Abnehmen durch Kälte – das braune Fettgewebe

Die Idee ist nicht neu, hat aber wieder Auftrieb: Abnehmen durch Kälte. Jeder weiß, dass der Körper mehr Energie verbrennen muss, wenn es kalt ist, aber was steckt dahinter? Es geht um das gute wieder entdeckte braune bzw. beige Fettgewebe.

Der menschliche Körper ist bemüht, eine Temperatur von 37 Grad Celsius aufrecht zu erhalten. Bei Hitze versucht er über den Schweiß den Körper zu kühlen. Der Schweiß verdunstet und entzieht dem Körper dadurch Wärme. Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um die Abgabe von Wärme zu verringern. Durch das Zittern der Muskeln wird über die muskuläre Energie zusätzlich Wärme erzeugt. >Ansonsten versucht der Mitteleuropäer, möglichst jeden Körperteil nach außen zu isolieren, heizt die Bude auf und versucht sich möglichst wenig draußen aufzuhalten.

Aber wie kann man damit abnehmen? Die Antwort soll das braune Fettgewebe liefern. Das braune Fettgewebe besitzt zahlreiche Mitochondrien, dass sind die Energiekraftwerke des Körpers. Babys und einige Tiere haben viel davon. Bis vor kurzem glaubte man, Erwachsene hätten gar keines, aber es scheint doch noch bei vielen zumindest in Spuren vorhanden zu sein. Fettleibige scheinen dabei weniger zu haben als schlanke Menschen. Das braune Fettgewebe verbraucht Energie, indem es Wärme erzeugt. Mittlerweile geht man davon aus, dass das Fett bei Erwachsenen eher beige als braun ist. Das beige Fettgewebe scheint sich leichter neu bilden zu lassen als das braune.

Tim Ferriss schlägt nun in seinem Buch Der Vier-Stunden-Körper vor, öfter mal ein Eisbad zu nehmen, um zum einen das Fettgewebe zu aktivieren und zum anderen eventuell neues Fettgewebe zu schaffen. Die Idee ist einfach, ein Körper, der nicht regelmäßig Kältereize verspürt benötigt auch kein braunes Fett. Wer aber regelmäßig Kälte ausgesetzt ist, dessen braunes Fettgewebe müsste aktiviert werden. Zudem könnte es möglich sein, dass neues braunes Fettgewebe gebildet wird. Ich sage möglich, weil wir schlicht nicht wissen, ob das passiert oder nicht.

Kürzlich wurde das beige Fettgewebe als neue Form des Fettgewebes entdeckt. Beiges Fett erfüllt ähnlich wie braunes Fett die Aufgabe, Energie zur Wärmegewinnung zu verbrauchen. Beiges Fett kann nach aktuellen Erkentnissen aus weißem Fett gebildet werden, während braunes Fett aus Muskelzellen gebildet wird. Die Chancen scheinen recht gut zu sein, dass bei der hier vorgeschlagenen Methode weißes in beiges Fett umgewandelt wird.

Kälte ist dabei vermutlich absolut zu verstehen. Meiner Ansicht nach müssten es schon deutlich unter 15 Grad sein, um überhaupt einen Effekt zu haben. Wenn man nicht zittert oder friert ist es nicht kalt. Würde der Körper tatsächlich bei 18 Grad viel Energie verbrauchen wäre der Mensch wohl evolutionär nicht erfolgreich gewesen.

Eine Ausnahme ist Wasser, wenn es einige Grade unter der Körpertemperatur liegt. Da man etwa beim Schwimmen einen Großteil des Körpers unter Wasser hat wirkt es auch auf den ganzen Körper ein. Durch die Wärmeleitfähigkeit entzieht es dem Körper die Wärme sehr viel schneller als Umgebungsluft. Unter anderem deswegen soll Wassersport dem Körper bis zu 20 Prozent mehr Energie entziehen als vergleichbarer Landsport. Für das braune Fettgewebe dürfte das aber erst bei wirklich kaltem Wasser relevant werden. In der heimischen Badewanne bewegt man sich schließlich kaum. Beim Eiswasser dürfte aber auch das Muskelzittern zum erhöhten Energieverbrauch beitragen.

