Warum es Großstädte eigentlich nicht geben dürfte

Die Großstadt hat zu allen Zeiten eine große Anziehungskraft. Heute ist die Urbanisierung vor allem in Dritte-Welt-Staaten ein Megatrend.
Doch ist die reine Existenz der Großstadt unwahrscheinlich. Dazu muss man sich nur ihre vielen Nachteile anschauen.

Die Nachteile der Siedlung

In den Frühzeiten der Menschheit schlossen sich unsere Vorfahren zu kleinen Gruppen zusammen. Sie lebten im Wesentlichen nomadisch, grasten eine Landschaft ab, müllten sie voll und zogen weiter. Die Gemeinschaft bestand wahrscheinlich aus bis zu 150 Individuen, eine Gruppe, die sich nach allgemeiner Meinung gut überschauen lässt und in der jeder jeden kennt. Wurden die Gruppen zu groß, teilten sie sich auf.
Aus einem Grund, über den Wissenschaftler viel spekulieren, fingen die Menschen an, Landwirtschaft zu betreiben. Das erfordert Seßhaftigkeit: Die Felder müssen bewacht, gepflegt und von Insekten befreit werden. Die Menschen hörten auf, umherzuziehen und bauten sich feste Behausungen.
Durch das erhöhte Nahrungsangebot stieg die Bevölkerung schnell an. Jäger und Sammler wurden durch den demografischen Wandel und die bessere Organisation der Siedler allmählich verdrängt. Kleine Dörfer wurden immer größer. Die erste Arbeitsteilung entstand.
Die Siedlungen wurden immer komplexer. Es gab Handwerker, welche die Gerätschaften herstellten. Es gab Leute, die sich um die Bewässerung kümmerten. Und je komplexer die Siedlung wurde, desto wichtiger war eine Verwaltung. Es ergab sich eine Arbeitsteilung.
Doch bot die Siedlung auch Nachteile. Je größer die Zahl der Menschen, desto größer ist auch die Zahl an Krankheitserregern. Diese konnten sich rasend schnell in der Siedlung verbreiten. Durch den Handel mit anderen Siedlungen breiteten sich die Krankheiten auch über andere Orte aus.
Der Abfall der Siedlung lockte auch Ungeziefer wie Ratten und Mäuse an, die ihrerseits Krankheitserreger mitbrachten.
Nebenbei brachte die Landwirtschaft ein weiteres Problem, dessen Tragweite wir erst heute richtig zu spüren bekommen: Das Getreide. Getreide liefert reichlich Kalorien auf Basis von Kohlenhydraten. In der Natur gibt es solche Produkte nicht. Mehl und Zucker sind die Hauptursachen für Karies, Diabetes und Übergewicht.

Der Stress der Stadt

Wie oben erwähnt kennen wir in einer kleinen Gruppe fast jeden Menschen zumindest vom Sehen. In einer größeren Siedlung ist es jedoch wahrscheinlich, dass wir nicht jeden Menschen kennen.
Während es auf einem Dorf wahrscheinlich ist, dass man jemanden vom Sehen kennt, ist das in der Großstadt extrem unwahrscheinlich. Gleichzeitig kommt man sich näher, ohne dies zu wollen: Im Supermarkt, im Bus, in der Kantine. Hier zeigt sich, dass wir auf das Leben in der Großstadt im Grunde nicht eingerichtet sind. Wir schauen weg, lesen ein Buch, spielen mit dem Handy oder schließen die Augen. Wir gehen einander und Konflikten mit Fremden möglichst aus dem Weg. Doch bleibt das Leben in der Großstadt eine psychische und physische Herausforderung. Man merkt das vor allem im Straßenverkehr. Hat jemand schon einmal ein aggressiveres Völkchen als die Autofahrer kennengelernt?

Der große Gestank

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Großstadt vor allem eines: Eine Ansammlung von unangenehmen Gerüchen. Wer dies live erleben will, sollte sich Bombay oder Kairo anschauen. Der große Gestank von London hat es sogar in die Geschichtsbücher geschafft.

Anonymität als Fluch und Segen

Die Großstadt bedeutet für viele Menschen Freiheit. Jemand ist schwul, gehört einer niedrigen Kaste an, der falschen Religion oder ist das Falsche? In der Großstadt ist das nicht egal, aber man hält sich weitgehend aus dem Leben der Anderen raus. Auf dem Dorf, wo jeder alles über jeden weiß, sieht das anders aus.
Doch hat die Anonymität auch ihre Nachteile: Assoziales Verhalten gehört in der Stadt eigentlich zum Standard. Einen Platz im Bus für einen Behinderten frei räumen? Jemandem helfen, der verlezt ist? Jemandem den Weg erklären? Ein Großstädte lernt schnell, sich rauszuhalten. Irgendwer anderes wird sich schon kümmern.

Die Masse isoliert

In der Masse kann man wunderbar untertauchen. Doch ist es ebenso wahrschenlich, dass man in der Masse vereinsamt. Die Zahl der Singles, der allein wohnenden Senioren und der insgesamt Vereinsamten nimmt stetig zu. Obwohl man jeden Tag hunderten von Menschen begegnet, können echte Kontakte nur schwer zustande kommen. Auf dem Dorf gibt es zumindest noch den Schützenverein oder die Kirche. Natürlich kann man auch dort isoliert werden. Doch ist die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich geringer.