Archiv der Kategorie: The Thinking Turn

Die Kunst des Lesen lernens

„In jedem Fall werden wir nicht darauf verzichten, literarische Fiktionen zu lesen, denn sie sind es, in denen wir nach einer Formel suchen, die unserem Leben einen Sinn gibt. Im Grunde suchen wir unser Leben lang nach einer Geschichte unseres Ursprungs, die uns sagt, warum wir geboren sind und warum wir leben. … Manchmal hoffen wir, unsere persönliche Geschichte mit der des Universums ineins zu bringen.“ Umberto Eco. Im Wald der Fiktionen. Carl-Hanser Verlag 1994, Seite 182

Es sind nicht alle Bücher so stumpfsinnig wie ihre Leser. Es finden sich manchmal Aussprüche in ihnen, die genau auf unsere Verhältnisse zutreffen, die, wenn wir sie richtig lesen und verstehen, für unser Leben heilsamer sein können als der Morgen oder der Frühling und vielleicht allen unseren Angelegenheiten ein neue Wendung geben. Wie viele hatten nicht einem Buch eine neue Ära ihres Lebens zu verdanken! Irgendwo ist das Buch vielleicht vorhanden, das unsere Wunder erklärt und uns neue Wunder offenbart. Was uns selbst noch unaussprechlich erscheint, findet sich vielleicht bereits irgendwo ausgesprochen. Die gleichen Fragen, die uns beschäftigen, beunruhigen und verwirren, haben von jeher alle Menschen beschäftigt. Nicht eine einzige von ihnen ist übergangen worden. Und jeder hat sie seiner Veranlagung nach mit seinen Worten und seinem Leben beantwortet.“ Henry David Thoreau. Walden

Lesen ist an sich eine besondere Fähigkeit. Hirnforscher meinen, eigentlich sei das Gehirn für das Lesen ungeeignet. Die Autorin Maryanne Wolf geht in ihrem Buch „Das lesende Gehirn“ noch genauer auf dieses Thema ein. Eine Kuriosität am Rande: Sokrates hatte die praktisch die gleichen Einwände gegen die Schrift wie sie die heutigen Kritiker gegen das Internet vorbringen.
Andererseits gehört das Deuten von Spuren, also etwa Symbolen, auch zu einer ureigenen Fähigkeit des Menschen. Für Ernst Pöppel ist daher nicht erstaunlich, dass im Web die für das Gehirn leichter verabeitarbaren Symbole, Graphiken und Bilder dominieren. Pöppel weist auch darauf hin, dass es für einen Erwachsenen und bereits für ein älteres Kind wesentlich schwieriger ist, das Lesen zu erlernen. Die Lesefähigkeit muss schon in jungen Jahren erlernt werden, damit sie einem später leicht fällt.

Ein Grundschüler liest seine Wörter, zumindest am Anfang seiner Leserlaufbahn, immer buchstabenweise und
setzt die Buchstaben zu einzelnen Wörtern zusammen. Ein Zusammenhang zwischen einzelnen Wörtern zu einem
ganzen Satz wird im Anfangsunterricht zuerst nicht möglich sein.
Wenn ein Schüler in den höheren Klassen liest, hat sich das Leseverhalten im Vergleich zu einem Grundschulkind völlig verändert. Der geübte Leser erfasst ganze Wortgruppen und Zeilenteile. Er erkennt bekannte Wortmuster und baut aus diesen einen Sinnzusammenhang auf. aus Kompendium der Mediengestaltung für Digital- und Printmedien. hrsg. Joachim Böhringer. Springer 2005

Als Erwachsener lesen zu lernen, ist unheimlich mühsam. Während man als Kind noch spielerisch an die Aufgabe herangeführt wird, wird von Erwachsenen erwartet, daß sie in höherem Tempo lernen, obwohl die Fähigkeit des Lernens schon im frühen Erwachsenenalter nachläßt.