Nun ist kaltes Wasser nicht jeder Manns Sache. Vielen friert schon bei der Vorstellung, in eiskaltem Wasser zu baden etwas ab. In heißen Regionen mag das noch vorstellbar sein, aber im Winter wird man den Teufel tun, sich absichtlich in kaltes Wasser zu begeben.

Eine Alternative scheint aber zu sein, den Körper gezielt Kältereize zuzuführen. Man kann die Füße in Eiswasser stellen oder sich Eispacks auf Schultern, Nacken oder Brust legen. Man kann auch eiskaltes Wasser Trinken. Es geht wohlgemerkt nicht um den Energieverbrauch des Körpers, diese minimalen Kälten auszugleichen, wie es bei der Bierdiät propagiert wurde. Der Sinn ist, den Körper dazu zu bringen, sein Wärmesystem anzuwerfen, um insgesamt einen besseren Wärmehaushalt zu haben. Durch das braune Fettgewebe wird Energie verbrannt und eventuell auch Neues gebildet. Ein positiver Nebeneffekt könnte sein, dass wir im Winter weniger frieren, weil das Fettgewebe schneller die Heizung anwerfen und besser heizen kann.

Ein netter Nebeneffekt soll laut Tim auch ein stärkeres Muskelwachstum sein. Auch das könnte mit der Wärmeregulation des Körpers zu tun haben. Das Muskelzittern, dass durch Kälte ausgelöst wird könnte dazu führen, dass der Muskel wächst. Wenn die Muskeln Teil des Temperaturregelsystems des Körpers sind ist es logisch, dass sie wachsen, wenn der Körper auf Kälte trainiert wird.

Interessant ist, dass das Muskelzittern der nachgelagerte Mechanismus zu sein scheint. Das braune Fettgewebe wird aktiv, wenn uns kalt ist, das Muskelzittern, wenn wir ernsthaft frieren. Dabei stellt das braune Fettgewebe seine Arbeit ein oder reduziert seine Arbeit, wenn das Muskelzittern beginnt. Das heißt, wir dürfen unseren Körper nicht zu sehr Kälte aussetzen, das Muskelzittern scheint eher ein kritisches Symptom zu sein.

Subjektives Frieren

Wir wissen alle, dass Frieren sehr subjektiv ist. Die Einen sitzen im T-Shirt im Büro, während die Anderen schon die dritte Schicht Kleidung anlegen. Entscheidend für uns ist die Frage, ob subjektives Frieren ausreicht, um beiges Fett zu bilden.
Ich glaube mittlerweile ja. Frieren ist ein Schutzmechanismus des Körpers. Auch wenn wir verwöhnt sind durch ständig überheizte Räume und geringe Aufenthalte draußen sollte dieser Mechanismus noch funktionieren. Das gilt allerdings nur für Übergewichtige, die eine vorzeigbare Speckschicht haben. Dünne Menschen frieren, weil ihr Körper nicht genügend Energie oder Isolation hat, um das Frieren zu verhindern. Die gesundheitlichen Folgen von solch einem Verhalten möchte ich nicht beurteilen, gesund ist es sicher nicht und dieser Gruppe würde ich raten, so oder so weißes oder beiges Fett zuzulegen.

Westen und Packs als Wasseralternative

Es gibt einige Körperteile, die man nicht unbedingt kühlen möchte, die Hände oder das Gesicht zum Beispiel. Einige Leute sind auch am Hals oder am Rücken empfindlich. Ansonsten scheinen aber alle Körperregionen gut geeignet zu sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Körperteile daran gewöhnen, wenn man sie regelmäßig Kälte aussetzt, deshalb sollte man versuchen, die Flächen regelmäßig zu wechseln. Ich warne ausdrücklich davor, es zu übertreiben, da man sich schnell eine Unterkühlung zuziehen kann.

