Barfuß gehen als Blinder – Blindheit und Barfuß-Schuhe

Blinde Personen können von dem Trend zum Barfuß-Gehen profitieren. Das Gehen mit nackten Füßen ist für Blinde eher schwierig. Sie können weniger gut Pfützen, Scherben, Dreck und anderen Problemen ausweichen. Deswegen ist das Gehen mit Barfuß-Schuhen oder Minimal-Schuhen für uns sinnvoller. Gerade beim Laufen auf Wiesen besteht das Risiko, sich Zecken einzufangen oder mit anderen teils gefährlichen Insekten in Kontakt zu kommen, deshalb bin ich kein Freund des reinen Barfuß-Gehens.
Vorneweg sei vor all zu hohen Erwartungen gewanrt: Barfuß-Gehen gilt als das neue Allheilmittel. Weil Barfuß-Gehen zu unserer Natur gehört, soll es auch gut sein. Das ist in aller Regel Unsinn. Im Gegenteil: Ein zu schneller oder unsachgemäßer Umstieg kann schwere Schäden verursachen und dann ist die Kur schlimmer als das Problem, welches damit gelöst werden sollte, aber vielleicht gar nicht existiert oder andere Ursachen hat. Bei einer Vorschädigung des Körpers sollte unbedingt ein Experte konsultiert werden, bevor man die Schuhe zuhause lässt.
Das Barfuß-Gehen die natürlichste Fortbewegungsart ist, mag stimmen. Doch auch wenn der Mensch zu hoher Bequemlichkeit neigt, haben viele Erfindungen ihren tieferen Sinn. Unsere Vorfahren sind überwiegend auf weichen Gründen gelaufen, wir laufen fast immer auf harten Böden, so dass wir beim Barfuß-Laufen abfedern müssen. Die tausendfachen Stöße beim Gehen auf harten Böden können insbesondere den Füßen, den Gelenken, Knien und dem Rücken schaden.

Die Vorteile für Blinde

Blinde rutschen häufig von Bürgersteigkanten ab, wobei der Fuß umknicken kann. Verstauchungen und Verletzungen sind bei Blinden relativ häufig. In konventionellen Schuhen bleibt der Fuß unbeweglich, die Sohle ist steif und häufig hat sie kein gutes Profil, wodurch der Fuß weniger in der Lage ist, ungerade Ebenen auszugleichen. Tritt man zuerst mit der Verse auf, erhöht sich das risiko, dass man Höhenunterschiede schlechter erkennt und ausgleichen kann.
Ist der Fuß nackt bzw. steckt in einem Schuh mit flexibler Sohle, tritt man anders auf. Höhenunterschiede können früher erkannt und frühzeitig ausgeglichen werden. Der Fuß kann außerdem durch seitliche Drehungen mit leichten Höhenunterschieden besser umgehen, weil er beweglicher ist.
Durch die dünnere Sohle von Minimalschuhen haben wir ein stärkeres Gespür für die Boden-Beschaffenheit. Gerade in der freien Natur empfinden es viele Menschen als angenehm, durch Gras, Sand oder Kies zu laufen. Da Blinden die visuelle Dimension fehlt, kommt für sie durch das Nutzen von Minimalschuhen eine neue Wahrnehmungs-Dimension dazu. Dieses neue Feeling kann sehr angenehm sein.

Anderes Gehen

Zu beachten ist, dass das Gehen in Barfuß-Schuhen sowie barfuß anders ist als das Gehen in konventionellen Schuen. Im Allgemeinen ist die Schrittlänge kürzer, das Auftreten weicher und der Gang langsamer. Das liegt daran, dass die Füße die Aufgabe der Dämpfung übernehmen müssen.
Wichtig ist, weich aufzutreten und abzurollen. Treten wir auf wie bei normal gepolsterten Schuhen, würden wir die Fußgelenke, die Knie, die Wirbelsäule und den Rest des Körpers bei jedem Schritt einem starken Stoß aussetzen. Auf Dauer würde das enormen Schaden anrichten. Deswegen sollte auch jeder mit einer Vorschädigung im Haltungsbereich zumindest einen Facharzt befragen, bevor er umsteigt. Die populäre Behauptung, man solle auf dem Vorfuß statt auf der Ferse auftreten, scheint falsch zu sein.

Nachteile für Blinde

Die Vor- und Nachteile von Barfuß-Schuhen im Allgemeinen sind viel diskutiert worden. Deshalb möchte ich hier nur auf die Nachteile für Blinde eingehen.
Die Schuhe sind vergleichsweise niedrig. Dadurch wirkt es sich stärker aus, wenn man etwa durch Pfüttzen läuft. Das Wasser schwappt bei tieferen Pfützen über den Rand des Schuhes, außerdem können die Hosenbeine schneller verschmutzt werden. Als ich eines Morgens über eine Wiese lief, hatte ich relativ viel Dreck an den Hosenbeinen eingesammelt, ohne es zu merken.
Da die Polsterung fehlt, können Sachen, die einem auf den Fuß fallen oder gegen die man tritt wesentlich mehr Schmerzen verursachen bzw. das Verletzungsrisiko erhöht sich. Nur der vordere Zehenbereich ist gut geschützt.

Fazit

Barfußschuhe gibt es in allen möglichen Varianten. Am besten lässt sich im Fachgeschäft beurteilen, welches Modell zum eigenen Laufstil passt. Man sollte zunächst ein einziges Paar dr avisierten Marke kaufen. Denn erst draußen stellt sich heraus, ob es sich in den neuen Schuhejn gut läuft.
Am Ende muss jeder selbst entscheiden, was für ihn am beste funktioniert. Am Anfang sollte man es auf jeden Fall nicht übertreiben. Es dauert einige Monate, bis sich Muskeln, Sehnen und Faszien angepasst haben.

Ich bin behindert – Ihr enthindert mich