Das Problem beim Lesen besteht nicht im Auswendiglernen der Buchstaben. Es besteht darin, ganze Worte und Sätze, Absätze und zusammenhängende Texte zu erkennen. Wir kennen das, wir müssen nur einzelne Worte erkennen, um einen Text überfliegen zu können. Durch jahrelange Übung sind wir in der Lage, ganze komplexe von häufig zusammen stehenden Wörtern auf einen Blick zu erfassen. Experten, die viele Texte lesen müssen, werden zu richtigen Schnell-Lesern, wobei sie natürlich trotzdem den Inhalt erfassen müssen.
Lesen und Verstehen sind zwei unterschiedliche Aspekte. Ihr kennt das, wenn ihr totmüde seid und trotzdem einen komplizierten Text lesen müsst oder abgelenkt werdet. Ihr lest und versteht zwar die einzelnen Worte, aber der Sinn erschließt sich euch nicht oder ihr vergesst sofort, was ihr gerade gelesen habt. Entscheidend ist daher das Lese-Verstehen.
Stellen wir uns vor, wir würden all die Zeit, die wir mit Lesen verbracht haben mit dem Erlernen des Violine-Spielens verbringen: Wir wären perfekte Violinisten.
Dabei ist uns gar nicht mehr bewußt, wie viel Zeit wir mit Lesen und üben verbracht haben. Wer aber in einer beliebigen Sprache in einem beliebigen Zeichensystem lesen und schreiben kann, ist in dieser Hinsicht kognitiv weiter als jener, der gar kein Zeichensystem beherrscht, siehe auch Die chinesische Schrift formt ein überlegenes Denken – sehr interessantes Interview auf dem Eurasischen Magazin.
Wer etwa im reifen Alter die Blindenschrift lernen muss, stößt genau auf dieses Problem. Es ist kein Problem, einzelne Buchstaben zu lesen, bei Worten wird es schwierig und bei Sätzen hängt man ordentlich in der Luft. Zum Vergleich stelle man sich vor, jemand würde so langsam wie er kann einen Satz vorlesen. Man hätte die ersten Worte vergessen, bevor der Satz zu Ende ist.

Bei Braille kommt noch ein interessantes Problem hinzu: Liest man die ganze Zeit mit einem bestimmten Finger – meistens ist es ein Zeigefinger, dann entwickelt man in diesem Finger eine besondere Sensibilität für die Punkte. Verwendet man nur den Zeigefinger der linken Hand zum Lesen, hat man mit keinem anderen Finger, auch nicht im Zeigefinger der Rechten, eine ähnliche Sensibilität. So fällt es einem schwer, Brailleschrift mit anderen als den Lesefingern zu lesen, ein Problem, das Sehende nicht haben.
Braille läßt sich in wenigen Stunden erlernen, aber es gibt nur wenige Blinde, die tatsächlich flüssig lesen können. Für viele Blinde ist die Sprachausgabe am Computer komfortabler, deren Geschwindigkeit läßt sich problemlos beschleunigen. Hat man sich einmal an die Computer-sprachausgabe gewöhnt, kann man sie auf über 50 Prozent und mehr gegenüber normalem Sprachtempo beschleunigen. Ein Tempo, dass selbst von Schnelllesern selten erreicht wird. Ich sage deswegen auch gerne, dass Blinde häufig die einzigen Menschen sind, die im Internet einen Text von Anfang bis zum Ende durchlesen, sofern er nicht todlangweilig ist.

Weiterlesen

  • Die Zukunft des Lesens und Schreibens
  • Ist die Brailleschrift noch zu retten?
  • Nicholas Carr über die Gegenwart des Lesens – Carr ist einer der prominentesten Kritiker der Digitalkultur und ihrer Auswirkungen auf das Gehirn
  • Maryanne Wolf. Das lesende Gehirn. Spektrum-Verlag. 2009 – die FAZ hat ein lesenswertes Interviewmit Wolf geführt
  • Frank Schirrmacher. Payback. Carl-Blessing-Verlag. 2009 – Schirrmacher ist sozusagen das deutsche Gegenstück zu Nicholas Carr

