Probleme der Selbsthilfe der Behinderten

Die Interessensverbände der Behinderten-Selbsthilfe geraten zunehmend unter Druck. Dabei finden mehrere Entwicklungen parallel statt:
– Die Leitfiguren insbesondere in den lokalen Vereinen überaltern und finden häufig keinen Nachfolger. Somit verschwinden vor allem lokale Vereine.
– die Zahl der jungen Behinderten nimmt tendentiell ab. Zugleich sind sie wegen der Inklusion weniger stark an der Community und an der Teilhabe an dieser interessiert. Auch für behinderte Menschen gilt der Generaltrend, dass man immer weniger bereit ist, sich in Groß-Organisationen zu engagieren oder auch nur passives Mitglied zu werden.
– Zwar nimmt die Zahl im Alter behindert gewordener Personen stetig zu. Doch haben diese anders als Geburts-Behinderte keinen direkten Bezug zur Community. Zudem können sie gesundheitlich insgesamt so angeschlagen sein, dass das Engagement oder die Mitgliedschaft in einem Verband für sie nicht mehr interessant oder relevant ist.
In direkter Konkurrenz zu den Behinderten-Verbänden stehen zum Beispiel die Sozialverbände. Sie engagieren sich für Menschen mit sozialen Problemen allgemein. Sie werben vor allem damit, beim Antrag auf Schwerbehindertenausweise, Sozialhilfe und ähnliche Dinge zu helfen. Da sie nahezu flächendeckend vertreten sind und über verhältnismäßig große Mittel verfügen, ist ihre Reichweite deutlich höher als die der Verbände. Nicht so aktiv in diesem bereich wie die Sozialverbände, aber ähnlich relevant sind die Gewerkschaften. Sie bieten ebenfalls Beratung in sozialen Fragen und können im Rahmen der Arbeit auch beim Antrag auf Schwerbehindertenausweise helfen. Die wenigsten behinderten Menschen wollen in mehreren Verbänden Mitglied sein.
Zunehmend steht auch eher der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund. Es geht weniger darum, aus Solidarität Mitglied in einer Organisation zu sein. Die Mitglieder erwarten Services und zwar häufig in einer Qualität, wie sie von professionellen Dienstleistern erbracht werden. Dazu sind die Behinderten-Verbände oftmals nicht in der Lage. Es fehlt an Strukturen und an Personal.
Daneben spielt die informelle Selbsthilfe eine zunehmende Rolle. Selbsthilfegruppen werden häufig von Eltern oder engagierten Einzelpersonen organisiert. Sie entstehen und zerfallen oft schnell. Dennoch sind sie flexibler als Vereinsstrukturen.
Durch die Kommunikationsmöglichkeiten im Internet wird es zunehmend einfacher, sich mit anderen Personen auszutauschen, ohne dass eine formelle Struktur benötigt wird. Dadurch können viele Fragen beantwortet werden, die vielleicht früher einem Verein gestellt worden wären.
Mit speziellen Jugendprojekten versuchen die Verbände, diesem Trend entgegen zu steuern.