Eine alternative zu Kühlpacks, die im Eisfach gelagert werden können auch Kühlwesten sein. In den Westen ist ein spezielles Gel enthalten, die Weste muss mit kaltem Wasser bedeckt und anschließend getrocknet werden. Die Weste speichert das Wasser und gibt es ab, wenn sie angezogen wird. Durch die Wärme des Körpers wird die Weste aktiviert und entzieht ihm ähnlich wie beim Schwitzen Wärme durch Verdunstung. Neben den Westen gibt es auch Hals- und Armbänder. Die Westen werden vor allem von Sportlern oder von an Multipler Sklerose erkrankten genutzt, sind allerdings für meinen Geschmack recht teuer. Zudem müssten sie meines Erachtens, um überhaupt einen Effekt zu haben direkt am Körper getragen werden, also ohne T-Shirt und Co. Es gibt allerdings auch einfache Westen, bei denen ähnlich wie bei den Gewichtswesten die Kühlpacks einfach in spezielle Taschen der Weste gepackt werden. Solche Westen gibt es inklusive passenden Kühlpacks ab 30 Euro. Allerdings scheint sich der Körper auch austricksen zu lassen: so haben Forscher am MIT herausgefunden, dass die gezielte Stimulation stark durchbluteter Körperbereiche wie dem Handgelenk dem Körper Hitze oder Kälte vortäuschen kann. Demnach könnten die genannten Armbänder ebenfalls in diesem Sinne genutzt werden.

Außerdem wird vorgeschlagen, morgens einen halben Liter kaltes Wasser zu trinken. Ob das hilft, weiß ich nicht, aber schaden kann es auch nicht.

Bleibt noch festzuhalten, dass Frieren durchaus seinen sinn hat. Auch wenn wir verweichlicht sind sollten wir aufpassen und es nicht übertreiben.

Nachbrenneffekt

Vor allem an kühleren Tagen kann es recht lange dauern, bis der Körper nach einer Kältekur wieder anständig warm wird. Ich empfehle daher, das in der kühlen Jahreszeit vor dem Schlafengehen zu machen, da freut man sich um so mehr aufs Bett. Alternativ kann man auch während bzw. nach der Kühlkur Sport machen, das wärmt natürlich auf.

Ich bilde mir ein, dass es ähnlich wie bei Kraftsport einen Nachbrenneffekt gibt. Das heißt, der Körper verbrennt weiterhin Energie, nachdem man die Kältekur beendet hat und zwar auch noch am nächsten Tag. Das fällt einem dadurch auf, dass man mit Kälte besser umgehen kann und weniger friert, so schwitze ich schon mal an einem kühlen Herbsttag im T-Shirt im Büro. Ob es diesen Nachbrenneffekt tatsächlich gibt vermag ich allerdings nicht zu sagen, in der Literatur gibt es dazu keine Hinweise. Naheliegend wäre, dass der Körper versucht, sich an die Kälte anzupassen, indem er allgemein mehr Wärme erzeugt und damit auch mehr Energie verbrennt.
Und funktionierts? Nun, das wissen wir noch nicht. Eisbader berichten von positiven Ergebnissen, aber wir wissen alle, dass man selten eine Sache alleine probiert. Ohne Ernährungsumstellung bringt das alles sicher recht wenig. Die Kälte kann daher nur eine andere Maßnahme neben Sport und einer vernünftigen Ernährung sein.

Ein Gedanke zu „Abnehmen durch Kälte – das braune Fettgewebe“

  1. Danke für den interessanten Artikel, den ich eben via Google gefunden habe. Was mich interessieren würde, ist, in welcher Grössenordnung der Energieverlust wohl sein könnte, wenn man ein kaltes Bad nimmt.

    Angenommen ein Mann mit 80 kg Masse und 37 Grad Körpertemperatur liegt 5 oder 10 Minuten in einer Badewanne mit 20 Grad kaltem Wasser.
    Wie stark sinkt wohl die Körpertemperatur? Würde sie bezogen auf die gesamte Masse des Körpers (80.000 g) um 1 Grad (auf 36 Grad) sinken, wäre das ein Energieverlust von 80.000 Kalorien bzw. 80 kcal.

    Nur: Sinkt die Temperatur überhaupt so stark? Oder vielleicht noch mehr?

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