Psycho – die Ästhetisierung des perversen Mordes

Der Psycho-Mord erfreut sich zumindest in der Literatur zunehmender Beliebtheit. Las man früher Patricia Highsmith oder Stephen King, dominieren heute James Patterson, Jean-Christophe Grange und Patricia Cormwell. Vor allem Cormwell und Grange beschreiben mit Vorliebe perverse Mörder, die selten aus Gier und oft aus Freude am Quellen töten. Minutiös werden Einzelheiten beschrieben, die den Mageninhalt in Bewegung versetzen können.
Der König des Horros Stephen King hat so etwas nie gemacht. Bei Patricia Highsmith spielte vor allem das Spiel aus Mörder, Opfer und Ermittler die Hauptrolle, die Morde wurden meistens sauber und leidenschaftslos ausgeführt. Bei Agatha Christie spielten die Morde so gut wie keine Rolle, es standen immer der Täter und der Ermittler im Vordergrund.
Dabei entsteht der durchaus falsche Eindruck, solche bestialischen Morde seien an der Tagesordnung. Dabei sind sie insgesamt wohl relativ selten. Jack the Ripper, der Kannibale von Rothenburg und viele andere existieren zwar als reale Figuren, aber die meisten Morde werden aus Gier begangen oder um Spuren zu verwischen.
Dann gibt es natürlich die Massaker, die von Soldaten oder Söldnern etwa in Ruanda verübt wurden. Bestialisch sicherlich, aber nicht geplant, sondern im Blutrausch ausgeführt.
Da wären auch die eben so seltenen Amokläufe zu nennen. Sie sind ebenfalls brutal, werden aber meistens mit Schusswaffen ausgeführt. Die Täter sind zu feige, sich ihren Opfern zu nähern.
Dabei kann man Leuten wie Patricia Cormwell durchaus eigennützige Motive unterstellen. In „Das Kreuz des Südens“ lässt sie ganz unverblümt ihre Protagonisten härtere Straftaten für Straffällige fordern. Dass sie in den USA lebt und vor allem im Süden, wo die Strafen ohnehin hoch sind, es zudem die Todesstrafe gibt, macht die Sache um so erstaunlicher.
Bildet man sich das ein oder genießen die Schreiber es zumindest ein wenig, sich in die Psyche von Perversen zu versetzen, um genüßlich die ferngelegensten Verletzungen ihren Opfern zuzufügen?
Die Gefahr besteht darin, dass man glaubt, solche Dinge kämen wesentlich häufiger vor, als sie das in der Realität tun. Studien haben gezeigt, dass vor allem ältere Menschen und Personen, die viel fernsehen, große Angst haben, Opfer von Gewaltstraftaten zu werden und die Zahl der tatsächlichen Gewaltstraftaten überschätzen. Das liegt daran, dass diese Leute den Kontakt zur Außenwelt nicht haben, weil sie einfach nicht vor die Tür gehen. Und da sie nicht vor die Tür gehen und die Türe nachts wahrscheinlich gar nicht öffnen, ist es um so unwahrscheinlicher, dass sie tatsächlich Opfer einer Straftat werden. Als Kind habe ich freitag abends gerne Aktenzeichen XY gesehen und mich immer gegruselt.
Die durchaus realen Folgen von Krimiserien wie CSI und der Berichterstattung über Amokläufe, Kindesentführungen, Kindesmißbrauch und anderen Gewaltstraftaten bestehen darin, dass auch Juristen aus der TV-Generation höhere und härtere Strafen fordern. Viele von ihnen werden später an Gesetzen basteln, die eben das herbeiführen.
Solche drakonischen Maßnahmen halten natürlich keinen Psycho davon ab, seinem bösartigen Tun nachzugehen. Womit wir den Kreis geschlossen haben, die Freude an gewalthaltigen Medien zeitigt früher oder später Wirkungen in der Realität.

Alles Pareto – die 20:80-Regel

Der italienische Soziologe und Ökonom Wilfredo Pareto entdeckte eine soziale Regel – Gesetzmäßigkeit wäre hier zu weit gegriffen – die besagt, dass 20 Prozent des Aufwandes 80 Prozent der Ergebnisse bedingen. Diese Regel gilt für so ziemlich alle Bereiche: 20 Prozent der Bevölkerung besitzen 80 Prozent des Einkommens, 20 Prozent der Angestellten erledigen 80 Prozent der Arbeit und so fort.

