Diversity und Inklusion – bleiben behinderte Menschen außen vor?

bunte FigurenBei mir verstärkt sich in letzter Zeit der Eindruck, dass behinderte Menschen in der Diskussion um Diversity in Organisationen bestenfalls am Rande oder gar nicht vorkommen. Ich denke, dass hier zu kurz gedacht wird und möchte das in diesem Beitrag näher ausführen.
Wenn ich mir die Diskussionen so anschaue, die auf Twitter oder in einschlägigen XING-Gruppen so stattfinden, ist Diversity ein Thema, bei dem es vor allem um die Gleichberechtigung von Frauen geht. In der zweiten Reihe stehen dann Gruppen wie ältere Menschen, Migranten und Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen. Behinderte Menschen kommen in diesen Diskussionen überhaupt nicht vor.
Nun kann es nicht darum gehen, eine benachteiligte Gruppe gegen die andere auszuspielen. Was zum Beispiel die Gleichberechtigung von Frauen angeht, ist Deutschland vergleichsweise weit zurück, vergleicht man die Situation etwa mit Skandinavien: Lohn-Ungleichheit, Diskriminierung bei Beförderung, Benachteiligung von Müttern – wir können solche Probleme endlos aneinanderreihen. Bei der Gleichberechtigung der Frauen wie der anderen Gruppen muss wesentlich mehr passieren als bisher, das Tempo des Fortschritts ist zu langsam.
Aber immerhin diskutieren wir darüber. Währenddessen macht die Diversity-Policy in Sachen Behinderung kaum Fortschritte. Die Zahl der Aktionspläne zur Inklusion sind überschaubar. Gibt es überhaupt eine Organisation in Deutschland, die sich mit Disability Mainstreaming beschäftigt? Wann hat das letzte Mal eine große Körperschaft oder Organisation einen Aktionsplan verabschiedet?
Das ist relevant, weil die Inklusion von behinderten Menschen leider komplexe und langwierige Maßnahmen erfordert. Initiere ich jetzt Maßnahmen wie die barrierefreie Umgestaltung meines Gebäudes, werden diese vielleicht in einigen Jahren umgesetzt. Gleiches gilt für die digitale Infrastruktur, eine IT-Landschaft wird eher in Jahrzehnten als in Jahren barrierefrei.
Wie immer gibt es hier löbliche Ausnahmen: Dazu gehören Boehringer Ingleheim oder die Commerzbank. Aber Ausnahmen sind Ausnahmen. Im öffentlichen Dienst wäre mir auf Anhieb kein positives Beispiel bekannt, außer den Einrichtungen, die ohnehin ihren Tätigkeitsschwerpunkt auf Behinderung haben und selbst die haben noch Luft nach oben.
Das Problem trifft vor allem Menschen, die von Geburt an behindert sind. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Organisationen auch nicht darauf vorbereitet sind, dass ihre Belegschaft immer älter wird und bald viele altgediente Mitarbeiter:Innen mit Behinderungen zu kämpfen haben werden. Ich sehe das daran, wie schwer sich Deutschland mit der barrierefreien Umgestaltung der IT, der Gebäude oder des öffentlichen Personenverkehrs tut.

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