr enthindert mich