Zwei Irrtümer sollten allerdings vermieden werden:

1. Diese Regel ist als Annäherung, nicht als absolutes Faktum zu verstehen. Es könnten auch 10:90 oder 60:40 sein. Worum es hier geht ist der Umstand, dass in sozialen Bereichen Durchschnittswerte fast nie aussagekräftig sind, wie wir schon beim Matthäus-Prinzip gesehen haben.

2. Niemand kann ernsthaft behaupten, diese 20 Prozent „Leistungserbringer“ könnten den Laden alleine schmeißen; auf die 80 Prozent bzw. die 20 Prozent Arbeit, die sie tun, seien überflüssig. Auch Arbeit mit geringer Wertschöpfung – Putzarbeit, Terminmanagement, Organisationsaufgaben – müssen erledigt werden. Die 80 Prozent leisten tatsächlich oft die Arbeit, ohne die die 20 Prozent ihre Leistung gar nicht vollbringen könnten.

Richtet die Umweltbewegung mehr Schaden als Nutzen an?

Eine polemische, aber notwendige Frage. Die Umweltbewegung hat nie kritisch reflektiert, welchen Schaden ihre Glaubenssätze angerichtet haben.

  • Das Biosiegel für angeblich biologisch angebaute Lebensmittel verhindert heute, dass die allgemeinen Standards für Lebensmittel erhöht werden.
  • Der faire Handel verhindert, dass globale Regeln für minimale Arbeitsstandards gesetzt werden, ob in der Produktion von Kaffee, Baumwolle oder Fußbällen.
  • Die Offshore-Windparks können, wie auch stationäre Windanlagen, den Vogelbestand gefährden, weil keine Maßnahmen getroffen werden, um das Hinein-Fliegen von Vögeln zu verhindern. Schlimmer ist noch, dass die Windanlagen unter Wasser gewaltigen Lärm erzeugen – Wasser leitet Schall besser als Luft – und damit auch der Fisch-Population schaden.
  • Die Ökos fahren gerne mit Pflanzensprit, der wiederum droht, den Anbau von Lebensmitteln zu verdrängen.
  • Das System der deutschen Mülltrennung ist albern, ineffizient und richtet vermutlich mehr Schaden an als Müllkippen. Schon seit langem wäre es sinnvoller gewesen, nur Bio- und sonstige Abfälle voneinander zu trennen und den Rest maschinell sortieren zu lassen. Die Müllwagen verstopfen die Straßen, die Müllsortierung findet ohnehin eher schlampig statt, doch selbst, wer das System ernst nimmt, fährt mit dem Auto zum Glascontainer, um seinen Glasabfall loszuwerden.
  • Der möglicherweise größte Schaden, den die Ökos angerichtet haben, hängt mit dem Klimawandel zusammen: Der Glaube, das Treibhausgas CO2 sei allein für den Klimawandel verantwortlich, lässt wichtige andere Gase wie das ungleich schlimmere Methan, welches in der Landwirtschaft entsteht, außer Acht.

Die Umweltbewegung mag das alles nicht mit Absicht angerichtet haben, aber sie drückt dem ihre Legitimation auf. Sie hat ihre Fehldeutungen, Missverständnisse und Dummheiten nie einer kritischen Reflexion unterzogen. Wer aber nicht aus seinen Fehlern lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Die traurige Ironie besteht darin, dass sie dem Tier-, Umwelt- und Naturschutz einen Bärendienst erwiesen hat.

Evolution erklärt – natürliche Selektion und zufällige Mutation

Die Evolution basiert auf zwei grundlegenden ineinander greifenden Mechanismen: Der Mutation und der Auslese.
Der Begriff „natürliche Auslese“ ist heute kaum noch anwendbar, denn die Auslese wird heute fast immer vom Menschen beeinflusst. Auslese bedeutet im Sinne der Evolution, dass jene Lebewesen überleben und sich fortpflanzen, die am besten an die herrschenden Gegebenheiten angepasst sind. Das heißt, dass sie genügend Nahrung finden und sich fortpflanzen können müssen.

Die Auslese findet natürlich nicht nur durch die Umwelt statt, die sexuelle Auslese spielt natürlich auch eine Rolle. Beim Menschen ist das offensichtlich. Aber auch Tiere kämpfen um Sexualpartner. Entscheidend sind hier oft Kraftoder Vitalität, die sich in unterschiedlichen Faktoren ausdrückt. Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass Vögel lauter singen müssen, um den Straßenlärm zu übertönen. Vögel, die lauter singen haben bessere Chancen, Sexualpartner zu finden und sich fortzupflanzen. Damit kultivieren sie über ihren Genpool die Fähigkeit des lauten Singens.

Die Mutation bezieht sich auf die genetische Ebene. Gene werden bekanntermaßen kopiert, beim Kopieren entstehen aber immer wieder Fehler, die dazu führen, dass sich neue Eigenschaften herausbilden können. Bei der Fortpflanzung werden zudem die Gene zweier verschiedener Lebewesen zusammengeführt. Die Nachkommen können somit Eigenschaften beider Elternteile haben. Wesen, die nicht an die Gegebenheiten angepasst sind haben schlechtere Chancen, sich fortzupflanzen und gehen so im Genpool unter.
Äußerer Streß kann dazu führen, dass sich die Zahl der Mutationenen erhöht. Auch Radioaktivität erhöht die Zahl der Mutationen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass vor der Gentechnik versucht wurde, neue Eigenschaften bei Saatgut durch radioaktive Bestrahlung hervorzubringen.

Die Evolution verläuft häufig sprunghaft und eben nicht als allmähliche Entwicklung. Es gibt ein Bild, dass die Entwicklung des Menschen darstellt. Das Wesen richtet sich allmählich auf, wobei sich sein Körperbau verändert. Die Veränderung des Körperbaus mag richtig dargestellt sein, falsch ist aber das allmäliche Aufrichten. Es gab Wesen, die sich zumindest zeitweise aufrichten konnten und damit in der Steppe einen Vorteil gegenüber Artgenossen hatten, die das nicht konnten. Wer auf zwei Beinen stehen kann, hat die Hände frei, um mit ihnen was immer zu tun. Die Aufrichter haben sich in einer Gegend, wo ihnen das von Vorteil war durchgesetzt, während die anderen im Wald blieben oder ausgestorben sind.

Die Epigenetik verweist zudem darauf, dass sich bestimmte Eigenschaften doch vererben lassen.
Am Ende entscheiden die äußeren Umstände, ob natürlich oder menschgemacht, ob ein Lebewesen überleben und sich fortpflanzen, also seine Gene weitergeben kann oder nicht. Es gibt einige Nischen wie abgelegene Inseln, wo sich die Vettern von den Festland-Arten stark unterscheiden.
Auch der Zeitfaktor wird oft unterschätzt. Tiere haben eine teils extrem hohe Rate an Vervielfältigung, so dass sich neue Fähigkeiten in wenigen Jahrzehnten herausbilden können. Beim Menschen dauert es natürlich etwas länger.
Es wäre also absurd, vom „Surrrvival of the Fittest zu reden, was Darwin selbst nie, sondern der Sozialevolutionist Herbert Spencer und seine Nachfolger getan haben.
Denn es gibt per se keine guten oder schlechten Gene, sondern nur Umgebungen, für die man geeignet ist oder nicht.
Würde der Meeresspiegel von heute auf morgen um 1000 Meter steigen, würde kein Mensch auf der Erde das überleben. Stattdessen würden Fische und Quallen es sich in unseren ehemaligen Behausungen gemütlich machen. Haben Fische deswegen bessere Gene?
Um das Ganze knackig in einem Satz zusammenzufassen: Die Mutation entscheidet darüber, ob ein Tier überlebt, und wenn es überlebt und sich fortpllanzt, sorgt es für weitere genetische Mutationen.
Ein weit verbreiteter Irrtum besteht in der Annahme, die Evolution führe zu einer ständigen Verbesserung. Besser oder schlechter gibt es nur in Relation zu einer Umwelt, die stetigen Veränderungen unterworfen ist. Die Klimawaveränderung führt derzeit dazu, dass der Eisbär Probleme hat, ausreichend Nahrung zu finden. Sollten ehemals polare Gebiete „grün“ werden, würde dies andere Raubtiere – etwa den Braunbären – begünstigen und der Eisbär würde sang- und klanglos verschwinden. Wenn andererseits ein polarer Winter ausbrechen würde, könnte der Eisbär sich über jene Gebiete ausbreiten, die für ihn vom Nahrungsangebot und den Temperaturen geeignet sind, während der Braunbär wohl verhungern oder erfrieren würde.
Ebenfalls mißverständlich ist die Rede vom „Survival of the fittest“. Tiere und Pflanzen, die nicht angepasst sind, sterben aus. Aber auch schlecht angepasste Tiere können durchaus überleben. Wenn tatsächlich nur der Stärkste überleben würde, müsste die Erde von Dinosauriern oder Raubtieren besiedelt sein, denn der Vorfahre des Menschen war vergleichsweise schwach.
Es gibt also absolut gesehen keine Vorteile, sondern nur Vorteile in Relation zu einer bestimmten Umwelt. Ebenso kann ein Wesen nachteilige Eigenschaften kultivieren, solange sich diese nicht negativ auf seine Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit auswirken. Es gibt z.B. einige Vögel, die die Flugfähigkeit eingebüßt haben und denen das erst zum Verhängnis wurde, als ihre Umwelt sich schneller veränderte, als sie sich anpassen konnten. Was die Physiologie angeht ist der Mensch von heute in vielen Aspekten schlechter ausgestattet als vor einigen hundert Jahren. Kaum ein Mensch kommt heute ohne künstliche Sehhilfe aus, das Gehör verkümmert, der Geruchssin wird überreizt und die Körperkraft schwindet. Unsere Umwelt hat sich einfach so radikal geändert, dass diese Stärken, die ursprünglich von Vorteil waren heute keine so große Rolle mehr spielen. Es gibt zum Beispiel Hinweise darauf, dass antike Ruderer leistungsfähiger waren als die heutigen Wettkampf-Ruderer.
Der Mensch ist den Tieren in jeder Hinsicht unterlegen, was Seh-, Hör-, Riech- und Fühlfähigkeit angeht. Seine Überlegenheit kommt im wesentlichen aus seiner Fähigkeit zur Kooperation mit anderen Menschen und der Möglichkeit, die Schwächen seines Körpers durch die Stärke seines Verstandes zu kompensieren. Gleichzeitig ist er extrem vom Funktionieren dieser fragilen Struktur abhängig, die er geschaffen hat. Was passiert, wenn Datenfluss oder Strom für einige Tage ausfallen, kann sich kaum jemand ausmalen.

Die Arschlochquote – auf der Suche nach dem Bösartigen

Die Psychologie und Soziologie des Arschlochs ist noch kaum erforscht, obwohl fast jeder fast jeden Tag einem solchen begegnet.

Ein Arschloch ist eine Person, die sich grundlos, ohne äußeren Anlass und ohne Motivation assozial verhält. Unter assozialem Verhalten verstehen wir Unhöflichkeit, Unfreundlichkeit, symbolische, verbale und körperliche Aggressivität und so weiter.

Die Arschlochquote besagt, wie hoch der Anteil von Arschlöchern in bestimmten Gesellschaftsgruppen, in Ländern oder auf der ganzen Welt ist.

Der Arschlochfaktor hingegen besagt, wie hoch die Arschlochhaftigkeit einer einzelnen Person ist.

Wir müssen hier unterscheiden wischen schlechtem Verhalten, welches etwa auf zeitweise schlechter Laune basiert. Jeder Mensch verhält sich ab und an schlecht.

Ebenfalls davon zu unterscheiden ist der Querolant oder ewige Nörgler. Diese Personen mögen nicht sehr sympathisch sein, aber sie sind oft höflich und verhalten sich der Norm entsprechend.

Last not least sind davon Leute zu unterscheiden, die aus irgendeinem Grund zeitweise grantig sind: Sei es nun Alkohol- oder Drogenmißbrauch, Kranheit oder starke Schmerzen oder Vergleichbares.

Drei Typen von Arschlöchern

Wir unterscheiden drei Typen von Arschlöchern:

1. Die ewigen Arschlöcher, Leute, die wirklich jeden schlecht behandeln, auch die eigene Familie, die eigenen Kinder, Tiere…

2. Das externe Arschloch, er behandelt schlecht, die nicht zu seinem Freundes- oder Verwandtenkreis gehören.

3. Das soziale Arschloch: Er behandelt alle Menschen schlecht, die er implizit oder explizit als minderwertig ansieht: seien es Ausländer, Behinderte, Frauen, Dienstpersonal, Untergebene oder Kollegen…

Die Arschlochverteilung

Es gibt verschiedene Thesen zur Höhe der Arschlochquote. Der Gauschen Normalverteilung zufolge müsste die Zahl der Arschlöcher in einer Gesellschaft immer gleich hoch sein.
Im Durchschnitt ist die Arschlochhaftigkeit in allen Ländern sehr gleich. Es scheint aber so zu sein, als ob es in einigen Ländern mehr Arschlöcher und mehr gute Menschen gibt, während in anderen Ländern sich die Arschlochhaftigkeit relativ gleich auf viele Menschen verteilt.

Empirisch ist die Arschlochhaftigkeit relativ schwer zu messen, da sie tagesüblichen Schwankungen unterliegt und zudem unterschiedlichen Menschen gegenüber unterschiedlich stark zum Tragen kommt.

Der Geruch der Rassen

Eine nötige Einführung: Ich habe nichts gegen eine offene Diskussion, deswegen habe ich diesen Beitrag geschrieben. Es gibt Menschen, die einen sehr üblen Körpergeruch haben, weil sie krank sind. Das hat nichts mit Schweißdrüsen oder Hygiene zu tun. Auch diese Menschen haben ein Recht darauf, ordentlich behandelt zu werden. Es ist ein Fakt, dass Menschen aus unterschiedlichen Gegenden unterschiedliche Körpergerüche haben, das totzuschweigen nutzt wirklich niemandem. Ich habe deshalb nichts auch gegen kritische Beiträge, allerdings werde ich alles löschen, was nach Rassismus oder Diskriminierung riecht.

Der Körpergeruch hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab: Wie oft wäscht man sich, wovon ernährt man sich, welche verschiedenen Duftstoffe verwendet man, ist man gesund oder krank?

Jeder Mensch hat einen einzigartigen Körpergeruch, ähnlich wie einen Fingerabdruck. Menschen können diesen – zumindest nicht bewusst – wahrnehmen, Tiere wie Hunde z. B. benutzen offenbar den Körpergeruch, um einen Menschen wieder zu erkennen. Wenn du einem Hund begegnest, der dich kennt, aber längere Zeit nicht gesehen hat, wird er immer an dir schnüffeln wollen. Dass macht er aber nicht mehr, wenn er dich sehr oft trifft.

Der Körperschweiß enthält fast auschließlich Wasser, aber auch Proteine. Diese Proteine werden von Bakterien auf der Haut zersetzt, wodurch Schweißgeruch entsteht. Das Deodorant dient dazu, die Bakterien auf der Haut abzutöten. Rasiert man sich beispielsweise die Achselhöhlen, haben die Bakterien weniger Fläche und der Schweiß kann nicht hängen bleiben.

Die Intensität des Körpergeruchs hängt von der Zahl der apokrinen Schweißdrüsen ab. Ostasiaten wie Chinesen und Japaner haben sehr wenige, während Dunkelhäutige deutlich mehr haben als Europäer.

Dies liegt im übrigen auf der Hand, je dunkler die Haut, desto wichtiger die Kühlung über den Schweiß, denn der Hautton hängt schließlich von der Sonneneinstrahlung ab.

Und schließlich essen Inder und Afrikaner normalerweise deutlich schärfere und intensivere Lebensmittel. Chili regt den Schweißfluß an, Knoblauch hinterläßt eine deutliche Note.

Was man als angenehm oder unangenehm empfindet, ist anerzogen. Kinder würden mit ihrem eigenen Sekreten spielen, wenn die Eltern ihnen das nicht frühzeitig mit entsprechenden Gesten und Gesichtsausdrücken verbieten würden. Als es noch keine echten Toiletten gab, und Seife und saueres Wasser unbekannt waren, gehörten Fäkalien zum alltag der Menschen auch in Europa. Knigge stellte seine Regeln unter anderem auf, weil auch Menschen der feinen Gesellschaft ihr Geschäft an den unmöglichsten Orten erledigten. Wenn man in einer solchen Gesellschaft aufgewachsen ist, dürften die entsprechenden Gerüche nicht so unangenehm aufgefallen sein.

Leute, die in einer überwiegend vegetarisch lebenden Gesellschaft aufgewachsen sind behaupten, Weiße würden leicht säuerlich riechen – weil sie Fleisch essen. Ich habe das bisher nicht bestätigen können. Fleischesser werden allerdings sauer,wenn man solches andeutet.

Ich habe mal gelesen, dass die Tibeter sich in der kalten Zeit nicht waschen, weil sie kein warmes Wasser zur Verfügung haben. Sie tragen dann die Klamotten bis zum Ende des Winters und waschen sich dann, wenn es wieder wärmer wird. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Wenn es zutrifft ist der Geruch ungewaschener Körper zumindest in diesen Gesellschafsschichten akzeptiert, schließlich müffeln alle gleichermaßen.

Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass der natürliche Körpergeruch von vielen Menschen als erotisch anziehend empfunden wird. Napoleon soll seiner Frau geschrieben haben, sie solle sich nicht waschen, er käme in drei Tagen.

Die Mode, den eigenen Körpergeruch möglichst verschwinden zu lassen und mit künstlichen Düften zu arbeiten sowie die weite Verbreitung von Seife und die Ächtung echter Körpergerüche hat diese subtile Erotik unter sich begraben.

Eine Vermutung von mir ist, dass das auch dazu geführt hat, dass das Rauchen heute oft nicht mehr akzeptiert wird. Als noch fast jeder geraucht hat, war der Geruch von Rauch weithin akzeptiert. Es ist noch gar nicht so lange her, dass in den Büros und überall sonst geraucht wurde. Der nicht-rauchende Kollege wurdde einfach mitgeräuchert. Das akzeptiert heute kaum noch jemand. Und Rauchen hat sicher nichts mit Hygiene zu tun.

Was ich damit sagen will: Gerüche sind fast immer gesellschaftlichen Konventionen und Veränderungen unterworfen. Sich über den Geruch eines Menschen zu echaufieren ist deshalb nicht sinnvoll.

Weiterführendes

Der Adonis-Komplex
Schönheit hilft weiter
Designen Sie Ihren Körper

Ein kleines Update

Die Körperbehaarung häuft sich auch dort, wo die Haut aufeinander reibt, insbesondere in den Achseln und im Genitalbereich.

Was als angenehmer Körpergeruch empfunden wird, ist kulturell sehr unterschiedlich. Die Japaner, die so gut wie keine Schweißdrüsen unter den Achseln haben, mögen den entsprechenden Geruch nicht. Frei nach Darwin hat hier eine geruchsästhetische Selektion stattgefunden: Je weniger Schweißdrüsen ein Mensch hat, desto attraktiver war er. Dadurch haben sich Menschen mit wenigen Schweißdrüsen stets besser vermehren können als Menschen mit vielen Schweißdrüsen.

Vor allem in wärmeren Regionen der Welt schätzt man hingegen intensive Körpergerüche, die durch viele apokrine Schweißdrüsen und entsprechenden Außentemperaturen natürlich weiter begünstigt werden. Hier hat möglicherweise eine zu Japan umgekehrte Selektion stattgefunden.

Man sollte nicht vergessen, dass es bis vor 200 – 300 Jahren in Europa kaum üblich war, sich zu waschen: Nachzulesen etwa bei Patrick Süßkind. Parfüm und Puder waren das, was heute Wasser und Seife sind. Die Mischung aus persönlichem Geruch und Parfüm ist nicht wirklich angenehmer als der natürliche Körpergeruch. Napoleon soll seiner Frau einmal geschrieben haben „Wasche dich nicht, ich komme in drei Tagen“.

Wir sollten nicht vergessen, dass die Wahrnehmung von Körpergerüchen immer subjektiv ist. Ich fahre jeden Tag ungefähr eine Stunde in der vollen Straßenbahn. Was mir unangenehm auffällt sind schlecht gelüftete Räume, nicht schlecht riechende Menschen.
Warum ich people of color als Konzept ablehne